Kindle Paperwhite und Kindle Voyage im Vergleich

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Amazon bietet heuer gleich drei eBook Reader an – Kindle Paperwhite und Kindle Voyage sind die beiden beleuchteten Modelle des Unternehmens. Und trotz dieser Gemeinsamkeit gibt’s eine Reihe von wichtigen Unterschieden die den Vergleich der beiden Geräte sinnvoll machen.

Der Voyage verfügt über ein besonders hochauflösendes 6 Zoll Display mit einer Pixeldichte von 300 ppi – in anderen Worten: Kein anderer eBook Reader kann Schrift so scharf darstellen wie das neue Amazon-Flaggschiff. Außerdem feiern Blättertasten ihr Comeback und das Gehäuse wurde im Vergleich zu den Vorgängern völlig neu gestaltet. Für all diese Änderungen muss man aber auch tief in die Tasche greifen: Mindestens 189 Euro werden für den Voyage fällig.

Der Paperwhite hat inbesondere in Hinblick auf den Preis viel leichteres Spiel. Das Modell wurde vor wenigen Wochen auf 99 Euro preisgesenkt, sodass es der eBook Reader mit dem aktuell besten Preis-Leistungs-Verhältnis ist. Das verdankt der Kindle Paperwhite besonders dem mittlerweile bewährten, sehr gut abzulesenden E-Ink Carta Bildschirm. Fest steht: Beide Geräte haben ihre Vorzüge, aber welches die bessere Wahl ist, soll der nachfolgende Vergleich klären.

Software

Die Software von Kindle Paperwhite und Voyage unterscheidet sich so gut wie gar nicht. Beide nutzen das bekannte Kindle Betriebssystem, das in den letzten Jahren gereift ist. Somit präsentieren sich die Startbildschirme identisch: Direkt unter der regulären Coveransicht befinden sich Kindle-Buchempfehlungen. Diese lassen sich bei Bedarf glücklicherweise auch ausblenden (siehe Bild).

Wie gewohnt, lassen sich beide Geräte zwar mit Calibre mit eBooks befüllen, auf eine Sammlungsverwaltung über das beliebte Tool muss man in beiden Fällen aber verzichten.

Identische Startbildschirme, einmal mit und einmal ohne Buchempfehlungen

Bedienung und Grundfunktionen

Die Bedienung beider Geräte funktioniert ähnlich schnell – d.h. man muss keine Wartezeiten oder Verzögerungen in Kauf nehmen, wenn man Eingaben tätigt. Das verdanken die beiden eReader dem mittlerweile häufig zum Einsatz kommenden Freescale iMX 6 Chip dessen CPU mit 1 GHz taktet. Beim Kindle Voyage wurde der Arbeitsspeicher außerdem verdoppelt, beträgt nun also 512 MB, gegenüber 256 MB beim Paperwhite. In der Praxis macht sich dies allerdings nicht allzu stark bemerkbar.

Die Bedienung beider Geräte erfolgt in erster Linie über den Touchscreen. Der Kindle Paperwhite besitzt einen minimal im Gehäuse eingelassenen Bildschirm, die Gehäusefront des Voyage ist plan. In beiden Fälle kommt kapazitive Touchscreentechnik zum Einsatz. Die Reaktionsfreudigkeit ist bei beiden eBook Readern ähnlich gut und lässt keine Wünsche offen.

Zusätzlich zum Touchscreen kommen beim Kindle Voyage – wie eingangs erwähnt – auch Blättertasten zum Einsatz. Es handelt sich allerdings nicht um reguläre Drucktasten, wie man das von fast allen anderen Geräten kennt (zumindest von denjenigen die noch Blättertasten besitzen), sondern um druckempfindliche Sensoren. Diese sitzen unsichtbar im Gehäuse und erlauben trotz der Bauweise einen intuitiven Blättervorgang. Im praktischen Alltag funktioniert das so: Man kann den Finger auf den markierten Flächen ruhen lassen und drückt dann einfach locker auf’s Gehäuse, wenn man umblättern will. Das klappt völlig problemlos und auch fehlerfrei. Damit bietet der Voyage einen netten Konfortbonus gegenüber dem Kindle Paperwhite, auf dem man ausschließlich über den Touchscreen umblättert (wischen oder antippen). Natürlich kann man auch am Voyage den Touchscreen zum Blättern nutzen.

Schriftbildoptionen

Die Schriftbildoptionen sind wenig überraschend identisch. D.h. es stehen 7 Schriftgrößen, 6 Schriftarten und je drei Einstellungsmöglichkeiten zur Anpassung der Rand- und Zeilenabstände zur Verfügung. Der größte Kritikpunkt bleibt die fehlende Silbentrennung.

Auch beim eBook-Kauf gibt’s keine Unterschiede: Auf beiden Geräten kann man direkt über den integrierten Shop einkaufen, wobei man entweder über ein lokales Drahtlosnetzwerk (WLan) verbunden sein muss, oder das 3G-Modell haben sollte. Das 3G-Modell ist in beiden Fällen um 60 Euro teurer (d.h. 159 Euro beim Paperwhite, 249 Euro beim Voyage) und erlaubt den eBook-Kauf auch abseits lokaler Netzwerke, sowie im Ausland – ganz ohne Zusatzkosten oder Mobilfunkverträge. Man bezahlt nur den einmaligen Aufpreis beim Kauf.

Wichtig ist natürlich zu erwähnen, dass ein Kindle eBook Reader in erster Linie mit eBooks von Amazon befüllt werden möchte, d.h. das typische ePub-Format mit Adobe Kopierschutz, das bei den allermeisten anderen Shops zum Einsatz kommt, ist auf den beiden Geräten nicht (ohne Konvertierung) nutzbar.

Erweiterte Funktionen

Auch die erweiterten Funktionen sind identisch:

Die Notizfunktion wird in beiden Fällen aufgerufen, indem man mit dem Finger einen kurzen Moment auf einem Wort bleibt (bzw. den Finger über die Textstelle zieht). Erstellte Notizen lassen sich per einfach zu kopierender TXT-Datei auch am PC weiterverarbeiten und so abseits der eBook Reader nutzen.

Das Wörterbuch lässt sich auf die gleiche Weise aufrufen, wobei direkt ein kleines Fenster mit der Worterdefinition bzw. Übersetzung angezeigt wird. Als deutsches Wörterbuch kommt der Duden zum Einsatz und es besteht die Möglichkeit zur Erweiterung. Außerdem kann man Wörter bei bestehender WLan-Verbindung (oder per 3G) auch bei Wikipedia nachschlagen. Die Wörterbuchfunktion der Kindle-Modelle gehört jedenfalls zu den besten am Markt.

Identische Wörterbuchfunktion mit Wikipedia

Der in beiden Fällen vorhandene Internetbrowser leistet ebenfalls gute Dienste und erlaubt das Erstellen von Lesezeichen, sowie die Nutzung eines speziellen Artikelmodus, mit dem man auch längere Internetartikel bequem am E-Ink Display lesen kann. Darüber hinaus gibt’s als besonderen Mehrwert gegenüber der Amazon-Konkurrenz außerdem einen Vokabeltrainer und eine Kindersicherung.

Hardware

Bei der Hardware gibt’s nun wieder größere Unterschiede: Der Kindle Paperwhite ist etwas größer und fühlbar schwerer (206 Gramm gegenüber 180 Gramm), sodass der Voyage (dank Magnesium-Gehäuse) letztendlich etwas bequemer in der Handhabung ist. Dieser Vorteil ist aber relativ gering ausgeprägt, denn auch der Paperwhite liegt sehr gut in der Hand und ist haptisch ansprechend gestaltet.

Die Verarbeitung beider Modelle ist tadellos, was besonders beim Kindle Voyage aufgrund der planen Gehäusefront keine Selbstverständlichkeit ist. Bei anderen Herstellern gibt’s hier gelegentlich Grund zur Beanstandung.

Der nutzbare interne Speicher des Voyage beträgt 3,04 GB, der des Paperwhite ist mit 3,13 GB geringfügig größer. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass Amazon dem Kindle Paperwhite vor einigen Monaten ein heimliches Upgrade verpasst hat, bei dem der Speicherplatz verdoppelt wurde. Die aktuelle Modellgeneration wird nun jedenfalls mit der genannten Speichergröße verkauft (sofern Amazon nicht wieder etwas ändert). Der Speicherplatz ist in beiden Fällen nicht erweiterbar, die gekauften eBooks werden aber direkt in der Cloud gespeichert und können so bei Bedarf jederzeit runtergeladen werden.

Bildschirm

Die größten Unterschiede zwischen Kindle Paperwhite und Voyage gibt’s natürlich bei den Displays. Wie anfangs schon erwähnt, verfügt der Kindle Voyage über ein 6 Zoll großes E-Ink Carta Display mit einer Auflösung von 1440×1080 Pixel, was eine enorm hohe Pixeldichte von 300 ppi ergibt. Der Paperwhite nutzt die gleiche Technologie, der Bildschirm löst aber „nur“ mit 1024×758 Pixel auf, was dem Marktstandard entspricht. In anderen Worten: Der Bildschirm des Voyage ist schärfer.

Dieser Vorteil ist nicht nur in der Theorie vorhanden, sondern zeigt sich auch in der Praxis, wo das neue High-End-Modell im direkten Vergleich der beiden eBook Reader die bessere Figur macht. Besonders bei kleinen Schriftarten und Anzeigeelementen ist der Unterschied sehr deutlich. Aber auch der Kindle Paperwhite braucht sich keineswegs zu verstecken, denn die Textschärfe ist mehr als ausreichend gut, um völlig bequem darauf lesen zu können. Die geringere Auflösung ist in erster Linie nur im direkten Vergleich auffällig, für sich genommen aber jedenfalls kein Thema.

Gleiches gilt für den Kontrast: Der Voyage bietet dank höher regelbarer Beleuchtung ein besseres maximales Kontrastverhältnis, was allerdings auch nur im direkten Vergleich ersichtlich ist, denn für sich genommen ist auch der Paperwhite bestens ablesbar und galt nicht umsonst lange Zeit als Referenz am eBook Reader Markt. An der hervorragenden Ablesbarkeit dank des hohen Kontrastverhältnisses hat sich natürlich nichts geändert. Bei gleicher Helligkeitseinstellung gibt’s wiederum keine nennenswerte Kontrastdifferenz.

Beide bieten hervorragende Kontrastwerte

Ein Vorteil des Voyage ist die automatische Helligkeitsanpassung. Dank eines eingebauten Lichtsensors lässt sich die integrierte Beleuchtung automatisch an die Umgebung anpassen, sodass man sich voll und ganz auf das Lesen konzentrieren kann, ohne die Lichtstärke selbst wählen zu müssen (was bei Bedarf aber weiterhin möglich ist).

Preis-Leistungs-Verhältnis

Während die bisherigen Vergleiche oftmals ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Preis-Leistungs-Verhältnis gebracht haben, fällt die Sache im Kindle-Vergleich eindeutiger aus. Der Paperwhite ist für nur 99 Euro aktuell der wohl heißeste eBook Reader am Markt und bietet zu dem Preis einen hervorragenden Gegenwert.

Der Kindle Voyage bringt im Vergleich zum Schwestermodell ein paar durchaus willkommene Neuerungen mit – der hochauflösende Bildschirm, die automatische Helligkeitsregulierung und die Blättertasten liefern einen tollen Mehrwert. Allerdings gibt’s mit dem Farbverlaufsproblem einen durchaus beträchtlichen Nachteil (sofern das eigene Gerät davon betroffen ist), den man bei der Bewertung des Geräts nicht unter den Tisch fallen lassen darf. Zum Preis von 189 Euro erwartet man sich nämlich eigentlich eine mindestens ebenso gute Vorstellung wie beim fast halb so günstigen Kindle Paperwhite. Da das aber zumindest gelegentlich nicht der Fall ist, kann das Preis-Leistungs-Verhältnis des Voyage nicht mit dem des Paperwhite mithalten.

Fazit

Beide Kindle-Modelle liefern eine gute Vorstellung ab, wobei die (in diesem Fall identische) Software dank besonders einfacher Handhabung, gut funktionierender Funktionen (Wörterbücher, Notizen, eBook-Kauf) und sinnvoller Boni (Kindersicherung, Vokabeltrainer) trotz einiger Schwächen (z.B. fehlende Silbentrennung) weiterhin als Maßstab für viele Hersteller gilt.

Aber auch bei der Hardware setzen beide Geräte weiterhin Maßstäbe: Der Paperwhite ist zwar mittlerweile über ein Jahr auf dem Markt, kann aber mit einem der besten E-Ink Displays und einer ausgezeichneten Beleuchtung begeistern.

Das günstigere Modell geht als Sieger aus dem Vergleich

Letztendlich zeigt sich, dass man mit beiden eReader nichts falsch machen kann und eigentlich nur der Preis entscheidet.