Kindle Scribe, Scribe Colorsoft & Scribe ohne Frontlicht: Amazons Notiz-Kindles sind in Deutschland angekommen

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Vorgestellt hat Amazon die neue Kindle-Scribe-Generation bereits am 30. September 2025: den Kindle Scribe mit Frontlicht, den Kindle Scribe ohne Frontlicht und mit dem Kindle Scribe Colorsoft erstmals einen Scribe mit Farbdisplay. Deutsche Kunden konnten sich damals allerdings nur für eine Benachrichtigung vormerken lassen. Inzwischen sind alle drei Modelle auch hierzulande erhältlich, der Kindle Scribe und der Scribe Colorsoft bereits seit dem Frühjahr 2026.

Den Kindle Scribe und den Kindle Scribe Colorsoft konnte ich inzwischen ausführlich testen. Was die neuen Notiz-Kindles können, welche Funktionen in Deutschland tatsächlich verfügbar sind und für wen sich welches Modell eignet, fasse ich nachfolgend zusammen.

Drei Modelle mit gemeinsamer Basis

Kindle Scribe in Graphit mit handschriftlichen Notizen zum Design Thinking und Stift

Der Kindle Scribe mit handschriftlichen Notizen

Alle drei Geräte teilen sich das neue Design. Das Display wächst von 10,2 auf 11 Zoll, gleichzeitig wird das Gehäuse mit 5,4 Millimetern deutlich dünner und mit 400 Gramm leichter. Die asymmetrische Griffkante der Vorgänger entfällt zugunsten einer symmetrischen Form mit planer Front. Laut Amazon sorgen ein neuer Quad-Core-Chip, mehr Arbeitsspeicher und eine Oxid-Backplane für 40 Prozent mehr Tempo beim Schreiben und Umblättern. Strukturiertes Glas soll ein papierähnlicheres Schreibgefühl bieten, ein überarbeiteter Displayaufbau den Abstand zwischen Stiftspitze und Schrift auf ein Minimum reduzieren.

Der Premium-Eingabestift haftet magnetisch am Gehäuse und muss weiterhin nie aufgeladen werden. Die Auflösung liegt bei 300 ppi, beim Colorsoft werden Farben mit 150 ppi dargestellt. Den Kindle Scribe und den Scribe Colorsoft gibt es mit 32 oder 64 GB Speicher, das Modell ohne Frontlicht mit 16 GB. Die Farbe „Feige“ ist beim Scribe Colorsoft in Deutschland nur in Verbindung mit 64 GB erhältlich. Bei der Akkulaufzeit nennt Amazon bis zu zwölf Wochen Lesen und drei Wochen Schreiben für den Kindle Scribe, acht beziehungsweise zwei Wochen für den Colorsoft und 16 beziehungsweise drei Wochen für das Modell ohne Licht.

Kindle Scribe im Test: Der schnellste Stift unter den Schwarz-Weiß-Tablets

Beim Schreiben setzt der neue Kindle Scribe Maßstäbe. Die gemessenen rund zehn Millisekunden Verzögerung sind der niedrigste Wert unter den Schwarz-Weiß-E-Ink-Tablets, die ich bisher getestet habe. Der passive Stift arbeitet präzise, diagonale Linien bleiben sauber, und der Radierer am Stiftende fühlt sich angenehm nach echtem Radiergummi an.

Auch das Display hat zugelegt. Die neue Oberflächenstruktur streut Reflexionen weniger, das Bild wirkt dadurch schärfer als beim Vorgänger, und der Hintergrund ist heller. Das Frontlicht gehört zu den gleichmäßigsten in dieser Größenklasse. Die schwächste Displayeigenschaft ist das Ghosting: Leichte Nachbilder sind gelegentlich sichtbarer als beim älteren Scribe, meist aber gut erträglich. Die breite Griffkante des Vorgängers vermisse ich dagegen etwas, beim Halten muss man nun etwas genauer auf die Position des Daumens achten.

Bei der Ausdauer ist der Kindle Scribe eine Klasse für sich: Ohne Licht habe ich mehr als 60 Stunden reine Lesezeit gemessen, mit rund 40 cd/m² noch etwa 40 Stunden, und beim Schreiben hielt er rund 16 Stunden durch. Die Notiz-App ist inzwischen alltagstauglich, mit Lasso-Werkzeug, Ordnern und Formerkennung. Ebenen, Tags und eigene Vorlagen fehlen allerdings weiterhin. Eine der stärksten Kaufbegründungen bleiben für mich die Anmerkungen in eBooks: Schreibt man in einen Text, macht das Buch Platz und lässt die Notiz vom Text umfließen.

Scribe Colorsoft im Test: Das ruhigste Kaleido-3-Display bisher

Kindle Scribe Colorsoft in Feige mit farbigen Besprechungsnotizen

Der Kindle Scribe Colorsoft in der Farbe Feige

Der Kindle Scribe Colorsoft hat meine übliche Empfehlung, im Zweifel zum Schwarz-Weiß-Gerät zu greifen, ins Wanken gebracht. Mit eingeschaltetem Frontlicht ist das typische leichte Schimmern von Farb-E-Ink nahezu verschwunden, und die feine RGB-Struktur fällt deutlich weniger auf. Für mich ist das die bislang überzeugendste Annäherung eines Kaleido-3-Geräts an einen sauberen Papiereindruck. Die Farben bleiben zwar zurückhaltender als auf einem LCD, feine Details und Farbverläufe stellt der Scribe Colorsoft aber ausgezeichnet dar.

Mit rund zwölf Millisekunden Latenz schreibt er etwa 40 Prozent schneller als der alte Scribe, und mein Testgerät wog nur 390 Gramm – über 40 Gramm weniger als der Vorgänger. Schwächen gibt es trotzdem: Farbige Inhalte hinterlassen etwas leichter Nachbilder, die Ausleuchtung ist minimal weniger gleichmäßig als beim Schwarz-Weiß-Modell, und eine per USB kopierte Farb-PDF erschien im getesteten Softwarestand nur in Schwarz-Weiß und ohne Anmerkungswerkzeuge. Eigene Dokumente sollte man daher über „Send to Kindle“ oder Google Drive und OneDrive aufs Gerät bringen.

Die Akkulaufzeit hängt stark vom Licht ab: Bei sehr geringer Helligkeit von etwa 6 cd/m² kam ich auf rund 37 Stunden Lesezeit, bei 40 cd/m² auf etwa 17 Stunden. Für ein Farbgerät mit Stift ist das sehr gut, zumal das Display schon mit wenig Licht sauber wirkt. Unterm Strich ist der Scribe Colorsoft der überzeugendste Kindle, den ich bisher benutzt habe.

Kindle Scribe ohne Frontlicht

Kindle Scribe Colorsoft in Feige aufrecht stehend mit Stift

Alle Scribe-Modelle kommen mit dem Premium-Eingabestift, der nie geladen werden muss

Das Modell ohne Frontlicht habe ich nicht getestet. Es bietet dasselbe Gehäuse wie die beiden anderen Scribe-Modelle, 16 GB Speicher und mit bis zu 16 Wochen Lesezeit die längste Akkulaufzeit der drei. Ohne Licht ist man allerdings immer auf ausreichend Umgebungslicht angewiesen. Wie schon beim unbeleuchteten BOOX Go 10.3 (Gen II) würde ich den meisten deshalb zur Variante mit Frontlicht raten, zumal der Aufpreis mit 70 Euro im Verhältnis zum Gesamtpreis überschaubar bleibt.

Software: Was in Deutschland funktioniert

In Deutschland verfügbar sind laut Amazon die KI-Funktionen zum Zusammenfassen und Überarbeiten von Notizen sowie die KI-gestützte Suche und der Chat in Notizbüchern, jeweils auch auf Deutsch. Dazu kommen der Import aus Google Drive und Microsoft OneDrive samt Export kommentierter PDFs, der Export zu OneNote, Active Canvas für Notizen direkt im Buch, die neuen Arbeitsbereiche, Schnellnotizen und beim Colorsoft zehn Stiftfarben, fünf Textmarker und ein Schattierungswerkzeug. Seit dem September-Update lassen sich außerdem handschriftliche Haftnotizen in Dokumenten nutzen.

Einige Funktionen bleiben dagegen den USA vorbehalten, darunter das Senden von Notizen an Alexa+, die KI-Lesefunktionen „Story So Far“ und „Ask This Book“ sowie die Diktierfunktion. Zu bedenken ist außerdem, dass die KI-Funktionen Inhalte in Amazons Cloud verarbeiten. Ob Notizbücher dort verschlüsselt gespeichert werden, ließ sich während meiner Tests nicht klären.

Preise

  • Kindle Scribe (32 GB): 519,99 Euro
  • Kindle Scribe Colorsoft (32 GB): 649,99 Euro
  • Kindle Scribe ohne Frontlicht (16 GB): 449,99 Euro

Die Varianten mit 64 GB kosten entsprechend mehr.

Fazit

Mit der neuen Generation macht Amazon den Kindle Scribe zu einem deutlich runderen Gerät. Der beleuchtete Schwarz-Weiß-Scribe ist für mich die bislang schlüssigste Verbindung aus großem Kindle und unkompliziertem Notizbuch: schneller, präziser Stift, sehr lange Akkulaufzeit und praktische Anmerkungen in eBooks. Der Scribe Colorsoft legt mit dem ruhigsten Farbdisplay, das ich bisher bei Kaleido 3 gesehen habe, noch einmal eins drauf, ist mit 649,99 Euro aber auch entsprechend teuer.

Die grundsätzlichen Grenzen bleiben bei allen drei Modellen bestehen: Wer Ebenen, eigene Vorlagen, eine freie App-Auswahl oder komplett lokale Arbeitsabläufe sucht, ist bei offeneren Systemen besser aufgehoben. Wer dagegen vor allem lesen, Bücher kommentieren und alltägliche Notizen machen möchte, findet im Kindle Scribe derzeit eines der stimmigsten Gesamtpakete. Die ausführlichen Testberichte zum Kindle Scribe und zum Kindle Scribe Colorsoft folgen am 21. Oktober.

Die Produktseiten der Modelle bei Amazon:

Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren
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