Kindle Voyage und Paperwhite im Größen- und Spezifikationenvergleich

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Nach wochenlangen Spekulationen wurde der neueste eBook Reader von Amazon heute unbeabsichtigt auf der deutschen und japanischen Homepage des Unternehmens online gestellt. Das Gerät wird auf den Namen Kindle Voyage hören und als Premium-Modell (aller Wahrscheinlichkeit nach) zusätzlich zum Einsteiger-Kindle (ebenfalls neu) und Kindle Paperwhite dienen. Zum Preis ab (!) 189 Euro ist der neue (bisher noch nicht offiziell vorgestellte) eReader wahrlich kein Schnäppchen, aber immerhin gibt’s bisher nirgendwo genutzte Hardware die als Alleinstellungsmerkmal dient.

Wir schauen uns den Voyage schon im Vorfeld zum offiziellen Start im Vergleich zum Paperwhite an. Um das Ganze optisch etwas aufzuhübschen habe ich passend zum ersten geleakted Produktbild ein Mockup des High-End-Geräts angefertigt. Das hier abgebildete Foto stammt also nicht von Amazon, ist allerdings so gut wie möglich maßstabsgetreu angefertigt. D.h. der hier gezeigte Größenunterschied zum Kindle Paperwhite wird auch in Natura circa so aussehen. Offen bleibt das genaue Aussehen der Sensortasten (siehe unten).

Der Kindle Voyage (links; Mockup) ist ein wenig kleiner und deutlich leichter als der Kindle Paperwhite (rechts).

Von der japanischen Amazon-Homepage kennt man nämlich bereits die Maße: 162 x 115 x 8 mm. Damit ist der Voyage geringfügig kleiner als der Paperwhite (169 x 117 x 9,1 mm), wobei sich insbesondere die (wenn auch nur geringfügig) kleinere Gehäusetiefe positiv bemerkbar machen sollte. Die größte Ersparnis gibt’s beim Gewicht. Der Kindle Voyage bringt nur 185 Gramm auf die Waage und ist damit deutlich leichter als sein Vorgänger (206 g). Damit befindet sich das Lesegerät auf Augenhöhe mit der Konkurrenz von Tolino, Kobo und PocketBook.

PagePress-Sensoren und neues Display

Wie bereits erwähnt, wird der neue eReader Sensortasten neben dem Display besitzen. Amazon nennt sie „PagePress-Sensoren“, wobei davon auszugehen ist, dass diese druckempfindlich sind, sodass man die Finger auch problemlos am Gehäuserand ruhen lassen kann, ohne einen unbeabsichtigten Blättervorgang auszulösen. Dass kapazitive Knöpfe am eBook Reader, wo eine entspannte und komfortable Haltung besonders wichtig ist, nicht immer von Vorteil sind, hat der Tolino Vision gezeigt. Da kann es besonders zu Beginn zu einer unabsichtlichen Betätigung der Home-Taste kommen.

Offizielle Kindle Voyage Zeichnung aus dem Handbuch des Geräts

Wie bereits im Vorfeld lange vermutet, wird der Kindle Voyage über ein sogenanntes „Retina“-Display verfügen. Der Marketing-Begriff stammt zwar von Apple, bezeichnet aber mittlerweile generell Bildschirme mit einer Pixeldichte von mindestens 300 ppi. Bei der Displaydiagonale von 6 Zoll entspricht das einer Auflösung von 1440×1080 Pixel. Damit löst der neue eBook Reader gleich hoch auf die der vor wenigen Wochen vorgestellte Kobo Aura H2O. Durch die kleinere Bildschirmdiagonale ist die Pixeldichte allerdings höher und die Textdarstellung sollte noch schärfer sein (was sich besonders bei kleinen Schriftgrößen bezahlt macht).

Als große Unbekannte gilt die Displaytechnik. Im Vorfeld wurde erwartet, dass Amazon wieder auf die im Paperwhite zum Einsatz kommende E-Ink Carta Technik setzen wird. Die Chancen, dass es tatsächlich so ist, stehen weiterhin gut. Allerdings sorgt der doch recht hohe Preis für einiges Kopfkratzen, sodass zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann, dass doch eine andere Technologie im Voyage steckt. Vielleicht ein Liquavista-Display mit Graustufendarstellung? Dagegen spricht allerdings, dass die übliche Auflösung von 1440×1080 Pixel auch bei anderen Panels der E Ink Holdings (Kobo Aura HD, Aura H2O, Onyx Boox T68 …) zum Einsatz kommt, weshalb ich eigentlich auch eher davon ausgehe, dass wieder E-Ink Carta genutzt wird.

Zu einem früheren Zeitpunkt wurde der Kindle Ice Wine von Techcrunch mit einer planen Oberfläche gesichtet, wobei nach dem ersten offiziellen Bild auch tatsächlich davon auszugehen ist, dass des der Fall ist. Mit letzter Gewissheit lässt sich das allerdings noch nicht sagen, da es sich beim links gezeigten Produktbild nur um eine schematische Darstellung handelt. Als Touchscreen wird aber wohl wieder kapazitive Technik zum Einsatz kommen.

Neu wird jedenfalls die eingebaute Beleuchtung mit Helligkeitssensor sein. Amazon nennt dies „intelligentes Frontlicht“. Dabei darf man gleich auf zwei Dinge gespannt sein: Erstens wie gut die Umsetzung gelungen ist und zweitens, ob Amazon auch weiterhin eine manuelle Wahl der Helligkeit zulässt. Damit ist der Voyage nach dem PocketBook Sense die zweite Neuvorstellung mit Helligkeitssensor zur automatischen Helligkeitsregelung.

Abseits davon, altbekannte Hardware

Der interne Speicher des Kindle Voyage beträgt aller Wahrscheinlichkeit nach 4 GB. Diese Speichergröße wurde nämlich vor wenigen Wochen still und heimlich im Paperwhite eingebaut (ursprünglich 2 GB), wobei der Grund dafür wohl die günstige Absatzmenge der größeren Speicherchips sein dürfte. Auf eine Speicherkartenerweiterung muss man allem Anschein nach weiterhin verzichten.

WLan wird in der „Basis“-Ausführung natürlich wieder mit dabei sein, wobei das Gerät in dem Fall mit 189 Euro zu Buche schlägt. Noch teurer wird die ebenfalls erhältliche 3G-Version sein, die 60 Euro mehr kostet und das Konto um 249 Euro erleichtert. Damit ist der Voyage der aktuell teuerste 6 Zoll eBook Reader am Markt (bzw. wird es zum Start sein). Bisher war der PocketBook Ultra in dieser Hinsicht Spitzenreiter, wobei der hohe Preis viele Interessenten erst abgeschreckt hat, als die Negativmeldungen zum Gerät nicht abreißen wollten. Man darf daher davon ausgehen, dass auch Amazon mit entsprechenden Kundenbefragungen herausgefunden hat, dass Digitalleser durchaus bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen.

Für das Gros der Kunden trifft das aber sicherlich nicht zu, denn eReader verkaufen sich zweifelsohne in erster Linie über einen niedrigen Einstiegspreis, was auch der Grund ist, weshalb Amazon einerseits den Kindle Paperwhite auf 109 Euro vergünstigt hat und andererseits ein neues Basis-Modell (mit Touchscreen, ohne Beleuchtung) einführen wird.

Mit dem neuen Display, den Sensortasten und dem geringeren Gewicht präsentiert sich der Voyage als konsequente Weiterentwicklung des Paperwhite. Abseits davon scheinen die Geräte auf den ersten Blick recht ähnlich zu sein. Daher überrascht auch der recht hohe Einstiegspreis des Geräts. Bisher war Amazon immer als Preistreiber in Erscheinung getreten, weshalb ich vor wenigen Tagen noch von einem höheren Preis für das damals spekulierte High-End-Gerät gerechnet habe, aber dann doch nicht ganz so hoch.

Jetzt wird sich erstmal zeigen müssen, ob Amazon in der hochpreisigen Nische ebenfalls erfolgreich auf Kundenfang gehen kann – und insbesondere wann es endlich so weit ist. Der angepeilte Starttermin des neuen Basis-Modells (2. Oktober) verspricht jedenfalls eine baldige Vorstellung der neuen Produkte. Für den Verlauf des Weihnachtsgeschäfts darf man wieder mit diversen Preisaktionen rechnen – sowohl für den Kindle Voyage als auch für den Paperwhite.