Vom eReader direkt auf den Calibre Inhalteserver zugreifen

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Vom eReader direkt auf den Calibre Inhalteserver zugreifen

Vor einigen Jahren bot nur Amazon eine vernünftige Drahlosverbindung via WLan (und 3G) am eReader an, mittlerweile gehört WiFi aber zum guten Ton bei dedizierten Lesegeräten und ist selbst bei günstigen Basismodellen nicht mehr wegzudenken. Der Grund: Die Haupteinnahmequelle bei eBook Readern ist für viele Anbieter nicht der Verkauf der Geräte, sondern der spätere Digitalbuchumsatz.

Aber nur weil man die Möglichkeit zum Direktkauf auf den eReadern hat, heißt das noch lange nicht, dass man den integrierten Shop auch unbedingt verwenden muss. Viele Nutzer bevorzugen weiterhin den Einkauf am PC, der oft als übersichtlicher und weniger umständlich wahrgenommen wird.

Ein wichtiger Grund für den eBook-Kauf am heimischen Computer ist aber auch die Nutzung von Calibre. Aus diesem Grund werden gekaufte eBooks zunächst passend in die Digitalbibliothek einsortiert, um dann in weiterer Folge auf den eReader übertragen zu werden.

Dabei muss man allerdings gar nicht unbedingt zum USB-Kabel greifen, sondern kann die Calibre-Bibliothek auch per WLan im Browser des Lesegeräts öffnen. Das eBook-Programm besitzt eine eingebaute Serverfunktion, mit der man den externen Zugriff ermöglichen und so von überall auf die am PC gespeicherten eBooks zugreifen kann.

Das ist insbesondere für Personen praktisch, die sich eBooks auf Vorrat herunterladen (z.B. bei Schnäppchenaktionen oder kostenlos). Aber auch für die integrierte RSS-Reader-Funktionalität von Calibre erweist sich der einfache Zugriff von außen als großer Vorteil, denn so kann man täglich bequem die neuesten Nachrichten in eBook-Form am eReader abrufen, ohne immer den Umweg über den PC gehen zu müssen.

Netzwerkserver konfigurieren

Bevor man loslegt, öffnet man die Einstellungen und wählt den Punkt Netzwerkserver.

Einstellungsmenü

Hier kann man ein paar Änderungen für den Serverbetrieb vornehmen. Den Port lässt man im Zweifelsfall unverändert auf „8080“. Nur wenn man andere Serverapplikationen am PC nutzt, kann es vorkommen, dass es Konflikte gibt – in dem Fall kann man den Port auch auf einen anderen Wert ändern. Alternative HTTP-Ports sind üblicherweise 8008, 8081 oder 8090.

Netzwerkservereinstellungen

Der Passwortschutz ist hingegen schon wichtiger und für Amazon, Kobo und PocketBook-Nutzer auf jeden Fall eine empfehlenswerte Einstellung. Bedauerlicherweise unterstützt der Tolino-Browser keine HTTP Basic Authentication (d.h. es ist kein Zugriff möglich), sodass man die Einstellung in dem Fall leer lassen muss. Den externen Internetzugriff kann man aber zumindest per Routereinstellung verhindern (siehe unten).

Die restlichen Werte kann man wiederum in ihrer Grundeinstellung belassen und sind meist nur für fortgeschrittene Nutzer und spezielle Anwendungsbereiche relevant. Nun speichert man die Einstellungen und wechselt wieder ins Hauptfenster von Calibre. Die durchgeführten Änderungen müssen nur vor dem ersten Start getätigt werden. Später geht man einfach wie folgt vor:

Jetzt kann man den Server starten

Im Hauptmenü wählt man den Punkt „Verbinden/Teilen“ und weiter „Inhalteserver starten“. Nach einem kurzen Moment verändert sich die Farbe des Symbols und der Server ist online.

Im Webbrowser direkt am PC ausprobieren. Hat man den Passwortschutz eingestellt, muss man sich zuerst anmelden.

Bevor man vom eBook Reader auf die Bibliothek zugreift, kann man zunächst ausprobieren, ob das Ganze auch korrekt funktioniert. Hierfür öffnet man einen beliebigen Internetbrowser und gibt in die Adressleiste „localhost:8080″ ein. Daraufhin sollte sich eine Eingabeaufforderung für Benutzername und Kennwort öffnen. Nach erfolgreicher Eingabe der zuvor gewählten Daten landet man schließlich auf der lokalen Homepage (siehe Screenshot oben).

Mögliche Fehlerbehebung

Sollte es zu einem Fehler kommen (z.B. Internal Error 500), dann empfiehlt es sich erstmal den Inhalteserver zu beenden und einige Minuten abzuwarten. Das Herunterfahren des Servers kann ein paar Momente in Anspruch nehmen. Solange die grünen „Lämpchen“ im Serversymbol noch vorhanden sind, läuft dieser noch.

Fehler können schon mal vorkommen

Erst wenn das Symbol wieder die reguläre blaue Färbung besitzt, beendet man Calibre und startet das Programm neu. Nun versucht man es erneut. Klappt es noch immer nicht, dann empfiehlt es sich Calibre entweder zu aktualisieren, oder nochmal mit der gleichen Version zu ersetzen (d.h. neu drüber zu installieren). In so einem Fall kann nämlich das genutzte Web-Framework CherryPy durch einen fehlerhaften Start- oder Herunterfahrvorgang beschädigt worden und nicht mehr lauffähig sein. Eine Neuinstallation behebt ein solches Problem normalerweise.

Zugriff per eBook Reader

So weit, so gut. Damit man vom eReader aus zugreifen kann, muss man nun die lokale IP-Adresse des Computers herausfinden. Calibre zeigt hierfür praktischerweise direkt neben dem Inhalteserver-Knopf die Adresse an.

Die IP-Adresse des Inhalteservers wird direkt beim Knopf angezeigt. Hier kann dieser außerdem wieder beendet werden.

Sollte die aus irgendeinem Grund nicht funktionieren, kann man die Angabe nochmal selbst kontrollieren (im Normalfall aber nicht nötig):

Unter Windows klappt das wie folgt:

  1. Die Tastenkombination „Windows-Taste + R“ öffnet den Ausführungsdialog. Darin gibt man „cmd“ ein, um die Eingabeaufforderung zu starten.
  2. In das neue Fenster gibt man nun ganz einfach „ipconfig“ ein und bestätigt mit der Enter-Taste.
  3. Es werden alle Netzwerkverbindungen aufgelistet, wobei man die aktive IPv4-Adresse benötigt. Je nach Routerkonfiguration sind diese Adressen unterschiedlich. In meinem Fall hat der Heim-PC die lokale IP „192.168.0.26“ (siehe Bild oben).

Unter MacOS findet man die IP-Adresse wie folgt:

  1. Man öffnet die Systemeinstellungen über das Apple-Menü in der linken oberen Ecke.
  2. Nun klickt man auf das Netzwerk-Symbol.
  3. Es öffnet sich wiederum ein neues Fenster mit diversen Verbindungen. Diejenige(n) mit einem grünen Punkt, sind aktiv. Die oberste Zeile sollte die aktive Netzwerkverbindung zum Router sein. Klickt man diese an, wird rechts davon die lokale IP-Adresse eingeblendet.

Nun wechselt man zum eBook Reader und öffnet den Browser des Geräts. Hier gibt man nun ganz einfach die IP-Adresse und den zuvor eingestellten Port ein. In meinem Fall sieht das dann so aus: „192.168.0.26:8080„.

Kobo-Nutzer müssen bei eingestellten Passwortschutz allerdings noch zusätzlich den Benutzernamen und das Passwort direkt in der Adresszeile übergeben und die Eingabe wie folgt vornehmen: „http://benutzername:passwort@192.168.0.26:8080„. Benutzername und Passwort sind hier durch die eigenen Einstellungen zu ersetzen. Dieser Trick klappt auf Tolino eReadern leider nicht, weshalb man auf den Passwortschutz verzichten muss.

Auf jeden Fall ist es sinnvoll, die Adresse gleich zu den Favoriten hinzuzufügen, damit man die IP-Adresse nicht jedes Mal aufs Neue eingeben muss. Das klappt seit geraumter Zeit glücklicherweise auch bei Tolino.

Zugriff per OPDS-App

Eine weitere Möglichkeit auf die Bibliothek zuzugreifen, ist das ebenfalls abrufbare OPDS-Format zu nutzen. Es steht für „Open Publication Distribution System“ und ist ein Atom Content-Syndication Format. Öffnet man eine OPDS-URL im Browser, sieht das aus wie ein gewöhnlicher RSS-Nachrichten-Feed. Fügt man die korrekte URL aber in eine passende App ein, wird die Bedienoberfläche der Anwendung genutzt um die Bibliothek darzustellen, was ein deutlich besseres Nutzungserlebnis zur Folge hat.

OPDS in Aldiko (Android)

Klingt alles ein wenig abstrakt und kompliziert, ist es aber nicht, denn zum Aufruf muss man einfach am Ende der oben genannten IP das richtige Kürzel anhängen. Das sieht dann unterm Strich so aus: 192.168.0.26:8080/opds.

Apps für iOS:

Apps für Android:

Apps für Windows (Phone):

Auch eine Reihe anderer Anwendungen unterstützt OPDS. Üblicherweise findet man den entsprechenden Menüpunkt innerhalb der Applikation als „Online-Bibliothek“, „Andere Kataloge“, „OPDS“ oder ähnliches. Hier fügt man die oben genannte Adresse ein und kann dann auch direkt loslegen.

Internetzugriff ermöglichen und verhindern

Auf diese Methode kann man nicht nur über das heimische WLan auf die Calibre-Bibliothek zugreifen, sondern grundsätzlich auch aus dem Internet – vorausgesetzt der Router wurde entsprechend eingestellt. In jedem Fall empfiehlt es sich im Falle eines externen Zugriffs einen Passwortschutz einzustellen.

Um den Internetzugriff zu ermöglichen, muss man den Router entsprechend konfigurieren. Diese Schritte lassen sich leider nur pauschal beschreiben, da jeder Router-Hersteller eine eigene Bedienoberfläche besitzt. Grundsätzlich ist die Vorgehensweise aber überall gleich. Jedenfalls sollten hier nur erfahrene Nutzer fortfahren, da man durch unbeabsichtigte, fehlerhafte Änderungen in der Routerkonfiguration das heimische Internet lahmlegen, oder das Netzwerk für extrerne Zugriffe verwundbar machen könnte.

Port-Weiterleitung bei einem Thomson-Router

Wenn man weiß, was man tut, öffnet man die Administrationsoberfläche und wechselt in die Einstellungen zur Port-Weiterleitung (Port Forwarding). Hier stellt man den vorhin gewählten Calibre-Port so ein, dass dieser auf den Calibre-PC geleitet wird. Hier gibt’s meist auch die Möglichkeit nur bestimmten IP-Adressen den externen Zugriff zu erlauben, was ebenfalls sinnvoll sein kann. Einige Mobilfunkanbieter ermöglichen (meist gegen Aufpreis) die Vergabe einer statischen IP, sodass man z.B. am Smartphone oder dem mobilen Internetstick immer die gleiche IP-Adresse hat.

Will man den externen Zugriff jedoch ganz verhindern, dann entfernt man eine entsprechende Weiterleitungsanweisung.

Ist die Router-Einstellung erledigt, kann man die Calibre-Bibliothek nicht nur über das heimische Netzwerk aufrufen, sondern auch von jedem beliebigen Ort über das Internet. Anstatt der lokalen IP muss man dann aber natürlich die externe IP zum Zugriff nutzen.

Das war’s auch schon wieder. Will man den Inhalteserver wieder beenden, klickt man einfach auf den gleichen Knopf mit dem dieser gestartet wurde.

Mit Hilfe der Anleitung sollte der Betrieb eines Calibreservers nachvollziehbar und recht unkompliziert sein. Als praktische Alternative zum Direktzugriff ist zudem auch die Dropbox-Nutzung möglich.

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