BOOX Go 10.3 (Gen II), Go 10.3 Lumi & Go 6 (Gen II): Die Go-Reihe bekommt Licht und Stift

Die Go-Reihe ist die schlanke (meist) Schwarz-Weiß-Linie von BOOX: Geräte für alle, die vor allem lesen und schreiben möchten, auf Android und Google Play aber nicht verzichten wollen. Die hier vorgestellten Neuerungen hat BOOX bereits vor mehreren Monaten angekündigt: Im März 2026 stellte der Hersteller das Go 10.3 (Gen II) und mit dem Go 10.3 (Gen II) Lumi erstmals ein Go 10.3 mit Frontlicht vor. Im Juni folgte die Ankündigung des Go 6 (Gen II), der als erster Go 6 auch einen Stift unterstützt.
Alle drei Geräte konnte ich inzwischen testen. Hier ein Überblick über die Neuerungen, die Preise und meine wichtigsten Eindrücke.
Go 10.3 (Gen II) und Lumi: Gleiche Basis, ein entscheidender Unterschied
Die beiden 10,3-Zöller haben fast alles gemeinsam. Das E-Ink-Display löst mit 2480 × 1860 Pixeln (300 ppi) auf, das asymmetrische Gehäuse mit Aluminiumrahmen ist nur 4,8 Millimeter dünn. Als Betriebssystem kommt Android 15 mit Google Play zum Einsatz, der Vorgänger lief noch mit Android 12. Dazu kommen 4 GB RAM, 64 GB nicht erweiterbarer Speicher, zwei Lautsprecher und ein 3.700-mAh-Akku. Beim Gewicht nennt BOOX rund 350 Gramm für das Modell ohne Licht und 364 Gramm für das Lumi-Modell, mein Testgerät des Go 10.3 (Gen II) brachte 343 Gramm auf die Waage. Neu ist bei beiden der mitgelieferte InkSense-Plus-Stift aus Metall mit Seitentaste, der den bisherigen Pen Plus ablöst.
Der Unterschied liegt im Licht. Das Go 10.3 (Gen II) Lumi bringt ein Frontlicht mit einstellbarer Farbtemperatur mit – genau das, was dem ersten Go 10.3 gefehlt hat. Das Go 10.3 (Gen II) verzichtet weiterhin darauf, und das hat durchaus seinen Vorteil: Ohne zusätzliche Lichtschicht sitzt die Schrift näher unter der Stiftspitze, das Schreiben fühlt sich direkter an, und der Rahmen wirft weniger Schatten aufs Bild. Allerdings bleibt man damit immer auf ausreichend Umgebungslicht angewiesen. Auf dem Sofa am Abend oder im Bett heißt das: erst einmal eine Lampe organisieren.
Kapazitiver Stift statt EMR
Mit dem InkSense Plus wechselt BOOX bei der Go-Reihe vom passiven EMR-Stift zu einem aktiven, kapazitiven Stift mit eigenem Akku. Davon war ich zunächst wenig begeistert, die Umsetzung ist aber besser als befürchtet. Die feste, etwas spitzere Mine erzeugt auf der rauen Oberfläche einen spürbaren Widerstand, der eher an einen Bleistift erinnert als die weichen Spitzen vieler EMR-Stifte. Unter den E-Ink-Geräten, die ich bisher ausprobiert habe, gehört dieses Schreibgefühl zu den überzeugendsten. Diagonale Linien wirken allenfalls leicht wellig, was eher beim präzisen Zeichnen auffällt.
Bei der Latenz habe ich beim Lumi rund 25 Millisekunden gemessen, beim unbeleuchteten Modell je nach Durchgang 23 bis 30 Millisekunden. Beim Schreiben ist das unauffällig, ein Spitzenwert ist es aber nicht mehr – die schnellsten E-Ink-Tablets liegen inzwischen bei etwa 10 Millisekunden.
Und noch etwas: Der Stift lädt nicht an der magnetischen Halterung, sondern muss separat per USB-C aufgeladen werden. Bei einem Tablet, dessen Stift zur Hauptfunktion gehört, finde ich das unnötig umständlich. Im Alltag hat es mich dank einer hochgerechneten Laufzeit von rund 50 Stunden pro Ladung allerdings weniger gestört als erwartet.
Gutes Licht mit Einschränkungen, starke Software mit Ecken und Kanten
Das Frontlicht des Lumi lässt sich von sehr dunklen 0,15 bis etwa 145 cd/m² regeln und erweitert den Einsatzbereich deutlich. Weniger gefällt mir der schmale Farbtemperaturbereich: Mein Testgerät deckte nur etwa 6.400 bis 4.300 Kelvin ab, ein kräftig bernsteinfarbener Abendmodus fehlt. Beide Modelle zeigen außerdem mehr Ghosting, als ich mir von einem solchen Schwarz-Weiß-Display wünschen würde, und BOOX Super Refresh steht bei der Go-Reihe nicht zur Verfügung.
Auf der Softwareseite überzeugen die umfangreiche Notiz-App, die PDF-Werkzeuge samt Spaltenmodus und die freie App-Auswahl wie gewohnt. Beim Lumi hatte ich mit der getesteten Firmware allerdings auch mit abstürzenden Apps und einem hakeligen Kontrollzentrum zu kämpfen. Bei der Ausdauer liegen die beiden 10,3-Zöller mit rund 45 Stunden (Go 10.3 Gen II) beziehungsweise 55 Stunden (Lumi) reiner Lesezeit ordentlich, aber nicht auf dem Niveau der besten eReader. Beim Schreiben waren es jeweils knapp elf Stunden.
Go 6 (Gen II): Der kleine Go lernt schreiben
Auf den ersten Blick wirkt der Go 6 (Gen II) wie eine behutsame Modellpflege des Go 6. Das 6-Zoll-Display löst mit 1448 × 1072 Pixeln (300 ppi) auf, das Frontlicht bietet eine einstellbare Farbtemperatur, dazu kommen ein Achtkernprozessor mit 2,0 GHz, 32 GB Speicher samt microSD-Steckplatz und ein 1.500-mAh-Akku. Neu sind 3 statt 2 GB RAM, ein abgerundetes Gehäuse mit gerillter Rückseite im Kofferdesign und vier Farben: Plum, Stone, Shell und Custard. Mit 149 × 109 × 6,8 Millimetern und 160 Gramm ist der neue Go 6 minimal größer und schwerer geworden.
Interessant wird er durch den Stift. Erstmals unterstützt ein Go 6 den InkSense-Plus-Stift, der allerdings nicht beiliegt. Mit rund 19 Millisekunden Latenz schreibt der kleine Go im Test erstaunlich direkt – kein neuer Rekord, für ein so kleines Gerät aber sehr reaktionsfreudig. Für kurze Notizen, To-do-Listen und gelegentliche PDFs ist das ein echter Mehrwert. Unpraktisch: Am Gerät gibt es keine magnetische Halterung und an der offiziellen Hülle keine Stiftschlaufe. Ausgerechnet bei einem für unterwegs gedachten Notizgerät reist der Stift also lose mit.
Weniger erfreulich ist das Betriebssystem: Android 11 ist für ein neues Gerät enttäuschend alt. Lesen und die gängigen Lese-Apps funktionieren zwar problemlos, für Sicherheit und langfristige Nutzung ist das aber unbefriedigend. Auch bei der Ausdauer muss man Abstriche machen. Mit rund 16 Stunden reiner Lesezeit ohne Licht hielt der Go 6 (Gen II) im Test sogar etwas kürzer durch als sein Vorgänger.
Preise und Verfügbarkeit
- BOOX Go 10.3 (Gen II): 419,99 Euro (inkl. InkSense-Plus-Stift und Magnethülle)
- BOOX Go 10.3 (Gen II) Lumi: 449,99 Euro (inkl. InkSense-Plus-Stift und Magnethülle)
- BOOX Go 6 (Gen II): 199,99 Euro, mit InkSense-Plus-Stift 232,99 Euro
Alle drei Modelle sind im europäischen BOOX-Shop erhältlich. Bei den 10,3-Zöllern sind einzelne Hüllenvarianten derzeit allerdings vergriffen oder werden erst ab Mitte Oktober ausgeliefert.
Fazit
Mit dem Lumi hat BOOX die größte Schwäche des ersten Go 10.3 behoben. Das Lumi-Modell ist für mich die sinnvollste Wahl der neuen Generation: leicht, mit einem sehr angenehmen Schreibgefühl, starken PDF-Werkzeugen und einem Frontlicht, das den Einsatzbereich deutlich erweitert. Der Aufpreis von 30 Euro gegenüber dem Modell ohne Licht lohnt sich für die meisten. Das unbeleuchtete Go 10.3 (Gen II) ist nur dann die bessere Wahl, wenn das direktere Schreibgefühl ausdrücklich im Vordergrund steht und ohnehin meist gutes Umgebungslicht vorhanden ist.
Der Go 6 (Gen II) wird dank Stiftunterstützung zu einem ungewöhnlich vielseitigen Taschenformat für alle, die unterwegs gelegentlich etwas notieren möchten. Als unkomplizierter reiner Buchleser verlangt er mit Android 11 und mäßiger Akkulaufzeit allerdings vergleichsweise viele Kompromisse.
Die ausführlichen Testberichte zum BOOX Go 10.3 (Gen II) und zum Lumi folgen am 23. Oktober, der Test zum BOOX Go 6 (Gen II) am 24. Oktober.
Weitere Informationen findest du im europäischen BOOX-Shop:








