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Xteink X4 Pro: Mini-eReader bekommt Touchscreen und Frontlicht

Geschätzte Lesezeit: 6:44 min.

Bereits am 21. Juli hat Xteink mit dem X4 Pro eine neue Version seines Mini-eReaders in den eigenen Onlineshop gebracht. Geblieben ist das Wesentliche: ein 4,3 Zoll kleines E-Ink-Display, ein Gehäuse von gerade einmal 111 × 69 Millimetern und eingebaute Magnete, mit denen sich das Gerät an die Rückseite des Smartphones heften lässt.

Neu sind zwei Dinge, die den bisherigen Modellen X3 und X4 gefehlt haben: ein Touchscreen und ein Frontlicht. Gerade das fehlende Licht war bislang der größte Haken an den kleinen Xteink-Readern. Ein Lesegerät, das ständig in der Hosentasche steckt, sollte auch abends im Bett oder im dunklen Zug funktionieren, ohne dafür eine Lampe zu brauchen.

Den X4 Pro konnte ich bereits ausprobieren. Das Video hat Xteink gesponsert, gekauft habe ich mir den Reader danach aber auch selbst.

The XTEINK X4 Pro Fixes the X4’s Biggest Problems

Frontlicht, Touch und Tasten

Mann liest in der Abenddämmerung auf dem Xteink X4 Pro, dessen Display warm-orange beleuchtet ist

Abends lässt sich das Licht bis in einen warmen Bernsteinton verschieben (Bild: Xteink)

Helligkeit und Farbtemperatur des Frontlichts lassen sich laut Xteink getrennt einstellen, von kühlem Weiß für den Tag bis zu einem warmen Bernsteinton für den Abend. Für die Modelle ohne Licht bietet Xteink bislang nur ein magnetisches Leselicht als Zubehör an.

Bei der Bedienung setzt der X4 Pro auf beides: Menüs, Bibliothek und Einstellungen bedient man per Touch, zum Umblättern bleiben die Tasten. So lässt sich weiterhin mit einer Hand lesen, ohne mit dem Finger den Text zu verdecken. Mit dem Touchscreen fällt mein größter Kritikpunkt an der Bedienung des X4 weg. Dort musste ich mich mit den Tasten durch jedes Menü hangeln und immer erst überlegen, welche Taste den Cursor in welche Richtung schiebt. Beim X4 Pro tippe ich einfach an, was ich will, und die Oberfläche reagiert spürbar flotter.

Das Display löst mit 219 ppi auf. Schrift wirkt damit etwas weniger fein als auf gängigen eReadern wie dem Kindle Paperwhite, die auf 300 ppi kommen.

Leichter trotz größeren Akkus

Seitenansicht: schwarzer Xteink X4 Pro haftet magnetisch an der Rückseite eines orangefarbenen Smartphones

Per Magnet haftet der X4 Pro am Smartphone (Bild: Xteink)

Bemerkenswert finde ich, dass der X4 Pro trotz Licht und Touchschicht nicht schwerer geworden ist. Xteink nennt 72 Gramm bei 5,95 Millimetern Dicke, der ursprüngliche X4 wog laut Hersteller 74 Gramm. Gleichzeitig wächst der Akku von 650 auf 1.100 mAh. Eine Laufzeit nennt Xteink nicht, denn die hängt nach Angaben des Herstellers stark davon ab, wie hell das Licht eingestellt ist und wie oft das WLAN läuft.

Eine USB-C-Buchse fehlt, geladen wird über Pogo-Kontakte und einen magnetischen Ladeadapter. Der liegt bei, ein Ladekabel aber nicht. Im Karton stecken außerdem eine 16-GB-microSD-Karte (bis 256 GB werden unterstützt), eine matte Schutzfolie und zwei Metallringe zum Aufkleben, an denen der Reader per Magnet hält.

Hätte ich bei der Hardware mitreden dürfen, wäre die USB-C-Buchse geblieben, obwohl der neue Anschluss sogar mehr kann: Über den Adapter meldet sich der X4 Pro am Computer als Laufwerk, beim X4 musste ich Bücher noch über die microSD-Karte oder die App aufs Gerät bringen. USB-C-Kabel liegen bei mir aber ohnehin überall, im Büro, neben dem Bett und in der Tasche. An diesen einen Adapter muss ich dagegen extra denken, und das Ansetzen ist etwas fummelig. Bei einem Gerät, das man nicht jeden Tag lädt, ist das aber kein K.-o.-Kriterium.

Eigene Firmware statt Android

Android läuft auf dem X4 Pro nicht. Xteink setzt auf eine eigene, schlanke Firmware ohne App-Store und ohne Buchshop. Offiziell liest sie EPUB- und TXT-Dateien sowie Bilder im JPG- und BMP-Format. PDF steht nicht auf der Liste, und von kopiergeschützten eBooks ist ebenfalls keine Rede. Wer seine eBooks bei Amazon, Thalia oder über die Onleihe bezieht, kommt mit dem X4 Pro also nicht weit. Er ist für DRM-freie Bücher gedacht, etwa aus der eigenen Calibre-Bibliothek.

Die Bücher kommen per microSD-Karte, USB-Kabel oder drahtlos über die Xteink-App aufs Gerät. Die App überträgt auch Hintergrundbilder und Schriften und holt Wetter, Feeds oder Börsenkurse aufs Display. Außer Büchern zeigt der Reader auf Wunsch Fotos oder eine Uhr an.

Für deutsche Leser gibt es einen Haken: Die Firmware spricht laut Produktseite bislang nur Englisch, Japanisch und Chinesisch. Deutsch soll wie viele weitere Sprachen mit späteren Updates folgen. Eigene Schriften müssen bisher in Xteinks Formaten XTF oder BIN vorliegen, TrueType-Unterstützung hat der Hersteller für ein Firmware-Update angekündigt. Deutlich besser als beim X4 klappt dafür der Umgang mit EPUBs. Dort ließen sich manche ganz normale Dateien nicht richtig öffnen, wurden fehlerhaft dargestellt oder mussten erst durch Calibre. Beim X4 Pro kopiere ich die EPUBs auf die Karte und lese los. Auch Zeichen, die der X4 falsch anzeigte, erscheinen jetzt korrekt. Nur bei Wörtern mit Umlauten bricht die Zeile in meinem Test noch an seltsamen Stellen um. Das muss Xteink nachbessern, lesen lassen sich die Bücher aber, ohne dass ich die Dateien vorher reparieren muss.

Spannend für Bastler: Xteink bewirbt den X4 Pro ausdrücklich als „Developer Edition“. Bei Geräten aus dem offiziellen Shop sichert der Hersteller zu, dass sich auch fremde Firmware aufspielen lässt, Schäden durch inoffizielle Software deckt die Garantie aber nicht ab. Die Open-Source-Firmware CrossPoint unterstützt den X4 Pro seit Version 1.6.0 vom 5. September offiziell. Den X4 habe ich noch ausdrücklich mit CrossPoint empfohlen: Die Originalsoftware lief dort zwar, aber bei Navigation, EPUB-Kompatibilität, Typografie und Kantenglättung der Schrift machte CrossPoint das Gerät deutlich besser. Beim X4 Pro reicht schon die mitgelieferte Firmware, um angenehm zu lesen, der Umstieg ist deshalb eher eine Option als ein Muss. Eine sehr gute Alternative bleibt CrossPoint trotzdem, und aufgespielt ist es auch ohne Vorkenntnisse in wenigen Minuten. Damit ist der X4 Pro, anders als der X4, nicht mehr in erster Linie ein Gerät für Bastler.

Preis und Verfügbarkeit

Xteink verkauft den X4 Pro über den eigenen Onlineshop, der auch nach Deutschland liefert. Die erste Charge war Ende Juli nach wenigen Tagen vergriffen. Mitte Oktober war der Reader wieder bestellbar und kostete 99 Euro statt regulär 109 Euro. Neben Schwarz bietet Xteink ihn inzwischen auch in Grau an, die graue Version soll ab dem 28. Oktober verschickt werden.

Ohne Licht und Touch, dafür günstiger, gibt es weiterhin den X4 Classic mit gleich großem Display und den kleineren X3 mit 3,7 Zoll.

Einschätzung

Mit dem X4 Pro behebt Xteink die beiden größten Schwächen seiner Mini-eReader. Beide Neuerungen sind für mich ähnlich wichtig: Der Touchscreen macht die Bedienung endlich unkompliziert, und erst mit Licht funktioniert ein Reader, den man immer dabeihat, auch wirklich überall. Der X4 war radikal reduziert. Das machte seinen Reiz aus, brachte im Alltag aber auch Hürden mit sich, bis hin zu EPUBs, die erst durch Calibre mussten. Der X4 Pro räumt genau diese Hürden aus dem Weg und bleibt dabei winzig und ganz aufs Lesen konzentriert. Müsste ich zwischen X4 und X4 Pro wählen, würde ich deshalb jedes Mal den Pro nehmen.

Ein Ersatz für einen Kindle, Kobo oder Tolino ist der X4 Pro trotzdem nicht. Auf 4,3 Zoll passt nur wenig Text, kopiergeschützte Shop-eBooks und PDFs fallen weg, und eine deutsche Oberfläche fehlt bislang. Wie lange der Akku mit eingeschaltetem Licht durchhält, muss sich ebenfalls erst zeigen.

Wenn du deine Bücher ohnehin DRM-frei sammelst, ist der X4 Pro ein spannendes Zweitgerät: klein genug, dass ich ihn neben dem Smartphone kaum bemerke, und jetzt auch ohne Basteln alltagstauglich. Wer Lust auf alternative Firmware hat, bekommt mit CrossPoint zusätzlich eine Software, an der die Community stetig weiterarbeitet. Ein Schnäppchen sind 99 Euro nicht. Fair finde ich den Preis trotzdem, denn Licht und Touch sind genau das, was den günstigeren Modellen fehlt. Wer Android und Apps wie Kindle oder Onleihe braucht, ist mit einem Gerät wie dem BOOX Palma besser bedient. Der ist allerdings ungefähr so groß wie ein Smartphone und kostet mehr.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren
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