Teardown: Tolino Vision auseinandergenommen

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Der Tolino Vision ist der zweite eBook Reader der Tolino-Allianz und das erste ePub-Lesegerät mit E-Ink Carta Bildschirm. In unserem Test konnte der neue eReader eine sehr gute Bewertung von 1,5 holen und positioniert sich als gute Alternative zum Kindle Paperwhite.

Eine Frage die im Test offen blieb, war die nach der Modifizierbarkeit. Der Tolino Shine ließ sich zu Beginn (bis Firmware 1.2.4) rooten, sodass man vollen Zugriff auf das Android-Betriebssystem bekommen konnte – wenn man wollte. Seit dem genannten Update ist der Root-Zugriff nur noch mit größerem Aufwand möglich bzw. mit einem vollständigen Aufspielen eines Speicherimages auf die interne (entnehmbare) MicroSD-Karte.

Nachdem die Software-Sicherheitslücke beim Tolino Shine geschlossen wurde, die den Root-Zugriff ermöglicht hat, schien es von Anfang an unwahrscheinlich, dass der Vision einfach rootbar sein würde. Bleibt also noch das Aufspielen eines Speicherimages auf die interne Speicherkarte. Jedoch stand auch hinter dieser Option ein großes Fragezeichen, denn der neue Tolino eReader hat offenkundig viele Gemeinsamkeiten zum Kobo Aura (siehe Vergleich), womit die Chance schon mal schlechter stand. Der Kobo Aura hat nämlich keine entnehmbare MicroSD-Karte für den internen Speicher (inkl. Betriebssystem).

Tolino Vision mit geöffneter Rückseite

Keine entnehmbare interne Speicherkarte

Um die Frage abschließend zu beantworten, habe ich den Tolino Vision daher auseinandergenommen. Im nachfolgenden Teardown ist gut zu erkennen, dass die beim Tolino Shine vorhandene Speicherkarte durch einen Speicherchip ersetzt wurde, der direkt auf der Hauptplatine platziert ist. Wie erwartet, lässt sich der Speicher des Vision also nicht entfernen und eine einfache Modifizierbarkeit wie beim Vorgänger ist somit nicht realisierbar.

Wie bereits erwähnt, kommt dies aber nicht unerwartet, denn der Kobo Aura hat ebenfalls einen gelöteten Speicherchip. Das Innenleben räumt dann auch mit den letzten Zweifeln auf, dass Kobo Aura (hier bei der FCC) und Tolino Vision gemeinsame Gene besitzen.

NAND, SoC und RAM auf der Hauptplatine

Als interner Speicher kommt ein NAND-Flash von Sandisk zum Einsatz (Sandisk SDIN7DP2 4G). Für den SoC kommt der bereits vorher bekannte (wie auch im Kindle Paperwhite 2) Freescale i.MX 6 Solo Lite Chip (MCIMX6L8DVN10AB) mit 1 GHz Takt zum Einsatz.

Der Arbeitsspeicher stammt von Nanya (NT6TL128M32AQ-G1), den Touchscreen liefert Elan (eKTF2132IWS). Der Akku ist mit 1500 mAh ausreichend stark, um lange Laufzeiten zu gewährleisten. Trotz des großen Akkus gehört der Tolino Vision zu den leichtesten beleuchteten eBook Readern am Markt.

Teardown mit kleiner Überraschung

Eine Überraschung gibt es, wenn man die Hauptplatine entfernt und sich zum Bildschirm vorarbeitet. Anstatt wie erwartet eine völlig geschlossene Rückseite vorzufinden, gibt’s in der Rückplatte des Displays eine Aussparung um einigen Bauteilen auf der Platine Platz zu machen (Anmerkung: Solche Lücken gibt’s auch bei anderen eBook Readern). Dies sorgt dafür, dass man einen direkten Blick auf das E-Ink Panel werfen kann (siehe unten), das eine gewisse Transparenz besitzt. Mit genügend Licht kann man also durch den E-Ink Bildschirm durchscheinen. Grundsätzlich ließe sich so auch eine Hintergrundbeleuchtung realisieren.

Im Backcover des Displays gibt es eine Aussparung. Wenn man ganz genau hinsieht, kann man einen Teil des Standby-Bildschirms erkennen (der lächelnde Mund des Smilies).

Dass man allerdings doch besser auf eine Frontbeleuchtung setzt, dürfte wohl an der ausgesprochen schlechten Lichtdurchlässigkeit liegen, denn selbst wenn man eine relativ starke Lichtquelle (schnell und unkompliziert wurde für die Demonstration ein Samsung Galaxy S4 genutzt) direkt durchstrahlen lässt, der Helligkeitsaustritt auf der anderen Seite ist eher bescheiden. Der (Energie-)Aufwand ein E-Ink Display mit einer Hintergrundbeleuchtung besser lesbar zu machen, dürfte somit deutlich höher liegen als bei einem üblichen LCD-Bildschirm bzw. bei einer Frontbeleuchtung mit lediglich vier oder fünf LEDs im Gehäuserahmen.

Mit Hilfe einer Lichtquelle lässt sich zeigen, dass der E-Ink Bildschirm …

… eigentlich eine gewisse Transparenz besitzt

Ich habe den Tolino Vision dann auch nur so weit zerlegt, damit er wieder problemlos zusammenzubauen ist. Der Bildschirm wurde also nicht aus dem Gehäuse genommen, da ich keine Beschädigungen riskieren wollte. Das spielt letztendlich aber auch keine allzu große Rolle, denn mit dem unverhüllten Blick auf die Hauptplatine sieht man ohnehin die meisten Komponenten und die eingangs offene Frage zum internen Speicher ließ sich ebenfalls beantworten.

Damit sind die Hoffnungen auf einen einfachen Root-Zugriff am Tolino Vision wohl erstmal vom Tisch. Schade.

Tolino Vision Teardown Fotos

Nachfolgend gibt’s alle Bilder zum Teardown:

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