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Kobo OS 6.0: Beta-Update lässt Bücher und Notizen verschwinden, Version 6.0.2 bringt das meiste zurück

Geschätzte Lesezeit: 5:26 min.

Kobo arbeitet an einer neuen Generation seiner eReader-Software. Sie heißt Kobo OS 6.0, und Kobo verteilt sie zunächst als optionale Beta. Ende September mussten einige Tester allerdings feststellen, dass nach dem Update einiges fehlte: eigene Bücher, Markierungen und Notizen, die Lesestatistik und die Einträge in „My Words“, Kobos Liste gespeicherter Wörter.

Am 25. September hat Kobo dazu eine eigene Hilfeseite veröffentlicht, Anfang Oktober folgte mit Kobo OS 6.0.2 die Korrektur. Sie holt das meiste zurück, aber nicht alles. Wer einen Kobo Libra Colour, Clara BW oder Clara Colour besitzt und an der Beta teilnimmt, sollte vor allem eines nicht tun: auf die alte Version zurückgehen.

Welche Geräte betroffen sind

Laut Kobo kann das Problem drei Modelle treffen: den Libra Colour, den Clara BW und den Clara Colour, und auch diese nur, wenn auf ihnen eine der Beta-Versionen 5.18.270971 oder 6.0.274403 läuft. Die installierte Version findet man unter Mehr > Einstellungen > Geräteinformationen. Zeigt der eReader eine ältere Version an, ist man nicht betroffen.

Mit „eigenen Büchern“ sind alle Titel gemeint, die man selbst aufs Gerät kopiert hat, etwa per USB-Kabel oder mit Calibre. Kobo spricht hier von Sideloading. Gekaufte Bücher aus dem Kobo-Shop lassen sich ohnehin jederzeit neu herunterladen.

Dass in der Liste auch eine Version mit einer 5 vorne steht, ist für Leser in Deutschland interessant. Die Versionsreihe 5.18 kennt man hierzulande von Kobos optionaler Barrierefreiheits-Software mit Screenreader und Vorlesefunktion, die Kobo nur in der EU anbietet. Wer sie auf einem der drei Modelle installiert hat, sollte deshalb ebenfalls in den Geräteinformationen nachsehen. Der Kobo Elipsa 2E bekommt diese Software zwar auch, taucht in Kobos Liste der betroffenen Geräte aber nicht auf.

Was Kobo jetzt rät

Die wichtigste Regel steht ganz oben auf der Hilfeseite: kein Rollback auf die alte Version, kein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen und kein Abmelden vom Kobo-Konto. Laut Kobo löschen alle drei Schritte die fehlenden Daten endgültig. Nach einem Rollback kann sie außerdem kein späteres Update mehr zurückholen. Der Grund: Vieles liegt nur auf dem eReader selbst und wird nicht mit dem Kobo-Konto abgeglichen, darunter eigene Bücher samt Markierungen und Lesefortschritt, die Lesestatistik, My Words, die Adobe-Autorisierung und eigene Schriften.

Stattdessen soll man Kobo OS 6.0.2 mit der Softwareversion 6.0.276679 installieren. Der eReader weist selbst auf das Update hin, man kann aber auch unter Mehr > Einstellungen > Geräteinformationen > Nach Updates suchen nachsehen. Auch 6.0.2 ist noch eine optionale Beta, Kobo verteilt sie schrittweise. Kobo nennt für das Update diese Korrekturen:

  • Lesestatistik und My Words sind mitsamt den gespeicherten Wörtern wieder da.
  • Die Anzeige der verbleibenden Lesezeit stimmt wieder.
  • Eigene Bücher tauchen wieder auf.
  • Bücher mit Adobe-Kopierschutz lassen sich wieder öffnen.
  • Einige Probleme beim Abgleich von Libby- und Kobo-Plus-Büchern sind behoben.
  • Geräte mit großer Bibliothek frieren beim Update nicht mehr ein.

Eine Lücke bleibt: Markierungen und Notizen in eigenen Büchern holt 6.0.2 noch nicht zurück. Kobo arbeitet nach eigenen Angaben an einer Lösung für ein späteres Update, einen Termin dafür gibt es nicht. Ende September klang Kobo noch zuversichtlicher: Damals hieß es, es sei nichts gelöscht worden und ein Update werde alles automatisch wiederherstellen. Wer nach der Installation von 6.0.2 weiterhin Bücher vermisst, soll sich an den Kobo-Support wenden. Die Hilfeseite zum Problem gibt es auch auf Deutsch.

Was über Kobo OS 6.0 bekannt ist

Erstaunlich wenig. Eine Liste der Neuerungen hat Kobo bislang nicht veröffentlicht, ebenso wenig einen Termin für die fertige Version oder eine Übersicht, welche Modelle sie bekommen sollen. Auf der Hilfeseite ist nur von einem optionalen Beta-Release die Rede.

Auffällig ist schon die Versionsnummer. Bei der regulären Kobo-Software steht eine 4 vorne, im März hat Kobo für den Libra 2 zum Beispiel die Version 4.38 verteilt. Allein der Sprung auf 6.0 spricht dafür, dass hier mehr kommt als das nächste Wartungsupdate. Was genau dahintersteckt, muss Kobo aber erst noch erklären.

Baustellen gäbe es genug. Die schlichte Kobo-Oberfläche mag ich: Sie wird seit vielen Jahren verfeinert und gehört zu den übersichtlichsten bei eReadern. In meinen Tests sind mir aber immer wieder dieselben Lücken aufgefallen. Für PDFs und Comics bot die Software nur das Nötigste. Beim Libra Colour ließ sich ein Comic zwar auf Bildschirmbreite zoomen, beim Umblättern blieb der Ausschnitt aber dort stehen, wo er auf der vorigen Seite war, sodass ich auf jeder neuen Seite erst wieder nach oben scrollen musste. Die Farbsättigung ließ sich nicht einfach anpassen, eigene Ansichtsmodi für Comics gab es nicht. Gerade für solche Inhalte ist ein Farbdisplay aber gedacht, deshalb war die Software für mich der Flaschenhals, der den Libra Colour ausbremste. Den Dunkelmodus gab es nur im Buch und nicht in den Menüs, anders als bei Kindle und PocketBook, und der Browser steckte schon beim Test des Clara 2E seit über zehn Jahren im Beta-Bereich. Ob Kobo OS 6.0 genau dort ansetzt, ist noch offen.

Einschätzung

Beta-Software auf dem Lesegerät ist immer ein gewisses Risiko, und dieser Fall zeigt, warum. Gekaufte Bücher lädt man einfach neu herunter. Eigene EPUBs, Notizen und über Jahre gesammelte Statistiken liegen dagegen nur auf dem Gerät. Positiv finde ich, dass Kobo das Problem offen auf einer eigenen, übersetzten Hilfeseite erklärt und zügig nachgebessert hat. Ärgerlich ist für Betroffene aber, dass Markierungen in eigenen Büchern weiter fehlen, zumal Kobo anfangs eine vollständige Wiederherstellung angekündigt hatte.

Wie ärgerlich verschwundene Notizen sind, weiß ich aus eigener Erfahrung, denn bei Kobo ist das leider kein ganz neues Thema. In meinem Test des Elipsa 2E waren handschriftliche Notizen in E-Books nach dem Umblättern manchmal einfach weg. Je nachdem, wie viel ich notiert hatte, war das ziemlich frustrierend. Beim Libra Colour, der jetzt zu den betroffenen Modellen gehört, hatte Kobo diesen Fehler behoben, zumindest verschwand bei mir dort keine Notiz mehr.

Wenn du an der Beta teilnimmst, gilt: Finger weg von Rollback und Werksreset, 6.0.2 installieren und abwarten. Und wer viele eigene Bücher und Notizen auf seinem Kobo hat, wartet mit dem Umstieg besser auf die fertige Version oder legt sich vorher zumindest eine Kopie seiner Bücher auf den Rechner. Spannend bleibt, was Kobo mit der neuen Software eigentlich vorhat. Das sollte Kobo offiziell erklären, bevor die finale Version auf die Geräte kommt, denn bislang wissen Besitzer nur, was die Beta kaputt machen kann, aber nicht, was sie besser machen soll.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren
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