Neuer Kindle Paperwhite Hands-On; Fragen und Antworten

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Der neue Kindle Paperwhite ist heute bei mir angekommen, womit wir auch gleich einen gemeinsamen ersten Blick auf die Neuerungen werfen wollen. Beim Kindle Paperwhite 2 handelt es sich auf den ersten Blick um eine relativ behutsame Modellpflege des vorigen Modells. Amazon hat den Start des neuen eBook Readers daher ohne große Pressekonferenz vollzogen.

Relativ schnell wurde aber bekannt, dass Amazon unter der Haube doch einiges verändert hat. Zunächst verspricht Amazon einen um 25 Prozent schnelleren Prozessor. Dieses Versprechen löst das Unternehmen ein, indem der üblicherweise mit 800 Mhz getaktete Freescale Chip mit 1 GHz getaktet wird. Das kennt man bereits von den Kobo Geräten und bringt auch in der Praxis eine spürbare Verbesserung. Der Unterschied zum alten Kindle Paperwhite ist allerdings nicht weltbewegend.

E-Ink Carta als Trumpf? Ja!

Die wichtigere Hardware-Neuerung steckt im Display. Dieses nutzt nun E-Ink Carta Technik und die verspricht am Papier einiges. Zunächst ist da das Kontrastverhältnis zu nennen, das laut E Ink Holding bei 15:1 liegen soll. Die Verbesserung des Kontrastverhältnisses soll durch einen dunkleren Schwarzwert, eine höhere Hintergrundhelligkeit und eine verbesserte Reflektivität realisiert werden.

Das Versprechen kann die E Ink Holding bzw. Amazon zum Teil einlösen. Kommen wir zunächst zum maximalen Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung.

Damit mir diesmal kein Fehler unterläuft, wie bei der ersten Kobo Aura Messung, wurden drei Messungen mit je fünf Einzelmessungen durchgeführt. Das Ergebnis: Der Kontrast des Kindle Paperwhite liegt mit 12:1 nicht viel höher als zuvor. Bevor Amazon-Gegner in Jubel ausbrechen und Kindle-Fans den Kopf hängen lassen, solltet ihr aber weiterlesen, denn die Ablesbarkeit hat sich dennoch deutlich verbessert. Nachfolgend zunächst noch die Kontrastwerte im Vergleich:

Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung (höher ist besser)

  • E-Ink Carta (min.) 15:1
  • Sony PRS-T2 13:1
  • Kindle Paperwhite (2013) 12:1
  • Sony PRS-T3 12:1
  • PocketBook Touch Lux 12:1
  • Kindle Paperwhite (2012) 11,5:1
  • Tolino Shine 11:1
  • Kobo Aura 10,5:1
  • Kobo Glo 10:1

Keine großen Unterschiede unter dem Mikroskop

Wie gesagt hat sich rein von den Zahlen beim maximalen Kontrastwert überraschenderweise nicht viel getan. Der Sony PRS-T2 führt die Tabelle noch immer an. Die Wertetabelle zeigt aber nur die halbe Wahrheit, denn die Ablesbarkeit ohne Beleuchtung ist beim Kindle Paperwhite merklich besser als beim Rest. Hier macht sich die versprochene bessere Reflektivität sehr deutlich bemerkbar.

Zum Verständnis eine kurze Begriffserklärung: Die Reflektivität bzw. der Reflexionsgrad gibt das Verhältnis zwischen reflektierten und einfallenden Licht an. Bei einem Spiegel liegt der Reflexionsgrad zwischen 90 und 95 Prozent, bei weißem Papier zwischen 70 und 80 Prozent. Dabei bestimmt die Oberflächenbeschaffenheit, wie das Licht reflektiert wird. Bei einem Spiegel wird das Licht aufgrund der glatten Oberfläche fast ohne Brechung reflektiert, wohingegen die Oberfläche von Papier rauh ist und Licht in alle möglichen Richtungen wirft.

Soweit zum kurzen (laienhaften) Ausflug in die Welt der Physik – zurück zur E-Ink Technik. Bei E-Ink Pearl wird der Reflexionsgrad von der E Ink Holding mit 40,7 Prozent angegeben, bei E-Ink Carta wurde der Wert auf 44 Prozent verbessert. Das sieht zwar nicht nach viel aus, ist aber eine Verbesserung um rund 8 Prozent. Diese macht sich auch mit freiem Auge positiv bemerkbar, wie das nachfolgende Bild zeigt.

Der Hintergrund des Kindle Paperwhite ist dank besserem Reflexionsgrad sichtbar heller

Der Vollständigkeit halber sei hier nochmals erwähnt, dass die Beleuchtung des Kindle Paperwhite auf Stufe 0 gestellt wurde und keinerlei Einfluss auf die Darstellung hat.

Wie man sehen kann, ist der Bildschirmhintergrund des Kindle Paperwhite heller. Um genau zu sein: Beim Sony PRS-T2 beträgt die Helligkeit nach LAB auf L* 60, beim Kindle Paperwhite 64. Dieser Unterschied entspricht auch ziemlich genau dem um 8 Prozent verbesserten Reflexionsgrad. Dank der besseren Reflektivität ist auch der Schwarzwert des Paperwhite geringfügig besser.

Die gemessene Helligkeit hängt natürlich auch maßgeblich vom einfallenden Licht ab, d.h. umso stärker die Lichteinstrahlung, desto heller der Bildschirmhintergrund. Die Blendeneinstellung der Kamera wurde daher so angepasst, um den Effekt auch im Bild gut sichtbar zu machen.

Was heißt das jetzt eigentlich?

Kommen wir also zum Punkt. Für den Praxisbetrieb bedeutet das, dass der Kindle Paperwhite in fast jeder Beleuchtungssituation abseits direkter Sonneneinstrahlung im Vorteil ist. Ich habe in den vergangenen Stunden verschiedene Beleuchtungsszenarien getestet (ohne aktivierter Beleuchtung) und mit anderen Geräten verglichen.

Der Unterschied zugunsten des Kindle Paperwhite ist zu jedem Zeitpunkt sichtbar, wobei grenzwertige Beleuchtungssituationen den Vorteil am besten abbilden. Umso heller die Umgebung ist, desto unbedeutender wird der Unterschied, denn auch E-Ink Pearl Bildschirme lassen sich bei ausreichender Lichteinstrahlung bestens ablesen. Dennoch muss man an dieser Stelle einfach sagen, dass der Paperwhite zur Zeit ganz klar über das am besten ablesbare E-Ink Display verfügt.

Im vollständigen Testbericht wird dann noch genauer darauf eingegangen, inkl. weiterer Vergleichsbilder mit anderen Geräten.

Die fast perfekte Beleuchtung

Neben der neuen Bildschirmtechnik verspricht Amazon auch eine verbesserte Beleuchtung. Dieses Versprechen kann man voll und ganz einlösen. Während der Kindle Paperwhite im vergangenen Jahr bei der Beleuchtung mit vielen Problemen zu kämpfen hatte, scheint Amazon nun an den richtigen Schrauben gedreht zu haben.

Aktiviert man den neuen Kindle Paperwhite zum ersten Mal, fällt die weiße Beleuchtung sofort positiv auf. Das Licht ist nun nicht mehr bläulich, sondern schwach gelblich, was es in meinen Augen deutlich angenehmer macht. Hinzu kommt, dass diese gelbliche Verfärbung nicht so auffällig ist, wie die bläuliche beim Vorgängermodell.

Ebenfalls gut sichtbar ist die verbesserte Gleichmäßigkeit der Beleuchtung. Ich habe zum letzjährigen Start des Paperwhite nach einem Umtausch ein sehr gutes Gerät der ersten Generation erwischt, das aber im Vergleich zum aktuellen Kindle Paperwhite dennoch fleckiger und ungleichmäßiger wirkt. Nachfolgend ein Bild um dies zu verdeutlichen.

Kindle Paperwhite 2013 (links) vs. Kindle Paperwhite 2012 (rechts)

Beim alten Kindle Paperwhite kann man schwache z.T. flächige Lichthöfe und Schatten am gesamten Bildschirm erkennen. Mit freiem Auge ist der Effekt nicht so stark wahrnehmbar, aber doch sichtbar wenn man darauf achtet oder empfindliche Augen hat. Dem neuen Kindle Paperwhite ist soetwas fast völlig fremd. Lediglich am unteren Bildschirmrand ist eine leichte Schattenbildung zu erkennen, am restlichen Bildschirm gibt’s hingegen keine auffälligen Unregelmäßigkeiten. Der Unterschied ist auch mit freiem Auge gut zu erkennen.

Damit scheint nun auch das leidige Farbwolkenproblem des Kindle Paperwhite endgültig Geschichte zu sein, wie das nachfolgende Bild zeigt.

Keine Farbwolken bei der eingebauten Beleuchtung und eine deutlich schwächere Färbung ins gelbliche (Sättigung +90); Kindle Paperwhite 2013 (links) vs. Kindle Paperwhite 2012 (rechts)

Auch was die Beleuchtungshelligkeit angeht, wurde nachgebessert. Der alte Kindle Paperwhite strahlte maximal mit einer Helligkeit von 55 cd/m². Der neue Kindle Paperwhite erreicht in der Maximaleinstellung einen Wert von 91 cd/m².

Maximale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (höher ist besser)

  • Kobo Glo 121
  • Kobo Aura 112
  • Kindle Paperwhite (2013) 91
  • Kindle Paperwhite (2012) 55
  • Tolino Shine 41
  • PocketBook Touch Lux 38
  • PocketBook Color Lux 34

Nachtrag:
Ich habe jetzt auch die anderen zwei neuen Kindle Paperwhite bekommen, also insgesamt drei Geräte hier.

Die Beleuchtungen der drei Geräte weisen leicht unterschiedliche Farbtöne auf, wobei alle drei Geräte ins gebliche gehen, nicht ins bläuliche wie der alte Kindle Paperwhite. Die Ausleuchtung ist bei allen drei neuen Paperwhite sehr gleichmäßig, mit einem kleinen Lichthof in der unteren rechten Ecke des dritten Geräts. Ansonsten gibt es über den Bildschirm verteilt keine Schattenbildungen, Lichthöfe oder Farbwolken. Auf jeden Fall eine klare Verbesserung, wie man im nachfolgenden Bild sehen kann.

Kindle Paperwhite 2012 (rechts außen) vs. 3x Kindle Paperwhite 2013

Mein erstes Testgerät war also keine Eintragsfliege, denn die anderen beiden können ebenso überzeugen. Dass es auch beim Kindle Paperwhite mit unterschiedliche Farbtemperaturen gibt, überrascht nicht – das Phänomen kennt man auch von allen anderen Herstellern und hat entweder mit Schwankungen in der LED-Produktion oder mit unterschiedlichen LED-Zulieferern zu tun. Wichtig anzumerken ist hier jedenfalls, dass Amazon die LEDs diesmal offensichtlich nicht vermischt, sondern bei einem Gerät LEDs mit dem gleichen Farbton nimmt, sodass die Beleuchtung auch immer gleichmäßig wirkt.

Sogenannte „Pinholes“ (helle Lichtpunkte aufgrund von Staubeinschlüssen oder Beschädigungen der Lichtträgerfolie) hat kein einziger der drei Kindle Paperwhite, also scheint das Problem wie vermutet nicht allzu weit verbreitet zu sein.

Der Kontrast ist auf den ersten Blick bei allen drei Geräten identisch, wobei ich noch keine Messung vorgenommen habe. Ein Detailblick und -vergleich kommt dann in einem eigenen Artikel.

Zwischenfazit

Unterm Strich bleibt also zu sagen, dass die Beleuchtung aktuell zu den Besten am Markt gehört. Sie ist gleichmäßig, ohne Farbverläufe bzw. -wolken und hat einen angenehm neutralen, schwach gelblichen Farbton. Viel besser geht’s eigentlich nicht. Damit löst Amazon im Grunde das Versprechen ein, das man mit dem Paperwhite bereits im vergangenen Jahr ausgesprochen hat. Jetzt kann man Wort halten und der Paperwhite verdient seinen papierweißen Namen schlussendlich tatsächlich.

Aber nicht nur die Beleuchtung, auch der E-Ink Bildschirm stellt eine Verbesserung dar. Der Unterschied zu E-Ink Pearl ist zwar nicht so groß wie am Papier angekündigt (was möglicherweise an der Lichtträgerfolie und am Touchscreen liegt), aber dennoch groß genug um einen sichtbaren Unterschied zu machen. Die Konkurrenz von Amazon kann daher zwar einerseits beruhigt sein, dass man nicht völlig ins Hintertreffen gerät, aber muss sich dennoch ranhalten die E-Ink Carta Technik möglichst bald in die Finger zu bekommen.

Damit sind wir am Ende unseres ersten Hands-On mit dem neuen Kindle Paperwhite. Der vollständige Testbericht folgt in den kommenden 1-2 Wochen. Bis dahin können in der Kommentarfunktion wie immer offene Fragen gestellt werden, die ich wieder versuchen werde zu beantworten.