So funktioniert die Vokabel-Funktion des Kindle Paperwhite

6. März 2015
von
Lesezeit: 5:57 Min.
So funktioniert die Vokabel-Funktion des Kindle Paperwhite

Mit dem neuen Kindle Paperwhite hat auch ein neues Feature auf dem Amazon eBook Reader Einzug gehalten. Eine integrierte Vokabel-Funktion merkt sich die im Wörterbuch nachgeschlagenen Worte und bietet die Möglichkeit, diese im Anschluss mit Hilfe eines Karteikarten-Systems zu lernen. Doch wie sinnvoll ist diese Neuerung im Lese-Alltag und bringt sie einen Mehrwert für Sprachenlerner? In diesem Gastbeitrag beantworten wir die Fragen und geben gleichzeitig Anregungen ob möglicher Verbesserungen des Vokabeltrainers.

Lesen macht nicht nur Spaß, sondern hat auch ganz handfeste Vorteile. Es hilft, den IQ unserer Kinder zu beflügeln und auch in Sachen Spracherwerb ist das Lesen unerlässlich. Wusstest du beispielsweise, dass man nur 90% des Textes verstehen muss und wir dann ganz automatisch die restlichen 10% aus dem Kontext heraus erschließen? So lernen wir ganz nebenbei und unbewusst neue Wörter.

Doch manchmal ist es auch unerlässlich, ein unbekanntes Wort nachzuschlagen. Und hier kommt die Wörterbuch-Funktion eines eBook Readers ins Spiel. Hemmt in der analogen Welt das physische Nachschlagen unbekannter Wörter den Lesefluss doch ungemein, so können die elektronischen Geräte ihre Stärke voll ausspielen und erhöhen so den Lesespaß enorm. Amazon hat nun diese Funktion entsprechend erweitert und man hat die Möglichkeit, mit den gesuchten Begriffen im Anschluss zu arbeiten. Doch wie genau kommen die Wörter eigentlich in den Vokabeltrainer?

Aus dem Buch, über das Wörterbuch direkt in den Vokabeltrainer

Sobald man ein Wort eine Sekunde antippt, öffnet sich sofort die Wörterbuch-Funktion des Kindle und bietet eine einsprachige Erklärung des markierten Wortes. Und genau diese einfache Aktion reicht bereits aus, um das entsprechende Wort in den Vokabeltrainer zu übernehmen. Dies geschieht somit ganz automatisch.

Wörterbuchfunktion in Aktion

Wer nun direkt noch eine Übersetzung angezeigt bekommen möchte, der kann dies natürlich genauso tun, wie das gesuchte Wort in Wikipedia nachzuschlagen. Dafür ist allerdings eine Funkverbindung notwendig. Wer dies vermeiden möchte und trotzdem eine Übersetzungsfunktion nutzen möchte, der kann ein entsprechendes zweisprachiges Wörterbuch herunterladen. Nun stellt sich die interessante Frage, was wir mit den in den Vokabeltrainer übernommenen Wörtern alles machen können?!

Ordnung ist das halbe Leben – Der Aufbau des Vokabeltrainers

Den Vokabeltrainer kannst du wahlweise auf dem Homescreen auswählen oder direkt aus einem geöffneten Buch aus dem Menü heraus. Es öffnet sich eine tabellarische Auflistung aller bisher nachgeschlagenen Worte. Dabei fällt direkt auf, dass hier nicht nach Sprache unterschieden wird, sondern alle Wörter chronologisch aufgelistet sind.

Vokabelübersicht in der Tabelle

Allerdings hat man die Möglichkeit, die Wörter ebenfalls nach Büchern geordnet anzeigen zu lassen, das sich nicht nur aufgrund der besseren Zuordnung zu einer Sprache, sondern auch aufgrund des kontextabhängigen Lernens empfiehlt. Damit man neue Vokabeln auch in besagtem Zusammenhang verinnerlichen kann, bietet der Kindle Reader neben der Definition im Wörterbuch immer auch die Textstelle aus dem jeweiligen Buch an. Ein super Feature, wie ich finde.

Lese-Tipp! Wer sich fragt, was neben der Kontextabhängigkeit ansonsten noch für das erfolgreiche Vokabellernen wichtig ist, dem sei die dreiteilige Blog-Serie „So speichert dein Gehirn neue Worte“ empfohlen.

Interessanterweise hat man allerdings innerhalb der Vokabel-Funktion nicht die Möglichkeit, ein Wort übersetzen zu lassen. Die einsprachige Erklärung bleibt in diesem Zusammenhang die einzige Hilfestellung. Aus der Sicht des Sprachenlernens ist diese Vorgehensweise zwar optimal, allerdings auch eher für Menschen mit einem fortgeschrittenen Sprachniveau wirklich hilfreich. Eine Übersetzungsfunktion wäre an dieser Stelle gerade für Sprachneulinge, die sich vielleicht mit einfacheren Kinderbüchern einer Sprache nähern, sinnvoll.

Eine mögliche Alternative ist in diesem Zusammenhang sicherlich der Erwerb eines zweisprachigen Wörterbuches. Ist dieses in den Optionen als bevorzugtes Nachschlagewerk ausgewählt, dann wird im Vokabeltrainer anstatt der oben beschriebenen einsprachigen Erklärung eine Wortübersetzung angezeigt.

Lernen mit Karteikarten – Die Funktionsweise des Vokabeltrainers

Neben dem gezielten Klick auf eines der aufgelisteten Wörter bietet der Kindle auch eine Karteikarten-Funktion. Diese zeigt zufällig Wörter aus der vorher ausgewählten Übersicht, beispielsweise Vokabeln eines bestimmten Buches, an. Dabei wird das Wort im Originalsatz angezeigt und man kann so überprüfen, ob man die Bedeutung verstanden hat. Diese Vorgehensweise unterstützt so den eingangs erwähnten Prozess des kontextabhängigen Verständnisses. Zusätzlich kann man sich allerdings auch den zugehörigen Wörterbucheintrag aufrufen.

Virtuelle Karteikarten am Kindle Paperwhite

An dieser Stelle muss sich Amazon meiner Meinung nach allerdings ein wenig Kritik gefallen lassen, denn es werden teilweise nicht alle Einträge eines Wortes dargestellt. Am Beispiel des englischen Wortes „clear“ wird dies „deutlich“ :). Öffnet man das eigentliche Oxford Dictionary, so ist der Eintrag wesentlich länger und umfasst die Erklärung als Adjektiv, Adverb und Verb, wohingegen im Rahmen der Karteikarte nur die ersten beiden Definitionen als Adjektiv angezeigt werden. Da kann schnell die vermeintlich richtige Bedeutung fehlen. (Schlägt man das Wort innerhalb des Buches nach, besteht übrigens dasselbe Problem, allerdings lässt sich dort recht einfach das komplette Wörterbuch öffnen.)

Grundsätzlich hat man bei der geöffneten Karteikarte nun die Möglichkeit, das gezeigte Wort als „beherrscht“ zu kennzeichnen. Daraufhin wird es in die gleichnamige Liste verschoben und nicht mehr mit Hilfe der Karteikarten abgefragt.

Lern-Tipp! Schaue dir die Liste der „beherrschten“ Worte von Zeit zu Zeit an und verschiebe die Worte wieder in die Tabelle „Lernen“, bei denen dir die Bedeutung nicht direkt einfällt. Denn nutzen wir die Wörter längere Zeit nicht aktiv, dann wandern diese leider nur allzu schnell in den passiven Speicher unseres Gehirns.

Ist die gezeigte Vokabel noch nicht bekannt, dann sollte man sie sich natürlich zunächst einprägen und schließlich mit der nächsten Karteikarte fortfahren.

Die neue Vokabel-Funktion des Kindle Paperwhite – Ein Fazit

Alles in allem halte ich die neue Vokabel-Funktion für eine sinnvolle Erweiterung des bisherigen reinen Nachschlagens. Ein jeder hat wahrscheinlich das ein oder andere Wort, das er sich einfach nicht merken kann und das man gefühlt schon hundertmal abgefragt hat. Diese Wörter lassen sich nun zusätzlich sehr elegant lernen.

Nutzt man das Karteikarten-System je Buch, so hat man auch den Fokus auf eine Sprache und kann aus dem Kontext heraus sehr gut die Bedeutung der Vokabeln verinnerlichen. Wendet man die Funktion häufiger an, dann kann man damit sicherlich Erfolge erzielen. Allerdings darf man auch nicht zu viel erwarten, denn ein Vokabeltrainer sollte dieser Tage eigentlich ein wenig mehr bieten und so vermisse ich insbesondere eine automatisierte Wiederholfunktion, die auf Basis der sogenannten Spacing-Methode die Worte immer wieder dann präsentiert, wenn mein Gehirn dabei ist, sie zu vergessen.

Aber summa summarum ist die Vokabel-Funktion eine gute und sinnvolle Erweiterung, die insbesondere fortgeschrittenen Sprachenlernern von Nutzen sein sollte.

Christian ist Blogger auf und Gründer von talkREAL, dem Portal rund ums Sprachenlernen. Seit 2005 ist er im Bildungssektor, insbesondere im Bereich Executive Education, tätig. Darüber hinaus ist er Doktorand an der Goethe Universität, Frankfurt. Christian ist ebenfalls auf Google+ und Twitter  zu finden.

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