reMarkable Paper Pure

Leichtes 10,3-Zoll-Notiztablet mit sehr hellem Display, aber ohne Frontlicht

Unser Fazit Die meisten, die es bewusst den Alternativen vorziehen und wissen, was sie bekommen, werden damit glücklich, davon bin ich überzeugt.
Zum Fazit
Derzeit kein geprüftes Angebot. Der Preis zum Marktstart lag bei 399 €.
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Auf einen Blick

Das reMarkable Paper Pure folgt auf das reMarkable 2 und ist der günstigste Einstieg in die aktuelle reMarkable-Welt. Es wiegt nur 360 Gramm, und dank des auffallend hellen, kontrastreichen Displays und der direkten Stifteingabe schreibt es sich bei gutem Licht sehr angenehm. Dazu kommen eine aufgeräumte Oberfläche, fein abgestimmte Schreibwerkzeuge und eine zuverlässige Synchronisation.

Die Kompromisse sind allerdings nicht zu übersehen: Ein Frontlicht fehlt, die Auflösung liegt weiterhin bei 226 ppi, und die Handschriftsuche gibt es nur mit dem kostenpflichtigen Connect-Abo. Im Test zeigte das Paper Pure außerdem Schwächen bei EPUBs und anspruchsvollen PDFs.

Ideal für: PDFs und Fachliteratur · Große Bibliothek offline
Weniger geeignet für: Lesen im Bett und bei Nacht (keine Beleuchtung) · Badewanne, Strand und Pool (nicht gegen Wasser geschützt)

Vorteile

  • Sehr heller Displayhintergrund und hoher Kontrast
  • Mit 360 Gramm sehr leicht für 10,3 Zoll
  • Direktes Schreibgefühl dank geringem Abstand zwischen Stift und Bild
  • Sorgfältig abgestimmte Schreibwerkzeuge und gute Vorlagen
  • Aufgeräumte, schnelle Oberfläche ohne Ablenkung
  • Zuverlässige Synchronisation mit Desktop- und Smartphone-App
  • Verschraubte Rückseite erleichtert den Akkutausch

Nachteile

  • Kein Frontlicht, Lesbarkeit hängt vom Umgebungslicht ab
  • Nur 226 ppi, sichtbar weniger scharf als 300-ppi-Displays
  • Handschriftsuche nur mit Connect; neue Notizen brauchen WLAN zum Indexieren
  • Im Test spartanische EPUB-Unterstützung und einfache PDF-Werkzeuge
  • Kunststoffgehäuse wirkt weniger hochwertig, Füße geben kaum Halt
  • Leicht wellige diagonale Linien beim Zeichnen

Schnellcheck: Wofür eignet sich das Gerät?

Eingeordnet nach Einsatzzweck, auf Basis der technischen Daten.

  • Handschriftliche NotizenNotizgerät Gut
  • PDFs und Fachliteratur10,3-Zoll-Display, nahe an A4 Ideal
  • Romane und Sachbücher226 ppi, für die meisten scharf genug Gut
  • Lesen im Bett und bei NachtKeine Beleuchtung Eingeschränkt
  • Große Bibliothek offline32 GB Speicher Ideal
  • Badewanne, Strand und PoolNicht gegen Wasser geschützt Eingeschränkt

reMarkable Paper Pure im Überblick

Der Nachfolger des reMarkable 2 bleibt bewusst schlicht

Das reMarkable Paper Pure löst nach sechs Jahren das reMarkable 2 ab und setzt weiter auf das Bewährte: ein 10,3-Zoll-Schwarzweißdisplay, ein Stift und Software, bei der das handschriftliche Notieren im Mittelpunkt steht. Wer auf ein reMarkable 3 mit 300 ppi und Frontlicht gehofft hat, wird enttäuscht, denn beides fehlt. Neben Paper Pro und Paper Pro Move ist das Paper Pure das schlichteste und günstigste Modell der aktuellen Reihe. Es richtet sich an Menschen, die ein digitales Notizbuch ohne App-Store, Widgets und verschachtelte Einstellungen suchen und meist bei Tageslicht oder an einem gut beleuchteten Schreibtisch arbeiten.

Das Gehäuse übernimmt die kantigere Formensprache der Paper-Pro-Modelle. Durch die asymmetrische Form ist sofort klar, wo man zugreift, und das Paper Pure lässt sich leichter halten als das Paper Pro. Mit 360 Gramm und sechs Millimetern Dicke gehört es zu den leichtesten 10-Zoll-Notiztablets mit E Ink. Verarbeitet ist es sehr ordentlich, nichts knarzt. Der harte Kunststoff wirkt allerdings weniger edel als beim reMarkable 2 oder bei den Paper-Pro-Modellen. Gelungen ist dagegen der graue Rahmen, der farblich zum hellen Displayhintergrund passt und die Front ruhig wirken lässt. Die vier großen Füße auf der Rückseite bestehen aus einem anderen Material als gewohnt und geben auf dem Tisch kaum Halt.

reMarkable Paper Pure in beiden Händen mit grauem Rahmen und Ruhebildschirm, links und rechts angeschnitten zwei weitere Tablets und zwei Stifte auf dunklem Tisch
Kantig, leicht und mit grauem Rahmen: Mit 360 Gramm liegt das Paper Pure angenehm in beiden Händen.

Bei der Reparierbarkeit macht reMarkable einen Schritt nach vorn. Die Rückseite ist verschraubt und gibt nach dem Öffnen den Zugang zum 3.820-mAh-Akku und den übrigen Bauteilen frei. Etwas Vorsicht ist trotzdem nötig, denn rund um den Rahmen sitzen zusätzlich Clips, und an zwei Stellen hält etwas Klebstoff die Abdeckung. Gegenüber einem komplett verschlossenen Gerät bleibt das ein klarer Vorteil, gerade bei einem Tablet, das viele Jahre halten soll. Statt klassischer Folios bietet reMarkable für das Paper Pure ein Sleeve Folio an, also eine Hülle zum Hineinstecken. Sie ist gut gemacht, trägt aber mehr auf als die Folios der anderen Modelle, und zum Arbeiten muss das Tablet heraus.

Geöffnetes reMarkable Paper Pure mit freiliegendem Akku und Platine, daneben die abgenommene graue Rückseite
Schrauben, Clips und etwas Klebstoff halten die Rückseite; nach dem Öffnen ist der Akku zugänglich.

Helles Display, direkter Stift, aber kein Frontlicht

Das 10,3-Zoll-Display basiert auf E Ink Carta 1300 und löst mit 1872×1404 Pixeln auf, das entspricht 226 ppi. Seine größte Stärke ist nicht die Schärfe, sondern das Reflexionsvermögen. Mit einem gemessenen L*-Wert von ungefähr 68 bis 69 gehört der Hintergrund zu den hellsten bei E-Ink-Tablets. Zusammen mit kräftigem Schwarz ergibt das einen hohen Kontrast und ein angenehm papierähnliches Bild. Das reMarkable 2 hatte zwar einen ähnlich hellen Hintergrund, aber ein schwächeres Schwarz. Auch das Ghosting, also schwache Reste vorheriger Inhalte nach einem Seitenwechsel, hat das Paper Pure gut im Griff, was bei einem Carta-1300-Display keine Selbstverständlichkeit ist.

Spektralfotometer auf dem Display des reMarkable Paper Pure mit angezeigtem L*-Wert von 68,46
Mit einem L*-Wert von etwa 68 bis 69 gehört der Displayhintergrund zu den hellsten bei E-Ink-Tablets.

Die Auflösung bleibt dagegen ein Kompromiss. Text und Handschrift sind gut lesbar, im direkten Vergleich mit einem 300-ppi-Display sieht man bei kleiner Schrift, feinen Bedienelementen und detailreichen PDFs aber den Unterschied. Schwerer wiegt das fehlende Frontlicht. Ohne zusätzliche Lichtschicht liegt das Bild nah an der Oberfläche: reMarkable nennt 0,84 Millimeter Abstand zwischen Stiftspitze und Anzeige, und der Rahmen wirft nur einen sehr kleinen Schatten. Das Schreiben wirkt dadurch sehr direkt. Gegenüber dem beleuchteten Paper Pro beträgt der Unterschied laut reMarkable nur 0,08 Millimeter, was man in der Praxis kaum bemerkt. Sobald das Umgebungslicht nachlässt, sinkt beim Paper Pure auch die Lesbarkeit. Für den Abend auf dem Sofa braucht man eine Lampe.

Der Stift haftet magnetisch an der Seite und lädt dort kabellos. reMarkable gibt 21 Millisekunden Latenz an, im Test waren es sogar nur etwa 19. Das ist gut, inzwischen aber keine Spitzenklasse mehr. Die strukturierte Glasoberfläche bietet etwas weniger Widerstand als die Kunststoffoberfläche des reMarkable 2, und die harte Spitze tippt hörbar auf. Diagonale Linien wackeln leicht, was bei Skizzen eher auffällt als bei normaler Handschrift. Im Grundpaket liegt der einfache Marker ohne Radierer, der Marker Plus mit Radierer kostet extra.

Nahaufnahme des reMarkable Paper Pure mit drei langen diagonalen Stiftlinien und seitlicher Werkzeugleiste
Lange diagonale Linien wackeln leicht, in normaler Handschrift fällt das kaum auf.

Aufgeräumte Software mit Abo-Hürde

Der Zweikernprozessor mit 1,7 GHz und die zwei Gigabyte RAM reichen für alles, was das Paper Pure können muss, problemlos aus. Notizbücher öffnen sich schnell, und der Wechsel zwischen Seiten und Ordnern geht zügig. Gegenüber dem reMarkable 2 ist das ein großer Fortschritt. Richtig stark ist reMarkable bei den Schreibwerkzeugen: Kugelschreiber, Fineliner, Bleistift, Druckbleistift, Pinsel und weitere Stifte sind sorgfältig abgestimmt und reagieren, wo es sinnvoll ist, auf Druck und Neigung. Dazu kommen Ordner, Tags, Ebenen, Favoriten, viele gut gestaltete Vorlagen und Seiten, die sich nach unten endlos verlängern lassen. Die Synchronisation mit Desktop- und Smartphone-App funktioniert zuverlässig. Verglichen mit BOOX oder Supernote bleibt die Software trotzdem eingeschränkt: Tonaufnahmen, Verknüpfungen zwischen Notizen, Splitscreen oder zusätzliche Apps gibt es ab Werk nicht.

Ärgerlich ist, dass wichtige Funktionen an Connect gebunden sind. Ende Oktober 2026 kostete das Abo knapp 40 Euro im Jahr. Nötig ist es unter anderem für die Meeting-Notizen, die Termindaten aus Google- oder Outlook-Kalendern übernehmen. Vor allem aber braucht die Handschriftsuche Connect. Neue Notizen müssen per WLAN synchronisiert und indexiert werden; bereits erfasste Notizen lassen sich anschließend auch offline durchsuchen. Gerade bei einem Notizgerät, auf dem sich über Monate viele Seiten ansammeln, gehört die Suche eigentlich zur Grundausstattung. PDFs lassen sich zügig öffnen und direkt beschriften, Spaltenmodus oder automatisches Zuschneiden fehlen aber. Im Test waren EPUBs die größte Schwäche: Die Formatierung war eingeschränkt, und Anmerkungen verrutschten, sobald man Schriftgröße oder Ränder änderte.

reMarkable Paper Pure mit wissenschaftlichem PDF-Text, handschriftlichen Pfeilen und Kreisen, rechts der Stift in der Hand
Handschriftliche Pfeile und Kreise lassen sich direkt ins PDF zeichnen.

Beim Akku verspricht reMarkable bis zu drei Wochen bei einer Stunde Nutzung am Tag. Bei ununterbrochenem Schreiben hielt das Paper Pure rund elf Stunden durch, beim Lesen eines PDFs etwa 27 Stunden. Zum Marktstart kostete es samt einfachem Marker 399 Euro, ein fairer Einstiegspreis. Mit Marker Plus und Hülle rückt das Paper Pure allerdings nah an Konkurrenten wie den Kindle Scribe oder das BOOX Go 10.3 Gen 2 heran, die es jeweils auch in einer Variante mit Frontlicht gibt. Am besten passt das Paper Pure deshalb zu Menschen, die gezielt die typische reMarkable-Schlichtheit suchen und meist bei gutem Licht schreiben.

Mit Version 3.28 hat reMarkable im September 2026 die EPUB-Oberfläche, Formatierung und Sprachunterstützung überarbeitet und ein Werkzeug zum Übernehmen von Bildausschnitten eingeführt. Version 3.29 hat im Oktober 2026 die Terminübersicht für Meeting-Notizen auf drei Tage erweitert; in den Begleit-Apps lässt sich seitdem auch Text aus PDFs und EPUBs kopieren. Ob die überarbeitete EPUB-Ansicht die beschriebenen Schwächen behebt, zeigt erst ein neuer Test.

reMarkable Paper Pure im Video

Honest reMarkable Paper Pure REVIEW

Testbericht

Chalid Von · Aktualisiert am

Sechs Jahre nach dem reMarkable 2 ist der Nachfolger da, und er heißt nicht reMarkable 3, sondern Paper Pure. Wer auf 300 ppi und ein Frontlicht gehofft hat, wird enttäuscht: Beides fehlt. Trotzdem gibt es beim Paper Pure nicht nur schlechte Nachrichten. Das Display ist trotz der eher mageren Auflösung deutlich besser, als ich erwartet hatte: hell, kontrastreich und bei gutem Licht richtig angenehm. In anderen Punkten bleibt es dagegen hinter dem zurück, was ich mir nach so langer Zeit von einem Nachfolger erhofft hatte.

Leichter, aber nicht mehr so edel

Mit seiner kantigeren Form übernimmt das Paper Pure die Formensprache von Paper Pro und Paper Pro Move. Ich bin nicht sicher, ob das die richtige Entscheidung war, denn das harte Kunststoffgehäuse wirkt etwas billig. Die asymmetrische Form gefällt mir dagegen: Es ist sofort klar, wo man zugreift, und das Tablet lässt sich deutlich leichter halten als das Paper Pro. Verarbeitet ist es sehr gut, nichts knarzt. Den edlen Charme des reMarkable 2 oder der Paper-Pro-Modelle hat es aber eindeutig nicht mehr.

Ein echter Pluspunkt ist das geringe Gewicht. Mit 360 Gramm gehört das Paper Pure zu den leichtesten 10-Zoll-Notiztablets mit E Ink, was man vor allem merkt, wenn man es in der Hand hält. Den grauen Rahmen hat reMarkable außerdem sehr gut auf den Displayhintergrund abgestimmt. Eine Kleinigkeit, doch dadurch wirkt die Front wie aus einem Guss. Weniger gelungen sind die vier großen Füße auf der Rückseite. reMarkable hat hier aus unerfindlichen Gründen ein anderes Material gewählt, und so geben sie dem Tablet auf dem Tisch kaum Halt.

reMarkable Paper Pure in beiden Händen mit grauem Rahmen und Ruhebildschirm, links und rechts angeschnitten zwei weitere Tablets und zwei Stifte auf dunklem Tisch
Kantig, leicht und mit grauem Rahmen: Mit 360 Gramm liegt das Paper Pure angenehm in beiden Händen.

Statt der üblichen Folios gibt es ein Sleeve Folio zum Hineinstecken. Es ist gut verarbeitet, trägt aber mehr auf als die Folios anderer reMarkable-Tablets. Ich habe es nur, weil es mit dem Marker Plus im Paket war, und ehrlich gesagt ist das nicht mein Ding. Ein Folio, das am Gerät bleibt, ist mir im Alltag viel lieber. Einzeln lohnt sich der Kauf nur für alle, die Steckhüllen wirklich mögen. Ich selbst würde eher zu einer passenden Hülle eines Drittanbieters greifen.

Richtig gut finde ich dagegen die Schrauben auf der Rückseite, genauer gesagt den Zugang zum 3.820-mAh-Akku und zur übrigen Technik, den sie ermöglichen. Bei einem Gerät, das viele Jahre halten soll, ist das schön zu sehen. Ganz so einfach wie Schrauben lösen und Deckel abnehmen ist es aber nicht: Rundherum halten Clips, und an zwei Stellen sitzt etwas Klebstoff. Reparaturfreundlicher als ein komplett verschlossenes Gerät ist das trotzdem, beim Öffnen sollte man nur vorsichtig sein.

Geöffnetes reMarkable Paper Pure mit freiliegendem Akku und Platine, daneben die abgenommene graue Rückseite
Schrauben, Clips und etwas Klebstoff halten die Rückseite; nach dem Öffnen ist der Akku zugänglich.

Präziser Stift mit kleinen Haken

Der Stift haftet magnetisch an der Seite und lädt dort automatisch. Unter der Rückseite sieht man sogar die Ladespule, eine kleine Erinnerung daran, dass reMarkable sich vom passiven EMR-Stift des reMarkable 2 verabschiedet hat. Die Umsetzung ist grundsätzlich gut. Geärgert hat mich allerdings die Kopplung: Bei der Einrichtung klappte sie erst nach mehreren Versuchen, nach dem Wechsel in den Entwicklermodus noch einmal genauso. Kein Drama, aber bei einem Gerät, das sich so reibungslos anfühlen soll, nervt so ein Stolperer.

Danach schreibt es sich präzise, reaktionsschnell und natürlich. Der größte Nachteil sind die leicht welligen diagonalen Linien, die bei dieser Art kapazitiver Stifteingabe typisch sind. Bei normaler Handschrift würde ich mir darüber wenig Gedanken machen. Wer viel skizziert, sollte es aber im Hinterkopf behalten. Mitgeliefert wird der einfache Marker ohne Radierer, der Marker Plus mit Radierer kostet extra.

Nahaufnahme des reMarkable Paper Pure mit drei langen diagonalen Stiftlinien und seitlicher Werkzeugleiste
Lange diagonale Linien wackeln leicht, in normaler Handschrift fällt das kaum auf.

reMarkable gibt 21 Millisekunden Latenz an, gemessen habe ich sogar nur 19 Millisekunden. Das ist gut und fühlt sich flüssig an, beeindruckt aber nicht mehr: Das reMarkable 2 lag schon vor sechs Jahren ungefähr auf diesem Niveau, und manche neueren Geräte wie der Kindle Scribe sind doppelt so schnell. Wie bei den Paper-Pro-Modellen tippt die harte Spitze hörbar auf das strukturierte Frontglas. Beim Paper Pro hat mich das anfangs gestört, inzwischen habe ich mich weitgehend daran gewöhnt. Verglichen mit dem leiseren, weicheren reMarkable 2 fühlt und hört sich das Schreiben trotzdem anders an, und die Spitze gleitet mit etwas weniger Widerstand. Angenehm ist es aber nach wie vor.

Ein helles Display mit zwei Kompromissen

Beim Display ist das Paper Pure zugleich eine schöne Überraschung und ein wenig frustrierend. Das 10,3-Zoll-Display mit E Ink Carta 1300 glänzt nicht mit der Auflösung, sondern mit seinem Reflexionsvermögen. Sein Hintergrund gehört zu den hellsten, die ich bei E-Ink-Tablets bisher gemessen habe: Mein Spektralfotometer zeigt einen L*-Wert von etwa 68 bis 69. Nur das Viwoods AiPaper lag mit etwa 69 bis 70 noch knapp darüber. Dazu kommt kräftiges Schwarz, bei ordentlichem Licht liest es sich deshalb wirklich gut. Das reMarkable 2 hatte mit 67 bis 68 ebenfalls einen sehr hellen Hintergrund, aber ein deutlich schwächeres Schwarz und weniger Kontrast.

Spektralfotometer auf dem Display des reMarkable Paper Pure mit angezeigtem L*-Wert von 68,46
Mit einem L*-Wert von etwa 68 bis 69 gehört der Displayhintergrund zu den hellsten bei E-Ink-Tablets.

Frustrierend sind die 226 ppi. Schlecht sieht das nicht aus, Text und Handschrift sind gut lesbar. Im direkten Vergleich mit einem 300-ppi-Display erkennt man die zusätzliche Schärfe aber mit bloßem Auge, vor allem bei kleiner Schrift, feinen Bedienelementen und detailreichen PDFs. Der Vergleich mit dem Viwoods AiPaper ist für reMarkable deshalb unangenehm, denn es verbindet einen sehr hellen Hintergrund mit 300 ppi. Das Reflexionsvermögen macht die geringere Auflösung leichter verschmerzbar, verschwinden lässt es sie nicht.

Bleibt das fehlende Frontlicht. Die Idee verstehe ich, und sie geht auf: Mit 0,84 Millimetern Abstand zwischen Stift und Bild wirkt das Schreiben sehr direkt, der Rahmen wirft nur einen kleinen Schatten. Ob sich dieser Kompromiss für die meisten lohnt, bezweifle ich trotzdem. Ein beleuchtetes Gerät erreicht dieselbe wahrgenommene Helligkeit, sobald man das Licht ein klein wenig aufdreht, und bleibt bei schwächerem Licht lesbar. Ohne Frontlicht ist man immer auf das Umgebungslicht angewiesen. Laut reMarkable ist der Abstand beim Paper Pro nur 0,08 Millimeter größer, und nebeneinander sehe ich weder bei den Schatten noch beim Schreiben einen nennenswerten Unterschied. Ein Frontlicht hätte das Paper Pure in viel mehr Situationen nutzbar gemacht.

Beim Ghosting, also schwachen Resten vorheriger Inhalte nach einem Seitenwechsel, schlägt sich das Paper Pure gut. Carta-1300-Displays neigen stark dazu, hier hat reMarkable es aber im Griff. Insgesamt ist das Display besser, als die Daten vermuten lassen. Wegen der Auflösung und des fehlenden Lichts muss man aber mehr Kompromisse eingehen als nötig.

Schlanke Software mit Abo-Hürden

Bei der Leistung legt das Paper Pure gegenüber dem reMarkable 2 und dank der schnelleren E-Ink-Technik auch gegenüber dem Paper Pro zu. Notizbücher, Seiten, Ordner und Menüs reagieren zügig. Die Oberfläche bleibt aufgeräumt und sehr leicht verständlich, ohne App-Store, Widgets oder endlose Einstellungen. Notizbuch öffnen und losschreiben, das beherrscht reMarkable weiterhin hervorragend. Verglichen mit BOOX oder Supernote bleibt die Software aber eingeschränkt. Wer Verknüpfungen zwischen Notizen, Splitscreen, Tonaufnahmen oder Apps sucht, ist hier ohne Basteln falsch.

Glänzen kann reMarkable bei den Schreibwerkzeugen. Kugelschreiber, Fineliner, Bleistift, Druckbleistift und Pinsel sind sorgfältig abgestimmt, und besonders der Bleistift fühlt sich sehr natürlich an. Viele Einstellungen gibt es nicht, vermisst habe ich sie aber selten. Ordner, Tags und Ebenen sind sauber umgesetzt, die Vorlagen sehr gut gestaltet, und das endlose Scrollen nach unten ist nach wie vor eine meiner liebsten Funktionen.

Außerdem gibt es Meeting-Notizen: Sie setzen die Grunddaten eines Termins aus dem Google- oder Outlook-Kalender als Text auf eine Notizbuchseite. Nett, aber keine große Sache. Mich stört etwas anderes: Dafür braucht man ein Connect-Abo, das zum Marktstart des Paper Pure rund 40 Euro im Jahr kostete. Am ärgerlichsten ist das bei der Handschriftsuche. Bei einem Gerät für handschriftliche Notizen ist die Suche kein Luxus. Erst sie sorgt dafür, dass man nach Monaten voller Notizen überhaupt noch etwas wiederfindet. Beim Paper Pure braucht sie Connect. Neue Notizen müssen per WLAN synchronisiert und indexiert werden; bereits erfasste Notizen lassen sich danach auch offline durchsuchen. Viele Konkurrenten bieten die Suche kostenlos an oder erledigen mehr davon auf dem Gerät selbst.

Ausgereift und zuverlässig ist dafür die Synchronisation zwischen Tablet, Desktop- und Smartphone-App. PDFs laufen viel besser als auf dem reMarkable 2, Spaltenmodus oder automatisches Zuschneiden wie beim BOOX Go 10.3 Gen 2 fehlen aber. In meinem Test waren EPUBs die größte Schwäche: Die Formatierungsoptionen waren träge und begrenzt, und Notizen verrutschten, sobald man Schriftgröße oder Ränder änderte. Über den Entwicklermodus lässt sich KOReader installieren, doch für ordentliche Lesefunktionen sollte man nicht basteln müssen.

reMarkable Paper Pure mit wissenschaftlichem PDF-Text, handschriftlichen Pfeilen und Kreisen, rechts der Stift in der Hand
Handschriftliche Pfeile und Kreise lassen sich direkt ins PDF zeichnen.

Mit Version 3.28 hat reMarkable im September 2026 die EPUB-Oberfläche, Formatierung und Sprachunterstützung überarbeitet und ein Werkzeug zum Übernehmen von Bildausschnitten eingeführt. Version 3.29 hat im Oktober 2026 die Terminübersicht für Meeting-Notizen auf drei Tage erweitert; in den Begleit-Apps lässt sich seitdem auch Text aus PDFs und EPUBs kopieren. Ob die überarbeitete EPUB-Ansicht die Schwächen aus meinem Test behebt, muss sich erst zeigen.

Laufzeit und Preis

Die Akkulaufzeit ist ordentlich. Mit meinem Handschriftroboter kam ich bei durchgehendem Schreiben auf rund elf Stunden. An den neuen Kindle Scribe mit etwa 16 Stunden kommt das nicht heran, für normale Notizen reicht es aber mehr als aus. Beim Lesen eines PDFs habe ich ungefähr 27 Stunden gemessen, etwas weniger als bei vielen Konkurrenten, aber in Ordnung.

Zum Marktstart kostete das Paper Pure samt einfachem Marker 399 Euro. Das ist fair und macht es zum günstigsten Einstieg in die aktuelle reMarkable-Welt. Mit Marker Plus und Sleeve Folio habe ich inklusive Versand aber 488 Euro bezahlt, und damit liegt es preislich schon auf dem Niveau der Konkurrenz oder sogar darüber, Connect noch nicht mitgerechnet. Den neuen Kindle Scribe gibt es zu einem ähnlichen Preis mit und ohne Frontlicht, und BOOX bietet das Go 10.3 Gen 2 auch als etwas teurere Lumi-Version mit Frontlicht an. Genau diese Wahl hätte ich mir auch bei reMarkable gewünscht.

Fazit

Das Paper Pure ist vor allem etwas für Menschen, die genau die Einfachheit wollen, wie reMarkable sie versteht: die aufgeräumte Oberfläche, das konzentrierte Schreiben und die zuverlässige Synchronisation. Das ist ein berechtigter Kaufgrund. Auch das Display hat mehr zu bieten, als das Datenblatt vermuten lässt. 226 ppi sind 2026 in dieser Preisklasse etwas enttäuschend, im Alltag aber in Ordnung, und dank des hellen Hintergrunds arbeitet es sich angenehmer, als ich erwartet hatte. Viele dürften trotzdem die Flexibilität eines Frontlichts vorziehen.

Als Gesamtpaket ist das Paper Pure etwas zu teuer für das, was es bietet. Die Kompromisse bei der Hardware sind zu groß, und für die Handschriftsuche braucht man ein laufendes Abo. Als lang ersehnter Nachfolger des reMarkable 2 ist es nicht der große Schritt nach vorn, den ich erwartet hatte. Für sich betrachtet ist es aber ein schönes, auf das Wesentliche reduziertes E-Ink-Tablet. Die meisten, die es bewusst den Alternativen vorziehen und wissen, was sie bekommen, werden damit glücklich, davon bin ich überzeugt.

Unser Fazit

Die meisten, die es bewusst den Alternativen vorziehen und wissen, was sie bekommen, werden damit glücklich, davon bin ich überzeugt.

Datenblatt: reMarkable Paper Pure

  • Display 10,3″ Carta 1300 Touchscreen
  • Auflösung 226 ppi 1872 × 1404 Pixel
  • Gewicht 360 g 228,1 × 187,1 × 6 mm
  • Speicher 32 GB kein Speicherkartenslot
  • Wasserschutz Keine von Wasser fernhalten
  • Licht Keine
  • Bedienung Touch keine Blättertasten
  • Akku 3.820 mAh

Allgemein

Hersteller
reMarkable
Gerätetyp
E-Note
Marktstart
2026
Preis zum Marktstart
399 €
Farben
Grau

Display

Technologie
E Ink Carta 1300
Größe
10,3 Zoll
Auflösung
1872 × 1404 px
Pixeldichte
226 ppi
Farbdisplay
Nein
Touchscreen
Ja, kapazitiv
Beleuchtung
Nein

Messwerte

L* Weiß
68,5

Gehäuse & Bedienung

Maße
228,1 × 187,1 × 6 mm
Gewicht
360 g
Wasserschutz
Nein
Blättertasten
Nein

Verbindungen

USB
USB-C
WLAN
Ja, 2,4 und 5 GHz
Mobilfunk
Nein
GPS
Nein

Hardware

Prozessor
Dual-Core · 1.7 GHz dual-core Cortex-A55
Arbeitsspeicher
2 GB
Speicher
32 GB
Speicherkarte
Nein
Lautsprecher
Nein
Mikrofon
Nein
Akku
3.820 mAh
Betriebssystem
reMarkable OS (Linux-based)

Software

Vorlesefunktion (TTS)
Nein
eBook-Shop
Nein

Unterstützte Dateiformate

  • PDF
  • EPUB (import)
  • PNG
  • SVG (export)

Alle Angaben ohne Gewähr. Werte ohne gesicherte Angabe werden nicht angezeigt.

Alternativen zum reMarkable Paper Pure

Geräte derselben Klasse mit dem entscheidenden Unterschied, aus unserer Gerätedatenbank.

Im Vergleich

reMarkable Paper Pure im Vergleich mit ähnlichen Geräten
Merkmal reMarkable Paper Pure reMarkable Paper Pure BOOX Go 10.3 (Gen II)BOOX Go 10.3 (Gen II) BOOX Go 10.3 (Gen II) LumiBOOX Go 10.3 (Gen II) Lumi PocketBook InkPad OnePocketBook InkPad One
Aktueller Bestpreis???296,10 €
UVP zum Marktstart399 €420 €450 €329 €
Display10,3″ Carta 130010,3″10,3″10,3″
Pixeldichte226 ppi300 ppi300 ppi226 ppi
Gewicht360 g350 g364 g400 g
Wasserschutz–??–
Blättertasten––––
Warmlicht––JaJa
Speicher32 GB64 GB64 GB32 GB
Bluetooth?JaJaJa
Marktstart2026202620262026
Geräteseite Zum Test Zum Test Zum Gerät

Werte aus der ALLESebook-Gerätedatenbank. „?“ bedeutet: nicht gesichert. UVP = Preis zum Marktstart.