Welchen eBook Reader kaufen? Frühlings- und Sommerübersicht 2016

22. November 2015
Geschätzte Lesezeit: 9:55 Min.

Der Sommer nähert sich mit großen Schritten und da will man dann natürlich auch in der prallen Sonne lesen können. Smartphone und Tablet sind dazu nicht geeignet – stattdessen greift man zum eBook Reader. Die dedizierten Lesegeräte bieten mit ihrem E-Paper-Display eine papierähnliche Ablesbarkeit, auch bei direkter Sonneneinstrahlung. Und dann der eingebauten Beleuchtung kann man auch in der Nacht lesen.

Damit man beim Kauf nicht zum falschen Hersteller bzw. Modell greift, gibt es nachfolgend den Frühlings- und Sommer-Einkaufsguide. Darin stelle ich euch die wichtigsten Modelle vor. Wir schauen uns gemeinsam die aktuell empfehlenswertesten Anbieter und gängigsten eReader kurz an und sprechen nutzungsabhängige Kaufempfehlungen aus.

Amazon, Tolino, Kobo und PocketBook sind die hierzulande bekanntesten und wichtigsten Größen am deutschen eReader-Markt. Daneben gibt es auch ein paar kleinere Nischenanbieter für das besondere Etwas.

Hinweis: Einen noch umfangreicheren Überblick zu den einzelnen Geräten, findest du in unserer eBook Reader Sektion. Hier lohnt sich auch ein Blick auf die Erklärungen zum Ökosystem!

eBook Reader bis 100 Euro

Einstiegsmodelle im Frühling und Sommer 2016, bis 100 Euro. Von rechts nach links: Kindle, Kindle Paperwhite 2, PocketBook Touch Lux 3 und Tolino Shine

Wenn du unsicher bist, ob der Beschenkte überhaupt digital lesen möchte, dann ist es sinnvoll, etwas weniger Geld für einen eReader auszugeben.

Hierbei unterscheide ich zunächst zwischen den unbeleuchteten Einstiegsgeräten und den etablierten Leuchtmodellen. eBook Reader ohne integrierte Beleuchtung gibt’s bereits für rund 60 Euro. Der Kindle Touch ist hierbei die günstigste Wahl. Trotz des niedrigen Preises muss man dabei sehr wenige Einschränkungen in Kauf nehmen. Der eReader zeichnet sich nämlich durch einen sehr guten Funktionsumfang aus, denn das Gerät nutzt die gleiche Benutzeroberfläche wie die teureren Modelle von Amazon.

Gleiches gilt für den kürzlich erschienenen Kobo Touch 2.0. Auch dieses Gerät kommt ohne eingebaute Beleuchtung aus und bietet die gleiche Software wie die hochpreisigeren Kobo eReader (siehe unten). Allerdings muss man für das Einstiegsmodell von Kobo mit rund 85 Euro deutlich mehr auf den Tisch legen. Der Kindle Touch ist aus der preislichen Perspektive daher die vernünftigere Wahl, denn im gleichen Preisbereich zum Kobo Touch 2.0 gibt’s bereits beleuchtete Geräte.

Auch der PocketBook Touch Lux 3 ist für rund 100 Euro erhältlich und nutzt die gleiche Displaytechnologie. Im Gegensatz zum Paperwhite 2 kann man den Lux 3 dank E-Pub Unterstützung aber mit jedem beliebigen eBook-Shop (außer Amazon) nutzen und besitzt zudem eine Speicherkartenerweiterung. Nennenswert ist außerdem, dass der Softwareumfang größer ist als beim Kindle-Konkurrenten, dafür aber nicht ganz so intuitiv.

Als letztes Modell der Unter-100-Euro-Riege ist der Tolino Shine 1 zu nennen. Es handelt sich um den ersten eReader der Tolino Allianz (aus dem Jahr 2013), der gelegentlich für 88 Euro weiterhin im Sortiment der Buchhandelspartner zu finden ist. Eine Kaufempfehlung kann man hier allerdings nur noch schwer aussprechen. Die Software ist zwar gut bestückt und einfach zu bedienen, aber die Anzeigequalität hinkt gewaltig hinter den moderneren Leuchtmodellen her. Selbst wenn man das Gerät noch im Laden findet, sollte man den Aufpreis von nur rund 12 Euro daher auf jeden Fall in den Touch Lux 3 investieren, oder einen Blick auf den etwas teureren Nachfolger (Shine 2 HD, siehe unten) werfen.

Der ebenfalls im Bild befindliche Kindle Paperwhite 2 wurde mittlerweile zugunsten des Nachfolgers (siehe unten) aus dem Amazon-Sortiment genommen.

In der Preisklasse verdienen sich somit folgende Geräte eine uneingeschränkte Empfehlung:

eBook Reader zwischen 100 und 150 Euro

Komfortmodelle im Frühling und Sommer 2016 – alle mit Beleuchtung – zwischen 100 und 150 Euro. Von links nach rechts: Kindle Paperwhite 3, Tolino Shine 2 HD, Kobo Glo HD, Icarus Illumina, Bookeen Muse Frontlight

Deutlich heißer wird der Konkurrenzkampf im Preisbereich zwischen 100 und 150 Euro. Hier finden sich auch die wichtigsten Neuvorstellungen des Jahres 2015.

Den Anfang macht in dieser Kategorie der Kindle Paperwhite 3 ab rund 120 Euro. Es handelt sich um das Nachfolgermodell des vorhin genannten Paperwhite 2, der seit dem Sommer 2015 am Markt ist. Im Vergleich zum Vorgänger wurde der Bildschirm aufgewertet, sodass dieser mit einer hohen Auflösung von 1448×1072 Pixel besonders scharf ist. Die Pixeldichte beträgt 300 ppi („Retina“-Auflösung). Damit sieht die Schrift wie gedruckt aus. Bei den Softwarefunktionen gibt’s keine nennenswerten Unterschiede im Vergleich zum Vorgänger.

Die quasi exakt gleiche Technik nutzt auch der auf der Frankfurter Buchmesse 2015 vorgestellte Tolino Shine 2 HD für 120 Euro. Das neue Shine-Modell zeichnet sich ebenfalls durch die hohe Auflösung aus und besitzt eine gefälligere Optik als der Vorgänger. Der größte Pluspunkt im Vergleich zum ersten Shine (siehe oben) ist jedoch die deutlich verbesserte Anzeigequalität. Diese muss sich nun nicht mehr hinter der Konkurrenz verstecken und befindet sich locker auf Augenhöhe mit Amazon und Kobo. Der Softwareumfang ist allerdings etwas geringer als bei der Konkurrenz. Erwähnenswert ist jedoch, dass das Android-System des Tolino Shine 2 HD gerootet werden kann. Für Technikfans stellt dies einen tollen Mehrwert dar.

Auch der Kobo Glo HD darf sich mit dem Retina-Label schmücken, denn der jüngste 6 Zöller von Kobo besitzt ebenfalls einen 300 ppi Bildschirm. Die Technik entspricht damit den anderen beiden zuvor genannten Geräten. Allerdings muss man mit 130 Euro etwas mehr auf den Tisch legen. Der Softwareumfang ist größer als bei Tolino, wobei insbesondere die tolle Schriftbildanpassung weiterhin konkurrenzlos ist.

Die technische Unterschiede zwischen diesen drei Geräten sind sehr gering – sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis. Kontrast und Beleuchtungsqualität sind in allen drei Fällen sehr gut. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind in der Software zu finden. Amazon bietet die ausgereiftesten Funktionen mit tollen Boni (Vokabeltrainer, Kindersicherung), während Kobo und Tolino mit der offenen E-Pub-Unterstützung punkten können. Dadurch kann man die beiden mit quasi jedem beliebigen eBook-Shop (abseits Amazon) nutzen.

Ebenfalls eine Erwähnung wert sind zwei Modelle abseits des Mainstreams: Der Bookeen Muse Frontlight (105 Euro) und der Icarus Illumina (120 Euro). Wie auch die anderen eBook Reader dieser Preisklasse nutzen sie E-Ink Carta Technik und bieten tolle Kontrastwerte. Im Gegensatz zur Konkurrenz muss man sich hier allerdings mit einer niedrigeren Auflösung und (zu) hellen Beleuchtung zufrieden geben. Außerdem sind die Softwares beider Modelle weniger umfangreich. Der Illumina kann aber mit einem offenen Android-Betriebssystem punkten (ohne es rooten zu müssen), was wiederum für Technikfans und Bastler ein netter Bonus ist. Der Tolino Shine 2 HD bietet im direkten Vergleich mit Root allerdings mehr Vorteile (jedoch mit möglichem Garantieverlust).

In der Preisklasse verdienen sich somit folgende Geräte eine uneingeschränkte Empfehlung:

eBook Reader ab 150 Euro

Premiumklasse im Frühling und Sommer 2016, von links nach rechts: Kindle Voyage, Kindle Oasis, Tolino Vision 3 HD, Kobo Aura H2O

Die Königsklasse unter den eBook Readern ist insbesondere für Personen interessant, die sich schon einhunderprozentig sicher sind, dass sie auch in Zukunft digital lesen möchten. Der günstigste eReader in diesem Preisbereich ist der Tolino Vision 3 HD (für rund 160 Euro). Ebenso wie der Shine 2 HD (siehe oben) wurde das Gerät auf der Frankfurter Buchmesse 2015 präsentiert und nutzt dabei im Grunde die gleiche Technik (300 ppi Display) wie das günstigere Modell.

Die wichtigsten Unterschiede sind der eingebaute Wasserschutz, die plane Gehäusefront (wie bei einem Smartphone oder Tablet) und die Tap2Flip-Funktion. Das sind zwar durchaus nette Boni, der Aufpreis von 40 Euro zum Tolino Shine 2 HD erscheint allerdings etwas hoch. Obwohl der Vision 3 HD zwar der bisher beste eReader der Tolino Allianz ist, lohnt es sich deshalb trotzdem den Blick auf den Shine 2 HD zu richten.

Der Kobo Aura H2O ist zwar bereits seit 2014 am Markt, bleibt aber auch in diesem Sommer das beste Premium-Modell mit dem in meinen Augen besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Der eBook Reader bietet einen hochauflösenden E-Ink Carta Bildschirm (1430×1072 Pixel) mit einer Größe von 6,8 Zoll (265 ppi). Damit ist das Display sichtbar größer als bei allen bisher genannten Konkurrenzmodellen und bietet ebenfalls eine sehr hohe Textschärfe. Der größte Pluspunkt des eReaders ist aber ohne Zweifel die wirklich hervorragende Anzeigequalität.

Außerdem bietet der Aura H2O ein wasserdichtes Gehäuse mit IP67-Zertifizierung und eine Speicherkartenerweiterung. Der einzige Nachteil erscheint in Anbetracht der sonstigen Vorteile fast schon lächerlich: Das Gehäuse ist sehr empfindlich auf Fingerabdrücke. Mit rund 180 Euro muss man für den tollen Kobo Aura H2O etwas tiefer in die Tasche greifen.

Noch ein wenig teurer ist das erste Premium-Modell von Amazon – ebenfalls im Jahr 2014 erschienen. Der Kindle Voyage ist ab 190 Euro erhältlich und bringt ebenso wie die meisten anderen Modelle dieser Übersicht einen 6 Zoll großen Retina-Bildschirm mit (300 ppi). Das Kontrastverhältnis des Bildschirms ist ausgezeichnet und das aktuell beste am Markt.

Der Voyage besitzt ein hochwertiges Magnesium-Gehäuse, eine kratzfeste, plane Gehäusefront, drucksensitive Blättertasten neben dem Bildschirm und einen Helligkeitssensor zur automatischen Beleuchtungsregulierung. So viele Extras hat sonst kein anderer eReader.

Amazon bietet seit April 2016 außerdem ein zweites Luxus-Modell an, das sich der Versandriese mit einem Preis ab 290 Euro auch gut bezahlen lässt. Das Gerät hört auf den Namen Kindle Oasis und punktet mit einem enorm leichten Gehäuse (nur 131 Gramm) und einer asymmetrischen Bauform. Damit ist der eReader auf ein pefektes Bedienerlebnis ausgerichtet.

Aber auch sonst kann das Gerät dank des 300 ppi E-Ink Carta Displays, der hervorragenden Beleuchtung und tollen Verarbeitung überzeugen. Das mitgelieferte Ledercover ist dabei ebenso hochwertig wie das Gerät.

Neben den genannten Mainstream-Modellen gibt es noch diverse 8 Zoll Geräte, die ebenfalls im gleichen Preisbereich liegen. Hierbei sind das PocketBook InkPad und der Bookeen Cybook Ocean zu nennen. Das riesige Display hat gegenüber den kleinen 6 Zoll Modellen auf jeden Fall einige praktische Vorteile. Allerdings bietet keiner der 8 Zöller eine so hochwertige Anzeigequalität wie man das von den hier empfohlenen Geräten geboten bekommt.

In der Preisklasse verdient sich somit folgendes Gerät eine uneingeschränkte Empfehlung:

Eine Empfehlung mit Vorbehalt gibt’s für:

Fazit

Mit den aktuellen Modellen kann man kaum etwas falsch machen.

Wie man sehen kann, gibt es auch heuer wieder eine große Auswahl an sehr guten eBook Readern. Im Vergleich zu den Vorjahren fällt auf, dass das Feld deutlich näher zusammengerückt ist.

In den letzten Jahren gab es in jedem Preisbereich relativ klare Gewinner. Das ist heuer besonders zwischen 100 und 150 Euro ganz anders. Die drei Konkurrenten Kindle Paperwhite 3, Tolino Shine 2 HD und Kobo Glo HD liegen sehr nah beisammen. Tolino und Kobo haben hier einen sehr großen Schritt vorwärts gemacht und nutzen nun eine ebenso gute Anzeigetechnik wie Amazon. Was die Software angeht, besitzt jedes der drei Geräte gewisse Vor- und Nachteile, sodass es hier verstärkt auf die individuellen Bedürfnisse ankommt. Daher lohnt sich auf jeden Fall ein Blick auf die Detailseiten in unserer Datenbank, bzw. auf die Testberichte.

In den anderen Preisbereichen sind die Unterschiede ein wenig größer, sodass die Kaufempfehlungen etwas leichter fallen.

Unterm Strich sind eBook Reader mittlerweile aber auf einem so hohen Niveau angekommen, dass man sie ruhigen Gewissens verschenken kann und man sich keine allzu großen Gedanken über mögliche Mängel in der Anzeigequalität oder bei den Softwarefunktionen machen muss.

Abschließend sei an dieser Stelle noch auf unseren eBook Reader Vergleich, die eBook Reader Sektion und die Testberichte verwiesen. In allen drei Bereichen kann man sich ein noch genaueres Bild machen.


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