Neuer Tolino Vision 6 im Hands-On: Display, Gehäuse und Prozessor sind jetzt noch besser

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Nachdem die Tolino-Partner 2020 keinen neuen eReader auf den Markt gebracht hatten, geht heuer mit Ende Oktober – und damit rechtzeitig zum startenden Weihnachtsgeschäft – die bereits sechste Generation des Vision an den Start.

Der Tolino Vision 6 bringt dabei eine Reihe interessanter Neuerungen. Nicht alle sind auf den ersten Blick sichtbar, aber versprechen das ohnehin schon sehr gute Nutzungserlebnis des Vorgängers noch weiter zu verbessern.

Verfeinertes Gehäuse

An der grundsätzlichen Optik des Tolino Vision 6 hat sich zunächst wenig geändert. Die Knopf- und Griffleiste befindet sich seitlich neben dem hochformatig positionierten Bildschirm. Im Detail gibt’s aber doch ein paar Unterschiede: Der eBook Reader ist im Vergleich zum Vorgänger in jede Richtung minimal gewachsen. Nicht dramatisch, aber im direkten Vergleich durchaus sichtbar. Die Rahmen um das Display sind ein wenig breiter und auch in der Hand wirkt das Lesegerät etwas prominenter. Das ist aber wohl auch dem höheren Gewicht von 215 g geschuldet (Vision 5: 195 g).

Im Detail wurden die Kanten allesamt etwas stärker abgerundet, was die längerfristige Handhabung angenehmer gestalten dürfte. Auch die charakteristische Knick der Griffleiste wurde stark entschärft und in eine sanfte Biegung verwandelt. Lediglich am Ende der Griffleiste ist eine deutlich spürbare Kante vorhanden. Diese markante Biegung sorgt dafür, dass man das Gerät mit dem Daumen sicher und ohne großen Kraftaufwand fixieren kann.

Die Blättertasten sitzen gut positioniert näher an der Kante

Die Blättertasten sind zudem deutlich näher in Richtung des äußeren Randes gewandert. Das entspricht zumindest für meine Handhaltung eher der Position, auf der mein Daumen natürlichweise landet. Die kleine Vertiefung zwischen den Blättertasten, die der Tolino Vision 5 hatte, ist verschwunden.

Es handelt sich damit also um eine behutsame, durchaus gelungene Verfeinerung des bestehenden Designs.

Carta 1200 Display für mehr Kontrast

Die Displaydiagonale misst weiterhin 7 Zoll und auch die Auflösung bleibt mit 1680×1264 Pixel unverändert. Damit ergibt sich wieder eine gestochen scharfe Pixeldichte von 300 ppi. Mehr wäre zwar grundsätzlich möglich gewesen, macht sich im praktischen Alltag laut Tolino aber nicht wirklich bezahlt. Ebenso wieder mit dabei ist die Nachtlicht-Funktion, mit der sich die Farbtemperatur der Beleuchtung adaptieren lässt.

Gestochen scharfe und knackige Schrift, dank neuem Display

Besonders interessant wird es bei der verwendeten Bildschirmtechnik: Erstmals kommt E-Ink Carta 1200 in einem Tolino-eReader zum Einsatz. Die neue Technik verspricht eine um 20 Prozent schnellere Reaktionszeit und 15 Prozent mehr Kontrast.

Das erste Einschalten des Vorserienmodells, das ich vorab zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen habe, war dann aber zunächst ein wenig ernüchternd. Denn da sah das Display im direkten Vergleich zum Vision 5, den ich griffbereit hatte, nicht auffällig anders aus. Zwar sehr gut, aber auf den ersten Blick eben doch nicht besser. Erst wenn man bei guten Lichtverhältnissen genauer hinsieht, erkennt man das sattere Schwarz der Schrift am neuen Vision-6-Display.

Beleuchtung mit WOW-Effekt

Diese Ernüchterung verschwand nach dem Anschalten der Beleuchtung aber sofort. Denn mit eingeschaltetem Licht kann der Tolino Vision 6 mit einem echten WOW-Effekt aufwarten. Da stimmt die Bezeichnung „Schwarz-auf-Weiß“ für den angezeigten Text auch für einen eReader.

Denn: Der Hintergrund wird mit aktiviertem Licht deutlich heller, die Schrift bleibt aber knackig schwarz. Ganz offensichtlich wurde hier nicht nur innerhalb des Display an ein paar Stellschrauben gedreht, auch die Lichtträgerfolie ist wohl eine andere als zuvor. Ohne die genauen Kontrastwerte ermittelt zu haben, kann ich ganz ohne Übertreibung sagen, dass es sich dabei um eine der besten Textdarstellungen auf einem eReader handelt. 

Das Display ist damit hinsichtlich des Kontrasts – trotz Vorankündigung zur neuen Technik – eine willkommene Überraschung.

Neue Hardware, neue Android-Version

Einen deutlichen Sprung gab’s auch an der nicht sichtbaren Hard- und Software des Geräts.

Der Tolino Vision 6 nutzt nun einen AllWinner B300 Quad-Core Prozessor mit bis zu 1,8 GHz. Der CPU stehen 1 GB RAM Arbeitsspeicher zur Seite. Der interne Speicher hat sich ebenfalls auf 16 GB verdoppelt. Zusammen mit der neuen Hardware hält auch Android 8.1 am Gerät Einzug. Bisher griffen die Tolino eBook Reader auf Android 4.x Versionen zurück.

Klingt alles schön und gut, aber was bedeutet das für mich als Nutzer? Die auffälligste Änderung betrifft auf jeden Fall die fühlbare Reaktionszeit des Geräts auf Eingaben. Für eReader waren die Tolino Modelle auch bisher keineswegs langsam, mit dem neuen Unterbau und Display verbessert sich die Reaktionszeit aber tatsächlich nochmal spürbar. Beim bloßen Umblättern im Buch ist das nicht sonderlich auffällig, beim Navigieren durch die Benutzeroberfläche dafür umso mehr.

Abgesehen davon eröffnet Android 8.1 für Bastler mehr Möglichkeiten. Denn mit der jüngeren Android-Version sind auch mehr Apps kompatibel. Fastboot ist weiterhin aktiviert, womit die „Hintertür“ zur eigenen App-Installation offen bleibt. Das sei laut Tolino eine bewusste Entscheidung, da man schließlich ein offener Anbieter sei – wurde in einem Vorab-Gespräch verraten. Das heißt zwar nicht, dass es für immer so bleibt, für den Moment bleiben Tolino eBook Reader damit aber weiterhin eine tolle Anlaufstelle auch für Bastler.

Im vollständigen Testbericht werde ich die App-Installation dann wieder selbst testen. Im Kurzversuch lässt sich der eReader jedenfalls offenbar gewohnt einfach in den Fastboot-Modus versetzen.

Unabhängig von den genannten Punkten bleibt die Tolino-Benutzeroberfläche weitestgehend unverändert, sodass man sich als Umsteiger keine allzu großen Gedanken machen braucht.

Neben den anderen genannten Hardwareneuerungen gibt’s beim Vision 6 jetzt auch USB-C. Damit folgt der eBook Reader der Marktentwicklung bei Unterhaltungselektronikgeräten die sich allesamt langsam aber sicher von Micro-USB entfernen. Der eingebaute IPX8 Wasserschutz ist weiterhin vorhanden.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint der Tolino Vision 6 ein relativ behutsames Update des ohnehin sehr guten Vorgängers zu sein, frei nach dem Motto: Never change a running system. Tatsächlich wurde das Gerät aber gerade systemseitig auf völlig neue Beine gestellt.

Tolino Vision 6: Auf den ersten Blick nicht so viele Änderungen, bei genauerem Hinsehen aber viel Neues

Der Vision 6 wird damit als neue Plattform für zukünftige Geräte der Kobo-Tolino-Partnerschaft dienen. Ob es hier nur hardwareseitig Neuerungen gibt, oder der Sprung zu Android 8.1 auch softwareseitig noch weitere Änderungen im Portfolio der beiden eReader-Schwergewichte bringt, bleibt aber offen.

Im ausführlichen Testbericht, in dem ich nach geraumer Inaktivität wieder einen genaueren Blick auf den neuen Vision 6 werfen werde, beleuchte ich das Gerät dann von allen Seiten.

Der Tolino Vision 6 ist derzeit für 169 Euro vorbestellbar und wird voraussichtlich ab 27. Oktober ausgeliefert.