Welcher hat die gleichmäßigste Beleuchtung: Kobo Glo, Kindle Paperwhite oder Bookeen HD Frontlight?

11. Dezember 2012
Geschätzte Lesezeit: 5:54 Min.

Eine der am häufigsten gestellte Fragen dieser Tage betrifft die Ausleuchtung der integrierten Lichter bei Kobo Glo, Kindle Paperwhite und Bookeen HD Frontlight. Besonders die Fragen nach Gleichmäßigkeit, Farbtemperatur und Verfärbungen der Beleuchtung stehen immer wieder im Raum.

In den einzelnen Testberichten gehen wir zwar schon auf diese Aspekte ein, aber der Vergleich mit den anderen Geräten hat bisher weitestgehend gefehlt. Das ist auch kein einfacher Punkt, denn die Beleuchtung wird von jeder Person unterschiedlich wahrgenommen und empfunden, sodass man nur schwer eine allgemeingültige Empfehlung wie z.B. „X hat die bessere Beleuchtung als Y“, abgeben kann.

Damit man aber dennoch einen Eindruck davon bekommt, wie es um die Displaybeleuchtungen der drei Kontrahenten steht, versuchen wir die Frage mit Hilfe der Kamera und einer Bildbearbeitungssoftware zu beantworten. Es gilt daher zu beachten, dass wir die Fotos mit den nachfolgend beschriebenen Methoden aufgenommen und ggf. nachbearbeitet haben und diese nicht die Alltagstauglichkeit oder -ablesbarkeit widerspiegeln. Es wird also lediglich der Versuch unternommen, die bestehenden Bildunterschiede zu verstärken und für alle sichtbar darzustellen.

Beginnen wir gleich mit einem dieser Tage häufig diskutierten Punkt: Die Farbwolken des Kindle Paperwhite. Bei den Farbwolken handelt es sich um ungleichmäßige Verfärbungen am Bildschirm des Kindle Paperwhite, welche die Lesbarkeit verschlechtern können. Wenn man die Beschwerden auf Amazon.de und Amazon.com als Indikator nimmt, dann scheint das Problem recht häufig aufzutreten. Das nachfolgende Bild zeigt eine Aufnahme bei Dunkelheit, von Kobo Glo, Bookeen HD Frontlight und Kindle Paperwhite. Das Foto wurde in der Farbdarstellung nicht angepasst und entspricht von der Helligkeit und den Verfärbungen auch ca. der realen Darstellung der Bildschirme (zumindest so wie ich sie wahrnehme!).

Beleuchtung: 100%; Belichtung: 1/250 s; Sättigung: Unverändert; Abb. 2

Wie man sehen kann, verfügt der Kobo Glo über eine leicht gelbliche Darstellung, der Bookeen HD Frontlight über eine leichte Blaufärbung und der Amazon Kindle Paperwhite über eine leichte rote Verfärbung im mittleren Teil des Bildschirms, sowie eine blaue Verfärbung am oberen Bildschirmrand und der linken unteren Ecke.

Diese Verfärbungen sind oft so gering, dass sie von vielen Personen gar nicht erst wahrgenommen werden. Daraus ergeben sich dann oft hitzige Diskussionen darüber, wie gut oder schlecht das eine oder andere Gerät ist. Fakt ist, dass keines der drei Geräte eine perfekt weiße Beleuchtung liefert. Wenn man die Farbsättigung des Fotos mit einem Bildbearbeitungsprogramm um 90% erhöht, werden die Verfärbungen sehr gut sichtbar, wie das nachfolgende Bild zeigt. Dies entspricht natürlich nicht der realen Darstellung.

Helligkeit: 100%; Belichtung: 1/250 s; Sättigung: +90%; Abb. 3

Hier ist nun deutlich erkennbar, dass weder die Beleuchtung noch die Farbtemperatur der drei Geräte gleichmäßig ist. Beim Kobo Glo (links) bestätigt sich der Eindruck, dass die Beleuchtung eine leichte gelbliche Verfärbung hat. Das gleiche gilt für die von vielen wahrgenommene blaue Farbtemperatur beim Bookeen HD Frontlight (mitte) und die Farbwolken am Kindle Paperwhite (rechts). Ebenfalls gut erkennbar: Am Kobo Glo nimmt der Effekt nach oben hin zu, während er am Bookeen HD Frontlight im unteren Bildschirmteil stärker zu sehen ist und am Kindle Paperwhite eher in der Mitte auftritt.

Nun stellt sich noch die Frage nach der Gleichmäßigkeit der Lichtverteilung. Man bekommt im oberen Bild schon einen ersten Eindruck davon. Wirklich sichtbar werden die Unterschiede aber erst mit Hilfe der Kamera. Das nachfolgende Bild zeigt die drei Geräte bei einer Belichtungszeit von 1/1000 s. Die Belichtungszeit der Kamera bestimmt (unter anderem) wie viel Licht auf den Sensor trifft. Umso kürzer die Belichtung, umso weniger Licht fällt ein, sodass sich in unserem Fall Unregelmäßigkeiten der Bildschirmbeleuchtung besser feststellen lassen als dies mit dem freien Auge möglich ist.

Die Helligkeit wurde bei allen drei Geräten so angepasst, dass die Lichtstärke in etwa gleich ist. Mangels passenden Messgeräts, konnte ich dies nur annhähernd mit dem freien Auge machen. Beim Kindle Paperwhite (rechts) leuchtet das Licht mit vollster Stufe (24), beim Bookeen HD Frontlight (mitte) auf Stufe 13 (2/3 der vollen Stufe), beim Kobo Glo befindet sich der Regler auf ca. 3/4 der vollen Stufe.

Beleuchtung angepasst; Belichtung 1/1000 s; Abb. 4

Wie man sehen kann, verfügt der Kobo Glo über die gleichmäßigste Lichtverteilung, wobei es im oberen Drittel des Bildschirms zu einer leichten, flächigen Schattenbildung kommt und der obere Bildschirmrand wiederum heller leuchtet. Am Bookeen HD Frontlight wird mit dieser Belichtungseinstellung die Schattenbildung am unteren Bildschirmrand besonders deutlich. Die untere Hälfe des Bildschirms ist außerdem etwas dunkler als die obere. Auch hier strahlt der obere Bildschirmrand geringfügig heller. Am Kindle Paperwhite zeigt sich wiederum die Ungleichmäßigkeit die man schon zuvor beim Farb-Vergleich gesehen hat (Abb. 3). In der Mitte des Bildschirms ist die Beleuchtung dunkler als an den Rändern. Im Gegensatz zu den anderen beiden strahlt der obere Bildschirmrand aber nicht heller.

Nach nochmaliger Anpassung der Helligkeit und der Belichtungszeit (1/800 s), zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Beleuchtung bei Kobo Glo und Bookeen HD Frontlight wurde auf 50 Prozent gestellt, beim Kindle Paperwhite auf 75 Prozent (Stufe 18).

Beleuchtung angepasst; Belichtung: 1/800 s; Abb. 5

Hier sieht man sowohl am Kobo Glo (links) als auch am Bookeen HD Frontlight (mitte) eine schwache halbkreisförmige Schattenbildung am unteren Bildschirmrand, welche (vermutlich) durch die LEDs entsteht. Am Bookeen HD Frontlight sieht man außerdem, dass die Seitenränder in der unteren Bildschirmhälfte etwas heller strahlen als der Rest. Der Kindle Paperwhite leuchtet auf der eingestellten Stufe beinahe zu dunkel für die benutzte Belichtungszeit. Man sieht allerdings dennoch einen Lichtspot am linken Bildschirmrand.

Das war’s auch schon wieder. Wie man in diesem kleinen Experiment sehen kann, ist die Beleuchtung keiner der drei eBook Reader ohne Tadel. In Abbildung 2 wurde die Kamera ca. so eingestellt, dass sie ein reales Bild der Beleuchtung aller drei Geräte aufnimmt. Wie man erkennen kann, leuchten alle drei Reader wunderbar gleichmäßig. Für das freie Auge sind über die gesamte Bildschirmfläche nur kleine Unterschiede zu erkennen. Anders sieht es hingegen bei der Farbtemperatur aus. Alle drei Geräte unterscheiden sich in diesem Punkt sehr deutlich, was man anhand der Anpassung der Farbsättigung auch sehr einfach zeigen kann (Abb. 3).

Wenn man die Belichtungszeit der Kamera anpasst, dann treten einige Unregelmäßigkeiten zutage, welche man mit dem bloßen Auge kaum oder gar nicht sieht. Manche Personen reagieren allerdings emfindlicher auf solche Ungleichmäßigkeiten als andere, womit es sich womöglich lohnt die Geräte vor dem Kauf in Natura anzusehen bzw. immer im Hinterkopf zu behalten, dass man den Reader eventuell zurückschicken muss und sich doch ein Gerät eines anderen Herstellers kaufen muss.

Weitere Details zu den drei Geräten findest du in den Testberichten und den bisherigen Vergleichstests:


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