Tolino Vision 6 und Epos 3: Root, ADB und Apps installieren [Anleitung]

Geschätzte Lesezeit: 10:55 min.

Mit dem Befolgen der nachfolgenden Anleitung kannst du Root-Zugriff auf dem Tolino Vision 6 und Epos 3 erlangen und damit eigene Android Apps installieren, sowie bei Bedarf auch tiefgreifende Änderungen am System vornehmen. Der Vision muss dafür nicht geöffnet werden.

Weil Tolino Vision 6 und Epos mit Android 8.1 eine modernere Version nutzen als die restliche Tolino-Familie, sind die eBook Reader für Bastler, Tüftler und Individualisten ein echter Geheimtipp, die es mit ein wenig Geduld erlaubt, umfangreiche Anpassungen an der Bedienoberfläche vorzunehmen. Aber auch die schnellere Quad-Core CPU macht die Android-App-Nutzung im Vergleich zu anderen Tolino-Modellen attraktiver.

Diese Anleitung wurde für den Tolino Vision 6 und Tolino Epos 3 mit Firmwareversion 15.4.0 erstellt und getestet. Stand 19.08.2022

Apps ohne Root installieren

Sideloading, also das Installieren von Android-Apps direkt aus dem Gerätespeicher, klappt beim Tolino Epos 3 und Vision 6 mit aktueller Firmware auch ohne ADB und ohne Root-Zugriff.

Findige Nutzer in unserem Forum haben eine Möglichkeit entdeckt, das Debug-Menü aus der regulären Benutzeroberfläche zu öffnen. Dieses beinhaltet die Möglichkeit, eigene APK-Dateien zu installieren.

Der Vorteil an dieser rootlosen Methode liegt darin, dass du kein Boot-Image flashen musst und somit keine systemkritischen Komponenten manipulierst. Es handelt sich also um eine relativ unproblematische Möglichkeit, um eigene Apps auf Tolino Vision 6 und Epos 3 nutzen zu können.

Der Nachteil besteht jedoch darin, dass das Debug-Menü in späteren Updates eventuell nicht mehr abrufbar sein könnte und diese Option dann nicht mehr besteht. Außerdem lässt sich ohne Root-Zugriff nicht auf Systemordner zugreifen. Zumindest der zweite Punkt ist zumeist aber kein Problem, wenn man nur „normale“ Android-Apps (wie z.B. Skoobe usw.) nutzt.

Wenn du Android-Apps ohne Root-Zugriff installieren möchtest, folge der Anleitung auf dieser Seite.

Weiterführend wird ausschließlich die Option mit Root-Zugriff beschrieben.

Wissenswertes, bevor du loslegst

Der Schlüssel zum Root-Zugriff am Tolino Vision 6 und Epos 3 liegt wie schon bei den Vorgängermodellen im Fastboot-Service. Es handelt sich dabei um eine Schnittstelle, mit der man verschiedene Entwicklungs-Funktionen ausführen kann. Teil davon ist auch das Flashen eigener Boot-Images.

Das ist in unserem Fall nötig, weil ein angepasstes Boot-Image installiert werden muss, um Root-Zugriff zu erlangen. Zusätzlich wird mit dem adaptierten Boot-Image auch ADB standardmäßig aktiviert.

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung habe ich mehrmals ausführlich und auf verschiedenen Tolino Vision 6 und Tolino Epos 3 getestet. Leider lassen sich aber nie alle möglichen Probleme und potenzielle Auswirkungen eruieren, daher folgt an dieser Stelle der Hinweis:

Von unserer Seite wird keine Verantwortung für etwaige Probleme übernommen und kein Support geboten. Die nachfolgenden Schritte können einen Garantieverlust zur Folge haben. Daher: Alles auf eigene Gefahr!

Die Anleitung wurde möglichst detailreich erstellt, um sicherzustellen, dass Fehlerquellen schnell erkannt und beseitigt werden können. Das Befolgen der Anleitung dauert unterm Strich nur wenige Minuten. Es empfiehlt sich aber vorher alles genau durchzulesen. Dementsprechend kann der erstmalige Root-Versuch inklusive der Treiberinstallation etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Obwohl mit dem Rooten kein Zugriff auf den eBook-Speicher vorgesehen ist, solltest du zur Sicherheit trotzdem alle wichtigen Dateien am Gerät vorab sichern.

ALLESebook Root-Paket für den Tolino Vision 6 & Epos 3

Das hier zur Verfügung gestellte Root-Paket wurde auf Basis der offiziellen Firmware 15.4.0 erstellt und erfolgreich mit dem Tolino Vision 6 und Epos 3 mit der gleichen Firmware-Version getestet. Es funktioniert nicht für ältere Firmwares.

ACHTUNG: Kontrolliere vor dem Start der Anleitung, ob dein Tolino Vision 6 bzw. Epos 3 mit Firmwarenversion 15.4.0 läuft. Andere Versionen sind möglicherweise ebenfalls lauffähig, wurden von uns aber nicht getestet. Dieses Paket ist nicht für andere Tolino-Modelle geeignet.

Zum Start, lade das Root-Paket hier herunter und entpacke die ZIP-Datei in ein beliebiges Verzeichnis auf deinem Windows-PC:
Download: ALLESebook_tolino_vision6_root_15-4-0.zip (35,5 MB)

Das Paket enthält u.a. folgende Dateien und Ordner:

    • a_images
      • custom_boot.img
    • b_usb_driver
      • DPInst_x64.exe
      • DPInst_x86.exe
    • c_adb
      • z_daxia.virtualsoftkeys_10.apk (Virtuelle Navigation)
      • z_Magisk-v22.1.apk (Root-Companion-App)
      • z_simple.ink.launcher.1.2.apk (E-Ink-freundlicher Launcher)
      • z_zhanghai.android.files_31.apk (Dateiexplorer)
    • 1_ANLEITUNG
    • 2_INSTALL_usb_drivers.bat
    • 3_INSTALL_vendor_id.bat
    • 4_FLASH_bootimg.bat
    • 5_TEST_adb.bat
    • 6_INSTALL_apps.bat

    Schritt für Schritt Anleitung

    Bevor Änderungen am Gerät vorgenommen werden können, muss sichergestellt sein, dass die passenden USB-Treiber für die ADB-Schnittstelle vorhanden sind. Starte die Datei „2_INSTALL_usb_drivers.bat„. Hiermit werden die passenden Treiber am Windows-PC installiert. Es wird automatisch zwischen 32 und 64 bit Systemen unterschieden. Klicke die Treiber-Installation bis zum Ende selbst durch. Ist das erledigt, kannst du beide Fenster schließen (Abbildung 1).

    Abbildung 1: USB-Treiber-Installation

    Mit der Datei „3_INSTALL_vendor_id.bat“ trägst du die nötige Geräte-ID für den ADB-Zugriff im Betriebssystem ein (Abbildung 2). Ohne diese ID funktioniert die ADB-Verbindung trotz korrekter Treiberinstallation nicht.

    Abbildung 2: Vendor-ID wird eingetragen

    Nun geht’s an die Änderungen am Gerät. Kontrolliere daher nochmal, ob Firmware 15.4.0 am Tolino Vision 6 bzw. Epos 3 installiert ist. Ist das der Fall, stecke den eingeschalteten eReader via USB-Kabel am PC an. Der Akku sollte für die weiteren Schritte am besten (fast) vollständig geladen sein.

    Während der Vision 6 am USB-Kabel steckt, schalte diesen jetzt vollständig ab. Halte dazu den Power-Knopf gedrückt, bis das Popup-Menü am Bildschirm erscheint und wähle dann „Ausschalten“. Warte einen Moment, bis der eReader vollständig heruntergefahren wurde und die LED in der Griffleiste erloschen ist.

    Im folgenden Schritt werden die vorhin installierten ADB-Treiber mit dem Gerät verknüpft. Das ist auch notwendig, wenn du bereits früher einen anderen Tolino eBook Reader am gleichen PC gerootet hast. Öffne den Geräte-Manager von Windows.

    Jetzt drücke am Tolino Epos 3 bzw. Vision 6 gleichzeitig den Power-Knopf und die untere Blättertaste (Griffleiste rechtsseitig ausgerichtet) und halte beide Tasten so lange gedrückt, bis der PC das neue Gerät erkennt. Am Vision 6 leuchtet die LED kurz auf, danach befindet sich der eReader im Fastboot.

    Behalte auch den Geräte-Manager am PC im Auge. Es dauert normalerweise nur wenige Sekunden bis der Fastboot-Modus aktiviert wird. Wenn Fastboot startet, taucht in der Geräte-Manager-Liste unter „Andere Geräte“ ein neuer Punkt auf. Dieser nennt sich „USB Developer“.

    Klicke mit der rechten Maustaste auf das neue Gerät, wähle „Eigenschaften“ und folge den Schritten in der nachfolgenden Bildstrecke.

    Jetzt geht’s ans Eingemachte: Zum Flashen des Boot-Image starte die Datei „4_FLASH_bootimg.bat„.

    Da sich der Vision 6 bzw. Epos 3 weiterhin im Fastboot-Modus befindet, sind dafür keine zusätzlichen Schritte erforderlich. Bestätige einfach die Fragen in der Eingabeaufforderung der gestarteten Datei, um das Boot-Image zu flashen (siehe nachfolgendes Bild). Danach startet der eReader neu. Wird dein eReader nicht gefunden und der Boot-Image-Flash erfolgt nicht, hat die Treiberinstallation nicht funktioniert (Schritte 1-6).

    Hat das Flashen geklappt, landest du nach dem Geräteneustart wieder in der bekannten Tolino Bedienoberfläche. Im Gegensatz zu zuvor, ist ADB jetzt allerdings aktiv. Kontrolliere nun mit dem Start der Datei „5_TEST_adb.bat„, ob die ADB-Verbindung aktiv ist.

    Wenn das der Fall ist, siehst du eine zufällige Zeichenkette als Geräte-ID mit dem Hinweis „unauthorized“. Gleichzeitig taucht am eReader eine Meldung des angeforderten ADB-Zugriffs in Form eines Pop-Ups („USB-Debugging zulassen?“) auf. Mache ein Häkchen bei „Von diesem Computer immer zulassen“ und tippe auf OK.

    Damit erlaubst du, dass der ADB-Zugriff vom verbundenen PC erfolgen darf.

    Wenn es im blauen Fenster keine Aktivität gibt, und für zumindest 30 Sekunden lediglich „* daemon started successfully *“ zu lesen ist, schließe das Fenster, stecke den eReader kurz ab, wieder an und starte die Datei erneut. Wird nun noch immer kein ADB-Gerät gefunden und die zufällige Zeichenkette fehlt, dann hat die Treiberinstallation höchstwahrscheinlich nicht geklappt. (Punkte 1-6)

    Nun kommen wir schließlich zur App-Installation, die auch den Weg zur Android-Bedienoberfläche frei macht: Starte die Datei „6_INSTALL_apps.bat„. Damit laufen die App-Installationen sofort automatisch durch. Danach startet der Tolino Epos 3 bzw. Vision 6 selbstständig neu.

    Abschließende Schritte

    Nach dem letzten Schritt startet der Tolino Vision 6 bzw. Epos 3 neu und du wirst von einer Launcher-Auswahl begrüßt. Hier wählst du zunächst den „Simple Ink Launcher“ und danach „Immer“. Damit ist dieser Launcher nun deine Standard-Bedienoberfläche.

    Standard-Launcher festlegen

    Jetzt musst du die Virtual Softkeys einblenden, damit du zwischen der Tolino-App und dem Simple Ink Launcher hin- und herwechseln kannst. Ohne diese Einrichtung musst du den eReader immer neu starten, um zurück zum Launcher zu gelangen.

    Virtual Soft Keys aktivieren und einrichten

    Etwas unübersichtlich, aber einmal nötig und schnell erledigt

    Die Einrichtung der Virtual Softkeys sieht ein wenig unübersichtlich aus, weil das Android-Pop-Up-Fenster keine Hintergrundfarbe hat und transparent ist. Mit drei simplen Schritten ist der einmalig unübersichtliche Part aber schnell erledigt:

    1. Zuerst musst du den „Go to Settings“-Knopf antippen und zulassen, dass sich die Anwendung über andere Apps legt.
    2. Danach gehst du mit einem Wischen vom unteren Bildschirmrand einen Schritt zurück und klickst den zweiten „Go to Settings“-Knopf. Hier musst du bei den Bedienungshilfen die „VirtualSoftKeys“ aktivieren.
    3. Nachdem du wieder mit einem Wischen vom unteren Bildschirmrand zurück zur App gehst, machst du ein Häkchen bei „Don’t remind“ und tippst den „I knew“-Knopf an.

    Sind diese drei Schritte erledigt, kannst du in den App-Einstellungen deine bevorzugten Anpassungen für die virtuelle Knopfleiste vornehmen.

    Virtual-Buttons-Einstellungen

    Ich habe den „Gesture height“-Schieberegler in etwa auf 50% gestellt. Du siehst deine Auswahl als dunkelgrauen Balken am unteren Bildschirmrand.

    Mit einem Rauf-wischen in diesem Bereich blendest du die Knopfleiste ein, mit einem Runter-wischen blendest du sie wieder aus.

    Simple Ink Launcher mit aktivierten Virtual Softkeys am unterem Bildschirmrand

    Magisk Root (Probleme)

    Root-Zugriff mit Magisk

    Als wartungs- und bedienfreundliche Variante wurde der Magisk-Rootzugriff integriert. Öffne die Magisk-App und kontrolliere, ob du Root-Zugriff hast.

    Wenn in der Sektion „Magisk“ bei „Installiert“ der „Wert 22.1 (22100)“ steht, dann hast du Root-Zugriff. Sobald eine App diesen Zugriff anfordert, erscheint ein Pop-Up-Fenster und du kannst den Root-Zugriff gewähren oder ablehnen. Das klappt auch für Superuser-ADB-Zugriff über den PC.

    Lösung: Root-Zugriff nach dem Neustart verschwunden

    In meinen Tests kam es immer wieder vor – obwohl alle Schritte der Anleitung problemlos durchgelaufen sind – dass der Root-Zugriff nach einem Neustart des Geräts (und sehr selten nach dem eigentlichen Root-Vorgang) nicht vorhanden war. Ich konnte bisher leider nicht nachvollziehen, woran es liegt. Offenbar gibt es während des Hochfahrens einen Prozesskonflikt, der den Root-Zugriff für Magisk verhindert.

    Die einfachste Lösung, die meist funktioniert, ist den Boot-Vorgang abzubrechen und das Gerät einfach nochmal neuzustarten. Das Abwürgen des Boot-Prozesses scheint diesen Konflikt beim nächsten Start temporär zu beheben.

    Erkennbar ist der fehlende Root-Zugriff bereits direkt beim Starten des Geräts, wenn die Ladeanimation beim Hochfahren erst nach langer Zeit (20-30 Sekunden) erscheint, anstatt nach wenigen Sekunden.

    Gehe wie folgt vor, um das Problem zu beheben:

    1. Wenn der eReader hochfährt und der Bildschirm das erste Mal flackert, sollte die 3-Punkt-Ladeanimation innerhalb von 5-8 Sekunden erscheinen. Ist das der Fall, lass den eReader ganz normal starten. Du solltest Root-Zugriff haben.
    2. Erscheint die Ladeanimation nicht nach spätestens 8 Sekunden, bleibe lang auf dem Power-Knopf (ca. 5 Sekunden), um den Startvorgang abzubrechen und den Vision 6 bzw. Epos 3 wieder auszuschalten. Dass du den Startvorgang abgebrochen hast, erkennst du daran, dass die LED aufhört zu blinken.
    3. Warte danach 2-3 Sekunden und schalte das Gerät wieder ein.

    Wiederhole das Prozedere so lange, bis die Ladeanimation nach ca. 5-8 Sekunden nach dem ersten Bildschirmflackern erscheint. In meinen Tests klappte es größtenteils beim ersten Versuch, seltener musste ich zwei oder drei Mal neu starten.

    Da man den eReader üblicherweise im Standby belässt und nur selten komplett ausschaltet, sollte diese kleine Macke hoffentlich nicht allzu störend sein. Zudem benötigen die allermeisten Apps für eine problemlose Funktion keinen dauerhaften Root-Zugriff.

    D.h. auch wenn der Root-Zugriff wegen des Fehlers nach einem Neustart nicht verfügbar sein sollte, kannst du den Simple Ink Launcher und die allermeisten anderen Android-Funktionen weiterhin nutzen. Und wenn du den Root-Zugriff dann doch mal brauchst, startest du das Gerät wie beschrieben neu.

    Was tun bei Fragen oder Problemen?

    Wie eingangs erwähnt, kann ich abgesehen von dieser Anleitung leider keine Unterstützung zum Root-Zugriff bieten. Dafür sind die Anfragen zu zahlreich und eine Fehlerbehebung üblicherweise sehr zeitaufwendig.

    Wende dich bei Fragen oder Problemen bzgl. des Root-Zugriffs daher bitte an unser Forum. Darin lese nicht nur ich mit, sondern es tummeln sich auch einige kundige Root-Experten und können mit Tipps zur Seite stehen.

    Außerdem findest du im Forum eventuell bereits Antworten auf Fragen, die du vielleicht gerade hast. Daher lohnt es sich auch in älteren Themen nachzulesen und die Suchfunktion zu verwenden.

    Mehr zum Thema

    Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren