Bigme HiBreak Dual3: E-Ink-Smartphone mit abnehmbarem Farbdisplay

Ende September hat Bigme bereits die dritte Generation seines E-Ink-Smartphones mit zweitem Bildschirm vorgestellt. Beim HiBreak Dual3 ist der 5 Zoll große Farbbildschirm auf der Rückseite nicht mehr fest verbaut, sondern steckt in einem Modul, das magnetisch hält und sich abnehmen lässt. Ohne das Modul bleibt ein E-Ink-Smartphone mit 6,13-Zoll-Display übrig. Bigme nimmt im eigenen Shop Vorbestellungen an, verschickt werden soll zwischen Anfang und Mitte November.
Das Tempo ist bemerkenswert. Das erste HiBreak Dual mit kleinem rundem Rückdisplay hat Bigme im April vorgestellt, im Juli folgte das HiBreak Dual2 mit fest eingebautem 5-Zoll-LCD auf Kickstarter, und dessen Kampagne lief erst am 24. August aus. Damit hat Bigme innerhalb von sechs Monaten drei Generationen gezeigt.
Das LCD als Ansteckmodul
Die Grundidee ist dieselbe wie bei den Vorgängern: Gelesen und geschrieben wird auf dem ruhigen E-Ink-Display, für Fotos, Videos oder Videotelefonate dreht man das Telefon um und nutzt das LCD mit 1.280 × 720 Pixeln. Neu ist, dass man diesen Bildschirm nur dann mitnehmen muss, wenn man ihn wirklich braucht. Wie das Modul technisch mit dem Telefon verbunden ist, erläutert Bigme bislang nicht.
Konsequenterweise verkauft Bigme das Dual3 auch ganz ohne LCD, also als reines E-Ink-Smartphone. Jede Ausführung kostet dann 60 Dollar weniger. Der Stift ist nur optional erhältlich, eine Hülle liegt dagegen bei.
Technik wie beim Dual2
Technisch liegt das Dual3 nah am Dual2. Auch hier läuft Android 16 auf einem MediaTek Dimensity 8300, dazu kommen wahlweise 12 GB RAM mit 256 GB Speicher oder 16 GB RAM mit 512 GB. Speicherkarten nimmt das Dual3 bis 2 TB auf. Das E-Ink-Display gibt es in Schwarz-Weiß oder in Farbe. Bigme nennt 300 ppi für Schwarz-Weiß und 150 ppi für Farbe, dieselben Werte wie beim Farb-Tablet inkNote Color+. Farb-E-Ink zeigt Farben deutlich blasser als ein LCD, und weil der Farbfilter Licht schluckt, wirkt auch Text etwas dunkler als auf der Schwarz-Weiß-Version. Dafür erscheinen Karten, Fotos und Diagramme schon auf dem E-Ink-Display in Farbe.
Wer vor allem liest, kommt mit der Schwarz-Weiß-Version gut zurecht. Ich würde bei Bigme ohnehin eher zu Schwarz-Weiß greifen. Schon beim kleineren HiBreak wirkte diese Variante neben dem Farbmodell heller, sauberer und schärfer und war damit für mich die augenfreundlichere Wahl. Beim HiBreak Pro Color, das wie das Dual3 mit 300 und 150 ppi arbeitet, kam ein schwaches Frontlicht dazu: Es war in meinem Test nur etwa halb so hell wie beim schwarz-weißen HiBreak Pro. Gerade ein Farbdisplay, dessen Filter ohnehin Licht schluckt, bräuchte aber eher mehr Licht als weniger. Mit kaltweißem Licht allein blieb das Bild deshalb gräulich, deutlich heller wurde es erst mit zugemischtem Warmweiß, das dem Bild dann aber einen spürbar wärmeren Ton gibt.
Der Akku fasst 4.450 mAh und wird mit bis zu 30 Watt geladen. Dazu kommen eine 50-Megapixel-Kamera hinten, eine 5-Megapixel-Kamera vorn, Stereolautsprecher, 5G, NFC, WLAN mit 2,4 und 5 GHz sowie Bluetooth 5.3. Eine Kopfhörerbuchse fehlt, Kopfhörer werden per USB-C angeschlossen. Der Stift funktioniert nur auf dem E-Ink-Display. Das Gehäuse misst 159,7 × 79,8 × 9,5 Millimeter.
Beim Tempo des E-Ink-Displays legt Bigme noch einmal nach und wirbt mit bis zu 85 Bildern pro Sekunde. Für das erste HiBreak Dual verspricht der Hersteller seit einem Update im Juni 80 FPS, zum Start im April waren es noch 53. Solche Werte gelten für schnelle Anzeigemodi, in denen E-Ink mit weniger Graustufen arbeitet. Beim HiBreak Pro Color machte der schnellste Modus selbst bewegte Apps erstaunlich gut nutzbar, kostete aber sichtbar Bildqualität und verbrauchte mehr Akku. Für die meisten Apps war ein langsamerer Modus die bessere Wahl, weil darin alles viel sauberer aussah. Die FPS-Angabe beschreibt also eher den Ausnahmefall als den Alltag. Wie sauber Text beim Scrollen bleibt und wie stark Bilder nachziehen, sagt sie allein nicht.
Preis und Verfügbarkeit
Im internationalen Bigme-Shop kostet das Dual3 in Dollar:
- 12 GB/256 GB, Schwarz-Weiß: 569 Dollar ohne LCD, 629 Dollar mit LCD
- 12 GB/256 GB, Farbe: 589 Dollar ohne LCD, 649 Dollar mit LCD
- 16 GB/512 GB, Schwarz-Weiß: 689 Dollar ohne LCD, 749 Dollar mit LCD
- 16 GB/512 GB, Farbe: 709 Dollar ohne LCD, 769 Dollar mit LCD
Bigme betreibt zwar auch einen Euro-Shop, nennt für das Dual3 auf der Produktseite aber keinen Euro-Preis.
Einschätzung
Von den drei Dual-Modellen wirkt das Dual3 auf mich am durchdachtesten. Das kleine runde Display des ersten Modells reichte kaum für mehr als Uhrzeit, Anrufe und Fotovorschau, das fest verbaute 5-Zoll-LCD des Dual2 macht das Telefon dagegen dauerhaft zum Zwitter, auch an Tagen, an denen man den Farbbildschirm gar nicht braucht. Ein Modul, das man zu Hause lassen kann, passt besser zur Idee eines ruhigen E-Ink-Telefons.
Entscheidend wird aber wieder die Software, denn die war bisher bei jedem Bigme-Gerät, das ich getestet habe, die Schwachstelle. Die Grundlagen stimmten meist, an der Oberfläche fehlte der Feinschliff. Beim HiBreak Pro Color standen auch bei englischer Systemsprache noch chinesische Schriftzeichen in den Menüs, das Kontrollzentrum ließ sich zwar herunterziehen, aber nicht wieder hochwischen, und die automatische Helligkeit reagierte so nervös auf kleinste Lichtänderungen, dass sie praktisch unbrauchbar war. Beim kleineren HiBreak Color ging das Telefon sogar in den Standby, sobald eine SMS kam. Gerade beim Zusammenspiel zweier so unterschiedlicher Bildschirme unter Android 16 muss sich im Alltag erst zeigen, ob alles rund läuft.
Auf spätere Updates würde ich dabei nicht setzen. Bigme liefert für einige Geräte durchaus Updates nach, die oft auch mehr Tempo bringen. Ein halbes Jahr nach meinem Test des HiBreak Pro steckten im HiBreak Pro Color aber trotz neuer Bigme-Oberfläche noch viele derselben Schwächen, die nervöse Helligkeitsautomatik eingeschlossen, und einen festen Zeitraum für Updates nannte der Hersteller nicht. Und Bigmes schnelle Modellfolge hat eine weitere Kehrseite: Wer im Sommer das Dual2 auf Kickstarter unterstützt hat, sieht wenige Wochen nach Kampagnenende schon den Nachfolger im Shop. Ich würde mit einer Bestellung warten, bis die ersten Geräte ausgeliefert sind und klar ist, wie gut Software und Modul tatsächlich funktionieren. Ein Bigme-Gerät sollte man ohnehin nach dem beurteilen, was es heute kann, nicht nach Versprechen.






