Tolino Page 2: Einstiegs-eReader im Test

Geschätzte Lesezeit: 8:32 min.

Zum günstigen Einstieg ins digitale Lesen gab es viele Jahre nur den Kindle. Irgendwann betrat die Tolino-Allianz aber dann doch noch den Ring und schickte den Tolino Page 1 ins Rennen. Das damalige Einstiegsmodell konnte den Kindle in Sachen Display nicht nur das Wasser reichen, sondern übertrumpfte den Amazon-Konkurrenten dank E-Ink Carta Technik sogar.

Mit dem Tolino Page 2 geht der Konkurrenzkampf unter ähnlichen Vorzeichen in die nächste Runde. Der neue Page bringt ebenso wie der Kindle eine eingebaute Beleuchtung mit, bietet aber eine höhere Auflösung.

Mit dem Page 2 kommt außerdem die Ära der unbeleuchteten eReader langsam aber sicher zu einem Ende. Wir sehen uns nachfolgend an, ob sich der Kauf des Tolino-Modells lohnt.

Hinweis: Das hier getestete Gerät wurde regulär im Einzelhandel gekauft.

Tolino Page 2 (links) und Page 1 im Vergleich

Verarbeitung und Ausstattung

Optisch erinnert der Tolino Page 2 sehr stark an den Shine 3. Das klassische Tolino-Design, das der Page vom allerersten Shine übernommen hat, ist damit Geschichte. Stattdessen geht das Gerät den gleichen Weg wie Amazon und Kobo, womit der eBook Reader leider auch ein wenig verwechselbarer wird.

Das gilt insbesondere für den Vergleich zum Tolino Shine 3. Man muss schon zwei Mal hinsehen, damit man die beiden Geräte zweifelsfrei auseinanderhalten kann. Aber spätestens wenn man den Tolino Page 2 anfasst, wird der Unterschied klarer.

Das Hartplastikgehäuse des Tolino Page 2 ist sehr gut verarbeitet, wirkt aber etwas billig

Der Neuzugang wirkt haptisch dem Preis entsprechend etwas billiger, was dem rauen Hartplastikgehäuse, dem minimal dickeren Gehäuse und dem tiefer sitzenden Display geschuldet ist. Versteht mich nicht falsch, der Page 2 wirkt nicht minderwertig, denn die Verarbeitung ist ausgezeichnet. Aber besonders im direkten Vergleich ist der Kindle haptisch und optisch besser.

Eine gute Seite hat die raue Oberfläche an der Vorderseite allerdings: Fingerabdrücke und Fetttapser sind quasi nie zu sehen.

Der Bildschirm ist relativ tief eingelassen

Trotz kapazitiven Touchscreens sitzt der Bildschirm verhältnismäßig weit eingelassen im Gehäuse. Die Rückseite wurde im Vergleich zum Shine 3 für mein Empfinden verbessert: Die gemusterte Prägung im Plastik ist nicht mehr ganz so fein und scheint auch weniger tief zu sein, sodass sich Staub und Krümel nicht so leicht darin fangen. Ganz frei davon ist der Page 2 aber ebenfalls nicht.

Rückseite

Mit einem Gewicht von 179 Gramm ist der Tolino Page 2 nicht merklich schwerer als der Vorgänger (170 Gramm) und jedenfalls auch bei langem Lesen einfach handzuhaben. Die Abmessungen (159,5 x 112,5 x 9,1 mm) sind wiederum in jede Richtung geschrumpft (Page 1: 175 x 116 x 9,7 mm), womit das Gerät unterm Strich handlicher ist.

Der einzige Knopf am Gehäuse befindet sich auf der Unterseite und ist zum Ein- und Ausschalten da. Dieser hat einen knackig-festen Druckpunkt und ist minimal im Gehäuse versenkt. Das macht die Bedienung zunächst etwas schwieriger, klappt nach einer Eingewöhnungszeit dann aber besser. Daneben befindet sich außerdem der Micro-USB-Anschluss, der im Gegensatz zum Vorgänger glücklicherweise nicht mehr unter einer etwas fummelig zu öffnenden Klappe sitzt.

Der interne Speicher hat sich auf 8 GB verdoppelt, der Zugriff auf den eingebauten eBookStore erfolgt über WLan.

Tolino Page 2 (links) und Kindle (2019; rechts) im Vergleich

Display und Beleuchtung

Ebenso wie beim Gehäuse, gibt’s ein paar größere Änderungen beim Bildschirm: Der Tolino Page 2 besitzt zwar weiterhin eine Displaydiagonale von 6 Zoll, aber hat jetzt eine Auflösung von 1024×758 Pixel, womit die Pixeldichte von 167 ppi auf 212 ppi wächst. Damit sind Schrift und Symbole merklich schärfer und der Abstand zu den „Retina“-Displays von Shine 2 und Vision 5 schrumpft sichtbar.

Die Ablesbarkeit ist dementsprechend sehr gut, denn es kommt weiterhin E-Ink Carta zum Einsatz, wodurch auch die Kontrastwerte entsprechend hoch sind.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger fällt allerdings auf, dass der unbeleuchtete Bildschirmhintergrund des Page 1 heller ist und damit etwas ansprechender wirkt. Fairerweise muss man allerdings dazusagen, dass der Page 1 diesbezüglich wirklich einsame Spitze war und selbst Top-Modelle der gleichen Generation in diesem Punkt nicht mithalten konnten.

Die Beleuchtung verbessert die Ablesbarkeit auch tagsüber

Ausleuchtungsqualität und Helligkeit

Die zweite große Neuerung gibt’s bei der eingebauten Beleuchtung. Der erste Page hatte kein integriertes Licht, der Page 2 bietet nun eine Ausleuchtung des Displays über fünf im unteren Rahmen sitzende LEDs.

Die Leuchtdioden sorgen für eine überraschend gleichmäßige Ausleuchtung des Bildschirms, die ich für den verhältnismäßig niedrigen Preis nicht erwartet hätte. Auch wenn am nachfolghenden Foto ein leichter Verlauf feststellbar ist, mit freiem Auge wirkt der Tolino Page 2 sehr gleichmäßig beleuchtet.

Lediglich am unteren Rand – dort wo die LEDs sitzen – ist eine Schattenbildung sichtbar, die in ihrer Ausprägung an den Tolino Vision 4 HD erinnert. Da die Schatten sehr niedrig sind und nicht in den Text hineinragen, stören sie nicht.

Kühle Farbtemperatur, aber gleichmäßige Ausleuchtung

Mit einer Farbtemperatur von 6900 Kelvin ist die Lichtfarbe dem kühlen Spektrum zuzuordnen, wobei die Lichtfarbe subjektiv leicht ins grünliche geht. Dieser grünliche Lichtanteil ist tagsüber bei hellem Umgebungslicht nicht auffällig, bei dunkler Umgebung aber sichtbar.

Auf eine blaulichtreduzierte Beleuchtung muss man verzichten – diese gibt’s erst im nächsthöheren Preissegment mit dem Tolino Shine 3.

Die maximale Helligkeit der Beleuchtung liegt mit 126 cd/m² auf einem guten Niveau (mit erhöhtem Helligkeitsmodus), wodurch sich auch tagsüber eine Verbesserung der Ablesbarkeit erreichen lässt.

Die niedrigste Lichteinstellung geht mit 3.1 cd/m² in Ordnung, ist aber für lichtempfindliche Personen eventuell schon grenzwertig hoch. Ich persönlich hatte auch bei Dunkelheit keinerlei Probleme geblendet zu werden. Andere eReader sind in der minimalen Einstellung aber jedenfalls deutlich dunkler.

Maximale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (höher ist besser)

  • Tolino Vision 5 (warm) 175
  • Kindle Oasis 3 (kalt) 170
  • Kindle Oasis 1 159
  • Tolino Shine 3 (warm) 146
  • Tolino Vision 4 HD (warm) 135
  • Kindle Oasis 3 (warm) 131
  • Tolino Vision 5 (kalt) 130
  • Tolino Page 2 126
  • Tolino Vision 4 HD (kalt) 119
  • Tolino Shine 3 (kalt) 118
  • Kindle Paperwhite 3 115
  • Kobo Aura One 105
  • PocketBook Touch HD 3 (kalt) 90
  • Kindle Paperwhite 4 90
  • Tolino Shine 2 HD 89
  • PocketBook InkPad 3 Pro (kalt) 85
  • PocketBook InkPad 3 (kalt) 79
  • PocketBook Touch HD 3 (warm) 75
  • PocketBook Touch Lux 4 73
  • PocketBook InkPad 3 Pro (warm) 73
  • PocketBook InkPad 3 (warm) 69

Minimale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (niedriger ist besser)

  • Tolino Page 2 3.1
  • Tolino Shine 3 (warm) 2.7
  • Tolino Vision 5 2.7
  • Tolino Vision 4 HD (kalt) 2.2
  • Kobo Aura One 2.1
  • Tolino Shine 2 HD 2.0
  • Tolino Vision 4 HD (warm) 1.9
  • Tolino Shine 3 (kalt) 1.8
  • Tolino Vision 5 1.2
  • Kindle Paperwhite 4 0.9
  • PocketBook Inkpad 3 0.7
  • PocketBook Inkpad 3 Pro 0.7
  • PocketBook Touch HD 3 0.7
  • Kindle Oasis 3 0.6
  • PocketBook Touch Lux 4 0.4
  • Kindle Oasis 1 0.4
  • Kindle Paperwhite 3 0.2

Touchscreen, Ghosting und Bildschirmfazit

Wie bereits erwähnt, kommt beim Page 2 kein Infrarot-Touchscreen mehr zum Einsatz, sondern Kapazitivtechnik, die sich in den vergangenen Jahren auch im eReading-Bereich immer stärker etabliert hat. Die Reaktionsfreudigkeit und Genauigkeit sind tadellos.

Ein Ghosting-Effekt ist vorhanden und bei genauer Betrachtung auch mit freiem Auge sichtbar. Für mein Empfinden ist dieser allerdings nicht störend. In den Leseeinstellungen lässt sich die vollständige Seitenaktualisierung aber anpassen (jede Seite, jede 10. Seite bis jede 100. Seite in 10er bzw. 20er Schritten).

Guter Bildschirm zu einem guten Preis

Unterm Strich kann der Bildschirm des Tolino Page überzeugen. Die Ablesbarkeit ist dank E-Ink Carta sehr gut und die Ausleuchtung überrascht mit einer Gleichmäßigkeit, die man eher von teureren Geräten erwartet. Lediglich das minimal sichtbare Ghostingverhalten und die grenzwertige Minimalhelligkeit trüben das sehr gute Bild ein wenig.

Lesen und Benutzerfreundlichkeit

Hinsichtlich der Bedienoberfläche verweise ich an dieser Stelle auf den Test des Tolino Shine 3. Der Page 2 nutzt die bekannte Tolino-Bedienung, die sich fast gar nicht vom Shine unterscheidet. Die beiden 6 Zöller bieten weitestgehend die gleichen Möglichkeiten und teilen sich in Firmware 13.1.1 sogar das vorinstallierte Handbuch.

Tolino Page 2 (links) und Tolino Shine 3 (rechts) sind sich nicht nur optisch sehr ähnlich, sondern auch von der Bedienung

An dieser Stelle sei nur gesagt, dass die Nutzung wie gewohnt einfach von der Hand geht. Die Bedienoberfläche ist übersichtlich strukturiert und weitestgehend selbsterklärend. Die Möglichkeiten zur Anpassung der Schrift, die Notiznehmung und Wörterbuchfunktion sind auch beim Tolino Page 2 verfügbar. Auch Techniklaien sollten nach kurzer Eingewöhnung mit dem Gerät zurechtkommen.

Bekannter Startbildschirm, hier ohne Ersteinrichtung des eingebauten Shops (untere Displayhälfte)

Im Vergleich zum Vision 5 und Epos 2 muss man allerdings auf den Vergrößerungsmodus verzichten, der die Schrift- und Symbolgröße in Menüs vergrößert. Diese Option ist erst ab einer Displaydiagonale von 7 Zoll verfügbar.

Der Nachtmodus zur Invertierung der Bildschirmfarben ist dafür auch beim Page 2 als Beta-Version verfügbar. Dabei zeigen sich aktuell aber noch die gleichen Kritikpunkte die es schon beim Vision 5 gab.

Fazit

Lange hat’s gedauert bis die Tolino-Partner mit dem ersten Page das eBook Reader Einstiegssegment bedient haben. Nun kommt mit dem Page 2 ein würdiger Nachfolger, der die Tugenden des Vorgängers übernimmt und noch weiter verbessert.

Der Tolino Page 2 bietet dank der eingebauten Beleuchtung und höheren Pixeldichte eine noch bessere Ablesbarkeit, die man vor zwei eReader-Generationen noch im Mittelklassesegment vorgefunden hat.

Die praktische Umsetzung ist dabei ebenfalls sehr gut gelungen, sodass man trotz des niedrigen Preises keine Angst vor einer schlechten Ausleuchtungsqualität zu haben braucht. Im Gegenteil: Die Gleichmäßigkeit der Bildschirmbeleuchtung würde sogar im höheren Preissegment Lob ernten. Lediglich die Minimalhelligkeit und das Ghosting sorgen für kleine Abstriche.

Der Page 2 bietet einen guten Einstieg ins digitale Lesen

Auch das Gehäuse könnte etwas besser sein. Die Verarbeitung ist zwar tadellos, die raue Hartplastik-Materialwahl finde ich aber nicht sonderlich ansprechend. Haptisch sind andere eReader wie z.B. der gleich teure Kindle (und auch der Page 1) besser.

Wenn man über diese Punkte hinwegsehen kann, dann bekommt man mit dem Tolino Page 2 ein gutes Einstiegsgerät, das ohne Zweifel auch so manchen digitalen Skeptiker überzeugen wird können. Als Geschenk oder zum Eigenbedarf als Alternative zum teureren Shine 3 oder Mitbewerberprodukt Amazon Kindle kann der Page 2 jedenfalls jetzt schon überzeugen. Der Page 2 verdient sich somit die gute Testnote 1,8.