PocketBook Sense 2 wird doch nicht erscheinen

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Vor wenigen Wochen hat PocketBook den Sense überraschend auch ohne Hülle angeboten. Seit dem Marktstart wurde das Modell, das in anderen Ländern unter dem „Fashion“-Label angeboten wird, auch hierzulande ausschließlich mit Cover in Krokodilslederoptik verkauft, was keineswegs nur auf Gegenliebe gestoßen ist. Immerhin lag der Preis dieser Edition mit 149 Euro deutlich über dem Preisbereich der restlichen E-Ink Pearl 6 Zöller. Zusammen mit einem anderen Hinweis stand daher die Vermutung im Raum, dass sich das Unternehmen auf den Start des PocketBook Sense 2 vorbereiten könnte.

Nun stellt sich heraus, dass das offenbar nicht der Fall ist. Der französische Buchblog Aldus hat bereits Anfang September Bestätigung dafür bekommen, dass der Start des Sense 2 gestrichen wurde.

Der Nachfolger des aktuellen E-Ink Pearl Modells wurde auch hier im Forum von einem PocketBook-Vertreter angekündigt, nachdem der Touch Lux 3 überraschend auf den Markt gekommen war. Damals hieß es, dass auch dem Sense ein entsprechendes Technik-Upgrade spendiert werden soll. PocketBook hat sogar bereits entsprechendes Werbematerial für das geplante Modell anfertigen lassen und es auf diversen Messen zur Schau gestellt.

(Fast) vollständiges Portfolio

Nun ist aber doch alles anders. Das aktuelle eReader-Portfolio wird bis auf einen fehlenden 300 ppi eBook Reader als vollständig erachtet, wie in unserem Diskussionsforum erläutert wird. Ganz daneben liegt man zwar nicht, denn mit dem Touch Lux 3 bietet PocketBook ein tolles Gerät zu einem guten Preis an und auch der aktuelle Sense ist trotz E-Ink Pearl grundsätzlich keine schlechte Wahl. Allerdings wundern sich sicherlich nicht wenige PocketBook-Fans und Marktbeobachter über die Vollbremsung die das Unternehmen in diesem Jahr hingelegt hat.

2014 wurde eine Vielzahl neuer Modelle präsentiert, die auf den ersten Blick allesamt sehr vielversprechend aussahen, dann aber zum Teil wegen diverser Macken einiges an Kritik einstecken mussten. Dahingegen gab es bis auf den Lux 3 heuer keinerlei Neuvorstellungen, wobei man das Gerät eigentlich nicht mal als solche bezeichnen kann. Selbst für den generell eher langsamen eReading-Markt ist dieser Umstand frappierend.

Der Sense ist zwar nicht schlecht, der hüllenlose Verkauf folgt aber viel zu spät

Eigentlich könnte man die Ausführungen hier beenden, wäre da nicht eine Sache, die PocketBook mit dem Statement zur Sortimentsvollständigkeit übersieht oder ignoriert: Die drei größten Mitbewerber in Deutschland bieten im heurigen Weihnachtsgeschäft allesamt technisch klar überlegene eBook Reader mit 300 ppi an. Amazon den Kindle Paperwhite und Voyage, Kobo den Glo HD (und den Aura H2O mit 265 ppi) und Tolino in Kürze den Vision 3 HD. Offen bleibt zudem, ob der Kindle Voyage ein Upgrade erhalten und den Technik-Abstand zur Konkurrenz wieder ausbauen wird. Hierfür gab es vor wenigen Wochen ebenfalls ein paar Anzeichen.

Erschwerend kommt in Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit hinzu, dass PocketBook mit der aktuellen 5er Firmware zwar einen großen Schritt vorwärts gemacht hat, was die Optik und grundsätzliche Bedienbarkeit angeht, sich seitdem allerdings nur noch in Zeitlupe vom Fleck bewegt. Zwar gab es diverse Updates mit Fehlerkorrekturen, ganz grundsätzliche Anzeigeprobleme wie den bekannten Bug mit der Kursivschrift schleppt man aber seit einem Jahr von Update zu Update und von Gerät zu Gerät mit.

Hohe Gerätesubventionierung nötig?

In anderen Worten: PocketBook hat zwar zwei gute 6 Zöller im Sortiment, allerdings schläft die Konkurrenz nicht und das kommende Weihnachtsgeschäft dürfte mit der HD-Konkurrenz besonders hart werden, insbesondere auch deshalb, da die Einstiegspreise mit bereits 120 Euro kaum höher liegen als der unverbindliche Verkaufspreis des Touch Lux 3 (109 Euro). Außerdem hat Amazon weiterhin den Kindle Paperwhite 2 für rund 100 Euro im Sortiment.

Der Grund weshalb PocketBook auf ein entsprechendes „Retina“-Modell verzichten wird, ist der Preis. Laut eigener Aussage könnte man ein 300 ppi E-Ink Carta Gerät nur ab 170 Euro anbieten, was deutlich über den genannten Modellen von Kobo und Amazon liegt. Wenn man bedenkt, dass der zum Start ebenso teure Ultra gefloppt ist und auch von keinem deutschen Buchhandelspartner in besonderem Ausmaß beworben wurde, verwundert die Entscheidung nicht. Das finanzielle Risiko ist hierbei nicht zu unterschätzen.

Kindle Paperwhite 3 und Kobo Glo HD gibt’s bereits ab 120 bzw. 130 Euro

Ein wenig stutzig macht die Aussage aber trotzdem, denn es ist eigentlich nur schwer vorstellbar, dass Glo HD und Paperwhite für bis zu 50 Euro subventioniert werden. Bisherige Einzelteil-Analysen der Vergangenheit haben vielmehr gezeigt, dass die Lesegeräte im Normalfall ohne nennenswerte Verluste produziert werden. Das kann sich bei den aktuellen Modellen natürlich geändert haben, aber das Ausmaß ist wohl nicht so groß. Die sonstigen Kosten (Logistik, Entwicklung …) sollten für etablierte Firmen überschaubar sein.

Da halte ich es es für wahrscheinlicher, dass Kobo, Amazon (und eventuell Tolino) durch größere Absatzmengen eine bessere Verhandlungsposition besitzen und entsprechend günstiger an die Bildschirme und sonstige Hardware kommen.

Osiander ohne Lux 3 Branding

In diesem Zusammenhang ist auch eine andere Sache interessant: Der bisherige PocketBook-Partner Osiander hat die eigens gebrandete Version des Touch Lux 3 aus dem Sortiment genommen. Der Lagerbestand war vor wenigen Tagen verbraucht und man hat sich entschlossen keine weiteren Lux 3 mit Branding nachzubestellen.

Auf der Osiander-Homepage ist dementsprechend auch der Hinweis „Keine Neuauflage“ zu finden. Stattdessen bietet man den Lux 3 nun in der regulären Version an, ohne Langenscheidt-Wörterbuch und die sonstigen Boni, die der Osiander-Version beigelegt wurden. Außerdem kostet das Gerät nun 10 Euro mehr (109 Euro) als zuvor.

Die Osiander Edition des Touch Lux 3 ist nicht mehr erhältlich

Bei der Mayerschen Buchhandlung ist die schwarze Version des Lux 3 ebenfalls nicht mehr lieferbar. Ob Nachschub kommt, ist nicht ersichtlich.

Osiander hat darüber hinaus angekündigt, dass in den kommenden Wochen „neue Projekte“ an den Start gehen sollen. Welche das sind, will man zu gegebener Zeit mitteilen. Nachdem der Sense 2 vom Tisch ist und man den Touch Lux 3 aufgrund der baldigen Änderungen nicht mehr nachproduzieren möchte, darf man gespannt sein, welche Neuerungen Osiander geplant hat und ob PocketBook als Hardwarepartner weiterhin im Programm bleibt.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren
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