Kindle Paperwhite 2 und Tolino Vision 2 im Vergleich

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Hinweis (November 2018): Mittlerweile gibt es den Kindle Paperwhite 4 und den Tolino Vision 4 HD, die sich deutlich stärker unterscheiden als die nachfolgend gezeigten Modelle aus dem Jahr 2014. Der Paperwhite besitzt jetzt ebenfalls eine plane Gehäusefront und einen Wasserschutz, sowie eine eingebaute Hörbuchunterstützung (via Audible). Der Vision 4 HD hat zwar keine Hörbuchfunktion, aber dafür ein eingebautes Nachtlicht mit Blaulichtreduktion.

Der nachfolgende Vergleich bezieht sich auf die älteren Modelle.

Amazon schickt den Kindle Paperwhite heuer zwar nicht mehr als High-End-Flaggschiff ins Rennen (diese Aufgabe wird dem Voyage zuteil), allerdings ist der für nur 99 Euro erhältliche eBook Reader weiterhin das Zugpferd des US-Unternehmens. Mit moderner Technik, ausgezeichneter Beleuchtung und großem Softwareumfang macht er dem neu vorgestellten Tolino Vision 2 Konkurrenz. Aber auch dieser braucht sich nicht zu verstecken. Der Vision 2 bringt die gleiche Displaytechnik mit, verfügt aber zusätzlich über einen eingebauten Wasserschutz und eine innovative Blätterfunktion. Außerdem ist der Vision 2 im stationären Buchhandel erhältlich – ab 129 Euro.

Welches der beiden eReader Modelle die Nase vorne hat, erfährst du im nachfolgenden Vergleich.

Software

Die Startbildschirme von Kindle Paperwhite und Tolino Vision 2 präsentieren sich zunächst sehr ähnlich. Auf beiden Geräten sind die zuletzt gelesenen eBooks in einer Coveransicht abgebildet und in beiden Fällen befinden sich direkt unter der Buchanzeige Empfehlungen aus dem angeschlossenen Shop. Beim Kindle kann man diese Buchempfehlungen (nach massiver Kundenkritik) glücklicherweise ausblenden, die Tolino-Allianz bietet diese Möglichkeit weiterhin nicht an.

Der Paperwhite bietet im Gegensatz zum Vision 2 allerdings auch keine eigene Bibliotheksansicht. Stattdessen fungiert der Startbildschirm am Amazon Gerät als solche, was Vor- und Nachteile hat, letztendlich aber wohl Geschmackssache ist. Bei beiden Geräten lassen sich die Sammlungsfunktionen nicht mit der allseits beliebten eBook-Verwaltungssoftware Calibre nutzen. Dateien können aber selbstverständlich in beiden Fällen mittels Calibre auf das Gerät kopiert werden.

Auf den ersten Blick ein ähnlicher Aufbau der Startbildschirme

Bedienung und Grundfunktionen

Die Bedienung funktioniert auf beiden Geräten sehr flott – sowohl Paperwhite als auch Vision 2 nutzen einen 1 GHz Freescale iMX6 Chip, wobei der Tolino eReader mit 512 MB RAM doppelt so viel Arbeitsspeicher mitbringt. Beide eBook Reader werden über einen kapazitiven Touchscreen gesteuert. Zusätzlich bietet der Tolino Vision 2 außerdem einen kapazitiven Home-Button unter dem Display, sowie die innovative Tap2Flip-Funktion, die es erlaubt mit einem Antippen auf den Geräterücken umzublättern. Das funktioniert im Praxisbetrieb nach kurzer Eingewöhnung sehr gut. Ansonsten bieten beide Modelle die gleichen Blätteroptionen über den Touchscreen (wischen und antippen).

Die Schriftbildoptionen sind ebenfalls sehr ähnlich. Hier sieht man, dass die Tolino-Macher sich offenbar ein wenig von der Kindle-Software inspirieren haben lassen. Neben der möglichen Auswahl von fünf bzw. sechs Schriftarten, kann man die Schriftgröße in sieben Stufen, sowie die Zeilen- und Randabstände in drei Stufen anpassen. Zusätzlich kann man am Vision 2 außerdem die Textausrichtung wählen (Blocksatz, linksbündig, zentriert). Außerdem beherrscht der Tolino eBook Reader Silbentrennung, eine Funktion die der Kindle Paperwhite trotz oftmals geäußertem Kundenwunsch (im deutschsprachigen Raum) weiterhin nicht anbietet.

Ähnliche Schriftbildoptionen, am Paperwhite aber weiterhin ohne Silbentrennung

Der eBook-Kauf funktioniert auf beiden Geräten sehr einfach, wobei Amazon die Sache dank fehlender Adobe DRM Unterstützung in Hinblick auf eine möglichst einfache Bedienbarkeit aber einen tick besser hinbekommen hat. Somit muss man sich nicht (einmalig) bei zwei unterschiedlichen Anbietern anmelden. Das hat aber natürlich auch den Nachteil, dass der Paperwhite das weit verbreitete ePub-Format nicht unterstützt und eBooks somit in erster Linie bei Amazon gekauft werden müssen. Zumindest in Hinblick auf die eBook-Preise ist das allerdings kein Problem, da diese aufgrund der Buchpreisbindung überall gleich viel kosten. Will man allerdings möglichst unabhängig bleiben, ist der Vision 2 in dieser Hinsicht das bessere Gerät.

Erweiterte Funktionen

Kindle Paperwhite und Tolino Vision 2 bieten beide Notiz- und Wörterbuchfunktionen an. Die Notizfunktion wird in beiden Fällen gleich aufgerufen (man bleibt mit dem Finger auf einem Wort und kann diesem eine Notiz hinzufügen). Bei beiden Geräten werden die erstellten Notizen in einer einfach zu kopierenden TXT-Datei abgespeichert und können so später auch problemlos extern weiterverarbeitet werden.

Bei der Wörterbuchfunktion hat Amazon die Nase vorne: Die Wortdefinition bzw. Übersetzung öffnet sich in einem kleinen Fenster und ist somit direkt im Text-Kontext anzeigbar. Außerdem kommt als deutsches Wörterbuch der Duden zum Einsatz und es besteht die Möglichkeit zur Erweiterung (meist kostenpflichtig). Außerdem kann man Wörter bei bestehender WLan-Verbindung auch bei Wikipedia nachschlagen. Am Tolino Vision 2 öffnet sich die Wörterbuchfunktion nur mit einem weiteren Klick, in einem neuen Fenster. Außerdem kommt als Quelle aktuell nur das kostenlose Wiktionary zum Einsatz, das nicht mit der Qualität redaktionell gepflegter Wörterbücher mithalten kann. Es hat allerdings auch den Vorteil, dass es zahlreiche vorinstallierte Wörterbücher vom und ins Deutsche gibt.

Die Wörterbuchfunktion ist am Kindle Paperwhite besser gelungen und schneller zugänglich

Abgesehen davon bieten beide Modelle einen Internet-Browser, der sich trotz E-Ink Display zum schnellen Nachschlagen gut nutzen lässt. Der Kindle Paperwhite bietet hier allerdings mehr Funktionen (Lesezeichen und Artikelmodus), während der Browser des Vision 2 relativ arg beschnitten wurde.

Darüber hinaus gibt’s am Amazon Gerät mit dem Vokabeltrainer und der Kindersicherung zwei Funktionen die man am Vision 2 nicht findet.

Hardware

Die Optik unterscheidet sich bei beiden eReadern recht deutlich. Der Tolino Vision 2 nutzt eine plane Gehäuseoberfläche, wie man dies auch vom Tablet oder Smartphone kennt, der Kindle Paperwhite das übliche eBook Reader Design, bei dem der Bildschirm ins Gehäuse eingelassen ist. Beides hat Vor- und Nachteile, sodass es sich letztendlich die Waage hält.

Die Verarbeitung beider Lesegeräte ist tadellos. Auch bei grober Handhabung knarzt oder knackst nichts und beide wirken grundsolide. Der Vision 2 ist mit 174 Gramm spürbar leichter als der Kindle Paperwhite mit 206 Gramm. Außerdem ist der Vision 2 kleiner und flacher, sodass dieser unterm Strich etwas angenehmer in der Hand liegt.

Der Tolino Vision 2 verfügt über einen 2,10 GB großen internen (nutzbaren) Speicher, der Paperwhite bietet seit dem heimlichen Facelift 3,13 GB Platz. In beiden Fällen ist der Speicherplatz nicht erweiterbar.

Bildschirm

Wie so oft, unterscheiden sich die Bildschirme der Geräte trotz gleicher Technik in der Praxis recht deutlich voneinander. Beide nutzen ein E-Ink Carta Display mit einer Auflösung von 1024×758 Pixel. Die Ablesbarkeit ohne Beleuchtung ist sehr ähnlich, d.h. für den praktischen Betrieb gibt es keinen nennenswerten Unterschied.

Die Bildschirme beider eBook Reader sind sehr gut, der Paperwhite ist aber weiterhin einen Tick besser

Etwas anders sieht es mit der Beleuchtung aus, die beim Paperwhite unterm Strich den besseren Eindruck hinterlässt. Das Licht verteilt sich etwas gleichmäßiger über den Bildschirm und der Kontrast wird mit Aktivierung der Beleuchtung merklich kräftiger. Am Tolino Vision 2 ist die Schrift im direkten Vergleich nicht ganz so schwarz, was allerdings nicht bedeutet, dass die Ablesbarkeit schlecht wäre. Für sich genommen hat man natürlich auch am Vision 2 keine Probleme das Display zu nutzen.

Die maximale Bildschirmhelligkeit lässt sich am Kindle Paperwhite etwas höher und niedriger stellen als am Vision 2.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Ursprünglich ist der Kindle Paperwhite mit einem Preis von 129 Euro auf den Markt gekommen. Mittlerweile kostet das Amazon Zugpferd nur noch 99 Euro, womit das Lesegerät ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Der Tolino Vision 2 war bis November für 129 Euro vorbestellbar, kostet bei den meisten Tolino-Partnern mittlerweile aber regulär 149 Euro (ausgenommen Club Bertelsmann – 129 Euro). In jedem Fall beträgt die preisliche Differenz aber mindestens 30 Euro, was in Anbetracht der technisch nur sehr geringen Unterschiede (auch wenn man die Boni Wasserschutz und Tap2Flip mitrechnet) sehr viel ist. Somit bietet der Paperwhite das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis, sofern man auf die Nutzung von ePub-Dateien verzichten kann.

Fazit

Unterm Strich präsentieren sich beide eBook Reader von ihrer besten Seite. Der Kindle Paperwhite gehört schon zur Stammbelegschaft am eReader-Markt und erfreut sich weiterhin (und völlig zurecht) großer Beliebtheit. Die Softwarefunktionen sind ausgereift, fehlerfrei und umfangreich, mit nur wenigen Makeln (z.B. fehlende Silbentrennung).

Vision 2 und Paperwhite sind sehr gute Geräte, mit dem Kauf kann man in beiden Fällen nicht viel falsch machen. Der Kindle eReader bietet für 99 Euro aber das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis

Aber auch der Tolino Vision 2 ist ein sehr gutes Lesegerät und konnte in unserem Test daher auf weiter Strecke überzeugen. Die Beleuchtung ist zwar nicht ganz so gut wie beim Kindle, aber dafür kann man ePub-Dateien und die Onleihe nutzen.

Letztendlich geht der Kindle Paperwhite aber aufgrund des deutlich niedrigeren Preises als Sieger aus diesem Vergleich. Dennoch gilt: Auch mit dem Kauf des Tolino Vision 2 macht man keinen Fehler.