Kindle Paperwhite 2 fliegt aus dem Sortiment von Amazon.de

6. Dezember 2015
Lesezeit: 3:15 Min.
Kindle Paperwhite 2 fliegt aus dem Sortiment von Amazon.de

Na gut, die Überschrift ist nicht einhunderprozent korrekt, denn den Kindle Paperwhite 2 findet man auf der Homepage von Amazon.de natürlich weiterhin. Dennoch gibt es mit dem heutigen Tag eine durchaus große Änderung im Angebot. Nachdem der beliebte eBook Reader trotz der Einführung des Nachfolgers viele Monate im Kindle-Sortiment blieb, fliegt er heute schließlich raus.

Ab sofort werden auf Amazon.de nur noch der Kindle Touch, Kindle Paperwhite 3 und Kindle Voyage als die drei aktuellen Modelle beworben. Der bisher ebenfalls verlinkte Paperwhite 2 taucht in der Übersicht nicht mehr auf.

Eine kurze Suche zeigt, dass der eReader nicht nur aus dem Seitenmenü verschwunden ist, sondern tatsächlich nicht mehr für 99 Euro als Neugerät erworben werden kann. Stattdessen wird man auf der Produktseite auf die Amazon Warehouse-Deals verwiesen. Nur die 3G-Version wird weiterhin für 159 Euro als Neugerät angeboten.

Erstmals seit 2013 wird der Paperwhite 2 nicht mehr beworben.

Preiskampf zwischen Amazon und Tolino

Aber warum ist das eigentlich erwähnenswert? Es ist doch nicht ungewöhnlich, dass ein altes Modell vom Markt genommen wird, wenn der Nachfolger erscheint, oder?

Üblicherweise stimmt das zwar, im Fall des Kindle Paperwhite in Deutschland allerdings nicht ganz. Der Paperwhite 2 wurde nämlich zuletzt günstiger angeboten als die sonstige E-Ink Carta Konkurrenz von Tolino und Kobo. Den Preisvorteil von 20 Euro bietet Amazon mit dem Nachfolger aktuell nicht, denn der ist mit 120 Euro genauso bepreist wie die Konkurrenz.

Das dürfte auch der Hauptgrund sein, warum der Kindle Paperwhite 2 so lange erhältlich war. In einem älteren Artikel haben wir gesehen, dass der eReader nämlich nur in Deutschland weiterhin aktiv beworben wurde.

Der deutsche Markt ist für Amazon der am härtesten umkämpfte in Europa (und womöglich weltweit). Man konnte trotz des relativ späten Markteinstiegs mangels ernsthafter Konkurrenz schnell an Marktanteilen gewinnen, mit dem Start der Tolino-Allianz im Jahr 2013 hat sich jedoch ein starker Gegenspieler positioniert, der für den Versandriesen alles geändert hat.

Mit dem niedrigeren Preis des ersten Tolino Shine (99 Euro vs. 129 Euro beim Paperwhite 1 & 2) war Amazon plötzlich nicht mehr der Preisführer. Das machte sich auch im Absatz bemerkbar, denn die Tolino-Partner konnten innerhalb eines Jahres einen Marktanteil von 12 Prozent erringen – mehr als alle langjährigen Amazon-Konkurrenten zuvor.

Dieser Umstand blieb auch bei Amazon nicht unbemerkt, sodass der Paperwhite 2 kurz danach mit laufenden Aktionsangeboten verbilligt und schließlich permanent günstiger wurde. Das ging so weit, dass quasi jede Tolino-Vorstellung oder -Preisaktion mit einer eigenen Verkaufsaktion beantwortet wurde.

Konkurrenzkampf auf Augenhöhe – bei Technik und Preis

Und nun ändert sich mit dem heutigen Tag nicht nur das Preisgefüge, sondern auch das generelle Marktgeschehen. Erstmals seit dem Markteintritt der Tolino-Allianz (!) kosten die beiden Konkurrenzmodelle Tolino Shine (2 HD) und Kindle Paperwhite (3) nicht nur gleich viel, sondern befinden sich auch technisch auf Augenhöhe.

Im Gerätetest und Vergleich von Tolino Shine 2 HD und Kindle Paperwhite zeigte sich, dass die Anzeigequalität des neuen Tolino eReaders endlich mit dem Hauptkonkurrenten von Amazon mithalten kann.

Kindle Paperwhite und Tolino Shine erstmals technisch und preislich exakt am gleichen Niveau.

Daher wird es besonders interessant sein zu sehen, was die kommenden Monate bringen werden. Amazon und Tolino werden ihr Kriegsbeil zwar ohne Zweifel nicht begraben, eventuell könnte der Preiskampf – der aus finanzieller Sicht ohne Zweifel für beide Seiten problematisch ist – vorerst ein Ende finden.

Für Kunden bedeutet das zumindest kurzfristig, dass das Preisniveau in der beleuchteten Komfortklasse, wie vor einigen Monaten prophezeit, nun tatsächlich ansteigt. Es wird zwar ohne Zweifel immer wieder kurzzeitige Aktionsangebote geben, ob die 100-Euro-Schwelle mit den neuen „Retina“-Modellen aber auch permanent geknackt wird, darf zumindest für die nahe Zukunft bezweifelt werden.

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