Mudita Kompakt: MuditaOS K 2.0 bringt App-Katalog und Google-Kalender aufs E-Ink-Handy

Anfang September hat Mudita auf der IFA in Berlin erstmals öffentlich gezeigt, wie es mit der Software seines E-Ink-Handys weitergeht. MuditaOS K 2.0 ist das bislang größte Update für das Mudita Kompakt und soll nach Angaben des Herstellers im November 2026 erscheinen. Die wichtigsten Neuerungen sind ein eigener Katalog mit Apps, die für E Ink angepasst sind, eine optionale Synchronisation mit dem Google-Kalender und mehr Kontrolle darüber, was der Offline-Modus abschaltet.
Mudita lockert damit seine bisher recht strenge Linie ein Stück. Das Kompakt soll ablenkungsfrei bleiben, im Alltag aber weniger Verzicht verlangen. Mudita selbst spricht von „Minimalismus zu deinen Bedingungen“.
Meinen ersten Eindruck vom Kompakt, damals noch mit Vorabsoftware, gibt es hier im Video:
Was ist das Mudita Kompakt?
Mudita ist ein polnischer Hersteller mit Sitz in Warschau, der Geräte für weniger Bildschirmzeit baut, neben Telefonen auch Wecker und Uhren. Das Kompakt ist ein Smartphone mit einem 4,3 Zoll großen Schwarz-Weiß-Display von E Ink, das 800 × 480 Pixel zeigt. Die Technik kennt man von eReadern: Das Display ist auch in der Sonne gut ablesbar und braucht wenig Strom, baut den Inhalt aber träger auf als ein gewöhnlicher Handy-Bildschirm.
Als Betriebssystem kommt MuditaOS K zum Einsatz. Das ist ein eigenes System auf Basis des freien Android Open Source Project, aber ohne Google-Dienste und ohne Play Store. Zusätzliche Android-Apps lassen sich bisher nur per USB-Kabel über die Desktop-Software Mudita Center installieren. Apps, die auf Google-Dienste angewiesen sind, laufen laut Mudita wahrscheinlich nicht richtig.
Typisch für das Gerät ist der Offline+-Schalter an der Seite. Er trennt Mikrofone und Mobilfunkmodem per Hardware und schaltet zusätzlich Kamera, WLAN und Bluetooth per Software ab. Notrufe sind in diesem Modus allerdings nicht möglich. Ansonsten bringt das Kompakt einen MediaTek-Prozessor mit vier Kernen, 3 GB RAM, 32 GB Speicher und einen Slot für microSD-Karten mit, dazu LTE, Dual-SIM mit eSIM, NFC, GPS mit Offline-Karten, eine 8-Megapixel-Kamera, einen Kopfhöreranschluss und Schutz nach IP54. Der Akku mit 3.300 mAh soll im Standby bis zu sechs Tage durchhalten.
Das bringt MuditaOS K 2.0
Künftig kann man zwischen zwei Oberflächen wählen: dem textbasierten „Kalm Launcher“ und dem bisherigen „Standard Launcher“. Auf dem Startbildschirm lassen sich Einträge wahlweise als Buttons oder als Text anzeigen, einzelne Apps sollen sich per PIN schützen lassen.
Die wichtigste Neuerung heißt InkApps. Das ist ein kuratierter Katalog mit Apps, die Mudita und Entwickler aus der Community für E Ink optimieren und die man direkt auf dem Telefon installiert. Eine riesige Auswahl wie im Play Store will Mudita ausdrücklich nicht. Andere kompatible Android-Apps kommen weiterhin über den Computer aufs Gerät, lassen sich künftig aber direkt auf dem Kompakt beenden und deinstallieren.
Das ist für mich ein wichtiger Punkt, denn auch auf einem minimalistischen Handy komme ich nicht ohne Signal oder WhatsApp aus. Per Sideloading ließen sich solche Apps in meinem Test ziemlich einfach aufspielen, die Einstellungen für einzelne Apps waren auf dem Kompakt aber stark vereinfacht oder fehlten ganz. K 2.0 schließt zumindest einen Teil dieser Lücke.
Neu ist außerdem ein Abgleich mit dem Google-Kalender in beide Richtungen. Termine kann man dann auf dem Telefon ansehen und neu anlegen, Änderungen landen im Google-Konto. Die Funktion ist optional und ab Werk ausgeschaltet. Beim Offline+-Modus lässt sich künftig getrennt festlegen, ob Bluetooth und Kamera weiter funktionieren, etwa um mit kabellosen Kopfhörern Musik vom Gerät zu hören.
Dazu kommen kleinere Verbesserungen: eigene Klingeltöne, auch getrennt für jede SIM-Karte, neue Hintergrundbilder für das E-Ink-Display und eine Funktion namens „Force Refresh“. Bei E Ink bleiben nach dem Bildwechsel manchmal schwache Reste des vorherigen Inhalts stehen, das sogenannte Ghosting. Mit Force Refresh lässt sich die Anzeige jederzeit und in jeder Ansicht von Hand komplett neu aufbauen. Laut Mudita hat sich die Community genau das schon länger gewünscht.
Für 2027 stehen auf Muditas Liste unter anderem wählbare Refresh-Modi für verschiedene Einsatzzwecke, ein Abgleich mit Google-Kontakten und ein Nicht-stören-Modus.
Die Refresh-Modi hätte ich mir schon früher gewünscht. Beim ersten Ausprobieren lief das Kompakt in einem der schnelleren E-Ink-Modi, vermutlich um Ghosting und Flackern zu vermeiden, und das gelang auch. Schrift und Bedienelemente wirkten dadurch aber pixeliger als nötig, ein HD-Modus für schärferen Text fehlte mir. Später erklärte mir Mudita, das Kompakt nutze einen eigenen Anzeigemodus für möglichst angenehmes Lesen, der schneller ist als ein HD-Modus, aber etwas weniger sauber zeichnet. Mit wählbaren Refresh-Modi könnte man selbst entscheiden, ob einem Tempo oder Schärfe wichtiger ist.
Preis und Verfügbarkeit
MuditaOS K 2.0 ist für November 2026 angekündigt, auf der Vorschauseite kann man sich für eine Benachrichtigung per E-Mail eintragen. Erschienen ist das Update noch nicht.
Das Kompakt selbst kostet im deutschen Mudita-Shop 399 Euro, der Versand ist kostenlos. Nach Europa liefert Mudita die „Global“-Version, für die USA und Kanada gibt es eine eigene Variante. Deutsch gehört zu den Systemsprachen. Mudita gibt zwei Jahre Garantie und verspricht fünf Jahre Software- und Sicherheitsupdates.
Einschätzung
Ein Schnäppchen ist das Kompakt mit 399 Euro nicht, für das Geld bekommt man auch ein ordentliches Android-Smartphone. Darum geht es bei einem E-Ink-Handy aber auch nicht: Wer so ein Gerät kauft, will bewusst eines, das weniger kann. Nur war dieses Weniger bisher oft zu wenig. Wer im Alltag auf einen synchronisierten Kalender oder eine bestimmte App angewiesen war, musste am Computer basteln oder doch wieder zum normalen Smartphone greifen.
MuditaOS K 2.0 setzt deshalb an der richtigen Stelle an. Die Basis dafür stimmt: In meinem Vergleich mit dem Bigme HiBreak Pro, dem Minimal Phone und dem Hisense A9 bot das Kompakt die zuverlässigste und am besten an E Ink angepasste Software, auch wenn sie am wenigsten konnte. Mudita hat Kontrollzentrum, Hinweisfenster und alle vorinstallierten Apps sichtbar für E Ink umgebaut, das System wirkt dadurch wie aus einem Guss. Das HiBreak Pro bringt zwar den Play Store mit, war im Alltag aber unberechenbar: Apps wurden teils falsch skaliert, das Telefon startete alle paar Tage neu, und einmal blieb sogar der Wecker stumm. Dafür fehlen dem Kompakt ab Werk etwa eine Benachrichtigungszentrale und ein Browser. Kalender-Abgleich und ein kuratierter App-Katalog machen es künftig alltagstauglicher, ohne es in ein gewöhnliches Smartphone zu verwandeln, und Force Refresh beseitigt ein typisches E-Ink-Ärgernis. Wie viel InkApps am Ende taugt, hängt allerdings davon ab, wie viele Entwickler mitmachen. Ob Mudita den Termin im November hält und wie sich das Update im Alltag schlägt, muss sich erst zeigen.




