Minimal Phone

E-Ink-Smartphone mit echter Tastatur und deutlichen Alltagskompromissen

Derzeit kein geprüftes Angebot.

Auf einen Blick

Das ursprüngliche Minimal Phone verbindet eine beleuchtete QWERTY-Tastatur mit offenem Android und einem kleinen E-Ink-Display. Das Schreiben von Nachrichten und das Lesen unterwegs bekommen damit einen eigenen, angenehm bewussten Rhythmus. Die schlechte Kamera, der hohe Verbrauch bei eingeschaltetem Bildschirm und die im Test unfertige E-Ink-Bedienung begrenzen jedoch seinen Nutzen als Haupttelefon.

Ideal für: Lesen im Bett und bei Nacht · Badewanne, Strand und Pool · Einhändig umblättern
Weniger geeignet für: PDFs und Fachliteratur (nur 4,3 Zoll, PDFs brauchen Zoom)

Vorteile

  • Beleuchtete QWERTY-Tastatur mit gut spürbarem Druckpunkt
  • Heller E-Ink-Hintergrund mit warmem und kühlem Frontlicht
  • Offenes Android mit Google Play und frei wählbaren Apps
  • Android Auto und GPS funktionierten im Test zuverlässig
  • Kabelloses Laden und Speichererweiterung per microSD

Nachteile

  • Hoher Akkuverbrauch bei dauerhaft eingeschaltetem Bildschirm
  • Sehr schwache Hauptkamera
  • Wenige E-Ink-Anpassungen und umständliche Anzeigeeinstellungen
  • Scharfe Gehäusekanten und unbeleuchtete Navigationstasten
  • App-Darstellung wird durch langsames Display und ungewöhnliches Seitenverhältnis begrenzt

Schnellcheck: Wofür eignet sich das Gerät?

Eingeordnet nach Einsatzzweck, auf Basis der technischen Daten.

  • Romane und Sachbücher230 ppi, für die meisten scharf genug Gut
  • Lesen im Bett und bei NachtFrontlicht mit regelbarem Warmlicht Ideal
  • Badewanne, Strand und PoolWassergeschützt-Wasserschutz Ideal
  • Einhändig umblätternPhysische Blättertasten Ideal
  • Hörbücher und VorlesenEingebauter Lautsprecher plus Bluetooth Ideal
  • PDFs und FachliteraturNur 4,3 Zoll, PDFs brauchen Zoom Eingeschränkt

Minimal Phone im Überblick

Das Minimal Phone MP01 setzt auf eine ungewöhnliche Kombination: ein vollständiges Android-Smartphone mit E-Ink-Display und richtiger Tastatur. Es richtet sich an Menschen, die Nachrichten lieber auf Tasten schreiben und Inhalte ohne die ständige Bewegung eines gewöhnlichen Handybildschirms lesen möchten. Google Play lässt dabei die Wahl zwischen vielen vertrauten Apps. Das macht das Konzept alltagstauglicher als ein stark abgespecktes Telefon, beseitigt aber weder automatisch Ablenkungen noch die Grenzen des langsamen Displays. Nach einem Monat im Test blieb deshalb der Eindruck eines interessanten Geräts mit erheblichen Kompromissen.

Eine gute Tastatur unter einem kleinen Lesebildschirm

Das 4,3-Zoll-Display stellt Schwarzweißinhalte mit 800×600 Pixeln und ungefähr 230 ppi dar. Es erreicht nicht die Feinheit eines 300-ppi-eReaders, wirkt beim Lesen aber ausreichend scharf und hat einen erfreulich hellen Hintergrund. Die Beleuchtung bietet warme und kühle LEDs. Im Test ließ sie sich sehr dunkel einstellen und leuchtete die Fläche weitgehend gleichmäßig aus; ein leichter Lichthof blieb am unteren Rand sichtbar. Die Bedienung verschenkte allerdings einen Teil dieser Qualität: Die Automatik regelte in völliger Dunkelheit zu hell, und das vollständige Ausschalten des Frontlichts gelang nicht immer auf Anhieb.

Minimal Phone mit kleinem E-Paper-Display und QWERTY-Tastatur in der Hand
Das kleine E-Paper-Panel und die kompakte Tastatur prägen den ungewöhnlichen Smartphone-Ansatz sofort.

Die 35 beleuchteten Tasten lassen mehr Bildschirmfläche für den Inhalt frei. Nach der Eingewöhnung macht das Tippen dank des deutlich spürbaren Druckpunkts Spaß. Ein Update während des Tests behob das Problem, dass Tastendrücke verschluckt wurden. Die Leertaste vermittelte bei kräftigerem Druck weiterhin ein leichtes Doppelklick-Gefühl, ohne dass daraus ein allgemeines Eingabeproblem wurde. Die Beschriftung bleibt QWERTY; per Software lassen sich Belegung und Eingabesprache anpassen, etwa auf QWERTZ. Deutsche Tastenbeschriftungen gibt es dadurch natürlich nicht.

Minimal Phone beim Tippen mit geöffneter Suche auf dem E-Paper-Display
Die echte QWERTY-Tastatur macht kurze Antworten und Suchanfragen deutlich direkter.

Unter dem Display sitzen drei kapazitive Navigationstasten, die selbst nicht beleuchtet sind. Im Dunkeln muss man sich an ihre Position erst gewöhnen. Das relativ breite Gehäuse ist solide verarbeitet, seine scharfen Kanten liegen aber weniger bequem in der Hand als abgerundete Smartphone-Ränder. Der seitliche Einschalter mit Fingerabdrucksensor ist gut erreichbar. USB-C, Kopfhöreranschluss und Lautsprecher ergänzen die Ausstattung. Die Schutzklasse IP54 gilt für Staub und Spritzwasser; untertauchen sollte man das Telefon nicht.

Offenes Android trifft auf wenig angepasste E-Ink-Software

Der Helio G99 hat für Nachrichten und einfache Apps genügend Leistung. Das langsame Display prägt das Tempo deutlich stärker als der Prozessor. Android 14 und Google Play machten im Test die Installation von Kindle, WhatsApp oder Signal unkompliziert. Kindle eignet sich besonders gut für kurze Lesesitzungen: Mit den Lautstärketasten lässt sich umblättern, und bei reinem Text störten nur wenige Reste vorheriger Seiten. Auch die getesteten Banking-Apps starteten; ob jede Funktion und jede Bank mitspielt, ist damit aber nicht gesagt.

Minimal Phone mit geöffneter Lese-App auf dem E-Paper-Display
Trotz E-Paper-Display bleibt das Gerät offen genug für Lese- und Alltags-Apps.

Bei animierten Oberflächen und kontrastarmen Menüs werden die Grenzen schneller sichtbar. Drei Aktualisierungsstufen erlaubten im Test den Wechsel zwischen saubererer Darstellung und höherem Tempo. Eine automatische Speicherung dieser Wahl pro App fehlte, ebenso zusätzliche Kontrastregler. Beim Wechsel von einem Buch zu Karten oder anderen dynamischen Anwendungen waren deshalb immer wieder manuelle Eingriffe nötig. Das ungewöhnliche Seitenverhältnis führte bei manchen Apps außerdem zu abgeschnittenen Inhalten. Die offene App-Auswahl ist eine Stärke, aber kein Versprechen gleichmäßig guter Darstellung.

Android Auto und GPS funktionierten im Test erfreulich zuverlässig. Nach kurzem Aussteigen dauerte das erneute Verbinden gelegentlich länger; Verbindungsabbrüche während der Nutzung fielen dagegen nicht auf. NFC, Bluetooth und WLAN vervollständigen die Smartphone-Funktionen. Kontaktloses Bezahlen wird unterstützt, funktioniert aber nicht zwangsläufig mit jeder Bank und jedem Dienst. Eine microSD-Karte erweitert den Speicher, belegt dabei aber den Platz der zweiten SIM. Eine eSIM unterstützt das MP01 nicht.

Schwache Kamera und kurze Laufzeit bei aktivem Bildschirm

Die 16-Megapixel-Hauptkamera gehört zu den größten Schwächen. Für Erinnerungsfotos oder zuverlässig gute Dokumentationsbilder überzeugt sie nicht. Ihr praktischer Nutzen liegt eher bei QR-Codes oder der Bilderkennung einer Übersetzungs-App. Die vorhandene Kamera erspart deshalb nicht automatisch ein zweites Gerät für Fotos. Die einzelne rückseitige Linse und die flache Kunststoffrückseite passen zwar zur schlichten Form, Fingerabdrücke und Schlieren fallen dort aber schnell auf.

Rückseite des Minimal Phone mit einzelner Kamera und flachen Kanten
Die flache Rückseite mit einzelner Kamera unterstreicht den eigenständigen, noch etwas rohen Hardware-Ansatz.

Beim 3.000-mAh-Akku muss man Standby und ein dauerhaft waches Telefon klar unterscheiden. Bei wenigen Nachrichten, kurzen Anrufen und gelegentlichem Nachschlagen hielt das Telefon im Test mehrere Tage durch. Mit eingeschaltetem Bildschirm stieg der Verbrauch stark: Selbst unbenutzt auf dem Tisch war der Akku nach ungefähr fünf Stunden leer, beim Lesen in der Kindle-App gingen rund zwanzig Prozent pro Stunde verloren. Die Ursache blieb ungeklärt. Kabelloses Nachladen funktionierte gut und erleichtert den Alltag, behebt den hohen Verbrauch im aktiven Betrieb aber nicht.

Ein wichtiges Update beseitigte während des Tests die anfangs minutenlang blinkende Anzeige und verbesserte die Tastatureingabe deutlich. Diese Fortschritte zählen, machen aus dem MP01 aber kein durchgehend ausgereiftes Haupttelefon. Hinzu kommt inzwischen eine veränderte Marktsituation: Minimal hat das Ende von Produktion und Verkauf des ursprünglichen Modells angekündigt und zugesagt, Unterstützung und Software-Updates fortzuführen. Wie lange diese Unterstützung genau läuft, ist offen. Für vorhandene Geräte bleibt die Kombination aus echter Tastatur und E-Ink reizvoll. Wer vor allem einen ausdauernden Taschenreader, eine gute Kamera oder möglichst reibungslose Smartphone-Bedienung erwartet, muss die genannten Schwächen besonders ernst nehmen.

Minimal Phone im Video

Minimal Phone: The Best Imperfect E-Ink Phone Yet? REVIEW

Testbericht

Chalid Von · Aktualisiert am

Nach einem Monat mit dem Minimal Phone bleibt ein zwiespältiger, insgesamt aber interessanter Eindruck. Die physische Tastatur passt gut zu einem langsamen E-Ink-Display, Android mit Google Play lässt viele Freiheiten, und kabelloses Laden erleichtert den Alltag. Gleichzeitig verlangte das Telefon mehr Geduld, als man einem fertigen Produkt gerne zugesteht. Ein gravierender Fehler mit ständigem Bildschirmflackern wurde im Test durch ein Update behoben. Andere Probleme blieben: hoher Verbrauch bei aktivem Bildschirm, eine ausgesprochen schlechte Kamera und zu wenige Anpassungen für E Ink. Das MP01 ist damit ein reizvolles Telefon für Menschen, die genau seine Eigenheiten suchen. Eine pauschale Empfehlung ist es nicht.

Tastaturtelefon mit scharfen Kanten

Das 4,3-Zoll-Display sitzt über einer beleuchteten QWERTY-Tastatur mit 35 Tasten. Das weckt sofort Erinnerungen an BlackBerry und lässt die kleine Anzeigefläche für Inhalte frei. Direkt unter dem Display liegen außerdem kapazitive Tasten für Zurück, Home und die Übersicht geöffneter Apps. Sie benötigen keine zusätzliche Android-Navigationsleiste auf dem Bildschirm, leuchten selbst aber nicht. Die mittlere Home-Taste findet man schnell, die beiden anderen erfordern im Dunkeln etwas Gewöhnung. In der linken unteren Ecke ist zusätzlich die kleine Fünf-Megapixel-Frontkamera untergebracht. Das ganze Layout ist erkennbar auf Bedienung außerhalb des eigentlichen Displays ausgerichtet.

Die Verarbeitung wirkt für ein erstes Crowdfunding-Modell erfreulich solide. Besonders angenehm liegt das Telefon anfangs trotzdem nicht in der Hand: Es ist relativ breit und hat ausgesprochen scharfe Kanten. Daran gewöhnt man sich, spürt das Gerät aber bewusster als ein rundes Smartphone. Links sitzt die E-Ink-Taste ungünstig zwischen den Lautstärketasten. Wer blind drücken möchte, muss genauer unterscheiden. Die Einschalttaste rechts mit Fingerabdrucksensor liegt dagegen genau dort, wo der Daumen bequem hinfindet. Unten befinden sich Kopfhöreranschluss, USB-C und Lautsprecher. Die Kunststoffrückseite sammelt Fingerabdrücke und Schlieren sofort. Das angebotene Cover fehlte bei meinem Testgerät trotz des gebuchten Crowdfunding-Pakets, deshalb kann ich dazu nichts sagen.

Schwarze Rückseite des Minimal Phone mit Kamera, LED und mehreren deutlichen Fingerabdrücken.
Auf der glatten Rückseite bleiben Fingerabdrücke deutlich sichtbar.

Telefonate über die Hörmuschel waren ordentlich, auf der Gegenseite klang die Stimme etwas dumpf. Beim Empfang gab es keine auffälligen Probleme. Die breite LTE-Bandauswahl wird durch GPS, Kompass, NFC, Bluetooth und WLAN ergänzt. Ein Helio G99 mit sechs oder acht GB RAM liefert genügend Rechenleistung; der Bildschirm begrenzt die gefühlte Geschwindigkeit wesentlich stärker als der Prozessor. Je nach Variante stehen 128 oder 256 GB Speicher bereit. Der zusätzliche Kartenplatz nimmt entweder eine microSD-Karte oder eine zweite SIM auf. Man muss sich also zwischen Speichererweiterung und zwei SIM-Karten entscheiden. Als Grundlage ist die Ausstattung komplett genug, um mehr als ein reines Einfachtelefon zu sein.

Die Tastatur brauchte zunächst sowohl Eingewöhnung als auch ein Softwareupdate. Anfangs wurden Tastendrücke regelmäßig verschluckt. Nach der Aktualisierung trat das bei meinem Schreibtempo nicht mehr auf. Wer lange Wischgesten auf Bildschirmtastaturen benutzt hat, muss trotzdem umlernen: Ich wartete anfangs gelegentlich auf eine eingeblendete Tastatur, obwohl die echten Tasten längst da waren. Das eigentliche Tippen fühlt sich mit seinem deutlichen Klick gut an. Nur die Leertaste vermittelt bei stärkerem Druck einen eigenartigen Doppelklick. Die übrigen Tasten kippen beim Drücken etwas mehr, als mir lieb ist, ohne dass ihre Funktion dadurch beeinträchtigt würde. Die Helligkeit der Tastaturbeleuchtung lässt sich in den Schnelleinstellungen regeln. Als Schreibwerkzeug ist die Tastatur nach dem Update brauchbar und eigenständig, aber nicht völlig frei von mechanischen Eigenheiten.

Minimal Phone in beiden Händen beim Tippen; über der QWERTY-Tastatur steht eine kurze Notiz.
Beim Schreiben bleibt die Textfläche oberhalb der physischen Tastatur frei.

Heller Hintergrund, zu wenig Kontrolle

Mit 800×600 Pixeln und ungefähr 230 ppi ist das Display ordentlich scharf, erreicht aber nicht die Feinheit üblicher 300-ppi-Lesegeräte. Dafür gefällt der helle Untergrund: Gemessen wurden L*=66 bis 67, etwa auf dem Niveau des Kindle Voyage. Welches genaue E-Ink-Panel verbaut ist, bleibt offen. Die Glasfront ist kratzfest, sollte aber nicht wie besonders widerstandsfähiges Smartphoneglas behandelt werden. Bei der Beleuchtung stehen warmes und kühles Licht bereit. Gemischt wurden enorme 280 Nits erreicht, mit den kühlen LEDs allein rund 75 Nits. Der sehr niedrige Minimalwert von 0,8 Nits ist im Dunkeln wesentlich interessanter. Insgesamt wirkt das Licht angenehm gleichmäßig, mit einem leichten Hof am unteren Rand. Eine schwache warme Einstellung zu treffen ist allerdings etwas fummelig.

Kindle Voyage links und Minimal Phone rechts mit englischen Buchseiten auf hellen E-Ink-Displays.
Das Minimal Phone rechts zeigt einen ähnlich hellen Seitenhintergrund wie der Kindle Voyage links.

Die Steuerung verschenkt einen Teil dieser guten Lichtqualität. Die Automatik setzte in völliger Dunkelheit volle Helligkeit, also das Gegenteil einer angenehmen Anpassung. Auch vollständiges Abschalten gelang nicht zuverlässig: Obwohl der Regler ganz links stand, schaltete sich das Licht nach Verlassen der Einstellungen häufig wieder ein. Erst nach mehreren Versuchen blieb es aus. Das sind Kleinigkeiten, die im Alltag unnötig nerven. Ähnlich unfertig wirkt die Einrichtung des Fingerabdrucks, deren Animation fehlte. Legt man den Finger trotzdem wiederholt auf, lässt sich die Einrichtung abschließen und der Sensor anschließend zum Entsperren benutzen.

Nach dem ersten Firmwareupdate wurde die Software deutlich angenehmer. Der neue Minimal Launcher ist übersichtlich; für eine klassische Startseite mit mehr Widgets gefällt mir Nova Launcher besser. Das ist eine Frage der bevorzugten Anordnung. Grundsätzlicher ist, dass hier weitgehend normales Android 14 läuft. Zum Testzeitpunkt war der Sicherheitspatch vom Januar 2025 installiert. Die wenigen E-Ink-Anpassungen reichen nicht an BOOX oder Bigme heran, weshalb Navigation gelegentlich zäh wirkt und manche Oberfläche unnötig mühsam bleibt. Schriftstärke, Textgröße und Skalierung lassen sich in den Android-Einstellungen ändern. Auf dem kleinen Display führt eine größere Darstellung allerdings schnell zu weniger Platz für den übrigen Inhalt.

Google Play macht die Installation von WhatsApp, Signal oder Kindle unkompliziert. Gerade Kindle passt gut zum Telefon: Mit den Lautstärketasten kann man umblättern. Bei reinen Textseiten blieb das Ghosting gering und störte mich nicht. Für kurze Leseeinheiten unterwegs ist das angenehm. Andere Apps mit vielen Animationen oder ungünstigen Kontrasten funktionieren weniger gut. Die getesteten Banking-Apps starteten problemlos; ob darin auch jede einzelne Funktion klappt, ist damit aber nicht gesagt. Hinzu kommt das ungewöhnliche Seitenverhältnis: In manchen Anwendungen werden Inhalte abgeschnitten. Eine große App-Auswahl heißt deshalb nicht, dass jede App gut aussieht.

Minimal Phone in einer Hand mit geöffneter englischer Buchseite und vollständig sichtbarer Tastatur.
Eine reine Buchseite lässt auf dem kleinen Display kurze, gut lesbare Zeilen entstehen.

Ein langer Druck auf die E-Ink-Taste öffnet die Anzeigeoptionen. Drei Auffrischungsstufen sind vorhanden, sinnvoll nutzbar fand ich vor allem die langsamste und die schnellste. Der schnelle Modus erleichtert Listen und bewegte Oberflächen, verschlechtert dafür die Darstellung. Das eigentliche Ärgernis ist die fehlende Speicherung pro App. Zwischen Lesen und dynamischeren Anwendungen muss man deshalb immer wieder selbst umschalten. Zusätzliche Kontrastregler fehlen ebenfalls. Videos sind qualitativ so eingeschränkt, dass die Wiedergabe kaum sinnvoll ist. Die App-Unterstützung bleibt damit breit, erfordert aber mehr Kompromisse als bei besser angepassten E-Ink-Android-Geräten.

Minimal Phone auf dem Tisch mit dem Menü Display and Keyboard, drei Reglern und drei Auffrischungsschaltern.
Drei Auffrischungsstufen stehen im Menü unter den Lichtreglern bereit.

Im Auto brauchbar, bei Kamera und Akku schwach

Android Auto funktionierte erfreulich stabil. Die Verbindung brach nicht ab, brauchte nach kurzem Aus- und Wiedereinsteigen aber manchmal länger, um erneut zustande zu kommen. Google Maps und GPS arbeiteten ohne Standortprobleme. Auf dem Telefon ist der HD-Modus für Karten meist die bessere Wahl, bringt beim Verschieben allerdings deutliches Auffrischungsflackern mit. Weniger zuverlässig reagierte „Hey Google“: Häufig blieb die Sprachaktivierung stumm und funktionierte später plötzlich wieder. Das Mikrofonsymbol anzutippen war der verlässlichere Weg. Kabelloses Laden im Auto klappte dagegen problemlos; auch nach längerer Zeit wurde das Telefon dabei nur leicht warm.

Der schlimmste Fehler der ersten Wochen wurde noch während des Tests behoben. Ein Druck auf Home konnte zuvor minutenlang anhaltende Bildschirmauffrischungen auslösen und das Telefon praktisch unbenutzbar machen. Die installierte Aktualisierung beseitigte dieses Verhalten und verbesserte zugleich die Tastaturreaktion deutlich. Das ist ein wichtiger Fortschritt. Es macht die übrigen Schwächen aber nicht kleiner. Dass die zentrale Bedienung zunächst so stark ausfallen konnte, erklärt außerdem, warum der insgesamt positive Eindruck nach dem Update mit deutlichen Vorbehalten verbunden bleibt.

Die Kameraqualität ist ausgesprochen schlecht. Die 16-Megapixel-Hauptkamera liefert keine Ergebnisse, auf die ich mich für normale Erinnerungs- oder Dokumentationsfotos verlassen würde. Ihr sinnvoller Einsatz beschränkt sich eher auf QR-Codes oder möglicherweise die Bilderkennung einer Übersetzungs-App. Auch ein versuchter GCam-Port ließ sich nicht als Verbesserung nutzen. Als Ersatz für die Kamera eines gewöhnlichen Smartphones taugt sie nicht. Wer regelmäßig brauchbare Fotos aufnehmen möchte, braucht eine andere Lösung. Auf eine spätere Rettung allein durch Software würde ich nicht setzen.

Beim 3.000-mAh-Akku muss man streng zwischen Standby und eingeschaltetem Gerät unterscheiden. Der geringe Standbyverbrauch blieb über den Testmonat erfreulich konstant. Mit wenigen Nachrichten, Anrufen und gelegentlichem Nachschlagen sind mehrere Tage möglich. Sobald das Telefon wach bleibt, steigt der Verbrauch jedoch massiv. Selbst unbenutzt auf dem Tisch war nach ungefähr fünf Stunden Schluss. Lesen in Kindle verbrauchte rund 20 Prozent pro Stunde und erwärmte das Gehäuse leicht. Die Vermutung, der Prozessor laufe ständig mit maximalem Takt, bestätigte sich nicht; die Ursache blieb offen. Kabelloses Nachladen macht den Umgang damit bequemer, behebt aber nicht den für E Ink enttäuschend hohen Aktivverbrauch.

Zum Testzeitpunkt lag der Preis bei 400 US-Dollar. Dafür bietet das Minimal Phone eine ungewöhnliche Kombination aus echter Tastatur, offenem Android und E-Ink-Bildschirm, die nach dem entscheidenden Update durchaus Spaß machen kann. Die solide Grundkonstruktion und die Freiheiten bei den Apps sprechen dafür. Schlechte Kamera, scharfe Kanten, umständliche Anzeigeeinstellungen und kurze aktive Laufzeit sprechen dagegen. Ich sehe es als bewusst gewähltes Spezialtelefon für Menschen, denen diese Art der Bedienung wichtiger ist als möglichst reibungsloser Smartphonekomfort. Wer vor allem einen ausdauernden Taschenleser erwartet, wird vom hohen Verbrauch beim Lesen besonders enttäuscht.

Datenblatt: Minimal Phone

  • Display 4,3″ E Ink Touchscreen
  • Auflösung 230 ppi 800 × 600 Pixel
  • Gewicht 165 g
  • Speicher 128 GB plus Speicherkartenslot
  • Wasserschutz Wassergeschützt geschützt gegen Untertauchen
  • Licht Warm + kalt Farbtemperatur regelbar
  • Bedienung Tasten + Touch physische Blättertasten
  • Audio Lautsprecher plus Bluetooth

Allgemein

Hersteller
Minimal
Gerätetyp
Smartphone
Marktstart
2025
Farben
Schwarz, Weiß

Display

Technologie
E Ink
Größe
4,3 Zoll
Auflösung
800 × 600 px
Pixeldichte
230 ppi
Farbdisplay
Nein
Touchscreen
Ja
Beleuchtung
Frontlicht mit Warmlicht

Gehäuse & Bedienung

Gewicht
165 g
Wasserschutz
Wassergeschützt
Blättertasten
Ja
Lagesensor
Ja

Verbindungen

USB
USB-C
Bluetooth
Ja
WLAN
Ja
Mobilfunk
Ja, 4G
GPS
Ja

Hardware

Prozessor
Octa-Core · MediaTek Helio G99
Arbeitsspeicher
6 GB
Speicher
128 GB (bis 256 GB)
Speicherkarte
Ja, microSD
Lautsprecher
Ja
Mikrofon
Ja
Akku
3.000 mAh
Betriebssystem
Android 14

Software

eBook-Shop
Ja, begrenztes Angebot

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