Montblanc Digital Paper

Edel verarbeitetes E-Ink-Notizbuch mit herausragendem Schreibgefühl, aber wenigen Funktionen

Unser Fazit Wer die Einschränkungen kennt und mit dem Preis leben kann, bekommt ein größtenteils luxuriöses Notizbuch mit Cloud-Servern in Deutschland, schneller Offline-Handschriftsuche und einem der besten Schreibgefühle auf dem Markt.
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Derzeit kein geprüftes Angebot. Der Preis zum Marktstart lag bei 890 €.
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Auf einen Blick

Das Montblanc Digital Paper ist das erste E-Ink-Tablet des Schreibgeräteherstellers und stellt die Handschrift konsequent in den Mittelpunkt. Metallgehäuse und Lederleiste wirken sehr edel, drei austauschbare Stiftspitzen sorgen für eines der besten Schreibgefühle auf E Ink, und die Handschriftsuche arbeitet schnell und komplett offline.

Gedacht ist es für Menschen, die ein schlichtes, edles Notizbuch suchen und die Marke schätzen. Verzichten muss man dafür auf Frontlicht, Ebenen, Tags und brauchbare PDF-Werkzeuge. Der Kunststoffstift ist enttäuschend leicht, und zum Marktstart kostete das Set 890 Euro, mit Folio sogar über 1.000 Euro.

Ideal für: PDFs und Fachliteratur · Apps aus anderen Stores · Große Bibliothek offline
Weniger geeignet für: Lesen im Bett und bei Nacht (keine Beleuchtung)

Vorteile

  • Hochwertiges Metallgehäuse mit Lederleiste, nur 4,9 mm dick
  • Hervorragendes Schreibgefühl mit drei austauschbaren Spitzen
  • Schnelle, zuverlässige Handschriftsuche komplett offline
  • Stifttasten für Schnellnotiz, Startbildschirm und Bildauffrischung
  • Stift lädt kabellos in der magnetischen Seitenleiste
  • Verschlüsselte Cloud mit Servern in Deutschland
  • Bis zu zehn Stunden Schreiben am Stück

Nachteile

  • Leichter Kunststoffstift, der zum Marktstart einzeln 270 Euro kostete
  • Wenige Notizfunktionen: keine Ebenen, Tags oder Verknüpfungen
  • Rudimentäre PDF- und EPUB-Funktionen ohne Zoom
  • Kein Frontlicht
  • Kleine Bedienelemente mit fester Schriftgröße
  • Sehr hoher Preis, das Folio kostete zum Marktstart 200 Euro extra

Schnellcheck: Wofür eignet sich das Gerät?

Eingeordnet nach Einsatzzweck, auf Basis der technischen Daten.

  • Handschriftliche NotizenNotizgerät Gut
  • PDFs und Fachliteratur10,3-Zoll-Display, nahe an A4 Ideal
  • Apps aus anderen StoresAndroid 13 (closed Montblanc system), Apps installierbar Ideal
  • Romane und SachbücherSehr scharf, aber 10,3 Zoll sind groß für eine Hand Gut
  • Lesen im Bett und bei NachtKeine Beleuchtung Eingeschränkt
  • Große Bibliothek offline64 GB Speicher Ideal

Montblanc Digital Paper im Überblick

Mit dem Digital Paper steigt Montblanc erstmals selbst in den Markt der E-Ink-Notizbücher ein, und zwar nicht mit Zubehör für fremde Geräte, sondern mit einem eigenen Tablet samt passendem Stift. Das 10,3-Zoll-Display in Schwarzweiß, die drei austauschbaren Stiftspitzen und die bewusst reduzierte Oberfläche dienen einem klaren Ziel: Schreiben soll sich möglichst wie mit dem Füller auf Papier anfühlen. Ebenen, Tags oder umfangreiche PDF-Werkzeuge sucht man hier vergeblich. Wer dagegen ein schlichtes, edel verarbeitetes Notizbuch möchte und die Marke schätzt, bekommt ein überraschend ausgereiftes erstes Gerät.

Metallgehäuse mit Lederleiste

Das Gehäuse besteht komplett aus Metall und wirkt stabiler als etwa beim Kindle Scribe oder bei der BOOX-Note-Air-Reihe. Mit 4,9 Millimetern gehört das Digital Paper zu den dünnsten E-Ink-Notizbüchern, mit rund 435 Gramm ohne Stift aber nicht zu den leichtesten. Die Kanten sind recht scharf geraten. Links neben dem Display sitzt eine Seitenleiste mit Ledereinlage, in der der Stift magnetisch hält und kabellos lädt. Das Leder entschärft die Kanten auf dieser Seite etwas, sodass das Tablet angenehmer in der Hand liegt. Für Linkshänder lässt sich das Gerät um 180 Grad drehen. Der USB-C-Anschluss liegt unten an der Seitenleiste, der Einschaltknopf oben.

Montblanc Digital Paper in beiden Händen mit dem schwarzen Digital Pen in der Lederleiste links neben dem Display
Der Digital Pen liegt in der Lederleiste neben dem Display und wird dort kabellos geladen.

Der graue Rahmen um das Display ist wie beim reMarkable 2 farblich an den E-Ink-Hintergrund angepasst. Vier Gummifüße auf der Rückseite sorgen dafür, dass das Tablet beim Schreiben nicht über den Tisch rutscht. Montblanc bietet drei Farben an: Schwarz (Mystery Black), Grau (Cool Grey) und Gold (Elixir), jeweils mit eigener Kombination aus Rahmen und Einlage. Die dunkle Rückseite der schwarzen Version zeigt Fingerabdrücke und Schlieren allerdings sehr deutlich. Das passende Folio schützt Tablet und Stift unterwegs, kostete zum Marktstart aber weitere 200 Euro.

Schwarze Rückseite des Montblanc Digital Paper mit vielen Fingerabdrücken, Montblanc-Schriftzug und vier Gummifüßen in den Ecken
Auf der schwarzen Rückseite bleiben Fingerabdrücke deutlich sichtbar, in den Ecken sitzen die vier Gummifüße.

Der mitgelieferte Digital Pen wiegt 17 Gramm und besteht aus Kunststoff. Für eine Marke, die Füllfederhalter für 1.000 Euro und mehr anbietet, wirkt er erstaunlich leicht und wenig wertig, zumal er zum Start einzeln 270 Euro kostete. Technisch arbeitet er nicht mit EMR, sondern als aktiver AES-Stift über die kapazitive Schicht des Touchscreens. Das verringert den Abstand zwischen Stiftspitze und Schrift und ermöglicht Tasten am Stift. Der Nachteil: Gängige EMR-Stifte funktionieren nicht, und der Digital Pen muss geladen werden. Das geschieht automatisch, sobald er in der Seitenleiste liegt, und nur dort. Seitlich am Gehäuse haftet er zwar ebenfalls, wegen seines Durchmessers und des dünnen Tablets aber weniger sicher.

Ein Schreibgefühl, das heraussticht

Das 10,3-Zoll-Display zeigt mit 300 ppi gestochen scharfe Schrift. Ein Frontlicht fehlt. Das hält den Abstand zwischen Stiftspitze und Schrift klein, schränkt die Nutzung bei schwachem Umgebungslicht aber ein. Mit einem L*-Wert von 67 ist der Hintergrund ähnlich hell wie bei vergleichbaren unbeleuchteten Notizbüchern, etwa dem Supernote Manta oder dem Viwoods AiPaper. Auch das Ghosting, also sichtbare Reste vorheriger Inhalte, fällt ähnlich aus. Eine schnelle Bildauffrischung löst man direkt mit der Stifttaste aus. Die leicht strukturierte, matte Oberfläche erinnert an den reMarkable 2 und streut einfallendes Licht.

Beim Schreiben spielt das Digital Paper seine größte Stärke aus. Mit rund 23 Millisekunden Stiftverzögerung gehört es zu den schnellsten E-Ink-Notizbüchern. Noch wichtiger sind die drei mitgelieferten Spitzen. Die vormontierte Standardspitze bietet eine ausgewogene Mischung aus Widerstand und Klang, die matte ist am leisesten und bremst am stärksten, die glatte gleitet am leichtesten und gibt die deutlichste Rückmeldung. Jede fühlt sich anders an, und mit ihnen kommt das Digital Paper dem analogen Schreiben näher als die meisten anderen Tablets. Druck setzt der Stift gut um, die Neigungserkennung ist dagegen kaum zu spüren. Wie bei kapazitiven Stiften üblich, wackeln diagonale Linien leicht. Beim Skizzieren fällt das eher auf als in normaler Handschrift. Genauigkeit und Handballenerkennung sind sehr gut, auch kleine Schrift gelingt sauber.

Handschrift in Großbuchstaben auf einer linierten Notizseite des Montblanc Digital Paper, geschrieben mit dem Digital Pen
Je nach Spitze ist das Schreiben auf der strukturierten Oberfläche leiser oder griffiger.

Die Stifttasten machen die Bedienung angenehm direkt. Ein Doppeldruck auf die obere Taste öffnet sofort eine Schnellnotiz, ein einfacher Druck führt zum Startbildschirm, ein langer frischt das Display auf. Diese Belegung lässt sich ebenso ändern wie die der seitlichen Wippe, allerdings nicht völlig frei: Welche Aktion auf welche Druckart gelegt werden kann, bestimmt Montblanc. Die Wippe reagiert außerdem nur, wenn der Stift dicht über dem Display schwebt. Bei manchen Aktionen bestätigt eine kurze Vibration im Stift die Eingabe, auf Wunsch lässt sie sich abschalten.

Einstellungsmenü „Digital Pen“ auf dem Montblanc Digital Paper mit den Funktionen der oberen Stifttaste, rechts der seitlich angedockte Stift
In den Stifteinstellungen liegen Startbildschirm, Schnellnotiz und Bildauffrischung auf der oberen Taste.

Schlichte Software mit starker Suche

Die Oberfläche ist aufgeräumt und beschränkt sich konsequent auf das Wesentliche, vom Ansatz her näher an reMarkable als an BOOX. Bedienelemente und Beschriftungen fallen allerdings recht klein und teils sehr dünn aus, und die Schriftgröße der Oberfläche lässt sich laut Montblanc nicht anpassen. Für Weitsichtige kann das anstrengend werden. Organisiert wird in Notizbüchern, Schnellnotizen und Ordnern, dazu kommen sechs Stifttypen vom Füller bis zum Textmarker und viele sorgfältig gestaltete Vorlagen. Ebenen, Tags, Inhaltsverzeichnisse oder Verknüpfungen zwischen Notizen gibt es nicht. Die Werkzeugleiste lässt sich ausblenden, aber nicht verschieben.

Einen echten Vorsprung hat das Digital Paper bei der Handschriftsuche. Den Suchbegriff schreibt man direkt ins Suchfeld oder tippt ihn ein, anschließend durchsucht das Tablet alle handschriftlichen Notizen. Die Erkennung läuft vollständig auf dem Gerät, funktioniert also auch offline, und findet frisch geschriebene Wörter schon Sekunden später. Treffer werden auf der Seite nicht markiert, trotzdem gehört diese Suche zu den schnellsten und zuverlässigsten auf E-Ink-Tablets, und sie kostet nichts extra. Seit Februar 2026 kann das Digital Paper laut Montblanc Handschrift auch in digitalen Text umwandeln. Im April kamen unterschiedliche Vorlagen pro Seite und das Kopieren zwischen Dokumenten hinzu, im Juni Links innerhalb von PDFs.

Suchseite des Montblanc Digital Paper mit dem Suchbegriff HOLODECK und zwei gefundenen handschriftlichen Notizbüchern
Schreibt man einen Begriff ins Suchfeld, zeigt das Tablet in Sekunden die passenden handschriftlichen Notizbücher.

Für den Datenaustausch gibt es die optionale Montblanc Cloud mit 1 GB kostenlosem Speicher, Begleit-Apps für iOS und Android sowie den Versand per E-Mail. Laut Montblanc werden die Inhalte schon auf dem Gerät verschlüsselt und auf Servern in Deutschland gespeichert. Im Alltag hat das Ganze aber Haken: Hochgeladene Dateien dürfen höchstens 100 MB groß sein. Notizbücher werden vor dem Versand erst umgewandelt, und bei mehr als 25 MB kann das scheitern. Dann bleibt der Export per USB-Kabel. Bei großen Notizbüchern dauert er über eine Minute, und eine Fortschrittsanzeige gibt es nicht. PDF- und EPUB-Dateien ohne DRM lassen sich öffnen und mit dem Stift beschriften. Eine Zoomfunktion fehlt jedoch, und ins Querformat wechselt man nur von Hand über das Menü.

Unter der eigenen Oberfläche arbeitet ein abgeschottetes Android 13, dazu kommen 4 GB RAM und 64 GB Speicher. Für Notizen reicht die Leistung, große Notizbücher brauchen aber einen Moment zum Laden. Der Akku mit 3.740 mAh hält beim durchgehenden Schreiben rund zehn Stunden durch, ein sehr guter Wert. Beim Lesen von EPUBs sind es etwa 22 Stunden, was für diese Geräteklasse eher wenig ist.

Das Set aus Tablet und Stift kam für 890 Euro auf den Markt, mit Folio waren es über 1.000 Euro. Dafür bekommt man ein hervorragend verarbeitetes Notizbuch mit einem der besten Schreibgefühle auf E Ink, einer schnellen Offline-Handschriftsuche und einer Cloud mit Servern in Deutschland. Funktionen, Lesemöglichkeiten und der leichte Kunststoffstift passen aber nicht zu diesem Preis. Wer an der Marke nicht hängt, findet bei anderen E-Ink-Tablets deutlich mehr Möglichkeiten für weniger Geld.

Montblanc Digital Paper im Video

Luxury Meets E-Ink: Montblanc Digital Paper

Testbericht

Chalid Von · Aktualisiert am

Montblanc verbinde ich mit edlen Füllfederhaltern und feinem Leder, nicht mit E-Ink-Tablets. Umso spannender finde ich, dass die Marke mit dem Digital Paper nicht nur Zubehör anbietet, sondern gleich ein eigenes Tablet samt Stift. Ist das ein wirklich hochwertiges Notizbuch oder nur Durchschnittstechnik mit Luxuslogo? Meine Antwort: Verarbeitung und Schreibgefühl gehören zum Besten, was ich auf E Ink kenne. Beim Stift und bei den Funktionen muss man aber Abstriche machen, und der Preis ist sehr hoch.

Nach meinem Test hat Montblanc per Update einiges ergänzt: Seit Februar 2026 lässt sich Handschrift in Text umwandeln, seit April 2026 lassen sich pro Seite unterschiedliche Vorlagen wählen und Inhalte zwischen Dokumenten kopieren. Seit Juni 2026 unterstützt das Digital Paper außerdem Links innerhalb von PDFs. Diese Neuerungen kenne ich nur aus Montblancs Versionshinweisen.

Luxus schon beim Auspacken

Schon die Verpackung gibt den Ton vor. Der schwere Karton mit seinen erhabenen Schriftzügen klappt wie ein Buch auf, und als Erstes fällt der Blick auf den Stift, der auf dem Tablet liegt. Das Gehäuse besteht komplett aus Metall und wirkt stabiler als ein Kindle Scribe oder die Tablets der BOOX-Note-Air-Reihe. Mit knapp fünf Millimetern ist das Digital Paper eines der dünnsten E-Ink-Notizbücher, mit rund 435 Gramm ohne Stift aber kein Leichtgewicht. Die Kanten könnten für meinen Geschmack etwas runder sein. An der Qualität gibt es trotzdem nichts auszusetzen.

Links neben dem Display sitzt eine Seitenleiste mit Ledereinlage, in der der Stift liegt und geladen wird. Das Prinzip kenne ich vom Lenovo Smart Paper, beim Montblanc ist es aber feiner umgesetzt, und das Leder nimmt den Kanten auf dieser Seite etwas von ihrer Schärfe. Linkshänder drehen das Tablet einfach um 180 Grad. Der graue Rahmen ist wie beim reMarkable 2 farblich an den E-Ink-Hintergrund angelehnt, und vier Gummifüße auf der Rückseite verhindern, dass das Tablet beim Schreiben über den Tisch rutscht. Ein kleines Detail, das ich bei Schreibtablets immer zu schätzen weiß.

Montblanc Digital Paper in beiden Händen mit dem schwarzen Digital Pen in der Lederleiste links neben dem Display
Der Digital Pen liegt in der Lederleiste neben dem Display und wird dort kabellos geladen.

Von den drei Farben habe ich Schwarz gewählt, weil mir diese Variante am besten gefällt. Die Rückseite zieht Fingerabdrücke und Schlieren allerdings regelrecht an. Abhilfe schafft das optionale Folio, das auch den Stift abdeckt. Ich habe darauf verzichtet, weil ich nach dem ohnehin hohen Preis nicht noch einmal 200 Euro ausgeben wollte. Bei einer Luxusmarke gehört dieser Aufpreis eben dazu.

Schwarze Rückseite des Montblanc Digital Paper mit vielen Fingerabdrücken, Montblanc-Schriftzug und vier Gummifüßen in den Ecken
Auf der schwarzen Rückseite bleiben Fingerabdrücke deutlich sichtbar, in den Ecken sitzen die vier Gummifüße.

Ein Stift, der nicht zur Marke passt

Ausgerechnet der Stift ist für mich die größte Enttäuschung. Von einem Hersteller, der Füllfederhalter für 1.000 Euro verkauft, hätte ich mehr erwartet als 17 Gramm Kunststoff. Der Digital Pen fühlt sich zu leicht und viel zu plastikhaft an, kostete zum Marktstart einzeln aber stolze 270 Euro. Einen Montblanc-Füller besitze ich nicht, dafür aber so ziemlich jeden EMR-Stift, den es gibt. Der 30 Gramm schwere Heart of Metal von Supernote etwa liegt mir deutlich besser in der Hand und kostet viel weniger. Das ist allerdings auch Geschmackssache.

Den Kunststoff hat Montblanc vermutlich auch gewählt, weil der Stift kabellos geladen wird. Er arbeitet nämlich nicht mit EMR, sondern mit AES, also aktiv über die kapazitive Schicht des Touchscreens. Dadurch rückt die Schrift näher an die Stiftspitze, und der Stift kann mehr: Montblanc hat eine Wippe an der Seite und eine Taste am oberen Ende eingebaut. Die vielen EMR-Stifte auf dem Markt bleiben dafür außen vor. Wer ein Montblanc Digital Paper kauft, tut das aber wohl eher wegen der Marke als wegen seiner vorhandenen Stifte.

Geladen wird ohne Nachdenken: Stift in die Lederleiste legen, fertig. Nur dort lädt er, und dort hält er magnetisch so sicher, dass ich das Tablet auch ohne Folio so herumtragen würde. An der Gehäuseseite haftet der Stift ebenfalls, weil er aber recht dick und das Tablet so dünn ist, sitzt er dort weniger sicher. Der 40-mAh-Akku im Stift soll rund 45 Stunden durchhalten, darüber muss man sich also praktisch keine Gedanken machen.

Display ohne Licht, Daten in Deutschland

Schon der Bildschirm zur Sprachauswahl zeigt, wie viel Feinschliff in der Oberfläche steckt. Sie sieht anders aus als alles, was ich von anderen Herstellern kenne. Der Einrichtungsassistent fror einmal ein, danach lief alles rund. Ein Konto für die Montblanc Cloud ist optional. Laut Montblanc werden die Daten verschlüsselt, und die Server stehen in Deutschland. Beim Datenschutz sind das für mich echte Pluspunkte.

Mit technischen Daten geizt Montblanc. Das beiliegende Heft nennt immerhin 4 GB RAM, ein abgeschottetes Android 13 und ein 10,3-Zoll-Display mit 300 ppi. Rekorde stellt das Tablet nicht auf. Große Notizbücher brauchen eine Weile zum Laden, und als ich einmal losschrieb, bevor alles geladen war, stürzte sogar die Notiz-App ab. Für seine Aufgaben reagiert das Digital Paper schnell genug, den Marktführern hinkt es aber hinterher. Von den 64 GB Speicher belegt das System rund 17 GB. Dateien lassen sich über einen Import-Ordner per USB übertragen; für Cloud-Uploads gilt laut Montblanc eine Grenze von 100 MB je Datei. Gefertigt wird das Tablet übrigens in Vietnam.

Das Display ist mit 300 ppi so scharf, wie ich es von hochwertigen Notizbüchern kenne. Ein Frontlicht gibt es nicht, wie auch bei Supernote, Viwoods oder manchen BOOX-Modellen. Ich verstehe das Ziel, den Abstand zwischen Stiftspitze und Schrift möglichst klein zu halten. Bei schwachem Licht hätte ich mir trotzdem eine Beleuchtung gewünscht. Mit meinem Spektralfotometer habe ich beim Hintergrund einen L*-Wert von 67 gemessen, auf einer Linie mit Supernote Manta (66), Viwoods AiPaper (69) und BOOX Go 10.3 (65). Auch das Schwarz liegt im üblichen Bereich. Das Ghosting fällt etwa so aus wie bei Manta und AiPaper: nicht großartig, aber deutlich besser als beim BOOX Note Max. Praktisch ist die schnelle Bildauffrischung per Stifttaste. Die Oberfläche erinnert optisch und haptisch stark an den reMarkable 2, fühlt sich leicht weich an und streut einfallendes Licht.

Schlichte Software, clevere Stifttasten

Die minimalistische Gestaltung zieht sich durch das ganze System. Ein wenig erinnert sie mich an reMarkable, ohne wie eine Kopie zu wirken. Mit der Funktionsfülle von BOOX will Montblanc gar nicht erst konkurrieren. Mir gefällt der klare Look, die Bedienelemente sind allerdings recht klein und teils sehr dünn. Weitsichtige dürften manches nur mühsam lesen können.

Zu den Höhepunkten gehört die Einbindung des Stifts. Ein Doppeldruck auf die obere Taste startet sofort eine Schnellnotiz, und in dieser Form habe ich das auf E Ink noch nicht gesehen. Ein einfacher Druck führt zum Startbildschirm, ein langer frischt das Display auf. Die Belegung lässt sich ebenso ändern wie die der Wippe, allerdings bestimmt Montblanc, welche Aktion auf welche Druckart gelegt werden kann. Einen guten Grund dafür sehe ich nicht. Für die Wippe muss der Stift zudem sehr nah am Display sein; hebe ich ihn einen halben Zentimeter zu weit an, passiert nichts. Trotzdem ist das ein echter Gewinn für die Bedienung, und es würde mich nicht wundern, wenn andere Hersteller nachziehen. Bei manchen Aktionen vibriert der Stift kurz zur Bestätigung.

Einstellungsmenü „Digital Pen“ auf dem Montblanc Digital Paper mit den Funktionen der oberen Stifttaste, rechts der seitlich angedockte Stift
In den Stifteinstellungen liegen Startbildschirm, Schnellnotiz und Bildauffrischung auf der oberen Taste.

Im Notizbuch stehen Füller, Kalligrafiestift, Bleistift, Kugelschreiber, Fineliner und Textmarker bereit. Druck wird gut umgesetzt, die Neigungserkennung ist mir dagegen zu dezent. Die Werkzeugleiste lässt sich ausblenden, aber nicht verschieben, und die Vorlagen sind durchweg hochwertig gestaltet. Ebenen, Tags, Inhaltsverzeichnisse oder Verknüpfungen zwischen Notizen gibt es nicht. Beim Teilen muss Montblanc noch nachbessern: Notizbücher werden vor dem Versand erst umgewandelt, und bei mehr als 25 MB kann das scheitern. Dann bleibt der Export per USB. Mein Notizbuch mit 100 Seiten war rund 37 MB groß, und der Export dauerte gut 70 Sekunden, ohne jede Fortschrittsanzeige.

Ein großes Plus ist dafür die Handschriftsuche. Den Begriff schreibe ich direkt ins Suchfeld; das klappt übrigens bei allen Eingabefeldern, die ich ausprobiert habe. Anders als bei reMarkable kostet das nichts extra. Treffer werden auf der Seite nicht hervorgehoben, dafür ist es die zuverlässigste und schnellste Umsetzung, die ich bisher auf einem E-Ink-Tablet gesehen habe. Die Erkennung läuft komplett offline auf dem Gerät, und ein eben geschriebenes Wort taucht schon Sekunden später in den Ergebnissen auf. Das gleicht viele der fehlenden Funktionen aus.

Suchseite des Montblanc Digital Paper mit dem Suchbegriff HOLODECK und zwei gefundenen handschriftlichen Notizbüchern
Schreibt man einen Begriff ins Suchfeld, zeigt das Tablet in Sekunden die passenden handschriftlichen Notizbücher.

Das Schreibgefühl ist die große Stärke

Am meisten begeistert mich das Digital Paper beim Schreiben. Mit rund 23 Millisekunden Stiftverzögerung gehört es zu den schnellsten E-Ink-Notizbüchern, noch eindrucksvoller ist aber das Schreibgefühl selbst. Die vormontierte Standardspitze findet eine gute Balance zwischen Widerstand und Klang. Mein Favorit ist allerdings die matte Spitze mit dem orangefarbenen Punkt: Sie ist die leiseste und bietet den meisten Widerstand, auch wenn sie sich etwas indirekt anfühlt. Die glatte mit dem blauen Punkt gleitet am leichtesten und gibt am meisten Rückmeldung. Warum Montblanc sie im deutschen Shop „weich“ nennt, verstehe ich nicht. Jede Spitze fühlt sich anders an, und mit allen dreien kommt das Digital Paper dem analogen Schreiben näher als die meisten anderen Tablets.

Handschrift in Großbuchstaben auf einer linierten Notizseite des Montblanc Digital Paper, geschrieben mit dem Digital Pen
Je nach Spitze ist das Schreiben auf der strukturierten Oberfläche leiser oder griffiger.

Der einzige kleine Haken hängt mit dem kapazitiven Stift zusammen: Wie beim reMarkable Paper Pro oder beim BOOX Tab X C wackeln diagonale Linien leicht. In normaler Handschrift fällt das kaum auf, beim Skizzieren eher. Genauigkeit und Handballenerkennung sind dagegen sehr gut. PDF- und EPUB-Dateien ohne DRM lassen sich öffnen und beschriften, die Lesefunktionen bleiben aber rudimentär. Ins Querformat geht es nur über das Menü, und ohne jeden Zoom ist das bei PDFs ziemlich sinnlos. Beim Akku sieht es besser aus: Mein Schreibroboter schrieb bis zu zehn Stunden am Stück, ein sehr guter Wert. Beim Lesen von EPUBs habe ich rund 22 Stunden gemessen, was in dieser Klasse eher am unteren Ende liegt.

Fazit

Zum Marktstart kosteten Tablet und Stift zusammen 890 Euro, mit dem passenden Folio lag man klar über 1.000 Euro. Für so viel Geld erwartet man normalerweise mehr Möglichkeiten. Anders als reMarkable, Supernote oder BOOX setzt Montblanc aber nicht auf Produktivität, sondern auf minimalistisches Schreiben nach dem Vorbild von Stift und Papier, und das mit dem Anspruch einer Luxusmarke. Unterm Strich ist das Montblanc Digital Paper ein wunderschön gebautes und überraschend ausgereiftes Erstlingswerk, was für eine Marke mit ganz anderem Schwerpunkt umso beachtlicher ist. Wirklich enttäuscht hat mich nur der Stift, dessen Kunststoffhaptik und geringes Gewicht nicht zum Ruf der Marke passen.

Wer die Einschränkungen kennt und mit dem Preis leben kann, bekommt ein größtenteils luxuriöses Notizbuch mit Cloud-Servern in Deutschland, schneller Offline-Handschriftsuche und einem der besten Schreibgefühle auf dem Markt. Wer an der Marke Montblanc dagegen nicht hängt, ist mit einem der vielen anderen E-Ink-Tablets wahrscheinlich besser bedient. Das Schreiben fühlt sich dort vielleicht nicht ganz so fein an, dafür bekommt man deutlich mehr Funktionen für viel weniger Geld.

Unser Fazit

Wer die Einschränkungen kennt und mit dem Preis leben kann, bekommt ein größtenteils luxuriöses Notizbuch mit Cloud-Servern in Deutschland, schneller Offline-Handschriftsuche und einem der besten Schreibgefühle auf dem Markt.

Datenblatt: Montblanc Digital Paper

  • Display 10,3″ E Ink Touchscreen
  • Auflösung 300 ppi
  • Gewicht 436 g 222 × 191 × 4,9 mm
  • Speicher 64 GB kein Speicherkartenslot
  • Licht Keine
  • Bedienung Touch keine Blättertasten
  • Audio Bluetooth Kopfhörer oder Lautsprecher
  • Akku 3.740 mAh

Allgemein

Hersteller
Montblanc
Gerätetyp
E-Note
Marktstart
2025
Preis zum Marktstart
890 €
Farben
Schwarz, Grau, Gold

Display

Technologie
E Ink
Größe
10,3 Zoll
Pixeldichte
300 ppi
Farbdisplay
Nein
Touchscreen
Ja, kapazitiv
Beleuchtung
Nein

Messwerte

L* Weiß
67

Gehäuse & Bedienung

Maße
222 × 191 × 4,9 mm
Gewicht
436 g
Blättertasten
Nein
Lagesensor
Ja

Verbindungen

USB
USB-C
Bluetooth
Ja
WLAN
Ja, 2,4 und 5 GHz
Mobilfunk
Nein
GPS
Nein

Hardware

Arbeitsspeicher
4 GB
Speicher
64 GB
Speicherkarte
Nein
Akku
3.740 mAh
Betriebssystem
Android 13 (closed Montblanc system)

Software

eBook-Shop
Nein

Unterstützte Dateiformate

  • PDF
  • EPUB without DRM (import)
  • PDF (notebook export)
  • EPUB (ebook sharing)

Alle Angaben ohne Gewähr. Werte ohne gesicherte Angabe werden nicht angezeigt.

Alternativen zum Montblanc Digital Paper

Geräte derselben Klasse mit dem entscheidenden Unterschied, aus unserer Gerätedatenbank.

Im Vergleich

Montblanc Digital Paper im Vergleich mit ähnlichen Geräten
Merkmal Montblanc Digital Paper Montblanc Digital Paper BOOX Go 10.3 (Gen II)BOOX Go 10.3 (Gen II) BOOX Go 10.3 (Gen II) LumiBOOX Go 10.3 (Gen II) Lumi Kindle Scribe (2024 release)Kindle Scribe (2024 release)
UVP zum Marktstart890 €420 €450 €420 €
Display10,3″10,3″10,3″10,2″ Carta
Pixeldichte300 ppi300 ppi300 ppi300 ppi
Gewicht436 g350 g364 g433 g
Wasserschutz???–
Blättertasten––––
Warmlicht––JaJa
Speicher64 GB64 GB64 GB16 GB
BluetoothJaJaJaJa
Marktstart2025202620262024
Geräteseite Zum Test Zum Test Zum Test

Werte aus der ALLESebook-Gerätedatenbank. „?“ bedeutet: nicht gesichert. UVP = Preis zum Marktstart.