Kobo Aura H2O und Kindle Voyage im Vergleich

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Mit dem Kobo Aura H2O ist seit wenigen Monaten ein eBook Reader am Markt, der aktuellste E-Ink Technik mit einem größeren Display und einem IP-zertifizierten Wasserschutz verbindet. Das neue Lesegerät ist auch gleichzeitig die einzige Neuvorstellung von Kobo, denn die 6 Zoll Palette wurde in diesem Jahr nicht erweitert.

Anders sieht es bei Amazon aus, die mit dem Kindle Voyage einen High-End eReader im 6 Zoll Segment herausgebracht haben. Das Gerät nutzt ebenfalls moderne E-Ink Technik, verbindet diese mit einer besonders hohen Pixeldichte und einer innovativen Blätterlösung.

Der Kampf um den Technikthron war noch nie so knapp. Klar ist, dass beide eBook Reader sehr gut sind – ob aber das Amazon oder Kobo Flagschiff die richtige Wahl ist, soll dieser Vergleich klären.

Software

Der Kobo Aura H2O kann auf eine besonders lange Softwareentwicklungsgeschichte zurückblicken. Seit dem Marktstart des Kobo Touch im Jahr 2011 wurde der Softwareumfang laufend erweitert, sodass auch alle eReader-Neuerscheinungen von dieser Arbeit profitieren. Natürlich finden sich die langjährigen Verbesserungen auch am H2O wieder.

Der Startbildschirm präsentiert sich gänzlich anders als beim Kindle Voyage und ist damit auch nützlicher. Sobald man eine Aktion ausführt, landet eine Verknüpfung dazu in einer Kachenansicht am Startbildschirm. Dadurch erhält man später unkomplizierten, raschen Zugriff auf diese Funktionen und muss sich nicht wieder durch die diversen Menüs klicken.

Startbildschirme im Vergleich: Kobo Aura H2O (links), Kindle Voyage (rechts)

Auch der Kindle Voyage greift im Grunde auf eine Software zurück, die seit dem ersten Touch-Modell in Verwendung und über die Jahre immer weiter gereift ist. Das merkt man dem Voyage ebenso an wie dem Aura H2O. Der Startbildschirm des Voyage ist konservativ und sehr einfach gehalten. In einer Coveransicht werden die drei zuletzt gelesenen oder hinzugefügten eBooks angezeigt, in der zweiten Bildschirmhälfte findet man die ausblendbaren Buchempfehlungen aus dem integrierten Kindle Store.

Die Bedienung funktioniert auf beiden Plattformen ausgesprochen schnell und lässt kaum Wünsche offen.

Der Kobo Aura H2O kann Dateien im ePub-Format mit Adobe DRM öffnen, was ein beträchtlicher Vorteil gegenüber den Kindle ist. Dadurch lassen sich eBooks auch in herstellerfremden Shops kaufen. Amazon setzt hingegen auf ein geschlossenes System mit dem hauseigenen Mobi-Format und einem proprietären Kopierschutz. Vereinfacht ausgedrückt: eBooks aus anderen Shops kann der Voyage meist nicht lesen.

Bedienung und Grundfunktionen

Am Voyage feiern Blättertasten ein Comeback. Es ist das erste Mal seit dem Kindle Keyboard, dass Amazon wieder Blättertasten im Flaggschiff-Modell verbaut. Allerdings nutzt der Versandriese dabei keine herkömmlichen Knöpfe, sondern druckempfindliche Zonen. D.h. man kann den Finger einfach am Gehäuse belassen und erhöht den Druck sobald man umblättern möchte. Das funktioniert sehr intuitiv und zuverlässig. Alternativ kann man natürlich auch den Touchscreen (Antippen und Wischen) nutzen.

Der Kobo Aura H2O besitzt zwar keine Tasten, allerdings lassen sich die Touchzonen der Blätterfunktion anpassen: Die Bildschirmbereiche zum Vor- und Zurückblättern bzw. zum Aufrufen des Menüs lassen sich in vier vordefinierten Einstellungen verändern. Das ist für Linkshänder und Individualisten die gerne alles nach dem eigenen Geschmack anpassen, ein durchaus willkommener Bonus. Ansonsten kann man natürlich auch mit der bekannten Wischgeste umblättern.

Die Bedienung erfolgt jeweils über einen Touchscreen, wobei Kobo auf Infrarot-Technik setzt und der Kindle Voyage kapazitive Touchscreentechnologie nutzt. Außerdem ist der Bildschirm des Aura H2O im Gehäuse eingelassen, während der Voyage eine plane Gehäusefront besitzt. Die Optik unterschiedet sich somit recht deutlich. In Hinblick auf die Redaktionsfreudigkeit gibt’s jedoch keine Unterschiede: Beide Geräte reagieren flott und präzise. Allerdings unterstützt Amazon Multi-Touch-Gesten, sodass man z.B. PDF-Dateien mit einem einfachen Pinch-To-Zoom vergrößern oder verkleinern kann. Diese Option fehlt beim Kobo Flaggschiff völlig.

Besser umgesetzt hat Kobo jedoch die Bibliotheksfunktion. Der Aura H2O bietet zwar grundsätzlich die gleichen Optionen wie der Kindle, arbeitet bei Bedarf allerdings auch mit dem beliebten Organisationstool Calibre zusammen. Dadurch lassen sich auch größere eBook-Bibliotheken problemlos am PC verwalten und mit dem eReader abgleichen. Außerdem besitzt der H2O über eine seperate Bibliotheksansicht, was die Ordnung und Übersicht ebenfalls vereinfacht. Am Voyage fungiert der Startbildschirm gleichzeitig als Bibliothek.

Umfangreiche Schriftbildoptionen am Kobo eReader

Auch bei der Schriftbildanpassung hat der Kobo Aura H2O die Nase vorne. So ist hier eine (beinahe) stufenlose Änderung der Schriftgröße möglich und auch Zeilenhöhe und Randabstände kann man mit einem Schieberegler einfach konfigurieren. Zudem stehen mehr verschiedene Schriftarten zur Verfügung, die man auf Wunsch auch erweitern kann. Zuguterletzt lässt sich auch die Textausrichtung ändern und die Schriftdicke (bei unterstützten Fonts) anpassen. Der H2O (und alle anderen Kobo eReader) bietet damit den größeren Funktionsumfang zur Schriftanpassung am Markt.

Auch am Kindle Voyage lässt sich die Textanzeige anpassen, allerdings nicht im selben Umfang wie beim H2O. Die Schriftgröße lässt sich in sieben Stufen und Zeilen- und Randabstände in drei Stufen einstellen. Die Textausrichtung erfolgt standardmäßig im Blocksatz, sofern es im Buch nicht anders vermerkt ist. Nachteil: Amazon unterstützt keine Silbentrennung, was bei gewissen Schriftgrößen zu größeren Lücken zwischen Wörtern führen kann. Sechs Schriftarten stehen zur Auswahl – nicht erweiterbar.

Dank integrierter Shops kann man eBooks auf beiden eReadern direkt erwerben. Dafür ist eine WLan-Verbindung erforderlich, oder beim Voyage optional (für einen einmaligen Aufpreis von 60 Euro bei Kauf) klappt der Zugriff über die integrierte Mobilfunkverbindung. Die Aufmachung beider Shopsysteme ist übersichtlich, allerdings ist das deutschsprachige Sortiment von Kobo merklich kleiner.

Erweiterte Funktionen

Wie von den beiden Herstellern gewohnt, gibt’s natürlich auch bei den Spitzenmodellen Wörterbücher und Notizen. Mit einem kurzen Fingerdruck auf ein Wort kann man dieses nachschlagen. Am H2O öffnet sich ein kleines Fenster mit der Wortdefinition, wobei als deutschsprachiges Wörterbuch der Duden genutzt wird. Auch für die Bedeutungswörterbücher in den anderen Sprachen sind meist redaktionell gepflegt.

Am Kindle Voyage funktioniert der Wörterbuchaufruf gleich, ebenfalls mit dem Duden als deutsches Wörterbuch. Die Ergebnisse sind am Kindle allerdings dennoch genauer, da auch Deklinationen und Kunjugationen erkannt werden, was bei Kobo (oftmals) nicht klappt. Außerdem kann die Anzahl der Wörterbücher erweitert werden. Zusätzlich kann man bei bestehender Drahtlosverbindung auch die Onlineübersetzungsfunktion von Microsoft nutzen, oder Wörter bei Wikipedia nachschlagen.

Bessere Wörterbuchfunktion am Voyage

Die Notizfunktion des Voyage ist ebenfalls besser umgesetzt: Alle Notizen werden mit fortlaufenden Fußnoten versehen, sodass eine sehr gute Übersichtlichkeit gewahrt bleibt. Der TXT-Export klappt ebenso unkompliziert, wie die Synchronisation mit diversen Online-Diensten. Am Kobo Aura H2O funktioniert die Notizerstellung grundfsätzlich zwar auf die gleiche Art und Weise, jedoch sind Handhabung und insbesondere der Export etwas komplizierter.

Die Webbrowser beider Modelle sind gleichwertig. Das Rendering funktioniert in einer ähnlichen Geschwindigkeit und ist vergleichbar zuverlässig. Lesezeichen lassen sich ebenfalls in beiden Fällen anlegen, was den regelmäßige Gebrauch bequem und komfortabel möglich macht.

Beiden Geräten merkt man an, dass die PDF-Funktionalität keine besonders große Priorität besitzt. Der Voyage schneidet dank Multitouch-Funktionalität dennoch besser ab, denn großformatige Dateien lassen sich so schneller bedienen. Hinzu kommt, dass größere Dokumente (50+ MB) den Kindle nicht so sehr in die Knie zwingen.

Hardware

Der Kobo Aura H2O muss sich aufgrund der größeren Bildschirmdiagonale in Hinblick auf die Mobilität wenig überraschend geschlagen geben – das Gerät ist nicht nur insgesamt größer sondern auch spürbar schwerer als der Kindle Voyage. Grundsätzlich ist die Optik beider Geräte ansprechend: Der Kindle Voyage wirkt mit der planen Gehäusefront sehr modern und weiß dank kompakter Abmessungen sofort zu gefallen.

Aber auch der Aura H2O sieht sehr gut aus und punktet mit einem ansprechenden, minimalistischen Design. Kritik muss jedoch an der extrem anfälligen Gehäuseoberfläche geübt werden, denn diese zeigt bereits kleinste Berührungen sehr deutlich an. Empfindliche Personen könnten sich an dieser Tatsache stören, insbesondere auch deshalb, da sich die Spuren nur schwer wieder entfernen lassen. Das Display bleibt von diesem leidigen Problem zum Glück verschont, sodass der Lesespaß ungetrübt ist.

Der Voyage verfügt über einen nutzbaren internen Speicher von 3,04 GB, der nicht erweitert werden kann. Der Kobo Aura H2O hat mit 3,16 GB nur unmerklich mehr Platz, ermöglich jedoch die Nutzung einer MicroSD-Karte, sodass auch riesige eBook-Bibliotheken problemlos Platz finden. 3 GB sollten für die allermeisten Nutzer jedoch ohnehin ausreichend sein.

Der besondere Bonus des H2O ist der namensgebende Wasserschutz. Der eReader ist nach IP67-Zertifizierung wasserdicht und kann bei bis zu einem Meter Tiefe bis zu 30 Minuten unter Wasser bleiben. Außerdem ist das Innere damit ebenfalls von Staub geschützt. Der Kindle Voyage bietet keinen Wasserschutz.

Die Verarbeitung beider Geräte ist tadellos – nichts knackst oder knarzt und die Spaltmaße sind gleichmäßig.

Bildschirm

Wie eingangs erwähnt, kommt als Bildschirmtechnik bei beiden Geräten die modernste Technik mit dem Namen E-Ink Carta zum Einsatz. Diese gewährleistet die beste Ablesbarkeit am eReader-Markt. Dennoch gibt es ein paar nennenswerte Unterschiede.

Der Kobo Aura H2O besitzt einen 6,8 Zoll großen Bildschirm und löst mit 1430×1080 Pixel auf. Damit bietet das Gerät eine hohe Pixeldichte von 264 ppi. Der Kindle Voyage löst mit 1440×1080 Pixel sogar noch ein wenig höher auf, zwängt die Pixel aber auf einen kleineren 6 Zoll Bildschirm. Dadurch beträgt die Pixeldichte rekordverdächtige 300 ppi – kein anderer eBook Reader ist schärfer. Der Auflösungsunterschied ist in erster Linie bei kleinen Schriftgrößen und Bedienelementen sichtbar, im regulären Lesebetrieb aber nicht allzu auffällig. Daher gilt: Beide Geräte sind gestochen scharf – der Kindle ist aber um einen Tick besser.

Der H2O kann aber wiederum mit dem geringfügig helleren Displayhintergrund punkten, sodass der Kontrast ohne Beleuchtung etwas besser ist als beim Voyage. Der Unterschied im Lesebetrieb ist allerdings nur sehr gering und fällt nur im direkten Vergleich bei genauer Betrachtung auf.

Gleichmäßigere Farbtemperatur am Aura H2O

In Hinblick auf die Beleuchtung gibt’s ebenfalls Bereiche in denen beide Geräte punkten können. Der Kobo Aura H2O bietet mit aktivierter Beleuchtung wirklich hervorragende Kontrastwerte und gehört dahingehend zu den besten eReadern am Markt. Noch besser ist da nur der Voyage: Hier ist der Kontrast dank höher regelbarer Helligkeit noch etwas besser. Der Unterschied fällt bei gleicher Lichteinstellung aber nicht auf (siehe Bild).

Bis hierhin bieten beide Geräte eine sehr ähnliche Performance. Den entscheidenden Punkt macht der Kobo eReader aber bei der Homogenität der Beleuchtung. Das Licht ist über den gesamten Bildschirm ausgesprochen gleichmäßig verteilt, ohne nennenswerte Schatten, Lichthöfe oder sonstige Störungen. Besser geht’s im Grunde kaum noch. Auch am Voyage ist die Lichtverteilung sehr gleichmäßig (d.h. auch hier gibt’s keine Lichthöfe oder Schatten), allerdings einen Tick schlechter als beim Konkurrenten.

Beim Voyage lässt sich die Beleuchtung dank Lichtsensor automatisch regulieren (auf Wunsch auch manuell) und sowohl niedriger als auch höher einstellen.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Das Preis-Leistungs-Verhältnis beider Geräte bewegt sich grundsätzlich auf einem ählichen Niveau. Mit dem Kobo Aura H2O bekommt man die aktuell modernste E-Ink Technik mit hoher Auflösung und einem größeren Display, sowie einen sehr guten Softwareumfang. Außerdem gibt’s als Bonus einen Wasserschutz, der die Nutzung des Aura H2O in quasi jeder Umgebung ermöglicht. Die enorm gute Beleuchtung rundet das ausgezeichnete Gesamtbild ab. Allerdings muss man dafür auch tiefer in die Tasche greifen als üblich. 179 Euro werden für den H2O fällig.

Ähnlich sieht das beim Kindle Voyage aus, der mit einem Preis von 189 Euro noch etwas teurer ist. Dafür bietet das Gerät innovative Blättertasten, ein niedriges Gewicht und die höchste Pixeldichte am Markt. Auch beim Kontrastverhältnis kann dem Voyage keiner was vormachen.

Daher holt sich der Kobo Aura H2O in diesem Vergleich den Preis-Leistungs-Sieg. Trotz des nur geringen Preisunterschieds hat der H2O aufgrund der ansonsten ähnlichen Performance.

Fazit

Mit dem Aura H2O hat Kobo heuer ohne Zweifel einen Volltreffer gelandet. Der eBook Reader nutzt ein oft gewünschtes größeres Displayformat, die Auflösung ist hoch, die E-Ink Technik modern und die Beleuchtung beinahe perfekt. Ein besseres Gesamtpaket findet man kaum.

Aber auch der Kindle Voyage ist ein sehr guter eBook Reader. Die enorm hohe Pixeldichte weiß sofort zu gefallen, ebenso wie der perfekte Kontrast, das geringe Gewicht und kompakte Gehäuse, sowie die vielen nützlichen und gut funktionierenden Softwarefunktionen.

Als Alternative zum Voyage bietet sich ansonsten auch weiterhin der Kindle Paperwhite an, der zwar eine niedrigere Auflösung besitzt, aber dafür die gleichmäßigere Beleuchtung bietet.