Amazon übernimmt Text-To-Speech Spezialisten Ivona; Kindle eBook Reader bald wieder mit Audiofunktion?

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Während man noch rätselt, ob Amazon kurz vor der Übernahme des Displayunternehmens Liquavista steht, hat man an anderer Stelle bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Amazon hat gestern bekanntgegeben, dass man das polnische Unternehmen IVONA gekauft habe.

Die IVONA Text-To-Speech-Engine umfasst 17 Sprachen und 44 Stimmen. Im Rahmen der Blizzard Challenge, einer Veranstaltung um den Fortschritt synthetischer Stimmen festzustellen und zu messen, konnte IVONA  im Jahr 2007 von allen Teilnehmern die höchste Wertung von 3,9 Punkten einfahren. Einzig der von einer echten Person vorgelesene Text schnitt mit einer Wertung von 4,7 besser ab. Die Gesamtwertung setzt sich dabei aus Bewertungen von Experten, als auch von Studenten und Freiwilligen zusammen. Die Engine gehört jedenfalls mitunter zu den besten erhältlichen Lösungen. Wer sich das Ergebnis selbst anhören möchte, kann dies auf der IVONA-Homepage machen.

Neben der Text-To-Speech-Funktion um eBooks vorzulesen, kommt die Technik auch als „Voice Guide“ und „Explore by Touch“ bei den Kindle Fire Tablets zum Einsatz, um Menschen mit Sehschwäche die Bedienung der Geräte zu erleichten bzw. zu ermöglichen.

Jedenfalls darf man mit der Übernahme spekulieren, dass der nächste Kindle eBook Reader wieder mit einer Audiofunktion ausgestattet sein wird. Beim Amazon Kindle Paperwhite wurde diese weggelassen, sodass es aktuell kein eInk-Gerät im Amazon.de Portfolio gibt, welches über eine Audioausgabe und Text-To-Speech-Funktion verfügt.

Sollte das der Fall sein, dann wäre es ebenfalls möglich, dass die Technik tiefer ins System eingebunden wird, sodass man den Reader auch ausschließlich mit Audiounterstützung bedienen kann. Die fehlende Barrierefreiheit des Kindle Touch war einer der Gründe weshalb der Reader nach einem Protest des US-Blindenverbands nicht von der US-Regierung in Bildungszentren und Bibliotheken verwendet wurde. 13,4 Millionen Euro gingen Amazon beim Platzen des Deals durch die Lappen. Es war geplant, dass das Außenministerium in 5 Jahren insgesamt 35.000 Kindle eBook Reader kauft – inklusive jeweils 50 eBooks.

Anstatt eines Kindle Color kann man im Herbst diesen Jahres also einen Kindle Paperwhite mit Audiofunktion erwarten. Als weiteres Indiz dafür kann man den Ausbau der Kindle 5 Software sehen. Der Kindle Touch, welcher offiziell gar nicht mehr vertrieben wird, hat erst kürzlich ein großes Softwareupdate erhalten, welches ihn funktions- und bedientechnisch auf eine Stufe mit dem Kindle Paperwhite gehoben hat. Die Tatsache, dass man einem Auslaufmodell ein solches Update zukommen lässt, könnte bedeuten, dass ein zukünftiges Kindle-Modell sich genau dieser Software bedienen wird. Der Kindle Touch verfügt nämlich neben der reinen Text-To-Speech-Funktion nun auch über die Whispersync for Voice Funktion, welche eine Synchronisation von eBooks und Hörbüchern erlaubt, sodass man nahtlos zwischen beiden Formaten hin und her wechseln kann. Eine weitere Einbindung des Audible Hörbuch Angebots könnte daher ebenso auf der Amazon-Agenda stehen.

Die Übernahme durch Amazon kommentieren beide Unternehmen naturgemäß sehr positiv: „IVONAS außergewöhnliche Text-To-Speech Technologie führt die Industrie in natürlicher Sprachqualität, Genauigkeit und Bedienerfreundlichkeit an“, kommentiert Dave Lamp, VP der Kindle Sparte die Übernahme.

„Für mehr als zehn Jahre hat das IVONA Team sich auf die Herstellung innovativer Text-To-Speech-Technologien konzentriert. Wir sind hocherfreut, dass Amazon uns in unserem Wachstum unterstützt, sodass wir unseren Kunden auch weiterhin außergewöhnliche Stimmen- und Sprachunterstützung liefern können.“, sagt Lukasz Osowski, CEO und Mitgründer von IVONA.