Studie: Sind Blaulichtfilter nicht nützlich? Oder vielleicht doch …

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Blaulichtfilter und blaulichtreduzierte Beleuchtungen haben in der Elektronikwelt seit einigen Jahren einen wahren Siegeszug hingelegt. Untermauert mit diversen wissenschaftlichen Daten, wonach der Schlaf-Wach-Rhythmus durch blaues Licht beeinflusst werden könnte, haben viele Hardwarehersteller ihre Gerätschaften so angepasst, dass sie den Blaulichtanteil zur Nachtzeit reduzieren können.

Das gilt auch für eBook Reader, die hierzulande mit diversen Tolino, PocketBook und Kindle Modellen ebenfalls Funktionen bieten, um blaues Licht zu reduzieren. In unseren Tests wird zwar drauf hingewiesen, dass es bislang keine belegbaren Fakten dazu gibt, dass das eReader-Nachtlicht auch tatsächlich von (gesundheitlichem) Nutzen ist. Gleichzeitig findet aber auch meine persönliche, positive Erfahrung Erwähnung, die einer Blaulichtreduktion ein gutes Zeugnis ausstellt. Zu Unrecht?

Ist Blaues Licht beruhigend?

Vergangene Woche machte eine neue Studie zu dem Thema die Runde, wonach Blaulichtfilter doch nicht so nützlich sind, um den Einfluss auf den Schlaf-Wach-Rhythmus zu verhindern.

Hintergrund für die Untersuchung war dabei die Beobachtung, dass zum Sonnenuntergang ja eigentlich der Blaulichtanteil sichtlich ansteigt. Dementsprechend sollte man dadurch nicht wacher werden. Soweit, so logisch.

Für uns sind dabei zwei Erkenntnisse der Studie interessant: Erstens ist bei hoher Helligkeit jede Lichtfarbe stimulierend und zweitens ist blaues Licht bei geringer Helligkeit sogar beruhigender als eine warme Lichtfarbe.

Das gilt zumindest für Mäuse, denn die Studie wurde auf Basis einer Versuchsreihe an den Nagern verfasst.

Und hier liegt auch das größte Problem in der Interpretation der Daten. Mäuse werden zwar häufig als Versuchstiere verwendet, um vorweg Auswirkungen auf den menschlichen Körper vorherzusagen. Allerdings sind solche Ergebnisse keineswegs immer auf den Menschen umlegbar.

Ergebnisse auf den Menschen übertragbar?

Das könnte hier ein genau solcher Fall sein, denn Mäuse sind nachtaktive Tiere.

Das wirft die Frage auf, ob der Einfluss des Tag-Nacht-Zyklus inbesondere auf das Schlaf-Verhalten überhaupt sinnvoll vergleichbar ist. Mäuse sind in der Natur wildlebend üblicherweise nicht zu den gleichen Tageszeiten aktiv wie der Mensch.

Verwunderlich finde ich, dass dieser Umstand nirgendwo aufgegriffen wird. Diverse Medien gehen gleich so weit, die Blaulichtreduktion auf Basis dieser Studie für sinnlos zu erklären.

Andere Publikationen zum Schlafrhythmus, sowie zu sonstigen Blaulicht-Einflüssen, weisen dabei auch auf andere negative Effekte von blauen Licht hin. Damit ist nicht nur der Schlafrhythmus relevant für eine mögliche Blaulichtreduktion, sondern auch die Augengesundheit.

Dementsprechend wäre ich mit Schlussfolgerungen eher vorsichtig.

In anderen Worten: Es gibt weiterhin keine Klarheit und man ist gut beraten, wenn man sich bei der Blaulichtreduktion auf das eigene Wohlbefinden verlässt. Besonders einfach lässt sich dies mit Smartphones und entsprechend eingebauten Funktionen bzw. Apps testen.

Empfehlung: Helligkeit runterdrehen

Unabhängig davon, ob man nun einen eBook Reader mit Blaulichtreduktion braucht oder nicht, kann man aus dieser Studie (und anderen) zumindest eine Sache ableiten: Die Helligkeit hat entscheidenden Einfluss auf die den Schlaf-Wach-Rhythmus. Auf diesen Umstand habe ich auch schon in unserem anderen Artikel zu dem Thema hingewiesen.

Wenn du also mit deinem eReader abends oder in der Nacht liest, dann ist es sicherlich eine gute Idee die Helligkeit mit fortschreitender Stunde, langsam immer weiter zu reduzieren. Der Text muss gut ablesbar bleiben, die Lichtintensität soll dabei aber so niedrig wie möglich sein.

Da sich die Augen erst an eine niedrigere Bildschirmhelligkeit gewöhnen müssen, kann man hier ruhig ein wenig herumexperimentieren, welche Einstellung persönlich am passendsten ist. Einige eReader bieten dafür diverse Automatisierungsoptionen (z.B. von Kindle und PocketBook).