Apples Politik für In-App Käufe bleibt undurchsichtig

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Hinweis: Zum Zeitpunkt der Originalmeldung (siehe unten) waren In-App-Käufe relativ neu und die Umsatzabgabe wurde von Apple gerade erst eingeführt. Damals waren die genauen Auswirkungen auf die App-Landschaft für noch unklar, denn einerseits wurden einige eBook-Programme nicht zugelassen, andererseits verblieben andere im App-Store.

Letztendlich hielt Apple trotz des Drucks an der Firmenpolitik fest und sorgte dafür, dass im Grunde alle eBook-Anbieter ihre Programme um die Shop-Anwendung gekürzt haben. Direktkäufe innerhalb der Applikationen sind seitdem nicht mehr möglich.

Einige Verkäufer sind als Alternative dazu übergegangen HTML5-Programme (z.B. Amazon und Kobo – siehe unten) zu entwickeln und kostenlos anzubieten, deren Funktionalität den iOS-Apps kaum nachsteht. Diese können über den Webbrowser der meisten modernen internetfähigen Geräte aufgerufen werden.

Originalmeldung: Wir haben bereits vor einigen Wochen von den geplanten Neuerungen für iPad Apps berichtet. Hierbei stand vor allem Sony im Rampenlicht, deren eBook Reader App keine Zulassung seitens Apple erhalten hatte, da Sony nicht bereit war die neue Firmenpoltik Apples anzunehmen und einen saftigen Anteil der Umsätze aus dem eBook-Verkauf an eben diese abzutreten.

Wie berichtet, ging das Drama nun in die zweite Runde, da die neuen Regelungen jetzt auch für bestehende Apps in Kraft treten. Und so wurden bereits in den vergangenen Tagen einige eBook Reader Apps aktualisiert (Kindle, Kobo) und die eingebetteten eBook Stores entfernt. Für alle User natürlich ein unerfreulicher Schritt, mit welchem sich Apple nicht gerade viele Freunde machen wird. So wurde die schon bislang harte Gangart gegenüber Partnern und Konkurrenz nochmals deutlich verschärft – dass diese tatsächlich die kolportierten 30% an Apple abtreten werden, bleibt zu bezweifeln. Sowohl das Sony eBook Reader App als auch Google eBooks sind damit gar nicht (mehr) im Apple Store vertreten.

Bleibt die Frage wohin dies alles führen soll, da die neue Regelung nicht nur für eBooks, sondern auch für alle anderen In-App-Verkäufe wie bei Zeitschriften-Apps gilt. Fakt ist, dass der wahre Verlierer der Kunde sein wird, denn einerseits werden einige Anbieter den Anforderungen nicht nachkommen können und die Angebote entsprechend einschränken oder gänzlich einstellen. Andererseits könnten die Aufschläge auch, wie so oft üblich, einfach an den Kunden weiter gegeben werden.

Fehlende Buchpreisbindung macht es für kleine Anbieter schwierig

Hier gilt es nämlich zu bedenken, dass die Margen auf eBooks in Märkten ohne Buchpreisbindung noch kleiner sind als hierzulande und die Gewinne durch eine neue Abgabe nicht nur dahinschmelzen, sondern sich ggf. sogar in Verluste umwandeln.

Auch der Orange Book Club war von dieser Änderung betroffen, denn auch deren iOS-Programm ermöglicht Käufer innerhalb der App. Die 30 Prozent Regel wird allerdings nicht berücksichtigt, weshalb Apple eine Aufnahme abgelehnt hat. Damit ist die neue Applikation nun nur für Android, nicht aber für iPhone- oder iPad-Nutzer erhältlich.

Die Regelung bleibt zum aktuellen Zeitpunkt jedoch weiterhin recht undurchsichtig, denn Apps und Updates von Amazon, Kobo und Netflix wurden unlängst zugelassen, obwohl die In-App-Verkäufe keine 30 prozentige Umsatzabgabe vorsehen. Allerdings gilt für bestehnde Programme eine Übergangsfirst bis Juni dieses Jahres, wobei abzuwarten bleibt, ob die großen der Branche gewillt sind die Abgabe zu leisten, oder eventuell vielleicht sogar günstiger aussteigen.

Wie sich die Situation weiter entwickeln wird und ob einzelne Firmen hier Spezialabkommen treffen können, werden folglich erst die kommenden Monate zeigen.

Dabei ist natürlich wichtig zu bedenken, dass Apple grundsätzlich am längeren Hebel sitzt und die Nutzungsbedinungen des hauseigenen App-Stores selbst bestimmen kann. Zudem sichert sich Apple mit Erzwingen der Abgabe auch auf eBooks und sonstige externe Leistungen ein Monopol im eigenen Ökosystem, denn Musik, eBooks, Filme und Serien will der Konzern selbstverständlich lieber aus dem eigenen Angebot an die Nutzer bringen.

Auch andere Probleme mit Apples Politik

Die In-App-Kauf-Politik ist dabei nicht das einzige Problem, das App-Anbieter mit dem US-Unternehmen haben. Offenbar verbietet Apple seit kurzem auch die Gründe für die Shop-Entfernungen zu nennen. So ist ein Blog-Eintrag von Kobo mit 457 Kommentaren zu den Änderungen der Kobo iOS-App offenbar gelöscht worden. Google hatte die Seite noch im Zwischenspeicher, sodass sie trotzdem noch durchsucht werden konnte.

Nathan von The Ebook Reader, hat sich die Mühe gemacht, die Kommentare auf Auffälligkeiten zu durchforsten – vielleicht wurde ja der Ton zu rau und der Eintrag deshalb gelöscht. Aber Fehlanzeige. Auch wenn sich die wenigsten Nutzer über die Kobo-App Änderungen gefreut haben, blieb alles im Rahmen. Nach weiterer Recherche scheint die Ursache gefunden zu sein: Apple will keine Nennung der Gründe für die App-Änderungen. Zumindest scheint dies ein Kommentar bei iTunes zu bekräftigen (sofern man die Echtheit nicht anzweifelt).

Mittlerweile ist der Kobo-Blogpost wieder aufgetaucht, allerdings ohne die Kommentare und mit leicht geändertem Titel. Während der Artikel zuvor mit „Changes from Apple affects Kobo’s iPhone/iPad App“ betitelt war, heißt er nun „Changes to your iPad/iPhone App Experience“. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob Kobo den Post präventiv gelöscht und geändert hat, um es sich mit Apple nicht (weiter) zu verscherzen, oder ob es Interventionen seitens Apple gab.

Kobo setzt auf HTML 5

In weiterer Folge hat Kobo jedoch angekündigt, dass man die Apple App-Restriktionen in Kürze austricksen bzw. umgehen wird. Denn auch wenn Apple durch die strengen In-App-Kauf Regeln die eBook-Konkurrenz gezielt ausschaltet, so gibt es doch immer wieder findige Lösungen um diese zu umgehen. Das Zauberwort in diesem Fall heißt „HTML5„.

Der neue Internet-Standard soll Kobo dabei helfen, plattformunabhängig eine Lesesoftware direkt im Internet verfügbar zu machen – natürlich wieder mit integriertem eBook-Shop.

Ironischerweise war es gerade Apple, welche den HTML5 Standard massiv beworben haben, allerdings zu einem ganz anderen Zweck, nämlich um Flash-Inhalte im Internet zu ersetzen. Je weiter die App-Restriktionen verstärkt werden, desto eher könnte der Schuss aber nach hinten losgehen – nämlich dann, wenn immer mehr Anbieter auf eine HTML5 Anwendung setzen, welche Apple nicht kontrollieren kann und einfach direkt über den Internetbrowser abrufbar ist.

Noch ist es aber nicht so weit. Die App Store Zahlen steigen weiterhin an und wie Kobo versichert, bleibt die bestehende (beschnittene) iPhone Anwendung weiterhin verfügbar – die HTML5-Variante soll das bestehende Angebot nur erweitern.

Außerdem darf man natürlich nicht vergessen, dass der App-Store eine lukrative Einnahmequelle für Entwickler ist, die HTML5-basierte Webapps wohl nie das Wasser reichen können.