Akkuwechsel beim eBook Reader

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Akkuwechsel beim eBook Reader

Viele Handybesitzer kennen das Problem: Zu Beginn läuft das Mobiltelefon mit einer Akkuladung mehrere Tage, doch allmählich werden die Zeiträume zwischen der erneuten Stromzufuhr immer kürzer. Besonders bei Smartphones gibt’s hierbei zwar auch ein ganz generelles Problem mit „Datenmüll“ bzw. zu vielen laufenden oder fehlerhaften Applikationen, was dafür sorgen kann, dass sich der Akku schneller entleert, es ist allerdings technisch bedingt, dass die zum Einsatz kommenden Lithium-Ionen Bauteile mit der Zeit und jedem Lade-Entlade-Zyklus an Kapazität verlieren.

Außerdem möchten viele Smartphone-Besitzer nicht auf die Möglichkeit verzichten, den leeren Akku bei Bedarf, mit wenigen Handgriffen, gegen einen voll aufgeladenen auszuwechseln und so auch abseits der Steckdose wieder einsatzbereit zu sein.

Auch bei eBook Readern stellen sich diese Fragen gelegentlich, denn sie nutzen ebenfalls herkömmliche wiederaufladbare Akkus und können dementsprechend, wie von anderen Unterhaltungselektronikprodukten gewohnt, leer werden bzw. an Kapazität verlieren. Da fragt man sich dann natürlich auch, ob es dedizierte Lesegeräte mit wechselbaren Akku gibt.

Geht eigentlich nicht, aber ….

Für all jene die nach einer kurzen Antwort suchen: Kein einziger (aktueller) eReader Hersteller sieht den Wechsel des Akkus durch den Benutzer vor.

Das liegt daran, dass eBook Reader mit dem stromsparenden E-Ink Display selbst bei Viellesern im Normalfall nur einmal wöchentlich aufgeladen werden müssen. Liest man eine Stunde täglich, kommt man mit den meisten Geräten sogar mehrere Wochen mit einer Akkuladung aus.

Wenn man dieses Ladeverhalten nun auf eine angenommene Zykluslebensdauer von zumindest 500 Aufladungen-Entladungen umlegt, dann dauert es mehrere Jahre bis der Akku tatsächlich nicht mehr nutzbar ist. In der Zwischenzeit sind dann bereits mehrere Generationen neuer Lesegeräte erschienen und der alte eReader wurde längt ersetzt.

Von daher spielt der Akkuwechsel bei eBook Readern sowohl im Alltag, als auch für die Lebensdauer des Geräts tatsächlich keine nennenswerte Rolle. Als Besitzer eines digitalen Lesegeräts mit E-Ink Display braucht man sich daher keine Sorgen wegen des Akkuverschleißes zu machen.

Beim Txtr Beagle musste man die beiden AAA-Batterien auswechseln

Der Vollständigkeit halber sollte man an dieser Stelle allerdings noch den 5 Zoll großen Txtr Beagle erwähnen. Der glücklose eReader des mittlerweile insolventen Berliner eBook-Spezialisten war das einzige Lesegerät, das auswechselbare Batterien genutzt hat. Zwei AAA-Batterien konnten eingesetzt werden, die Abnahme der Rückseite war dementsprechend vorbereitet, wie man das auch von anderen Elektronikprodukten mit wechselbarer Stromversorgung kennt.

… klappt im Notfall trotzdem – manchmal

Es ist aber nur die halbe Wahrheit, dass ein Akkuwechsel nicht möglich ist, denn auch wenn dieser von den allermeisten Herstellern nicht vorgesehen ist, oft lässt er sich vom Nutzer dennoch relativ einfach durchführen.

Viele eBook Reader lassen sich mit wenigen Handgriffen nämlich trotzdem problemlos öffnen. Zu bedenken gilt dabei aber, dass dies im schlimmsten Fall auch einen Verlust der Garantieansprüche zur Folge haben kann.

Die Rückseite des Tolino Vision lässt sich einfach abnehmen

Hat man das Rückcover eines typischen 6 Zöllers abgenommen, präsentiert sich der Aufbau der unterschiedlichen Modelle relativ ähnlich. Der Akku ist im Regelfall sehr einfach zugänglich und meist mit einem simplen Pin-Connector verbunden. Gelötete Verbindungen sind mir bisher nicht untergekommen. Oft ist der Akku eingeklebt, sodass man diesen vorsichtig lösen muss, bevor man ihn entnehmen und ersetzen kann.

Im Fall des Tolino Vision 2, sind alle Steckverbindungen aber zusätzlich mit einem Kleber versiegelt, sodass dieser ebenfalls gelöst werden muss. Solche Eigenheiten einiger Modelle muss man ebenso bedenken, wie eine mögliche Lötverbindung.

Steckverbindungen beim Vision 2 sind aufgrund des Wasserschutzes zusätzlich geschützt

Zum Wechsel braucht man aber natürlich noch den passenden Ersatz und hier fängt das eigentliche Problem an: Wie auch bei den Displays gibt’s nur für wenige Modelle die passenden Akkus. Mit einem Kindle hat man gute Chancen ein passendes Ersatzteil bei eBay zu erwerben, mit sonstigen Herstellern wird die Sache schon schwieriger. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis kann sich dann schnell drehen, wenn man lange suchen und ggf. viel bezahlen muss, um an einen Wechselakku zu kommen. Als Alternative kann man nur einen sonstigen Zubehör-Akku nutzen und die Kabelverbindung selbst herstellen.

Bei eBook-Reader-Preisen von 100 bis 150 Euro zahlt sich eine solche Such- und Bastelarbeit dann aber vielleicht gar nicht mehr aus.

Persönliche Erfahrung: Erfolgreicher Fehlschlag

Anders sieht die Sache aber möglicherweise bei teureren Geräten aus. Vor Jahren waren eReader noch deutlich hochpreisiger und Kosten von rund 300 Euro waren keine Seltenheit. Heute liegt der Kindle Voyage 3G mit 250 Euro am oberen Ende der Mainstream-Modelle.

Wie reguläre ALLESebook.de Besucher mittlerweile vielleicht schon wissen, war mein erstes dediziertes Lesegerät ein Sony PRS-505. Nachdem ich zum ersten Mal von E-Paper gehört habe und der Sony Reader meine Neugierde geweckt hat, wollte ich das Gerät unbedingt haben. In Europa war der PRS-505 aber damals (Anno 2007) noch nicht erhältlich, als blieb nur der recht teure Import aus den USA.

Der eBook Reader hat mir viele schöne Lesestunden beschert, doch irgendwann habe ich bemerkt, dass das Gerät immer öfter Strom verlangt. Die damals zum Einsatz kommenden Lithium-Polymer Akkus waren nicht so beständig wie die heutigen. Ich habe mich also umgesehen, ob es vielleicht schon günstigere Geräte zum Wechsel gibt. Die Alternative wäre der Kauf eines Sony PRS-600 gewesen, der mittlerweile bei Thalia erhältlich war. Wirklich begeistern konnte ich mich für das Modell trotz der neuen Touchscreenbedinung aber nicht (der Kontrast war sichtbar schlechter als beim PRS-505), weshalb ich mich dazu entschlossen habe den Akku zu wechseln.

Im Gegensatz zu den heutigen Modellen hatte der alte Sony Reader allerdings keine abnehmbare Rückseite, sondern ein Unibody-Gehäuse aus Aluminium. Nachdem man die diversen Schrauben gelöst hat, musste man die gesamte Elektronik aus dem Gehäuse entnehmen. Obwohl das etwas hakelig war, konnte ich diese Extraktion erfolgreich durchführen und auch den Akku austauschen.

Voller Vorfreude wieder ein funktionstüchtiges Lesegerät zu besitzen, machte ich mich an den Zusammenbau. Dabei habe ich mich aber dummerweise so ungeschickt angestellt, dass ich beim Einführen der Elektronik in das nicht einsehbare Aluminiumgehäuse einen Flexconnector beschädigt habe, sodass letztendlich die Knöpfe nicht mehr richtig funktioniert haben. Um die Sache nicht zu verschlimmern, habe ich den ganzen Kram wieder entnommen, mit ein paar Klebestreifen gesichert (damit das Ding nicht auseinanderfällt) und den eBook Reader noch einige Zeit in seiner Reinform ohne Rahmen verwendet (siehe Bild).

Rechts der PRS-505 nach dem Akkuwechsel, links der danach gekaufte. Beide Geräte sind funktionstüchtig ….

Schließlich wurde der defekte PRS-505 aus den USA bald darauf durch einen Neukauf des gleichen Modells ersetzt. Thalia hatte glücklicherweise noch ein einziges Gerät auf Lager (irgendwo in Österreich), das zu meiner Filiale bestellt wurde. Letztendlich habe ich damit die Kosten für den Akkuwechsel und für den Neukauf gehabt. Es wäre günstiger gewesen, wenn ich den eReader einfach zum Sony-Service geschickt hätte.

Langer Rede, kurzer Sinn: Wenn man sich zum Akkuwechsel entschließt und das Gerät entgegen der Herstellerabsicht öffnet, sollte man (besser als ich) darauf achtgeben, nichts kaputt zu machen ;).

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