Tolino Vision 6 und Epos 3: Apps ohne Root installieren [Anleitung]

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In unserer Tolino Vision 6 und Epos 3 Root-Anleitung erfährst du, wie du dir ADB- und Root-Zugriff zum eReader verschaffst und eigene Apps installieren kannst.

Wenn dir das aber zu riskant ist, oder du gar keinen Root-Zugriff benötigst, sondern einfach nur ein paar alternative Android-Apps verwenden möchtest, dann gibt’s dafür ebenfalls die nachfolgend beschriebene root-lose Lösung.

Diese Anleitung wurde für den Tolino Vision 6 und Epos 3 mit Firmwareversion 15.4.0 erstellt und getestet. Stand 19.07.2022

Um Apps ohne Root auf anderen Tolino eReadern zu installieren, folge dieser Anleitung. Auch wenn das grundsätzliche Vorgehen gleich ist: Vision 6 und Epos 3 basieren auf einer neuen Plattform. Daher gibt es mitunter kleine Unterschiede z.B. in der von uns angeboteten App-Auswahl.

Wissenswertes, bevor du loslegst

Das Ziel liegt also darin, Android-Apps per Sideloading zu installieren. Darunter versteht man die direkte Installation von APK-Dateien aus dem Gerätespeicher.

Grundsätzlich ist das beim Tolino Vision 6 und Epos 3 im Normalfall nicht möglich, da man sich in der Tolino-Benutzeroberfläche bewegt und keinen Zugriff auf das sonstige System hat. Tatsächlich handelt es sich bei der Tolino-Oberfläche selbst auch nur um eine App. Genauer gesagt um einen Launcher mit verschiedenen Funktionen, wie Lese-App, Browser, Shop und ausgewählten Geräteeinstellungen.

Die Tolino-Partner kommunizieren schon seit jeher ihren Weg der Offenheit. Zwar ist man mit einem gekauften Vision 6 oder Epos 3 bei einem Tolino-Partner an deren Shop gebunden. Die Geräte kann man aber mit anderen Stores verknüpfen (Stichwort „Bibliotheksverknüpfung“), um auch die eBooks von dort zu synchronisieren. ePub-Dateien von anderen Anbietern sind ebenfalls problemlos zu öffnen und auch die Onleihe kann man nutzen.

Bei Android ist die Offenheit auf den ersten Blick zwar nicht sichtbar, fairerweise muss man aber sagen, trotzdem vorhanden – für alle, die daran interessiert sind. Denn einerseits lässt sich über die aktivierte Fastboot-Schnittstelle letztendlich Root-Zugriff erlangen. Andererseits kann man über die versteckte Debug-Funktion (zu Deutsch: „Fehlersuch-Funktion“) auch ohne besondere Umwege und Komplexität ADB- sowie App-Zugriff erlangen.

Die Debug-Funktion ist mit einer besonderen Zahlenfolge im Suchfeld aufrufbar (siehe unten). Für das Auffinden des Debug-Menüs und veröffentlichen der Zahlenfolgen geht der Dank an Nutzer in unserem Forum.

Wenn die Tolino-Partner wollten, könnten sie beide Optionen (Fastboot und Debug) deaktivieren oder den Zugriff zumindest deutlich erschweren. Da sie das bisher nicht taten, darf man in dieser Hinsicht dementsprechend ebenfalls eine System-Offenheit feststellen.

Wenn du Root-Zugriff zum Tolino Vision 6 oder Tolino Epos 3 erlangen möchtest, folge der Anleitung auf dieser Seite.

Wir sehen uns nachfolgend an, wie man Apps über das Debug-Menü installieren kann. Da man dabei keine systemkritischen Dateien bearbeitet, ist das Ganze als relativ harmlos einzuschätzen. Natürlich sollte man in etwa wissen wie Android funktioniert, aber ohne Dateien zu flashen und ohne Systemzugriff sind schwerwiegende Probleme unwahrscheinlich.

Weil es sich aber um keine Standardfunktion handelt und obwohl der Prozess vielfach getestet wurde, folgt an dieser Stelle trotzdem der Hinweis:

Von unserer Seite wird keine Verantwortung für etwaige Probleme übernommen und kein Support geboten. Die nachfolgenden Schritte können einen Garantieverlust zur Folge haben. Daher: Alles auf eigene Gefahr!

Wir beschreiben zwei Möglichkeiten zur App-Installation:

  • Die erste Option ist die eigenständige App-Installation direkt am Vision 6. Der PC ist nur nötig, um die APK-Dateien in den internen Speicher zu kopieren. Es ist keine gesonderte Treiber-Installation nötig. Deine App-Auswahl musst du vorher treffen. Ein Launcher und virtuelle Knöpfe sind jedenfalls nötig.
  • Die zweite Option aktiviert ADB am Vision 6 bzw. Epos 3 und erlaubt es dir, ein vorbereitetes App-Paket direkt vom PC aus zu installieren. Dafür musst du vorher aber ein paar Kleinigkeiten am PC vorbereiten.

Für welche Option du dich letztendlich entscheidest, ist Geschmackssache. Die erste Variante hat aber weniger Fehlerquellen.

Option 1: App-Installation ohne ADB

Gib die Zahlenfolge in die Suchleiste ein

Kopiere die APK-Dateien, die du installieren möchtest, ganz normal über ein USB-Kabel in das Hauptverzeichnis des internen Speichers deines Tolino Vision 6 oder Tolino Epos 3.

Tippe auf das Such-Symbol in der Benutzeroberfläche des Vision 6 bzw. Epos 3.

Gib folgende Zahlenfolge (ohne Anführungszeichen) in das Suchfeld ein: „1123581321“ und drücke auf das Suchsymbol in der QWERTZ-Tastatur, um die Eingabe auszuführen. Hintergrund-Information: Bei der Zahlenfolge handelt es sich um die ersten acht Stellen der Fibonacci-Folge (exklusive 0).

Installiere die Apps mit Hilfe des Debug-Fensters

Es öffnet sich das Debug-Menü. Wische einmal von rechts nach links, um zur APK-Installationsanzeige zu gelangen (siehe Bild).

Im unteren Bildschirmbereich befinden sich mehrere virtuelle Knöpfe. Mit diesen kannst du die im internen Speicher abgelegten APK-Dateien durchschalten (Schaltfläche: „Next“). Willst du die angezeigte App installieren, tippe auf „Install“.

Das war’s – mehr ist zur App-Installation nicht nötig. Es ist möglich, dass sich die Zahlenfolge mit neuen Firmwares ändert, wie es bereits in der Vergangenheit geschehen ist.

Hast du einen neuen Launcher installiert, starte den eReader neu, um die Launcher-Auswahl treffen zu können.

Option 2: App-Paket über ADB installieren

Das nachfolgende App-Paket besteht aus drei Anwendungen, die den Android-Einstieg ein wenig komfortabler gestalten können. Du kannst das Paket wie nachfolgend beschrieben zur Installation dieser Apps verwenden, oder sie auch ganz einfach über das Debug-Menü selbst installieren (Option 1).

Lade das App-Paket hier herunter und entpacke die ZIP-Datei in ein beliebiges Verzeichnis auf deinem Windows-PC:
Download: ALLESebook_tolino_vision6_app-package.zip (21,2 MB)

Das Paket enthält folgende Dateien und Ordner:

  • a_usb_drivers
    • DPInst_x64.exe
    • DPInst_x86.exe
  • b_adb
    • z_daxia.virtualsoftkeys_10.apk (Virtuelle Navigation)
    • z_simple.ink.launcher.1.2.apk (E-Ink-freundlicher Launcher)
    • z_zhanghai.android.files_31.apk (Dateiexplorer)
  • 1_ANLEITUNG
  • 2_INSTALL_usb_drivers.bat
  • 3_INSTALL_vendor_id.bat
  • 4_TEST_adb.bat
  • 5_INSTALL_apps.bat

Schritt für Schritt Anleitung mit ADB

Bevor Änderungen am Gerät vorgenommen werden können, muss sichergestellt sein, dass die passenden USB-Treiber für die ADB-Schnittstelle vorhanden sind. Starte die Datei „2_INSTALL_usb_drivers.bat„. Hiermit werden die passenden Treiber am Windows-PC installiert. Es wird automatisch zwischen 32 und 64 bit Systemen unterschieden. Klicke die Treiber-Installation bis zum Ende selbst durch. Ist das erledigt, kannst du beide Fenster schließen (Abbildung 1).

Abbildung 1: USB-Treiber-Installation

Mit der Datei „3_INSTALL_vendor_id.bat“ trägst du die nötige Geräte-ID für den ADB-Zugriff im Betriebssystem ein (Abbildung 2). Ohne diese ID funktioniert die ADB-Verbindung trotz korrekter Treiber-Installation nicht.

Abbildung 2: Vendor-ID wird eingetragen

Nun geht’s am Tolino Vision 6 bzw. Epos 3 weiter. Der eBook Reader steckt noch nicht am USB-Kabel. Tippe auf das Such-Symbol in der Benutzeroberfläche des Geräts.

Gib die Zahlenfolge in die Suchleiste ein

Gib folgende Zahlenfolge (ohne Anführungszeichen) in das Suchfeld ein: „1123581321“ und tippe auf das Suchsymbol in der QWERTZ-Tastatur, um die Eingabe auszuführen. Hintergrund-Information: Bei der Zahlenfolge handelt es sich um die ersten acht Stellen der Fibonacci-Folge (exklusive 0).

Es öffnet sich das Debug-Menü. Tippe auf den Schieberegler „usb debugging (adb)“ um ADB zu aktivieren.

Stecke den Vision 6 bzw. Epos 3 jetzt via USB-Kabel am PC an.

Im folgenden Schritt werden die vorhin installierten ADB-Treiber mit dem Gerät verknüpft. Das ist auch nötig, wenn du bereits früher einen anderen Tolino eBook Reader am gleichen PC via ADB verbunden gehabt hast. Öffne den Geräte-Manager von Windows.

Klicke mit der rechten Maustaste auf das neue Gerät „USB-Developer“, wähle „Eigenschaften“ und folge den Schritten in der nachfolgenden Bildstrecke.

 

Jetzt musst du die ADB-Verbindung authorisieren. Starte die Datei „4_TEST_adb.bat„. Wenn die Treiberinstallation funktioniert hat, siehst du im blauen Fenster eine zufällige Zeichenkette als Geräte-ID mit dem Hinweis „unauthorized“. Gleichzeitig taucht am eReader eine Bestätigung des angeforderten ADB-Zugriffs in Form eines Pop-Ups („USB-Debugging zulassen?“) auf. Mache ein Häkchen bei „Von diesem Computer immer zulassen“ und tippe auf OK.

Damit erlaubst du den ADB-Zugriff vom PC.

Wenn es im blauen Fenster keine Aktivität gibt, und für zumindest 30 Sekunden lediglich „* daemon started successfully *“ zu lesen ist, schließe das Fenster, stecke den eReader kurz ab, wieder an und starte die Datei erneut. Wird nun noch immer kein ADB-Gerät gefunden und die zufällige Zeichenkette fehlt, dann hat die Treiber-Installation höchstwahrscheinlich nicht geklappt.

Nun kommen wir schließlich zur App-Installation, die den Weg zur Android-Bedienoberfläche frei macht: Starte die Datei „5_INSTALL_apps.bat„. Die App-Installationen laufen sofort automatisch durch. Danach startet der Tolino Vision 6 selbstständig neu.

Abschließende Schritte

Nach dem letzten Schritt startet der Tolino Vision 6 bzw. Tolino Epos 3 neu und du wirst von einer Launcher-Auswahl begrüßt. Hier wählst du den „Simple Ink Launcher“ und danach „Immer“. Damit ist dieser Launcher nun deine Standard-Bedienoberfläche.

Als nächstes musst du die Virtual Softkeys einblenden, damit du zwischen der Tolino-App und dem Simple Ink Launcher hin- und herwechseln kannst. Ohne diese Einrichtung müsstest du den eReader immer neu starten, um zurück zum Launcher zu gelangen.

Simple Ink Launcher und Virtual Soft Keys wurden mit Hilfe des Debug-Menüs installiert

Virtual Soft Keys aktivieren und einrichten

Etwas unübersichtlich, aber einmal nötig und schnell erledigt

Die Einrichtung der Virtual Softkeys sieht ein wenig unübersichtlich aus, weil die Pop-Up-Fenster keine Hintergrundfarbe haben und transparent sind. Mit drei simplen Schritten ist der einmalig unübersichtliche Part aber schnell erledigt:

  1. Zuerst musst du den „Go to Settings“-Knopf antippen und zulassen, dass sich die Anwendung über andere Apps legt.
  2. Danach gehst du mit einem Wischen vom unteren Bildschirmrand einen Schritt zurück und klickst den zweiten „Go to Settings“-Knopf. Hier musst du bei den Bedienungshilfen die „VirtualSoftKeys“ aktivieren.
  3. Nachdem du wieder mit einem Wischen vom unteren Bildschirmrand zurück zur App gehst, machst du ein Häkchen bei „Don’t remind“ und tippst den „I knew“-Knopf an.

Sind diese drei Schritte erledigt, kannst du in den App-Einstellungen deine bevorzugten Anpassungen für die virtuelle Knopfleiste vornehmen.

Ich habe den „Gesture height“-Schieberegler in etwa auf 50% gestellt. Du siehst deine Auswahl als dunkelgrauen Balken am unteren Bildschirmrand.

Mit einem Rauf-wischen in diesem Bereich blendest du die Knopfleiste ein, mit einem Runter-wischen blendest du sie wieder aus.

Was tun bei Fragen oder Problemen?

Wie bereits erwähnt, ist der freie App-Zugriff am Tolino Vision 6 bzw. Epos 3 entwicklungsseitig nicht vorgesehen und kann in Einzelfällen zu Problemen führen. Leider kann ich generell keine Unterstützung bieten. Dafür sind die Anfragen zu zahlreich und eine Fehlerbehebung üblicherweise zeitaufwendig.

Wende dich bei Fragen oder Problemen daher bitte an unser Forum. Darin lese nicht nur ich mit, sondern es tummeln sich auch einige kundige Tolino-Experten und können mit Tipps zur Seite stehen.

Außerdem findest du im Forum eventuell bereits Antworten auf Fragen, die du vielleicht gerade hast. Daher lohnt es sich auch in älteren Themen nachzulesen und die Suchfunktion zu verwenden.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren