Aus der Adobe ID wird die ByteBooks ID: Was eReader-Nutzer jetzt wissen müssen

Am 23. Juni 2026 hat Adobe die Anmeldung mit der Adobe ID in Adobe Digital Editions abgeschaltet. An ihre Stelle tritt die ByteBooks ID, ein kostenloses Konto bei ByteBooks. Hinter dem Namen steckt der IT-Dienstleister Wipro, der Adobes E-Book-Plattform inzwischen betreibt und dabei auch die Nutzerkonten und Lizenzen verwaltet.
Das betrifft alle, die E-Books mit Adobe-Kopierschutz lesen, und solche Titel gibt es außerhalb der Kindle-Welt reichlich: Kauf-E-Books aus Shops, die auf Adobe-DRM setzen, Ausleihen über OverDrive und Libby, die man auf den eReader lädt, sowie PDF-Titel aus der Onleihe. Damit sich ein solches Buch öffnen lässt, muss der eReader oder die Lese-Software Adobe Digital Editions (ADE) mit einem Konto autorisiert sein, und das war bisher eben die Adobe ID. Gelöscht wird sie nicht, für den Kopierschutz zählt aber nur noch die ByteBooks ID.
Wer jetzt etwas tun muss
Zunächst die gute Nachricht: Bereits autorisierte eReader und ADE-Installationen laufen einfach weiter. Handeln muss man erst, wenn man ein neues Gerät einrichtet, einen eReader zurücksetzt und neu autorisiert oder wenn ADE eine neue Anmeldung verlangt. Taucht in ADE die Fehlermeldung E_ADEPT_RESET_PW_REQUIRED auf, ist der Wechsel zur ByteBooks ID fällig. Wer sich in ADE nicht mit einer Adobe ID, sondern mit dem Konto eines Händlers aus der Anbieterliste anmeldet, ist laut ByteBooks nicht betroffen.
PocketBook hat schon im Juni erklärt, wie es auf seinen Geräten weitergeht, und spricht dabei von der „ByteBook ID“. Wer bereits eine Adobe ID eingetragen hat, muss laut PocketBook nichts tun, weil der eReader sie auch als ByteBook ID erkennt. Neue Nutzer erstellen ein ByteBooks-Konto. Solange ihr Modell noch keine eigene ByteBooks-Anmeldung hat, tragen sie es unter „Einstellungen“ > „Konten & Synchronisierung“ > „Adobe DRM“ ein. Diese Anmeldung baut PocketBook nach und nach per Firmware-Update in die einzelnen Modelle ein, vollständig umgestellt wird zum 1. Januar 2027. Bis dahin funktionieren beide Wege, die Firmware sollte man aber aktuell halten.
Fragt ein tolino oder PocketBook beim Download aus OverDrive nach einer Adobe ID, gibt man laut OverDrive einfach die ByteBooks-Zugangsdaten ein. Soll dasselbe Buch auf mehrere Geräte, muss überall dieselbe ID eingetragen sein. Für die meisten Onleihe-Titel braucht man auf aktuellen tolinos und PocketBooks dagegen gar kein Adobe-Konto, sie nutzen den LCP-Kopierschutz. Eine Ausnahme sind PDFs: Sie öffnen sich auch dort nur mit einer Adobe- bzw. ByteBooks-ID.
Auch für Bücher von Google Play, die man über ADE auf den eReader bringt, braucht man die neue ID. Der ADE-Export bereits heruntergeladener EPUBs funktioniert laut Google allerdings bis auf Weiteres nicht, man arbeite noch an einer Lösung.
So klappt der Umstieg
Das Wichtigste vorweg: Für die ByteBooks ID muss man dieselbe E-Mail-Adresse verwenden wie für die Adobe ID. Nur so ordnet ByteBooks die bisherigen Lizenzen dem neuen Konto zu. Mit einer anderen Adresse muss man Bücher unter Umständen erneut beim Shop oder bei der Bibliothek herunterladen. Kosten entstehen keine, ein Abo braucht man nicht.
- Die Umstiegsseite von ByteBooks öffnen und „Already have an Adobe ID account“ wählen. Wer bisher keine Adobe ID hatte, nimmt „Create Your ByteBooks Account“.
- Dieselbe E-Mail-Adresse wie bei der Adobe ID angeben und mit dem zugeschickten Einmalcode bestätigen.
- In Adobe Digital Editions unter „Hilfe“ > „Computer autorisieren“ als eBook-Anbieter weiterhin „Adobe-ID“ auswählen und die ByteBooks-Zugangsdaten eintragen. Eine neue ADE-Version ist dafür nicht nötig.
- Auf dem eReader die ByteBooks-Daten in das Feld für die Adobe ID eintragen.
Ohne Zugriff auf die E-Mail-Adresse der alten Adobe ID hilft der Support unter ebooks-support@wipro.com weiter. Diese Hilfe bei der Kontowiederherstellung bietet ByteBooks nach eigenen Angaben aber nur bis zum 30. November 2026 an.
Einschätzung
Wer seine Geräte nicht neu einrichtet, merkt vom Wechsel erst einmal nichts. Trotzdem würde ich den Umstieg auf die ByteBooks ID nicht auf die lange Bank schieben. Spätestens beim nächsten eReader, nach einem Zurücksetzen oder bei einer neuen ADE-Installation braucht man sie ohnehin, und wer die alte E-Mail-Adresse nicht mehr nutzt, hat für die Wiederherstellung nur bis Ende November Zeit.
Schön ist das alles nicht. Adobe-DRM war schon immer der umständlichste Teil des E-Book-Lesens abseits von Amazon: Man braucht ein eigenes Konto nur für den Kopierschutz, muss jeden eReader und jede ADE-Installation damit autorisieren und überall dieselbe ID eintragen, wenn ein Buch auf mehreren Geräten landen soll. Dass dieses Konto jetzt bei einem Anbieter liegt, den kaum ein Leser kennt, macht es nicht einfacher. Und weil ADE weiter „Adobe ID“ anzeigt, aber ByteBooks-Daten erwartet, dürfte das noch für einige Verwirrung sorgen. Immerhin kommen die meisten Onleihe-Titel auf tolino und PocketBook längst ohne Adobe-Konto aus.
Wie viel Arbeit solche Umstellungen machen, hängt auch vom eReader ab. Am wenigsten Ärger mit dem Kopierschutz hatte ich bisher mit PocketBook. Der Verse Pro aus meinem Test unterstützt Adobe-DRM und LCP von Haus aus und öffnet geschützte E-Books direkt in der eigenen Lese-App, ohne zusätzliche Apps oder Umwege. Auch bei der Umstellung müssen PocketBook-Nutzer mit eingetragener Adobe ID nichts tun. Bei BOOX ist das anders: Beim Go 7 unterstützte die eingebaute Lese-App in meinem Test weder Adobe-DRM noch LCP. Für Bücher aus Shops mit diesem Kopierschutz braucht man dort also eine zusätzliche Lese-App, die ihn unterstützt. Amazon kommt ganz ohne Adobe aus, auf dem Kindle spielt der Wechsel keine Rolle. Dafür steckt man dort in einem geschlossenen System. Darauf habe ich schon in meinem Test des Kindle Paperwhite hingewiesen: Wechselt man später den Anbieter, kann man seine Kindle-Bücher in der Regel nicht mitnehmen. Ob das stört, hängt vom eigenen Kaufverhalten ab. Wer ohnehin nur bei Amazon kauft, merkt davon wenig.



