BOOX Picco: Winziger 4-Zoll-eReader zum Anheften ans Smartphone

Den Picco hat BOOX bereits vor einigen Wochen, im September 2026, vorgestellt. Mit ihm eröffnet der Hersteller eine neue Produktkategorie namens „BOOX Tiles“ – kleine Begleiter abseits der bekannten Android-Tablets. Der Picco ist mit 3,97 Zoll Bildschirmdiagonale und 58 Gramm der bislang kleinste eReader von BOOX und lässt sich mit einer magnetischen Hülle an der Rückseite eines Smartphones befestigen. Die Idee dahinter ist simpel: Statt in einer kurzen Pause zum Handy zu greifen, öffnet man ein Buch.
Als offiziellen Vorbestellstart nannte BOOX den 28. September 2026, der Preis liegt bei 109,99 Euro. Ein Vorserienmodell konnte ich bereits einige Tage lang ausprobieren.
Technik im Taschenformat
Das 3,97 Zoll große E-Ink-Display löst mit 800 × 480 Pixeln auf, was rund 235 ppi entspricht. Ein Frontlicht mit einstellbarer Farbtemperatur ist dabei, ebenso eine Blätterwippe an der rechten Seite und ein Schalter, der wahlweise das Licht oder den Dunkelmodus umschaltet. Das Gehäuse misst nur 105,5 × 62 × 5,5 Millimeter. Im Inneren stecken ein 920-mAh-Akku und eine bereits eingesetzte 16-GB-microSD-Karte, BOOX nennt Karten mit bis zu 2 TB. Geladen wird ganz normal per USB-C.
Anders als die übrigen BOOX-Geräte läuft der Picco nicht mit Android, sondern mit einem eigenen, schlanken Lesesystem. Bücher gelangen über die BOOX-Tiles-App, die Webseite des Dienstes oder per USB-Kabel aufs Gerät. Unterstützt werden unter anderem EPUB, MOBI, AZW3, FB2, TXT und RTF, PDF taucht in der offiziellen Formatliste dagegen nicht auf. Als kleine Extras gibt es einen Pomodoro-Timer, eine Aufgabenliste und einen Countdown.
Erste Eindrücke vom Vorserienmodell
Für mein Empfinden ist der Picco in dieser winzigen Geräteklasse das bislang schönste Modell hinsichtlich Material und Verarbeitung – der Metallrahmen macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Hochwertiger bedeutet allerdings nicht automatisch bequemer: Die kantigen Seiten liegen weniger angenehm in der Hand als etwa beim XTEINK X4 Pro, und Wippe sowie Lichtschalter klapperten bei meinem Vorserienmodell leicht. Die Wippe selbst überzeugt dafür mit einem klaren Druckpunkt und lässt sich frei belegen.
Ein echtes Highlight ist das Frontlicht. Es ließ sich bei meinem Gerät von etwa 0,5 bis 97 cd/m² regeln und von rund 6.000 bis 2.900 Kelvin deutlich ins Orange verschieben. Für ein derart kleines Gerät ist das sehr gut. Bei den Pixeln muss man dagegen Abstriche machen: Aus der Nähe sind sie mit bloßem Auge erkennbar, dank Kantenglättung wirkt das Schriftbild in Büchern aber trotzdem ordentlich.
Bei der Software war vor dem Marktstart noch einiges offen. Im Inneren arbeitet ein sparsamer ESP32-S3-Chip, das Lesesystem basiert auf dem CrossPoint Reader und wurde von BOOX stark angepasst. EPUB-Dateien liest der Picco nicht direkt, sondern wandelt sie beim Übertragen in ein eigenes, vorverarbeitetes Format namens OPUB um. Diese offizielle Umwandlung funktionierte bei mir vor dem Marktstart noch nicht. Die Bibliothek zeigt außerdem nur Cover ohne Sortier- oder Filterfunktionen, und der Bildschirmtastatur fehlten Sonderzeichen – mein WLAN-Passwort konnte ich mit dieser Version deshalb tatsächlich nicht eingeben.
Innerhalb eines Buches wirkt das System dafür bereits deutlich ausgereifter. Schrift und Formatierung lassen sich gut anpassen, eigene Schriftarten sind schnell installiert, und die Touch-Zonen lassen sich fein einstellen.
Preis und Verfügbarkeit
Der BOOX Picco kostet 109,99 Euro. Zum Lieferumfang gehören neben dem Gerät die eingesetzte microSD-Karte und drei Displayschutzfolien, die magnetische Smartphone-Hülle soll laut Pressemitteilung ebenfalls beiliegen. Beim Liefertermin widersprechen sich die offiziellen Angaben: Im Shop ist von einer Auslieferung ab etwa Oktober die Rede, in der Pressemitteilung von November. Derzeit sind zudem alle Varianten im Shop als ausverkauft markiert.
Einschätzung
Der erste Eindruck vom Picco ist positiv: schöne Materialien, ein sehr gutes Frontlicht und angenehme Leseeinstellungen in einem winzigen Gerät, dazu ein normaler USB-C-Anschluss und vertraute Bedienelemente. Die offenen Punkte bei der Buchübertragung, der Bibliothek und der Tastatur sind für ein Gerät, das einfach nur ein Buch öffnen soll, aber keine Nebensache.
Der Picco hat viel Potenzial. Eine abschließende Kaufempfehlung verdient er aber erst, wenn die Verkaufsversion diese Punkte geklärt hat. Meine ausführlichen ersten Eindrücke zum BOOX Picco folgen am 24. Oktober.
Weitere Informationen findest du im europäischen BOOX-Shop:






