Kindle (2016)

Das Einstiegsmodell von Amazon ist nicht nur günstig, sondern auch gut. Was den Kindle auszeichnet, erläutern wir nachfolgend.

Steckbrief

Auf dieser Seite findest du eine ausführliche Beschreibung (mit Testbericht) zum günstigsten Amazon eBook Reader, der schlicht auf den Namen „Kindle“ hört. Daneben hat der Versandriese allerdings noch drei andere Lesegeräte im Sortiment, die neben einem höher auflösenden Display auch eine eingebaute Beleuchtung bieten.

Kommen wir zur eigentlichen Beschreibung des Kindle: Schon seit einiger Zeit ist klar, dass Amazon neben dem Oasis mit dem Codenamen „Whiskey“, auch einen zweiten eBook Reader mit dem Codenamen „Woody“ in Arbeit hat. Im Gegensatz zum Oasis sollte es sich dabei allerdings nicht um ein Gerät im High-End-Segment handeln, sondern im Einstiegs-Bereich des Kindle-Angebots.

Im Juni 2016 hat Amazon das Geheimnis gelüftet und den neuen Kindle offiziell vorgestellt. Es handelt sich – wie erwartet – um ein neues Basismodell, das den bisherigen „Kindle Touch 2“ oder „Kindle Basic Touch“ ersetzt (wie das Gerät gelegentlich genannt wurde).

Die technischen Neuerungen halten sich dabei eher in Grenzen, denn der neue Kindle nutzt die gleiche Bildschirmtechnik und Auflösung wie der Vorgänger: Das Gerät verfügt über einen 6 Zoll großen E-Ink Pearl Bildschirm mit einer Auflösung von 800×600 Pixeln, woraus sich eine Pixeldichte von 167 ppi ergibt. Auf eine eingebaute Beleuchtung muss man verzichten.

Bluetooth für VoiceView nur auf Englisch

Die größte Neuerung betrifft die neue hinzugekommene Drahtlosverbindung über Bluetooth. Schon der Oasis soll angeblich über eine deaktivierte Bluetooth-Verbindung verfügen, der neue Kindle bringt sie nun offiziell an den Start – vorerst aber nur in den USA. Als Anwendungsgebiet nennt Amazon die VoiceView-Funktion die wenige Wochen zuvor vorgestellt wurde.

Damit lässt sich der Kindle für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen per Touchbedienung und Audiofeedback steuern, sowie eBooks mit Hilfe der damit verbundenen Text-To-Speech-Funktion vorlesen. Als Sprachsyntheseprogramm kommt die vor einiger Zeit übernommene Ivona-TTS-Engine zum Einsatz.

In Verbindung mit der VoiceView-Funktion ist auch der Arbeitsspeicher gewachsen, denn die TTS-Funktion soll am alten Modell mit nur 256 MB RAM nicht lauffähig gewesen sein. Der Kindle verfügt nun ebenso wie die teureren Modele über 512 MB RAM, was insbesondere auch der PDF-Nutzung zugute kommt.

Offen bleibt, ob die Bluetooth-Funktion irgendwann auch auf deutschen Geräten verfügbar sein wird, denn die Produktseite bei Amazon.de gibt ebenso wenig wie die deutsche Pressemitteilung einen Hinweis darauf. Ein Umschalten der Systemsprache auf Englisch könnte eine mögliche Sperre aber aufheben, wie der Test gezeigt hat.

Dünner und leichter

Neben der Bluetooth-Integration darf man sich über ein dünneres und leichteres Gehäuse freuen. Der neue Kindle ist 11 Prozent dünner und 16 Prozent leichter als der Vorgänger. In absoluten Zahlen: Die Maße betragen 160 x 115 x 9,1 mm bei einem Gewicht von nur 161 Gramm.

Gleichzeitig hat Amazon auch die Form des Geräts überarbeitet, wodurch die Handhabung deutlich angenehmer gewirden ist. Die Kanten sind nun nicht mehr so eckig wie beim Vorgänger, sondern angenehm abgerundet.

Dadurch liegt der eReader sehr gut in der Hand, wodurch man in Kombination mit dem niedrigen Gewicht viele Stunden bequem lesen kann.

Hinweis: Seit kurzer Zeit kann man alle aktuellen Kindle Modelle auch jailbreaken. Dadurch lässt sich der Softwareumfang z.B. mit alternativen eReading-Anwendungen erweitern. Alle weiteren Informationen dazu findest du hier

Zusammenfassung

Auch wenn der Kindle technisch keine großen Neuerungen an den Tisch bringt, so ist die verbesserte Haptik auf jeden Fall ein großer Zugewinn. Für eBook-Einsteiger stellt der eBook Reader damit weiterhin eine gute und preiswerte Option dar.

Testbericht

Amazon hatte bei der Entwicklung des neuen Kindle zwei Dinge im Fokus: Erstens wollte man die oftmals kritisierte Haptik des Vorgängers verbessern und zweitens sollte die kurz zuvor vorgestellte VoiceView-Funktion auch mit dem Basismodell laufen.

Wie genau sich diese Veränderungen in der Praxis bemerkbar machen und ob der Kauf des günstigsten Kindle-Modells weiterhin lohnenswert ist, erfährst du im nachfolgenden Test.

Verarbeitung & Austattung

Einer der größten Kritikpunkte des vorigen Kindle (=siebte Generation) war ohne Zweifel die wenig ansprechende Haptik. Dem Vorgänger des neuen Modells (=achte Generation) war das günstigere Material des Gehäuses deutlich anzufühlen. Die kantige Bauform, die Dicke und das relativ hohe Gewicht (in dieser Klasse) sorgten dann letztendlich dafür, dass mich der alte Kindle nie so richtig fesseln konnte.

Offenbar ging es nicht nur mir so, denn Amazon hat mit dem Neuen all diese Kritikpunkte adressiert.

Als besonders auffällig erweist sich in der ersten Handhabung und im direkten Vergleich die veränderte Gehäuseform. Das neue Modell ist an den Rändern nicht mehr so kantig wie der Vorgänger, sondern angenehm abgerundet. Dadurch liegt der Kindle super in der Hand und fühlt sich insgesamt deutlich besser an.

Der neue Kindle (oben, weiß) ist runder als der alte (unten, schwarz)

Obwohl sich am verwendeten Kunststoff offenbar kaum etwas geändert hat, sorgt die neue Bauform dafür, dass sich das Gerät insgesamt hochwertiger anfühlt. Die geringere Maße (160 x 115 x 9,1) und das sehr niedrige Gewicht (161 Gramm) unterstreichen diesen Eindruck.

Amazon hat damit tatsächlich all meine Kritikpunkte am alten Modell ausgeräumt und den neuen eBook Reader in ein rundum gelungenes Gehäuse gesteckt. Dieses ist nun auch in weißer Farbe erhältlich, womit Amazon sich wieder Back-to-the-Roots bewegt. Schon die ersten Lesegeräte des Unternehmens waren weiß.

Liegt gut in der Hand

Abgesehen von diesen Neuerungen bekommt man bewährte Kost geboten: Die Bedienung des Geräts erfolgt über den Touchscreen, sodass es abgesehen vom Powerknopf keine weiteren Tasten gibt. Auf eine Speicherkartenerweiterung muss man, wie von Amazon (und mittlerweile vielen anderen Herstellern) gewohnt, verzichten. Der interne Speicherplatz bietet mit 4 GB (3,04 GB verfügbar) aber weiterhin genügend Platz für mehrere tausend eBooks.

USB-Anschluss am unteren Rand

Die wichtigste technische Neuerung des Kindle bleibt dem deutschen Markt (vorerst) verschlossen: Der eReader verfügt neben WLan auch über eine neue Bluetooth-Schnittstelle. Letztere wurde für das VoiceView-Feature eingebaut. Da dieses momentan aber nur mit der englischsprachigen Benutzeroberfläche funktioniert, ist diese Form der Drahtlosverbindung mit der deutschen Oberfläche nicht nutzbar.

WLan kann man aber selbstverständlich auch in Deutschland (und anderen Teilen der Welt) verwenden, um eBooks direkt am Kindle zu erwerben.

Display & Beleuchtung

Beim Display setzt der neue Kindle auf bewährte Technik: Wie bereits die zahlreichen Vorgänger nutzt auch das neue Modell E-Ink Pearl Anzeigetechnologie. Damit ist das Gerät der letzte eReader im Amazon Portfolio mit dieser Technik. Kindle Paperwhite, Kindle Voyage und Kindle Oasis nutzen allesamt Carta-Bildschirme.

Ebenfalls verzichten muss der Kindle auf eine eingebaute Beleuchtung. Auch diese bleibt den teureren Modellen vorbehalten.

Die Displayauflösung beträgt 800×600 Pixel, wodurch sich auf die Bildschirmdiagonale von 6 Zoll eine Pixeldichte von 167 ppi ergibt. Damit befindet sich der eReader am Niveau der anderen Einstiegsmodelle von Kobo (Touch 2.0) und Tolino (Page).

Problemlos ablesbar

Ablesbarkeit

Was den Kontrast angeht, darf man sich grundsätzlich über eine gute und völlig problemlose Ablesbarkeit freuen. Die Hintergrundhelligkeit des Bildschirms ist ausreichend und liegt am Niveau des Vorgängers.

Im direkten Vergleich zu anderen (Kindle-)Modellen wird aber schnell ersichtlich, dass die Pearl-Technik nicht mehr ganz frisch ist. Und auch ein Blick zu einem der Mitbewerber macht auf diesen Umstand aufmerksam: Während der Kobo Touch 2.0 ebenfalls eine Pearl-Anzeige besitzt, verwendet der härteste Konkurrent aus Deutschland – der Tolino Page – bereits ein Carta-Display (siehe Foto).

Das E-Ink Carta Display des Tolino Page (rechts) ist heller und kontrastreicher

Da der Kindle keine eingebaute Beleuchtung besitzt, ist man bei dunkler Umgebung auf eine externe Lichtquelle angewiesen. Will man einen eBook Reader haben, den man bei jeder Tages- und Nachtzeit verwenden kann, muss man zum Kindle Paperwhite, Voyage oder Oasis greifen.

Touchscreen & Ghosting

Wie der Voränger auch, nutzt der Kindle wieder einen Infrarot-Touchscreen. Bei dieser Technik sind rund um das Display, unsichtbar im Rahmen des Geräts, Sensoren platziert, die Berührungen am Bildschirm registrieren. Der Vorteil dieser Touchscreen-Technik liegt in der absolut störfreien Anzeigequalität.

Dadurch, dass die Berührungserkennung über die Sensoren erfolgt, ist keine zusätzliche Kunststoffbeschichtung am Display nötig, wie das bei kapazitiven Touchscreens der Fall ist. Daher ist der Bildschirmhintergrund generell minimal heller und die Kantenschärfe der Buchstaben besser.

Infrarot-Touchscreen mit den Sensoren im Rahmen

Der Ghosting-Effekt ist beim neuen Kindle durchaus sichtbar, lässt sich aber wie gewohnt durch eine vollständige Seitenaktualisierung problemlos eliminieren. Das „geisterhafte Durchscheinen“ alter Textfragmente sollte im Lesebetrieb daher keine Probleme bereiten.

Zwischenfazit Display

Unterm Strich bietet der Kindle dank der soliden Anzeigetechnik wieder eine zufriedenstellende Ablesbarkeit. Die verwendete E-Ink Pearl Technik zeigt im direkten Vergleich zu den teueren Modellen, aber auch zum Konkurrenten Tolino Page, jedoch bereits ihr Alter.

Die Textdarstellung entspricht der des Vorgängers (rechts)

Lesen & Benutzerfreundlichkeit

Der Kindle wird bereits mit der vor einigen Monaten überarbeiteten Benutzeroberfläche ausgeliefert, die insgesamt moderner und luftiger gestaltet wurde.

Als Kindle-Nutzer gibt’s in Hinblick auf die Bedienung aber keine besonderen Überraschungen – alles ist am gewohnten Platz. Denn: Amazon ist bereits vor geraumer Zeit dazu übergegangen, das gesamte Kindle-Portfolio mit dem gleichen System auszustatten, sodass die Verwendung des neuen Einstiegsmodells ebenso einfach und intuitiv ausfällt, wie bei den teuren Geräten.

Neuer Startbildschirm (links) und alter Startbildschirm (rechts) gegenübergestellt

Die Ersteinrichtung erfolgt schnell und unkompliziert: Man aktiviert den Kindle, gibt das WLan-Passwort ein und schon kann man loslesen. Wenn man den eBook Reader direkt bei Amazon.de bestellt, wird das Gerät automatisch mit dem Benutzerkonto verknüpft, sodass man die Zugangsdaten nicht gesondert eingeben muss.

Der interaktive Anleitungsmodus, den man von älteren Firmwares kennt, ist einer neuen Kurzanleitung gewichen. Diese ist nicht mehr interaktiv, sondern erklärt die wichtigsten Funktionen Schritt für Schritt in einer schematischen Darstellung. Gleichtzeitig werden die ersten Schritte am Gerät mit praktischen Popup-Erklärungen begleitet. Öffnet man zum ersten Mal ein Buch und blättert um, wird in einem kleinen Fenster erklärt, wie die weitere Bedienung funktioniert. Der Ersteinrichtungsprozess und Einstieg ist damit weiterhin besonders einfach, sodass die Gerätenutzung auch für Techniklaien schnell verständlich ist.

Startbildschirm & Bibliothek

Der Startbildschirm wurde mit Einführung der neuen Bedienoberfläche geringfügig überarbeitet. Neben den zuletzt gelesenen und hinzugefügten eBooks gibt’s jetzt auch eine Leseliste. Darunter befinden sich die gewohnten Shop-Empfehlungen. Auf Wunsch kann man sowohl die Leseliste, als auch die Shopempfehlungen in den Geräteeinstellungen deaktivieren und die gewohnte Bibliotheksansicht nutzen.

Homescreen des Kindle

Bis zu acht Titel können in der Listenansicht und bis zu sechs eBooks in der Cover-Übersicht angezeigt werden.

Bücher kann man wie gewohnt nach Datum, Titel, Autor oder Sammlung sortieren. Inhalte lassen sich zudem auch unkompliziert und mit wenigen Klicks aus der Cloud herunterladen.

Werbung bzw. Spezialangebote

Amazon bietet den Kindle weiterhin wahlweise mit und ohne Werbeeinblendungen an. Diese nennt der Versandriese „Spezialangebote“, da dabei nicht nur Buchwerbung angezeigt wird, sondern auch Preisaktionen (meist zu diversen Zubehörartikeln) aufscheinen. Außerdem klingt der Zusatz „Spezialangebote“ natürlich besser und weniger heikel.

Die Werbung gibt’s dabei nur an zwei Stellen: Wenn man den eReader ausschaltet wird die Werbeeinblendung als Bildschirmschoner genutzt. Dabei muss man jedoch keine Angst haben, dass diese zustätzlichen Strom verbraucht, denn sobald ein Bild am E-Ink Display erstmal aufgebaut ist, bleibt dieses ohne weitere Stromzufuhr aufrecht.

Die zweite Werbeeinblendung erfolgt als schmaler (etwa 1,5 cm) Streifen am unteren Rand des Startbildschirms (siehe oben). Sonstige Einblendungen gibt’s nicht, d.h. man muss keine Angst davor haben, plötzlich während des Lesens von Werbung gestört zu werden.

Will man die Werbeeinblendungen aber irgendwann doch nicht mehr sehen, lassen sich diese später auch (kostenpflichtig) von Amazon deaktivieren. Alternativ kann man auch direkt beim Gerätekauf die werbefreie Option wählen (+10 Euro).

Lesebetrieb

eBooks lassen sich mit einem einfachen Antippen öffnen. Umblättern kann man mit einem Wischen oder Tippen auf den Bildschirm. Egal für welche Methode man sich entscheidet – der Infrarot-Touchscreen funktioniert immer schnell und zuverlässig.

Die Größe des Textes lässt sich in acht Stufen anpassen, Zeilenhöhe und Randabstände kann man in jeweils drei Schritten verändern. Die Bildschirmausrichtung lässt sich abgesehen von der automatischen Drehung auch manuell (d.h. über das Lesemenü) um 90 Grad ins Querformat drehen. Eine automatische Drehung ins Querformat gibt es nicht.

Textanpassung

Der Kindle bietet mit der getesteten Firmware 5.8.0 neun Schriftarten:

  • Baskerville (Serif)
  • Bookerly (Serif)
  • Helvetica (Sans Serif)
  • Palatino (Serif)
  • Amazon Ember (Sans Serif)
  • Futura (Sans Serif)
  • Caecilia (Serif)
  • Caecilia Condensed (Serif)
  • OpenDyslexic (spezielle Schrift für bessere Lesbarkeit bei Legasthenie)

Mit dem Start des Kindle Paperwhite 3 hat Amazon im Jahr 2015 auch eine neue Textengine eingeführt. eBooks die mit dem „verbesserten Schriftsatz“ ausgestattet sind (ersichtlich in den Produktinformationen auf der Amazon-Homepage) bieten optimierte Zeichenabstände, Unterschneidung, Ligaturen und Initialenunterstützung, sowie die lange gewünschte Silbentrennung (nicht abschaltbar).

Damit wurde die Kindle-Typographie deutlich aufgewertet und der Unterschied ist im Vergleich zu eBooks denen dieser verbesserte Schriftsatz fehlt, durchaus sichtbar.

Lesezeichen, Notizen & Wörterbuch

Neben der Typographie wurde auch die Wörterbuch- und Notizfunktionalität verbessert. Das ist besonders löblich, da diese Funktionen ohnehin schon gut nutzbar waren.

Tippt man einen kurzen Moment auf ein Wort, öffnet sich die Wörterbuchanzeige in einem kleinen Fenster. Zusätzlich wird ein Kontextmenü sichtbar, um Markierungen und Notizen erstellen zu können bzw. die Buchstelle per Social-Media zu teilen oder im Buch, im Kindle Shop oder in allen Texten zu suchen.

Wörterbuch

Eingaben erfolgen mit Hilfe der virtuellen QWERTZ-Tastatur, die wie von den Kindle eReadern gewohnt, auch bei diesem Gerät sehr schnell und genau reagiert.

Notizen werden automatisch in einer Text-Datei gespeichert und lassen sich somit später einfach weiterverarbeiten. Außerdem kann man diese auf einer eigenen Webseite abrufen und sich so eine noch bessere Übersicht verschaffen.

Die Lesezeichenfunktion ist beim Kindle ebenfalls clever umgesetzt und erlaubt dank der In-Bild-Anzeige (siehe Foto) ein schnelles Nachschlagen anderer Seiten, ohne tatsächlich umblättern zu müssen.

Clevere Lesezeichenfunktion

Es stehen wieder eine Reihe unterschiedlicher Wörterbücher bereit, wobei der Duden und das Oxford Dictionary of Englisch bereits vorinstalliert sind.

Folgende Wörterbücher sind verfügbar (weitere lassen sich nachkaufen):

  • ABBYY Lingvo Comprehensive Russian-English Dictionary – ABBYY
  • ABBYY Lingvo Большой Англо-Русский Словарь – ABBYY
  • ABBYY Lingvo Большой Толковый Словарь Русского – ABBYY
  • Dicionário Priberam da Língua Portuguesa – Priberam
  • Dicionário Priberam de Inglês-Português – Priberam
  • Dictionnaire Cordial – Synapse Développement
  • Duden Deutsches Universalwörterbuch – Duden
  • Groot woordenboek Engels-Nederlands (English-Dutch) – Van Dale
  • Groot woordenboek hedendaags Nederlands (Dutch Dictionary) – Van Dale
  • Groot woordenboek Nederlands-Engels (Dutch-English) – Van Dale
  • The New Oxford American Dictionary – Oxford
  • Oxford Dictionary of English – Oxford
  • Oxford English – German Dictionary – Oxford University Press
  • Oxford English – Spanish Dictionary – Oxford University Press
  • Oxford German – English Dictionary – Oxford University Press
  • Oxford Hachette English – French Dictionary – Synapse Développement
  • Oxford Hachette French – English Dictionary – Synapse Développement
  • Oxford Spanish – English Dictionary – Oxford University Press
  • Priberam’s Portuguese-English Dictionary – Priberam
  • el Diccionario de la lengua española – Real Academia Española
  • lo Zingarelli Vocabolario della Lingua Italian – Lo Zingarelli
  • Progressive Japanese-English Dictionary (プログレッシブ和英中辞典第3版) – Shogakukan
  • 大辞泉 (Daijisen Japanese Dictionary) – Shogakukan
  • Progressive English-Japanese Dictionary(プログレッシブ英和中辞典) – Shogakukan
  • A Modern Chinese-English Dictionary (现代汉英词典) – FLTRP
  • 现代汉语词典 (Xian Dai Han Yu Ci Dian) – Commercial Press
  • Modern English- Chinese Dictionary (现代英汉词典) – FLTRP

Zusätzlich steht weiterhin die Online-Übersetzung von Microsoft Bing zur Verfügung, die nochmal zahlreiche Übersetzungsoptionen bietet. Ein Vorteil des Online-Dienstes, gegenüber den regulären Wörterbüchern, ist die Möglichkeit, nicht nur einzelne Wörter, sondern ganze Textabschnitte übersetzen zu lassen. Eine solch maschinelle Übersetzung ist natürlich fehlerbehaftet, liefert im Normalfall aber dennoch gute Anhaltspunkte zum Textverständnis, wenn es Unklarheiten gibt.

Auch Erklärungen von Wikipedia lassen sich wahlweise direkt im kleinen Fenster einblenden. Umgeschaltet werden die Fenster mit einem einfachen Wischen links oder rechts.

Notiznehmung am Kindle

Um Die Bing-Übersetzung und Wikipedia nutzen zu können, muss man natürlich per WLan mit dem Internet verbunden sein. Ohne Internetverbindung (z.B. im Flugmodus oder ohne passendes WLan-Netz) kann man nur die normale Wörterbuchfunktion nutzen.

Etwas nervig kann sein, dass sich der Kindle die zuletzt genannte Nachschlagefunktion nicht merkt. Beim langen Antippen eines Wortes öffnet sich zuerst immer das Wörterbuch, auch wenn man zuletzt die Bing-Übersetzung oder Wikipedia offen hatte.

PDF-Anzeige

Die PDF-Anzeige gehört leider weiterhin nicht zu den Prioriäten von Amazon & Co., ist beim Kindle aber dennoch ganz ordentlich ausgefallen. Seiten können mit der bekannten Zweifinger-Pinch-To-Zoom-Geste vergrößert und verkleinert werden.

Außerdem lässt sich der Kontrast anpassen. Dies ist manchmal nötig, da durch die Kantenglättung bei verkleinerter Darstellung, die Schrift blasser werden kann. Die Kontrastverstärkung multipliziert die PDF-Anzeige, sodass die Schrift die gewohnte Schwärze wiedergewinnt.

Außerdem unterstützt der Kindle den bekannten Spaltenmodus: Mit einem Doppeltippen wird der gewünschte Bildausschnitt vergrößert und kann mit einem Wischen weitergeschaltet werden. Die Vergrößerungsstufe und Auswahl des Ausschnitts erfolgt automatisch. Das klappt zwar nicht perfekt, aber unterm Strich erstaunlicherweise trotzdem sehr gut.

Der Prozessor und der ausreichend große Arbeitsspeicher von 512 MB RAM sorgen dafür, dass die Navigation von PDF-Dateien schnell funktioniert. Die Performance ist auch bei großen Dateien grundsätzlich gut, wenngleich bei bildlastigen Dateien deutliche Verzögerungen zwischen Eingabe und Reaktion zu bemerken waren. Fairerweise muss man allerdings dazu sagen, dass dies auch für die allermeisten Mitbewerber gilt.

Ein Nachteil gegenüber zahlreichen anderen aktuellen Modellen, ist die geringe Pixeldichte von nur 167 ppi. Dadurch lassen sich großformatige PDF-Dateien in Originalgröße nur schwer oder gar nicht lesen. Ohne Vergrößerung kommt man hier also kaum weiter. Immerhin sorgt die niedrige Pixeldichte im Gegenzug dafür, dass die Prozessorlast geringer ist, sodass die Navigation gefühlt etwas reaktionsfreudiger vonstattengeht.

Sonstiges

Der Internetbrowser des Kindle funktioniert trotz des Beta-Status sehr gut. Dank schneller Ladezeiten und zumeist fehlerfreier Webseitendarstellung kann man den eReader auch problemlos für kurze Ausflüge ins Internet verwenden und Recherchen bei Wikipedia & Co. anstellen oder sonstige Artikel lesen. Dabei ist auch der praktische Artikelmodus hilfreich, der den Haupttext einer Seite extrahiert und ohne Hompagedesign anzeigt.

Neben dem Browser stehen außerdem wieder der Vokabeltrainer und die Kindersicherung Kindle FreeTime zur Verfügung

Praktischer Browser

Vokabeltrainer & Word Wise

Eine gut funktionierende Wörterbuchfunktion gehört mittlerweile zum guten Ton eines eBook Readers. Damit erlaubt das digitale Lesegerät es, auch fremdsprachige Texte zu lesen, wenn man die Sprache nicht hunderprozentig beherrscht. Da liegt es eigentlich nahe, dass man zusätzlich zur Wörterbuchfunktion auch einen Vokabeltrainer einbaut, der die nachgeschlagenen Wörter zur späteren Durchsicht abspeichert.

Umso verwunderlicher ist es, dann außer Amazon kein anderer Hersteller eine solche Funktion bietet. Natürlich ist der Vokabelmodus auch am neuen Kindle nutzbar.

Vokabeltrainer

Eine genaue Funktionsbeschreibung findest du in diesem Artikel. Zusammenfassend kann man festhalten, dass es sich um eine ausgesprochen praktische Funktion handelt – sofern man fremdsprachige Texte liest.

Zusätzlich zum normalen Wörterbuch und zur Vokabelfunktion gibt’s auch das „Word Wise“ genannte Feature. Ist diese Funktion aktiviert, werden möglicherweise unverständliche englischsprachige Wörter automatisch im Text eingeblendet. Dafür wird die Zeilenhöhe bei Bedarf automatisch stark erhöht. Aktuell ist Word Wise nur bei ausgewählten eBooks in englischer Sprache verfügbar.

Kindle FreeTime & Konto-Verknüpfung

Eine weitere Funktion die man bei der Amazon-Konkurrenz vergeblich sucht, ist die Kindersicherung. Diese nennt sich Kindle FreeTime und wurde speziell für Eltern mit Kindern entwickelt. Damit lassen sich bestimmte Funktionen des eBook Readers sperren (Browser, Kindle-Shop, Cloud-Zugang), sowie Statistiken aufzeichnen, um den Lesefortschritt zu verfolgen.

Als Vorteilhaft erweist sich dabei auch der vergleichsweise niedrige Preis des Kindle (womit ein Schadensfall nicht ganz so schwer ins Gewicht fällt), sowie das geringe Gewicht.

Das Kindle Kids Bundle (eReader + Hülle + Geräteversicherung zu einem günstigeren), das Amazon vor einigen Monaten mit dem Vorgängermodell auf den Markt gebracht hat, gibt’s nicht mehr.

Vor nicht allzu langer Zeit neu hinzugekommen ist die Möglichkeit zwei Amazon-Konten eines Haushalts miteinander zu verknüpfen. Damit ist es möglich eBooks zu teilen und doppelte Käufe bzw. mühsames Dateikopieren per USB zu vermeiden.

Text-To-Speech nicht auf Deutsch

Amazon hat mit VoiceView eine Funktion entwickelt, die es auch Menschen mit starker Sehbeeinträchtigung erlaubt, den Kindle zu nutzen. Aber: Momentan wird dieses Feature (ebenso wie die Bluetooth-Verbindung) nur mit der englischsprachigen Benutzeroberfläche angeboten.

Hier findest du weitere Informationen zu dem Thema:

eBook-Kauf

Wie von Amazon gewohnt, ist der eBook-Kauf auch am neuesten Kindle denkbar einfach. Das ist einerseits der Adobe-Abstinenz zu verdanken, andererseits der bereits erwähnten automatischen Amazon-Kontoverknüpfung.

Amazon nutzt ein eigenes Kopierschutzsystem, von dem man als Nutzer in der Regel nichts mitbekommt. Dadurch muss man sich nicht bei einem externen Dienstleister (Adobe) registrieren, sondern kann nach der ersten Inbetriebnahme direkt loslegen und eBooks kaufen.

Der Bücherkauf erfolgt mit einem Antippen über das verknüpfte Amazon-Konto. Hat man ein eBook unabsichtlich gekauft, lässt es auch retournieren. Diese Funktion sollte man jedoch nicht missbrauchen, denn für solche Fälle behält sich Amazon das Recht einer Kontosperrung vor. Davon hat der Versandriese in der Vergangenheit bereits mehrmals Gebrauch gemacht.

Kindle-Store

Das eBook-Angebot ist wie gewohnt sehr groß, wobei besonders die Selbstpublikationsplattform (Kindle Direct Publishing bzw. „KDP“) ein wichtiger Teil des Kindle-Systems ist. Dort können unabhängige Autoren ihre Werke veröffentlichen, die für den Endkunden dann oftmals deutlich günstiger sind als die eBooks traditionieller Verlage. Allerdings schwankt naturgemäß auch die Qualität stärker.

Ein Nachteil jedes Amazon-eReaders ist die bekannte Geschlossenheit des Ökosystems. Davon bleibt auch der jüngste Kindle nicht verschont. Diese Geschlossenheit sorgt dafür, dass man eBooks im Grunde nur beim Versandriesen kaufen kann. Dank der Buchpreisbindung ist das für Kunden preislich aber kein Nachteil (ein und das selbe eBook kostet überall gleich viel). Erst wenn man den Gerätehersteller wechseln möchte, wird das potentiell zum Problem, da man die bereits erworbenen eBooks unter Umständen nicht ohne Weiteres am neuen eReader lesen kann.

Fazit

Mit dem Kindle erfindet sich Amazon nicht neu, sondern verbessert die bewährte Technik und Bedienung auch im günstigen Preissegment weiter. Der neue eReader ist damit eine konsequente, aber behutsame Weiterentwicklung des Vorgängers.

Die wichtigste Neuerung und wohl auch der Hauptgrund für den Marktstart, dürfte die VoiceView-Funktion sein. Diese lässt sich nun grundsätzlich mit allen Kindle-Modellen nutzen, bleibt deutschsprachigen Kunden momentan aber noch verwehrt.

Trotzdem darf man sich als Interessant und (potentieller) Käufer eines Kindle über die Neuvorstellung freuen, denn die sonstigen Verbesserungen sind ebenfalls sehr willkommen. Das schlankere, haptisch ansprechendere und leichtere Gehäuse machen die Handhabung des eReaders deutlich angenehmer. Zudem sorgt der verdoppelte Arbeitsspeicher für eine flüssigere Bedienung – auch bei etwas größeren PDF-Dateien.

Der Kindle ist ein gutes Gerät zum Einstieg in den digitalen Lesemarkt

Der einzige Kritikpunkt, den es an dieser Stelle zu nennen gilt, ist der E-Ink Pearl Bildschirm. Zwar lässt er sich (wie schon beim Vorgänger) völlig problemlos ablesen, allerdings ist die Carta-Technik mit dem Tolino Page mittlerweile auch in diesem Preissegment angekommen. Auch dem Kindle würde die modernere Anzeigetechnologie gut stehen.

Letztendlich kann sich der Kindle insbesondere dank des großen Funktionsumfanges, der einfachen Ersteinrichtung und Bedienung, sowie der verbesserten Haptik eine gute Bewertung von 2,1 holen.

Fotos

Alternativen

Die attraktivste Alternative zum Kindle ist der Tolino Page. Dieser verfügt ebenfalls über einen Touchscreen, bringt aber ebenso wie der Basiskindle keine Beleuchtung mit. Als großer Vorteil des Tolino-Modells ist die E-Ink Carta Bildschirmtechnik hervorzuheben, die für sichtbar bessere Kontraste sorgt und den Lesebetrieb so etwas angenehmer macht.

Vorgänger

Das aktuelle Modell gehört zur 8. Generation der Kindle eReader. Der Neue ist 11 Prozent dünner und 16 Prozent leichter als der Vorgänger (7. Generation). Die Ablesbarkeit ist aufgrund der gleichen Displaytechnik sehr ähnlich. Auch sonst gibt es nur geringe Unterschiede, wobei die eingebaute Bluetooth-Verbindung aufgrund der aktuell (Stand: Dezember 2016) fehlenden Unterstützung bei deutschsprachig eingestellten Geräte nicht ins Gewicht fällt.

Datenblatt

Technische Daten: Kindle (2016)
AllgemeinHerstellerAmazon
Markteinführung2016
Verfügbare FarbenSchwarz, Weiß
Wassergeschütztnein
GrößeMaße160 x 115 x 9,1 mm
Gewicht161 g
DisplayDisplaytechnologieE-Ink Pearl
Displaygröße6 Zoll
Displayauflösung800x600 Pixel
Pixeldichte167 ppi
Farbtiefe16 Graustufen
Touchscreenja, Infrarot
Eingebaute Beleuchtungnein
Blaulichtreduktionnein
Plane Frontnein
VerbindungenUSBja, Micro USB
Bluetoothja
WLanja, 802.11b/g/n
GSM / UMTSnein
SpeicherInterner Speicher4 GB
Speicherkartenerweiterungnein
FunktionenBetriebssystemLinux
Lautsprechernein
Text-to-Speechja (nur mit englischem UI)
Blättertastennein
Unterstützte Dateiformate

Kindle Format 8 (AZW3, KFX), Kindle (AZW), TXT, PDF, unprotected MOBI, PRC; HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG

Unterstützte DRM-Dateiformate

AZW, KFX

SonstigesAkkulaufzeit / Akkukapazität1 Monat
Lagesensornein
Integrierter eBook Storeja
Sonstiges

Text-to-Speech und Bluetooth nur mit englischer Benutzeroberfläche

Kindle (2016) –
Vorteile und Nachteile

  • Ausgezeichneter Amazon Service
  • Einfache Synchronisationsoptionen
  • Guter Internetbrowser
  • Niedriges Gewicht und angenehme Haptik
  • Umfangreiche Funktionalität und einfache Bedienung
  • E-Ink Pearl-Technik nicht mehr ganz zeitgemäß
  • Geringe Formatunterstützung
  • Keine Beleuchtung
  • Keine Speicherkartenerweiterung
Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren