Amazon nimmt Kindle Voyage aus dem Sortiment

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Mit dem Kindle Voyage hat Amazon vor rund vier Jahren Neuland betreten und die Premium-Klasse im 6-Zoll-eReader-Segment ins Leben gerufen. Der Versandriese hat den damaligen Neuling sowohl technisch mit Magnesium-Gehäuse, drucksensitiven Blättersensoren und planem 300-ppi-Bildschirm, als auch preislich klar vom Kindle Paperwhite abgegrenzt.

Kindle-Sortiment ohne Voyage

Seitdem der Paperwhite aber ebenfalls ein „Retina“-Display besitzt und der Kindle Oasis im oberen Preissegment Kunden anzieht, schienen die Tage des Voyage gezählt. Nun hat Amazon den Stecker gezogen und den eBook Reader aus dem Sortiment genommen.

Kindle Oasis als Ablöse

Die Kindle Vergleichstabelle auf der Amazon Website zeigt die aktuellen Modelle

Auch wenn der Start aufgrund der nicht ganz so gleichmäßigen Beleuchtung zunächst etwas holpriger verlief, schien sich das Blatt mit der Zeit zu wenden und die Problemmeldungen in diversen Foren wurden immer weniger.

Mit dem Endergebnis schien Amazon jedenfalls zufrieden zu sein, denn der Voyage wurde schließlich von einem noch teureren und noch ungewöhnlicheren Modell abgelöst. Der erste Kindle Oasis wurde noch viel klarer als High-End-Modell mit dem besonderen Extra positioniert. Spätestens mit der aktuell erhältlichen, zweiten Generation des Oasis und der Preisannäherung, ließ sich der Kauf des Voyage nur noch schwer argumentieren.

Unter diesem Gesichtspunkt kommt das Aus des Kindle Voyage nicht überraschend. Wer den Voyage trotzdem noch kaufen möchte, kann zum aktuellen Zeitpunkt bei den generalüberholten Geärten zuschlagen. Hier liegt der Preis bei 159 Euro.

Wegbereiter des Premium-Segments

Es gab natürlich auch schon vor dem Voyage teurere eBook Reader, der Marktstart des Geräts läutete aber gewissermaßen eine neue Phase des Konkurrenzkampfes zwischen den großen Anbietern ein. Bis dahin purzelten die Hardwarepreise insbesondere in Deutschland durch den Tolino-Start im Jahr 2013 immer weiter.

Dass es hier noch Raum nach oben gab, sah aber nicht nur Amazon so, auch die Tolino-Allianz startete 2014 mit dem ersten Vision und wollte so neben dem günstigen Tolino Shine ein weiteres Modell etablieren (was auch gelungen ist – den Vision gibt’s mittlerweile in der vierten Generation).

Bei allen Herstellern haben sich in Folge inzwischen oberhalb des Mittelklassesegments gleich mehrere Klassen gebildet, die es den Anbietern ermöglichen ihre Geräte besser voneinander zu differenzieren – technisch, optisch und preislich.

Kommen 2018 zwei neue Kindle Modelle?

Ist das der Paperwhite 4?

Das Ende des Voyage kann man auch als Vorbereitung für eine Modellpflege der restlichen Geräte sehen. Der Kindle Paperwhite 3 ist bereits seit 2015 am Markt und wird immer wieder für weniger als 100 Euro abverkauft. Zum Prime Day gab es das Gerät für 70 Euro.

Ebenfalls mehrere Jahre am Buckel hat das Kindle Basismodell, das seit 2016 am Markt ist und wohl der einzig verbleibende E-Ink Pearl eReader im Mainstream-Bereich ist.

Ein Update dieser beiden Geräte bzw. eine Neuausrichtung in den beiden Preissegmenten ist daher nicht ganz unwahrscheinlich. Im April 2017 wurde ein möglicher Kindle Paperwhite 4 abgelichtet. Dem Foto nach zu urteilen hat der eReader mit seinen typischen Paperwhite-Proportionen eine plane Gehäusefront und angeblich auch einen Wasserschutz. Ein Paperwhite 4 mit diesen Features wäre dem Kindle Voyage unweigerlich zu nahe gerückt. Das jetzige Aus des Voyage und die damaligen Gerüchte machen ein Update des Paperwhite noch plausibler.

Denkbar, dass Amazon in einem solchen Fall das aktuelle Paperwhite-Modell im Einsteigerbereich positioniert und permanent vergünstigt. Zumindest ein Bildschirmupgrade des Basismodells wäre in Anbetracht der Tolino Page Konkurrenz aber jedenfalls angebracht.