Amazon.de rückt Prime Mitgliedschaft stärker in den Fokus

Geschätzte Lesezeit: 3:35 min.

In den USA hat sich die Prime-Mitgliedschaft bei Amazon längst etabliert, hierzulande kämpft der Versandhändler allerdings noch mit der Kundenakzeptanz. Zumindest seit Eingliederung von Lovefilm und der Prime-Preiserhöhung ist aber zumindest das Kosten-Nutzen-Verhältnis besser geworden. Das alleine reicht aber scheinbar noch nicht aus, um Kunden von der Premium-Mitgliedschaft zu überzeugen.

Seit geraumer Zeit wirbt Amazon offensiv für den Service. Begonnen hat es bereits vor einigen Wochen, als Amazon das Einstiegs-Tablet Kindle Fire HD im Aktionsverkauf verbilligt hat. Nur 99 Euro kostet das Gerät jetzt – statt 129 Euro. Prime-Mitglieder bezahlen allerdings noch weniger: 79 Euro werden fällig, wenn man eine solche Mitgliedschaft besitzt oder abschließt.

Amazon bewirbt Prime prominent auf der Startseite

Eine billige Kundengewinnungsmaßnahme? Mag sein. Aber sie funktioniert. Ein Blick in die Top 100 Elektronikcharts bei Amazon.de zeigt, dass sich das Fire HD vor den Basis-Kindle geschoben hat und nun auf Platz 2 hinter dem Kindle Paperwhite liegt. Hier sieht man zwar nicht, ob das Tablet mit oder ohne Prime-Bonus erworben wurde, im Endeffekt spielt es für Amazon aber wohl keine große Rolle, denn jeder Kindle-Käufer begibt sich in das Amazon-Ökosystem, dem das Gros wohl aus Komfortgründen (und um DRM-geschützte Inhalte oder gekaufte Apps nicht zu „verlieren“) nicht so schnell den Rücken kehren wird.

Prime-Kundengewinnung steht im Vordergrund

Nun versucht Amazon es (wohl testweise) mit weiteren Maßnahmen um die Prime-Mitgliedschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Kunden zu rücken. In den vergangenen Tagen hat Amazon.de dafür die reguläre Startseite umgebaut und statt der üblichen Einblendungen große „Werbeflächen“ angezeigt, in denen die Vorzüge von Prime demonstriert werden.

Sympathiebekundungen für Prime via Twitter

So bekamen Besucher der deutschen Amazon-Homepage beispielsweise eine ausgewählte Selektion an Twitter-Nachrichten präsentiert, in denen die Prime-Mitgliedschaft gelobt wird. Das rechts platzierte Bild zeigt wiederum eine andere Promitionsstrategie. Anstatt Twitter-Nutzer sprechen zu lassen, präsentiert der Versandriese die Top 10 im Serien- und Filmbereich des hauseigenen Streamingservice. Dieser ist seit der vorhin genannten Lovefilm-Integration Teil von Prime.

Nun darf man annehmen, dass Amazon.de die Prime-Boni nicht nur vor dem bald startenden, sondern auch im Weihnachtsgeschäft prominenter ins Bild rücken will. Ich bin jedenfalls gespannt, ob der Versandhändler die Mitgliedschaft in den kommenden Monaten noch stärker im Verbund mit den Kindle-Endgeräten anbieten wird.

Kindle Unlimited als Amazons nächster Streich?

Außerdem wird in Kürze vermutlich auch ein weiterer Amazon-Dienst in Deutschland starten. Die Rede ist von Kindle Unlimited. Dabei handelt es sich um das hauseigene eBook-Flatrate-Angebot von Amazon, das vor wenigen Wochen in den USA an den Start gegangen ist. Dass der Versandriese den Auslandsstart der Flatrate vorbereitet, ist kein Geheimnis: In den „FAQ“ gibt Amazon auf die Frage nach der Länderverfügbarkeit die Antwort, dass man daran arbeite den Service auch in anderen Märkten anzubieten. „Bitte haben sie Geduld“, heißt es am Ende der Antwort. Allzu lange wird es bis zur Markteinführung also nicht mehr dauern. Aktuell macht das Gerücht die Runde, dass Kindle Unlimited in Europa zur Frankfurter Buchmesse an den Start gehen soll.

Allerdings stellt sich hier weiterhin die Frage nach dem Sortiment. In den USA ist das Angebot in erster Linie mit Titeln von Selfpublishern und kleinen Verlagen online gegangen. Zwar gibt es hier und da auch prominente eBooks wie z.B. Herr der Ringe, Harry Potter oder The Hunger Games, aber das Gros der Bücher betrifft das jedenfalls nicht. Auch das deutschsprachige Angebot, das auf der US-Homepage bereits online ist, ist nach dem selben Schema gestrickt.

Hierzulande gibt’s abgesehen davon schon attraktive Gegenangebote wie z.B. vom deutsche Anbieter Skoobe. Dieser hat kürzlich auch Selbstpublikationstitel ins Sortiment aufgenommen. Gleichzeitig bietet das Unternehmen aber auch mehr als 55.000 deutschsprachige eBooks zum Verleih, die von über 1.000 Verlagen und Imprints stammen. Damit hat Skoobe sowohl qualitativ als auch quantitativ einen Vorteil gegenüber Amazon. Interessenten der Skoobe eBook Flatrate können den Dienst nun auch 30 Tage kostenlos testen, indem sie den Gutscheincode „MGMTDJL2L“ bei Anmeldung verwenden.

Die kommenden Monate am eBook-Markt werden zumindest für die Kunden jedenfalls wieder besonders spannend. Für die Amazon-Konkurrenz könnte es aber wiederum noch ungemütlicher werden.