Tolino Vision 6 im ausführlichen Langzeittest

Geschätzte Lesezeit: 26:44 min.

Mit dem Tolino Vision 6 setzen die Tolino-Partner die erfolgreiche Vision-Reihe bereits in sechster Generation fort. Im Vergleich zum Vorgänger präsentiert sich der eReader auf den ersten Blick als behutsame Modellpflege.

Kleine Anpassungen am Gehäuse, eine neuere Displaytechnologie und eine etwas moderne Android-Version – so lassen sich die Neuerungen grob zusammenfassen. Tatsächlich wirken sich diese Änderungen aber stärker aus, als man im ersten Moment meint.

Fast ein Jahr nach dem Marktstart, sehen wir uns im nachfolgenden Testbericht an, wie sich der Vision 6 im Alltag schlägt.

Verarbeitung, Ausstattung und Handhabung

Der Vorgänger hat mit einigen Vision-Traditionen gebrochen: Der HD-Namenszusatz wurde fallen gelassen, die Bauform wurde geändert, das plane Display verschwand mit der neuen Optik und erstmals (zusammen mit dem Epos 2) gab es – im Tausch gegen den typischen Tolino-Home-Button – physische Blätterknöpfe.

Dass es sich dabei nicht bloß um kurzfristige, vorübergehende Änderungen gehandelt hat, zeigt der Vision 6, der diesen Weg quasi unverändert fortsetzt und alle diese Eigenschaften ebenso mitbringt.

Einige der Änderungen sind aber nicht bloß ergonomischer Natur, sondern resultieren aus der Zusammenarbeit mit Rakuten Kobo. Der japanisch-kanadische eReader-Spezialist ist nämlich als Technologiepartner in der Tolino-Allianz mit an Bord. Dadurch ähneln sich die jüngsten Modelle der beiden eReading-Giganten optisch und technisch sehr stark.

Asymmetrisches Design

Die seitlich positionierte Griffleiste gilt als ergonomischer, da sie ein Halten des eReaders erlaubt, ohne dass die Finger in den Bildschirm ragen. Das gilt auch für den Tolino Vision 6, der dank dieses Designs sehr gut in der Hand liegt. Der eBook Reader ruht bei typischer Haltung im Handballen und wird zwischen den Fingern auf der Rückseite und dem Daumen auf der Vorderseite fixiert.

Der Daumen fällt dabei natürlicherweise relativ nah an die Blättertasten, die in der Höhe zentriert, aber dieses Mal weiter an den äußeren Rand gerückt wurden.

In meinem ersten Hands-On hatte ich noch angemerkt, dass diese Knopf-Position der natürlichen Lage des Daumens eher entspricht, als die mittlere Positionierung beim Vision 5. Diese Einschätzung muss ich nach mehreren Monaten Nutzung allerdings revidieren.

Tolle Handhabung dank des asymmetrischen Designs

Tatsächlich lege ich den Daumen tendenziell eher mittig auf der Griffleiste ab, wodurch er jetzt nicht mehr auf den Blättertasten aufliegt.

Das hat Vor- und Nachteile: Einerseits kam es so nie zu unbeabsichtigtem Umblättern und die glatte Oberfläche unter dem Daumen fühlt sich komfortabler an, andererseits fällt die Bewegung zum Umblättern nun zwangsläufig aber etwas größer aus als zuvor.

Letztendlich hängt es also vom persönlichen Geschmack ab, ob man die Tastenposition des Vision 5 oder Vision 6 bevorzugt. Ich persönlich habe in der Hinsicht keinen klaren Favoriten.

Gewicht und Änderungen am Gehäuse

Einen tatsächlichen Nachteil besitzt der Tolino Vision 6 im Vergleich aber beim Gewicht. Denn mit 215 Gramm ist dieses um 20 Gramm höher als beim Vorgänger. Das sind immerhin 10 Prozent des Gewichts, was im direkten Vergleich durchaus spürbar und bei langem Lesen eher nachteilig ist.

Fairerweise muss man aber natürlich dazusagen, dass 215 Gramm absolut gesehen, nicht schwer sind und man somit trotzdem keine Probleme in der Handhabung des Geräts haben sollte. Besser wäre allerdings, wenn sich das Gewicht noch weiter verringert anstatt erhöht hätte.

Mit der Blättertastenposition und dem Gewichtszuwachs haben auch kleine Anpassungen an der Gehäuseform Einzug gehalten.

Abgerundete Kanten

Der Tolino Vision 6 misst 161,6 x 144,6 x 5,9 bis 10,5 mm. Damit ist der neue eReader eine Spur dicker und höher als das Vorgängermodell. Optisch mach sich diese Änderung vor allem in den minimal gewachsenen Displayrändern bemerkbar.

Die Gehäusekanten wurden stärker abgerundet und der charakteristische Knick der Griffleiste in eine sanfte Biegung umgewandelt. Am äußeren Rand der Griffleiste biegt sich das Gehäuse nochmal nach oben, was für eine deutlich spürbare Kante sorgt. Je nachdem wie man das Gerät hält, kann diese als sicherer Angriffspunkt dienen, um den eReader ohne großen Kraftaufwand zu fixieren. Beim Vision 5 fehlt diese Biegung, wodurch eine rand-nahe Daumenposition eher in einem Abrutschen resultiert.

Rückseite

Das Muster auf der Rückseite hat sich zwar geändert, Materialwahl und Qualitätsanmutung bleiben beim Vision 6 aber unverändert. Soll heißen: Der eReader ist ausgezeichnet verarbeitet und fühlt sich dank der verfeinerten Kantenform noch einen Tick hochwertiger an als der Vision 5. Die perforierte Rückseite sorgt aber wieder dafür, dass sich Staub und Krümel in den winzigen Löchern sammeln.

Rundere Knöpfe, neue Funktionen

Nicht nur am Gehäuse wurden Kanten entschärft, auch die beiden Blättertasten wurden ein wenig abgerundet und gleichzeitig etwas erhöht.

Dadurch lassen sie sich ohne hinzusehen für mein Empfinden einfacher ertasten und sind auch haptisch angenehmer zu bedienen.

An den Druckpunkten der Knöpfe hat sich im Vergleich zum Vorgänger aber leider nichts geändert. Das bedeutet, dass diese ungleichmäßig verteilt sind: Mittig und an den äußeren Rändern lassen sich die Knöpfe problemlos drücken. In Richtung der Innenseite wird das immer schwieriger.

Blättertasten

Kein Beinbruch, weil man sich schnell dran gewöhnt, bei der Konkurrenz von Amazon klappt das aber einen Tick besser.

Unabhängig davon ist das Vorhandensein der Tasten ein klarer Pluspunkt im Vergleich zu älteren Tolino-Modellen. Diese erhöhen den Lesekomfort tatsächlich deutlich.

Die Blättertastenfunktion lässt sich außerdem umdrehen, sodass man je nach bevorzugter Handhaltung entweder mit der unteren oder der oberen Taste weiterblättert.

Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit innerhalb eines Buches vordefinierte Zusatzfunktionen bei langem Tastendruck zu definieren. So lässt sich das Beleuchtungsmenü öffnen, die Startseite aufrufen oder der Touchscreen aktivieren/deaktivieren.

Der Power-Knopf befindet sich, ebenso wie beim Vorgänger, auf der Rückseite des Geräts.

Neue Hardwareplattform

Die mitunter größten Änderungen des Tolino Vision 6 befinden sich nicht sichtbar unter der Haube.

Anstatt wie bisher auf eine Single-Core CPU mit 1 GHz zu setzen, verwendet der Vision 6 jetzt einen AllWinner B300 Quad-Core Prozessor mit bis zu 1,8 GHz. Der Arbeitsspeicher hat sich außerdem auf 1 GB RAM verdoppelt. Damit ist der neue Vision deutlich schneller als alle bisherigen Tolino-Modelle.

Im reinen Lesebetrieb bemerkt man den Unterschied nicht wirklich, bei der Navigation durch die Benutzeroberfläche aber sehr wohl deutlich.

Der interne Speicher lässt sich zwar weiterhin nicht per Speicherkarte vergrößern, ist mit 16 GB aber ebenfalls doppelt so groß wie beim Vorgänger. Ebenfalls neu ist der USB-C Anschluss, der gleichzeitig eine Verdoppelung der Ladeleistung mit sich bringt. Anstatt mit 5 Watt lässt sich der Tolino Vision 6 jetzt mit 10 Watt wesentlich schneller aufladen.

Der eingebaute Wasserschutz mit IPX8-Zertifizierung darf natürlich nicht fehlen. Immerhin war dies in der Vergangenheit ein Alleinstellungsmerkmal des Vision 2 und ist seitdem fixer Bestandteil der Vision-Reihe.

Zwischenfazit

Obwohl sich das Gewicht des Tolino Vision 6 ein wenig erhöht hat, ist der Nutzungskomfort im Vergleich zum Vorgänger besser. Das verdankt der eReader den sehr behutsamen Anpassungen am Gehäuse.

Die rundum sanfteren Kanten, runderen und neu positionierten Knöpfe machen das Handling unterm Strich noch eine Spur besser als beim ohnehin guten Vorgänger.

Display und Beleuchtung

Der Tolino Vision 6 besitzt ebenso wie der Vorgänger ein 7 Zoll großes Display. Als Umsteiger von einem älteren Vision (1 bis 4 HD) bekommt man mit dem Vision 6 also einen um ein Zoll größeren Bildschirm. Die größere Displaydiagonale macht sich in der Nutzung jedenfalls angenehm durch selteneres Umblättern bemerkbar.

Wie gewohnt, löst der Bildschirm mit 1680×1264 Pixeln auf, wodurch sich eine Pixeldichte von 300 ppi ergibt. Das entspricht der sogenannten „Retina“-Auflösung, womit eine hohe Schriftschärfe gewährleistet ist.

E-Ink Carta 1200 und Kontrast

Die wesentlichste Neuerung beim Vision 6 liegt in der verwendeten Anzeigetechnik: Das Lesegerät nutzt nun anstatt „normaler“ E-Ink Carta Technik, die neue E-Ink Carta 1200 Technologie.

Das klingt ein wenig abstrakt bzw. kryptisch und ist es tatsächlich auch. Die neue E-Ink-Display-Namensgebung hielt erstmals mit E-Ink Kaleido Einzug und setzt sich hier fort. Ein wenig problematisch ist diese, weil man als Endverbraucher nur wenige Informationen über technische Details findet. Versprochen werden jedoch eine um 20 Prozent schnellere Reaktionszeit und 15 Prozent mehr Kontrast.

Seitens der E Ink Holdings besteht mit der neuen Nomenklatur offenbar der Wunsch eine bessere Differenzierbarkeit in der Anzeigequalität ihrer Technologie zu erreichen. Ähnlich wie das bei Smartphone-Chips (z.B. Snapdragon) oder Displayglas (z.B. Gorilla Glas) inzwischen seit vielen Jahren gang und gäbe ist. Demnach ist E-Ink Carta 1200 die aktuell beste Carta-Anzeigetechnik.

Keine allzu großen Unterschiede zwischen Vision 5 (links) und Vision 6 (rechts) mit ausgeschalteter Beleuchtung

Auf den ersten Blick ändert sich mit E-Ink Carta 1200 aber gar nicht so viel. Ist die Beleuchtung ausgeschaltet, sehen die Bildschirme von Vision 5 und Vision 6 kaum anders aus. Erst wenn man genauer hinsieht, wirkt die Schrift am neueren Modell etwas dunkler. Im normalen Lesebetrieb fällt das aber zunächst kaum auf.

Von der versprochenen Kontrasterhöhung hatte ich mir mehr versprochen und war daher zunächst ein wenig enttäuscht. Nicht etwa weil der Vision-6-Bildschirm schlecht wäre (was er nicht ist), sondern weil der Abstand zum (bereits sehr guten) Vision 5 relativ gering zu sein schien.

Dieses Gefühl der Enttäuschung ist dann aber sehr schnell verschwunden, als ich die eingebaute Beleuchtung des Tolino Vision 6 aktiviert habe.

Beleuchtungsqualität

Sobald man die Beleuchtung des Vision 6 aktiviert, stellt sich ein echter WOW-Effekt ein. Wie gewohnt, erhellt sich mit Aktivierung der Beleuchtung der Bildschirmhintergrund, gleichzeitig bleibt die Schrift aber satt und knackig schwarz.

Deutlich mehr Kontrast und eine sehr viel gleichmäßigere Beleuchtung am Vision 6 (rechts) im Vergleich zum Vision 5 (links)

Diesen Spagat haben bisher nur wenige eReader so gut hinbekommen. Gefühlt handelt es sich dabei sogar um einen größeren Kontrastsprung als die angekündigten 15 Prozent.

In Sachen Kontrast mit Beleuchtung zählt der Tolino Vision 6 damit ohne Zweifel zu den bisher besten eBook Reader überhaupt.

Der gute Eindruck setzt sich auch bei der Lichtverteilung fort. Die asymmetrische Bauform macht eine homogene Lichtstreuung bauartbedingt etwas schwieriger. Die seitlich im Rahmen sitzenden LEDs sorgen oft dafür, dass sich die Helligkeit ungleich von rechts nach links verteilt. Da dies auch der Leserichtung von Wort zu Wort entspricht, fallen Unregelmäßigkeiten in dieser Form deutlich auf.

Der Schwarzwert am Vision 6 ist mit Beleuchtung sichtbar besser (invertierter Bildmodus zur besseren Sichtbarkeit)

Nicht so beim Vision 6: Das Licht verteilt sich wesentlich gleichmäßiger über den Bildschirm als beim Vorgänger. Nicht nur für die asymmetrische Bauform ist diese Homogenität sehr gut, sondern auch im Vergleich zum traditionellen Gehäuseaufbau (mit der Beleuchtung von unten).

Blaulichtreduzierte Beleuchtung

Selbstverständlich ebenfalls mit dabei ist die blaulichtreduzierte Beleuchtung.

Mit dieser als Nachtlicht konzipierten Option den Bildschirm zu beleuchten, schaltetet man die LEDs von einer kalt-weißen (bläulich) Einstellung auf eine warm-weiße (orange) Einstellung um.

Das klappt beinahe stufenlos, sodass sich die Lichtfarbe sehr gut den eigenen Vorlieben anpassen lässt. Abends und nachts nutzt man üblicherweise eine eher orange Farbeinstellung, tagsüber beleuchtet man den Bildschirm neutral weiß.

Saubere, farbwolkenfreie, gleichmäßige Ausleuchtung am Vision 6

Auch in diesem Punkt gibt es keinen Grund zur Beanstandung. Die Mischung der Lichtfarben klappt ohne sichtbare Farbwolken und wirkt mit freiem Auge sehr homogen. Damit lässt sich auch wunderbar eine rein-weiße Hintergrundbeleuchtung mischen.

Die Blaulichtreduktion soll dafür sorgen, dass das Leseerlebnis bei Dunkelheit und abends angenehmer wird. Blaues Licht beeinflusst nach verschiedenen Studien den Schlafrhythmus. Unklar bleibt dagegen, ob die Beleuchtung eines eReaders dafür schon ausreicht.

Zumindest subjektiv empfinde ich das Lesegefühl mit aktiviertem Smartlight (so heißt die Nachtlichtfunktion auf Tolino-eReadern) aber jedenfalls als sehr angenehm. Im Gegentest: Wenn ich die orangefarbenen LEDs bei Dunkelheit plötzlich deaktiviere, empfinde ich das blau-weiße Licht regelrecht als unangenehm. Ich persönlich gehe daher davon aus, dass die Blaulichtreduktion auch beim eReader einen Nutzen hat und lese privat nur noch auf Geräten, die diese Möglichkeit bieten.

Helligkeit und Farbtemperatur

Bei der Beleuchtungshelligkeit bewegt sich der Tolino Vision 6 im sehr guten Mittelfeld. Mit Aktivierung des Modus für die „erhöhte Helligkeit“ strahlt das Lesegerät mit Nachtlicht maximal 124 cd/m² und bei kalter Lichteinstellung mit 108 cd/m².

Die minimale Helligkeit liegt mit warmer (1,0 cd/m²) und kalter Lichtfarbe (1,2 cd/m²) nun deutlich näher beisammen als noch beim Vorgänger und auf hervorragenden Levels. Die niedrigen Einstellungen dürften auch für sehr lichtempfindliche Personen ausreichend sein, um bei Dunkelheit nicht geblendet zu werden.

Die Farbtemperatur beträgt ohne Nachtlicht 6700 Kelvin. Mit Nachtlicht liegt die Lichtfarbe bei 2900 Kelvin.

Orange Lichtfarbe mit 100% aktiviertem Smartlight

Wie immer gilt es bei diesen Werten (Helligkeit und Farbtemperatur) aber zu bedenken, dass innerhalb der Modellreihe Schwankungen möglich sind und es erfahrungsgemäß von Gerät zu Gerät Abweichungen gibt.

Maximale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (höher ist besser)

Minimale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (niedriger ist besser)

  • PocketBook Color 3.1
  • Tolino Page 2 3.1
  • Tolino Shine 3 (warm) 2.7
  • Tolino Vision 5 (warm) 2.7
  • Tolino Shine 3 (kalt) 1.8
  • Huawei MatePad Paper 1.6
  • Tolino Vision 5 (kalt) 1.2
  • Tolino Vision 6 (kalt) 1.2
  • Tolino Vision 6 (warm) 1.0
  • PocketBook Inkpad 3 0.7
  • PocketBook Inkpad 3 Pro 0.7
  • PocketBook Touch HD 3 0.7
  • Kindle Oasis 3 0.6
  • PocketBook Inkpad X 0.4

Einen Lichtsensor für eine automatische Helligkeitsregulierung gibt es nicht.

Die Farbtemperatur lässt sich allerdings automatisch anhand der Uhrzeit anpassen. Dabei verzichten der Vision 6 aber auf die umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten, wie man sie von PocketBook kennt. Dort lassen sich Helligkeit und Farbtemperatur stundenweise in einem Diagramm selbst adaptieren.

In der Tolino-Software setzt man stattdessen auf einen einfacheren Zugang: Mit einem Schalter aktiviert man die automatische Anpassung nur. Weitere Optionen gibt’s dafür nicht.

Touchscreen und Ghosting

Die Bedienung des Tolino Vision 6 erfolgt über einen kapazitiven Touchscreen. Dieser funktioniert gewohnt schnell und genau. Die schnellere CPU in Kombination mit dem E-Ink Carta 1200 Bildschirm sorgt für ein gefühlt schnelleres Ansprechverhalten, das allerdings wohl weniger durch den Touchscreen ausgelöst wird, sondern durch die genannten anderen Komponenten.

Ghosting ist bereits seit einigen Jahren bei den allermeisten eReadern im normalen Lesebetrieb kein nennenswertes Problem mehr. Das gilt auch für den Vision 6. In der Standardeinstellung aktualisiert sich der Bildschirm nur bei Bedarf vollständig. Ansonsten flackert das Display bei einem Seitenwechsel nicht.

Allerdings muss man dennoch sagen, dass der Vision 5 in Hinblick auf Ghosting einen Tick besser war. Zwar ist das Ghosting beim Vision 6 unauffällig und nur bei genauem Hinsehen sichtbar – aber eben doch vorhanden. Beim Vision 5 ist selbst bei genauem Hinsehen meist kein geisterhaftes Durchscheinen der vorigen Buchseite erkennbar. Dementsprechend ist das aus meiner Sicht der einzige Punkt in dem sich der Tolino Vision 6 seinem Vorgänger geschlagen geben muss.

Zwischenfazit

Dem kurzen Moment der Enttäuschung, wegen des gar nicht so viel besseren Kontrasts bei der erstmaligen Nutzung des Tolino Vision 6, ist schnell die Begeisterung gewichen, wie gut das Display des eReaders tatsächlich ist.

Auch wenn es mit ausgeschalteter Beleuchtung aus meiner Sicht keine nennenswerte Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger gibt, so ist der Unterschied mit aktivierter Beleuchtung dafür umso größer.

Ein so satter Kontrast und die homogene Lichtverteilung gibt’s in dieser Form kaum woanders und macht den Tolino Vision 6 in Hinblick auf die Bildschirmqualität zu einem Ausnahmegerät.

Lesen und Benutzerfreundlichkeit

Der Tolino Vision 6 besitzt weiterhin die bekannt intuitive Benutzeroberfläche, wie man sie auch von den Vorgängern kennt.

Die wichtigsten Details zur Tolino-Bedienung und den Möglichkeiten kannst du im Shine 3 Testbericht nachlesen. Die allermeisten Dinge gelten auch für den Vision 6.

Auf erwähnenswerte Punkte und Neuerungen des Tolino Vision 6 will ich nachfolgend aber dennoch kurz eingehen.

Lesen mit Blättertasten und Lagesensor

Die Blättertasten verbessern das Leseerlebnis in Kombination mit der asymmetrischen Bauform im Vergleich zu tasten-losen eReadern in meinen Augen deutlich. Hält man den eReader in der Hand, liegt die untere Ecke sicher im Handballen und der Daumen landet nahe den Blättertasten.

Mit der unteren Taste wird standardmäßig vorwärts geblättert, mit der oberen Taste geht’s zurück. Diese Belegung lässt sich, wie bereits erwähnt, auch umdrehen. Und inzwischen lässt sich auch der Touchscreen innerhalb der Leseanwendung deaktivieren.

Erst wenn man auf das Symbol tippt, wird die Ausrichtung geändert.

Der eingebaute Lagesensor erkennt, wenn man das Gerät dreht. Hält man den Vision 6 lieber in der linken Hand, dreht man ihn einfach um 180 Grad. Dabei taucht ein Indikator am Bildschirmrand auf, der den Lagewechsel signalisiert. Tippt man auf das Symbol, wird der Bildschirm gedreht. Das klappt in alle vier Richtungen.

Die Bildschirmdrehung funktioniert zuverlässig und die nötige Bestätigung hat den Vorteil, dass keine unbeabsichtigten Ausrichtungsänderungen stattfinden. Wenn man das Symbol nicht antippt und einfach weiterblättert, verschwindet es und die Ausrichtung bleibt wie sie ist. Besonders wenn man gerne auf der Seite liegend liest, ist dieses Verhalten praktisch. Sinnvoll wäre aber dennoch, wenn sich die Ausrichtung generell auch sperren ließe.

Barrierefreiheit

Mit seinem 7 Zoll großen Bildschirm gibt’s beim Tolino Vision 6 ebenfalls den Vergrößerungsmodus um die Barrierefreiheit zu verbessern. Kleinere eReader, wie der Shine 3 oder Page 2, müssen wegen der begrenzten Anzeigefläche darauf verzichten.

Der Vergrößerungsmodus lässt sich in den „weiteren Einstellungen“ des Geräts aktivieren. Sobald man das macht, vergrößern sich alle Bildschirmelemente sofort. Damit rücken alle Anzeigeelemente auch näher zusammen, wobei die Abstände trotzdem ausreichend groß bleiben, damit man nicht unabsichtlich andere Symbole drückt.

Die vergrößerte Darstellung verbessert die Ablesbarkeit der Menüs deutlich.

Der Vergrößerungsmodus verbessert die Ablesbarkeit in den Menüs

Die Tolino-Allianz betont, dass der Fachausschuss für die Belange Sehbehinderter beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und der Deutschen Zentralbücherei Leipzig (DZB) in die Entwicklung eingebunden waren und Feedback direkt in die Umsetzung eingeflossen ist.

Enttäuschend ist allerdings, dass die eBook-Shops noch immer nicht angepasst wurden. Zur Shop-Nutzung (Thalia.at) direkt am Gerät muss der Vergrößerungsmodus deaktiviert sein.

Nachtmodus

Den Nachmodus kennt man bereits vom Vorgänger. Hierbei handelt es sich nicht um das blaulichtreduzierte Nachtlicht, sondern um eine invertierte Bildschirmdarstellung. Dabei wird der Displayhintergrund schwarz und die Schrift weiß dargestellt.

Für mich persönlich reicht die blaulichtreduzierte Beleuchtung, um bei Dunkelheit komfortabel lesen zu können. Ein Dark-Mode ist aber natürlich grundsätzlich dennoch ein willkommener Bonus, der sich insbesondere in den vergangenen Jahren am Smartphone-Markt stark verbreitet hat.

Invertierter Anzeigemodus

Aktiviert man den Nachtmodus und wechselst ins Buch, wird aber schnell klar, wieso sich dieser auf eReadern bisher nicht durchgesetzt hat: Der Ghosting-Effekt ist sehr stark ausgeprägt. Am dunklen Bildschirmhintergrund ist dieser deutlich stärker sichtbar als mit schwarzem Text.

Nicht ganz optimal gelöst ist zudem die Bildschirmaktualisierung: Sollte diese mal nötig sein, flackert der Bildschirm für einen kurzen Moment weiß auf. Dadurch wird man unweigerlich kurz geblendet.

Amazon hat dies auf den Kindle-Lesegeräten besser gelöst: Dort wird die Beleuchtung im selben Moment kurz deaktiviert. Außerdem limitiert Amazon die maximale Helligkeit, wodurch Ghosting weniger auffällig ist.

Auch wenn der Schritt zur Implementierung des Nachtmodus auf jeden Fall zu begrüßen ist, so muss man doch festhalten, dass es weiterhin Optimierungsbedarf gibt.

Skoobe

Da Thalia vor einiger Zeit beim eBook-Flatrate-Anbieter Skoobe eingestiegen ist, kann man seinen bei Thalia, der Mayerschen, bei Osiander oder Orell Füssli gekauften Tolino Vision 6 auch direkt mit Skoobe nutzen – ein Skoobe-Abo vorausgesetzt.

Nicht auf allen Tolinos findet man den Skoobe-Menüpunkt

Die Verwendung ist dabei grundsätzlich relativ einfach: Im Menü gibt es einen eigenen Skoobe-Menüpunkt der das Durchsuchen des Angebots erlaubt. eBooks können direkt ausgeliehen und mit dem eReader synchronisiert werden. Das klappte in meinen Test ohne Probleme und ist für Vielleser ein handfester Mehrwert.

Die Skoobe Bibliothek lässt sich auf den Thalia-Tolino-eReadern direkt aufrufen und durchstöbern

Hat man den Vision 6 woanders als bei den genannten Buchhändlern gekauft, steht Skoobe auf regulärem Weg nicht zur Verfügung. Stattdessen muss man auf das nachfolgend beschrieben Side-Loading ausweichen, das allerdings nicht offiziell unterstützt wird.

Android Apps per Sideloading

Wie alle anderen Tolino-eReader nutzt auch der Vision 6 Android (bzw. AOSP) als Unterbau für die Bedienoberfläche. Erstmals seit langer Zeit gab es mit dem neuen Vision wieder einen deutlichen Versionssprung: Von 4.4 auf 8.1. Damit nutzt der Tolino Vision 6 jetzt eine modernere Android-Version als seine Vorgänger.

Für den Otto-Normal-Leser ist das aber nicht wirklich wichtig. Denn die Tolino-Bedienoberfläche verlässt man gar nicht und bekommt von Android dementsprechend auch nichts mit.

Tüftler und Bastler können mit dem App-Sideloading – das offiziell gar nicht vorgesehen ist – noch mehr aus dem Vision 6 rausholen

Interessanter ist die Sache allerdings für Bastler und Tüftler. Es ist zwar regulär nicht vorgesehen, aber mit wenigen Handgriffen lassen sich Android-Apps installieren. Somit kann man den Vision auch als E-Ink Tablet verwenden, was dank der neueren Android-Version die App-Auswahl deutlich vergrößert.

Hier erfährst du, wie du Apps ohne Root installieren kannst und hier findest du die Anleitung zum Rooten des Vision 6.

PDF-Anzeige

Die PDF-Anzeige funktioniert im Grunde gleich, wie im zuvor verwiesenen Tolino Shine 3 Testbericht beschrieben.

Ich erwähne sie an dieser Stelle aber trotzdem gesondert, da ich mir aufgrund der wesentlich besseren Hardware des Vision 6 auch eine reaktionsfreudigere PDF-Anzeige erwartet habe.

Die PDF-Funktion ist weniger reaktionsfreudig als erwartet

Das ist allerdings nicht der Fall. Im Gegenteil: Ich habe sogar das Gefühl, als ob großformatige, komplexe PDF-Dateien am Vision 6 einen Tick schwerfälliger zu bedienen sind als am Shine 3.

Hierbei scheint es sich in erster Linie um eine fehlende Softwareoptimierung zu handeln, denn wenn man eine alternative Android-App installiert, dann klappt die PDF-Anzeige absolut problemlos. Will man also auch vermehrt großformatige PDF-Dateien lesen, dann lohnt sich ein Blick auf die Sideloading-Option, die der Vision 6 derzeit inoffiziell erlaubt (siehe oben).

tolino Leseerlebnis (beta) und Onleihe

In den Lese-Einstellungen des Tolino Vision 6 lässt sich das sogenannte „tolino Leseerlebnis“ aktivieren, das derzeit in einer Beta-Version angeboten wird.

Dabei handelt es sich um eine alternative Leseanwendung, die sich in Optik und Funktionsumfang von der bekannten Lese-App (siehe Tolino Shine 3 Testbericht) unterscheidet.

Den Beta-Lesemodus muss man für nicht-LCP-Inhalte erst aktivieren

Der Grund für das Vorhandensein dieser Anwendung ist die Verbreitung der LCP- bzw. CARE-Verschlüsselung. CARE steht für „Content & Author Right Environment“ und basiert auf der europäischen DRM Lösung Readium LCP (Licensed Content Protection). Mit CARE bzw. LCP braucht man kein zusätzliches Adobe-Benutzerkonto um DRM-geschützte eBooks zu öffnen. Das macht die Handhabung einfacher und ist damit datenschutzrechtlich weniger problematisch.

Der Nachteil ist allerdings, dass sich auf diese Weise geschützte eBooks nicht mit der regulären Lese-App öffnen lassen und damit diese Zweigleisigkeit in erster Linie zur Nutzung der Onleihe nötig ist.

Auch im Lesemenü wird auf den Beta-Status hingewiesen

Man sollte diese Anwendung in meinen Augen genauso verstehen, wie sie verkauft wird: Als Beta-Version. Ich vermute, dass viele negative Erfahrungen (siehe nachfolgenden Punkt) mit dieser Lese-Anwendung zu tun haben.

Anderes Schriftbildmenü als in der regulären Tolino-Lese-Anwendung

Denn sie läuft besonders beim Öffnen eines eBooks langsamer als die reguläre Variante und braucht manchmal auch ein paar Gedenksekunden, um eine Eingabe umzusetzen. Solche Probleme hatte ich mit der normalen Leseanwendung zu keinem Zeitpunkt. Dementsprechend nutze ich sie derzeit auch nicht, um meine eBooks zu lesen und lasse sie in den Einstellungen deaktiviert.

Instabile Software?

Tolino-Software hat nicht unbedingt den Ruf extrem umfangreich zu sein, aber sie ist einfach zu bedienen, übersichtlich und stabil – oder? Zumindest galt das bisher für alle Modelle, die ich unter die Lupe genommen habe.

Der Tolino Vision 6 hat in den Online-Shops verschiedener Tolino-Partner allerdings einen auffällig hohen Anteil an negativen Kundenbewertungen. Andere Tolinos bringen es z.B. bei Thalia auf eine durchschnittliche Bewertung von vier Sternen, der Vision 6 schafft nur drei Sterne. Das verwundert in Anbetracht der tollen Hardware und intuitiven Bedienoberfläche doch ein wenig. Woran liegt’s?

Im Kern schreiben viele unzufriedene Käufer über die gleiche Problematik. Nämlich, dass der eReader softwareseitig instabil laufen würde (und der Akku nur kurz hält – dazu später mehr). Dabei ist von Abstürzen, Einfrieren oder übersprungenen Seiten die Rede.

Gelegentlich hängende Home-Navigation

Ich kann die Thematik zumindest teilweise bestätigen. Und zwar hatte ich das Problem nicht während des Lesens, sondern gelegentlich wenn ich aus einem Buch auf den Startbildschirm wechseln wollte.

Der eReader reagierte bei mir ab und zu nicht auf die Home-Wischgeste und dann ging plötzlich auch sonst nichts mehr: Die aktuelle Buchseite wird weiterhin angezeigt, aber der eReader setzt Touchscreen-Eingaben nicht mehr um.

In so einem Fall hilft es den Powerknopf kurz zu drücken, um das Gerät in den Standby-Modus zu versetzen. Nach dem Aufwecken ist man dann am Startbildschirm.

Die relativ geringe Frequenz in der das Problem bei mir auftrat, machte es für mich in dem Moment zwar nervig, aber nicht zu einer Katastrophe, da es sich zuverlässig in wenigen Sekunden lösen lässt.

Da liegt die Frustschwelle aber bei jedem ohne Zweifel ein wenig anders. Dementsprechend würde ich empfehlen in der Anfangszeit nach dem Kauf genauer drauf zu achten und das Gerät im Zweifelsfall zu retournieren, anstatt auf ein Softwareupdate zu hoffen bzw. später eine eventuell zeitaufwendige Garantieabwicklung in Anspruch zu nehmen.

Ich vermute, dass sonstige Stabilitätsprobleme auch mit der neuen Beta-Leseanwendung in Verbindung stehen (siehe oben), denn abgesehen von der genannten Macke hatte ich mit der regulären Leseanwendung auf beiden Tolino Vision 6 keine Probleme oder Abstürze.

Akklaufzeit

Der zweiten Negativpunkt, von dem in einigen negativen Kundenstimmen die Rede ist, betrifft die kurze Akkulaufzeit. Diesen kann ich ebenfalls teilweise bestätigen.

Der Tolino Vision 6 hält mit einer Akkuladung trotz größerer 1.500 mAh Kapazität (Vision 5: 1.200 mAh) tatsächlich kürzer durch als sein Vorgänger. Im Standby-Modus konnte ich zwar keine Auffälligkeit feststellen, im Lesebetrieb hatte ich aber das Gefühl, dass die Akkuanzeige eher schneller sinkt.

Stromverbrauch im Lesebetrieb

Ich habe meine beiden Vision 6 also mit dem Vorgänger verglichen und konnte die Beobachtung durch einen kleinen Test bestätigen: Bei einer Beleuchtungshelligkeit von ungefähr 50 Prozent sank der Akkustand nach einstündigem Lesen auf beiden Vision 6 um 6 Prozent. Beim Vision 5 ging es unter gleichen Bedingungen hingegen um nur 4 Prozent runter.

Das ist natürlich kein hochwissenschaftliches Experiment, bestätigt aber zumindest das Gefühl das ich hatte. Hochgerechnet hält ein Vision 6 mit einer Akkuladung im reinen Lesebetrieb mit diesen Einstellungen demnach also 16,67 Stunden durch, ein Vision 5 schafft es auf 25 Stunden.

Die Akkulaufzeit ist nicht die allerbeste, aber geht in Ordnung

Auf den praktischen Alltag umgelegt: Bei täglich zweistündigem Lesen müsste ein Vision 6 in einem solchen Fall also nach ungefähr 7 bis 8 Tagen wieder an den Strom, ein Vision 5 erst nach circa 11 bis 12 Tagen (übliche Standby-Verluste eingerechnet).

Natürlich gibt es hierbei viele Abhängigkeiten zu Beleuchtungshelligkeit, Texteinstellungen, Bildschirmaktualisierungshäufigkeit, Wifi-Verbindungsqualität und anderen Faktoren, die diese Zahlen allesamt nach unten oder oben beeinflussen können. Diese Stundenangaben sind also keinesfalls in Stein gemeißelt.

Auch wenn mir der höhere Stromverbrauch im laufenden Betrieb durch die schneller sinkende Akkuanzeige aufgefallen ist, die Ladefrequenz hat sich für mein Empfinden trotzdem nicht unangemessen erhöht. Soll heißen: Ich musste den Vision 6 nicht auffällig oft an den Strom hängen.

Stromhungrigere Plattform?

Mich erinnert der Akkuverbrauch des Tolino Vision 6 sehr stark an verschiedene offene Android-eReader, die mit stärkerer CPU und moderner Android-Version ebenfalls keine Stromsparwunder sind. Ich schätze, dass insbesondere die neue Hardwareplattform ihren Tribut fordert, denn der Kobo Sage nutzt ebenfalls den gleichen Allwinner B300 Quad-Core Prozessor und kämpft laut verschiedenen Kundenstimmen ebenso mit einer verhältnismäßig kurzen Akkulaufzeit.

Als Umsteiger von einem älteren Tolino-Modell sollte man sich die kürzere Akkulaufzeit daher jedenfalls im Hinterkopf behalten. Ich gehe davon aus, dass Softwareupdates zwar kleine Verbesserungen diesbezüglich bringen können, auf das hohe Niveau älterer Tolinos wird der Vision 6 meiner Einschätzung nach aber nicht kommen.

Ein kleiner Wermutstropfen in dem Zusammenhang ist die doppelt so hohe Ladeleistung. Sie relativiert diesen Nachteil in meinen Augen zumindest ein wenig. Der Vision 6 muss im Vergleich zum Vision 5 zwar öfter an den Strom, dafür aber nicht so lange.

Auch wenn ich die generell kürzere Akkulaufzeit nachvollziehen kann, katastrophal kurze Laufzeiten von wenigen Stunden, wie es einige Kundenrezensionen attestieren, kann ich hingegen nicht bestätigen.

Fazit

Auf den ersten Blick hat sich beim Tolino Vision 6 im Vergleich zum Vorgänger dem Anschein nach nicht viel geändert. Tatsächlich wurde aber fast alles modernisiert und verbessert.

Schnellerer Prozessor, mehr Arbeitsspeicher, mehr Speicherplatz, mehr Kontrast, gleichmäßigere Beleuchtung, mehr Ladeleistung, größerer Akku, neuerer Android-Unterbau und ein feineres Gehäuse – so lässt sich das jüngste Update der Vision-Reihe in aller Kürze zusammenfassen.

Diese Zutaten ergeben in meinen Augen einen der besten eBook Reader am Markt. Klar, er ist nicht perfekt, wie man einigen der obigen Ausführungen entnehmen kann. Aber insbesondere die enorme Verbesserung beim Bildschirm lässt mich immer wieder freudig zum Vision 6 greifen. Es gab in den 11 Jahren, in denen ich inzwischen über 100 eReader-Modelle getestet und/oder genutzt habe, nur eine Handvoll anderer Geräte, die eine ebenso gute Displaydarstellung besitzen.

Der Tolino Vision 6 besitzt derzeit eines der besten Displays am Markt. Ein paar kleine Macken machen einer uneingeschränkten Kaufempfehlung aber einen Strich durch die Rechnung.

Wo viel Licht ist, gibt’s aber auch Schatten: Dieses Sprichwort trifft auch hier zu. Die in meinem Test selten aufgetretene Macke mit der hängenden Navigation und die vergleichsweise kurze Akkulaufzeit sind auf jeden Fall zwei Punkte die den ansonsten hervorragenden Eindruck etwas schmälern. Eine optimierte PDF-Anzeige und verbesserte Onleihe/LCP-Kompatibilität sind ebenso Punkte die mit kommenden Updates nachgebessert werden sollten.

Unterm Strich bin ich aber auch nach vielen Monaten mit dem Vision 6 noch immer begeistert. Mit den genannten Negativpunkten kann ich mich arrangieren, da sie mein Leseerlebnis nur unwesentlich beeinflusst haben. Viel wichtiger ist für mich der hervorragende Bildschirm, der diese Nachteile in meinen Augen locker wettmacht.

Dank Android 8.1 ist der Vision 6 für mich als Bastler außerdem nochmal ein Stück interessanter als viele andere eBook Reader. Auch wenn das regulär nicht vorgesehen ist, lässt das Gerät über einen kleinen Trick bzw. über den Root-Zugriff die Installation von Android-Apps zu (Stand 24.07.2022; siehe Anleitung) – was mit der neueren Android-Version ordentlich Spaß macht und mitunter dafür sorgt, dass man die eine oder andere genannte Macke mit passenden Apps leicht umgehen kann.

Auch wenn manche Kundenstimmen ein sehr negatives Bild des Geräts zeichnen, der Tolino Vision 6 ist in meinen Augen deutlich besser als sein Ruf.

Mein Tipp lautet daher: Als Interessent sollte man sich den Tolino Vision 6 (mit den genannten Macken im Hinterkopf) trotzdem unbedingt genauer ansehen, denn eine solch kontrastreiche, homogen ausgeleuchtete Bildschirmdarstellung gibt’s sonst kaum wo.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren