eLearning: Digitale Inhalte werden genau so schnell erfasst wie am Papier

14. Oktober 2011
Lesezeit: 2:24 Min.

Vor einiger Zeit gab es mehrere Hinweise darauf, dass es schlecht sei aus eBooks bzw. digitalen Inhalten zu lernen. Damals hatte eine US-Zeitung einige Punkte angeführt, um dies zu untermauern.

Dabei sollen Amazon Kindle eBook Reader, welche am Anfang eines Schuljahres ausgegeben wurden, danach kaum noch genutzt worden sein, sowie die Präferenz von Studenten lieber vom Papier als von einem elektronischen Display abzulesen, überwogen haben. Sogar die gefühlte Aufmerksamkeitsspanne wurde beim eBook Reader als geringer eingeschätzt.

Eine neurowissenschaftliche Studie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, welche zur Frankfurter Buchmesse präsentiert wurde, räumt nun mit den Vermutungen auf. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH durchgeführt. „E-Books und E-Reader spielen auf dem weltweiten Buchmarkt eine immer größere Rolle. Dennoch stehen Leser in Deutschland E-Books und elektronischen Lesegeräten skeptisch gegenüber. Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob es für diese Skepsis fundierte Gründe gibt“, erklärt der Initiator der Studie.

Bei der Untersuchung wurde weltweit zum ersten Mal das Lesen auf verschiedenen Oberflächen, in einer alters- und geschlechtsbalancierten Stichprobe analysiert. Dafür haben die Probanden verschiedene Texte unterschiedlicher Komplexität vorgelegt bekommen. Als Medien zum Lesen des Textes kamen ein E-Book-Reader (Kindle 3), ein Tablet-PC (iPad) und Papier zum Einsatz. Mit einer kombinierten Messung der Augenbewegung und der Hirnaktivität (EEG) wurde das Leseverhalten und die neuronale Verarbeitungsleistung gemessen. Dabei wurden Leseverhalten und -strategien, Textverständnis, „Behaltensleistung“ und Erinnerungsvermögen untersucht, sowie die persönlichen Präferenzen der Propanden zu den jeweiligen Medien erfragt.

Die Ergebnisse sind überraschend: Das Lesen auf Tablet-PCs liefert einen nicht bewusst wahrnehmbaren Vorteil gegenüber eInk-Readern oder der Papierseite, sodass die Informationen darüber leichter verarbeitet wurden. Während sich bei jüngeren Probanden keine Leseunterschiede zwischen den drei Medien gezeigt haben, konnten Ältere am Tablet-PC sogar schneller lesen. Im deutlichen Gegensatz zu diesen Ergebnissen steht der allerdings der subjektive Eindruck. „So gut wie alle Probanden haben ausgesagt, dass für sie das Lesen eines gedruckten Buchs am schönsten ist. Dieser subjektive Eindruck war dominierend. Er stimmt aber nicht mit den Daten überein, die wir in der Studie erhoben haben“, so ein Beteiligter der Studie.

„Mit der Studie können wir die verbreitete Meinung, das Lesen am Bildschirm habe nachteilige Effekte, wissenschaftlich fundiert entkräften“, heißt es in einem weiteren Statement.Es wird bestimmt noch weitere Untersuchungen in dem Feld geben, allerdings liefert diese neue Studie erstmals eine fundierte Basis um auch digitale Lesegeräte in den Schul- und Lehrbetrieb einzuarbeiten, denn offensichtlich haben sie keine Nachteile.

Es ist außerdem anzunehmen, dass die persönlichen Präferenzen in Richtung Papier, mit der häufigeren Nutzung digitaler Medien, abgebaut werden. Besonders interessant und möglicherweise für die Aufbereitung von Lehr- und Weiterbildungsinhalten besonders wichtig, könnte sich die Tatsache herausstellen, dass man auf Tablet-PCs Informationen scheinbar leichter verarbeiten kann.

Quelle: Süddeutsche Zeitung
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