PocketBook InkPad im Kurztest, Fragen und Antworten

2. Oktober 2015
Lesezeit: 12:00 Min.

Im Jahr 2013 erblickte die Tolino-Allianz das Licht der Welt und trat als starker Gegenspieler zu Amazon ins Rampenlicht. Mittlerweile gehört die Buchhandelsallianz, trotz einiger struktureller Änderungen in den vergangenen zwei Jahren, zu den fixen Größen des deutschen Digitalbuchmarktes. Vom Wettrennen der zwei Giganten, um die Gunst der Kunden, hat ein kleinerer Anbieter zumindest zwischenzeitlich klar profitiert: PocketBook. Im Jahr 2013 konnte man im heimischen Buchhandel gleich zwei regionale Filialisten als Partner gewinnen, was wohl auch für die durchaus beeindruckende Expansion im Jahr 2014 gesorgt haben dürfte.

Im vergangenen Jahr hat PocketBook sechs eBook Reader der verschiedensten Klassen vorgestellt und sich damit nach dem endgültigen Ausscheiden von Sony als innovativer Marktteilnehmer einen Namen gemacht. Neben dem bekannten und erfolgreichen Touch Lux 2 hat man außerdem den Basic 2, Aqua, Ultra, Sense und das 8 Zoll große InkPad vorgestellt. Letzteres schauen wir uns heute in einem Kurztest an.

Zwischen der Vorstellung des InkPad (Mai 2014) und dem deutschen Marktstart (Oktober 2014) vergingen mehrere Monate, was offenbar auf Probleme in der Produktion zurückzuführen war. In Russland hatten einiger Nutzer bereits vorzeitig von Qualitätsproblemen mit Software, Displays und dem Gehäuse berichtet. Nach dem bereits zuvor fehlgeschlagenen Start des Premiummodells Ultra schien sich für PocketBook damit ein weiteres Problem aufzutun. Wie die Sache im Endeffekt ausgegangen ist, finden wir heraus, indem wir einen Blick auf die einzelnen Kritikpunkte werfen.

Gehäuse und Verarbeitung

Kommen wir zunächst zum Gehäuse. Das PocketBook InkPad besitzt eine plane Gehäusefront, sodass fast die gesamte Vorderseite durch eine Glas-Plastik-Oberfläche abgedeckt wird. Lediglich auf der rechten Geräteseite befindet sich ein ca. 1,5 cm breiter Streifen aus gummierten Kunststoff. Der 8 Zöller ist somit nicht symmetrisch, wie die meisten anderen Modelle, sondern folgt dem PocketBook Color Lux, der über eine ähnliche Aufteilung verfügt.

Die Bauform macht auf jeden Fall Sinn und ist in meinen Augen ein klarer Pluspunkt, denn so hat man eine ausreichend große Auflagefläche, um das nicht ganz leichte InkPad (350 Gramm) dennoch bequem in der (rechten) Hand halten zu können.

Das InkPad ist ein gutes Gerät – solange die Software funktioniert. Das Pearl-Display kann allerdings nicht mit der Carta-Konkurrenz mithalten

Die vorhin angesprochene Kritik am Gehäuse bzw. der Verarbeitung war der Tatsache verschuldet, dass die Front bei einigen Geräten offenbar nicht bündig im Rahmen saß. Für ein Lesegerät mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von über 200 Euro ist das klarerweise inakzeptabel.

Glücklicherweise kann ich aber zumindest für das bei mir befindliche InkPad Entwarnung geben: Die Vorderseite schießt bündig mit dem restlichen Gehäuse ab, sodass es keine abstehenden Kanten gibt.

Ganz perfekt ist die Verarbeitung aber trotzdem nicht, denn sobald man die Beleuchtung aktiviert, tritt an einigen Stellen schwaches Light-Bleeding auf. Bei meinem Gerät handelt es sich um den linken Rand, sowie den Übergang von Glasfront zum Gummistreifen rechtseitig. Der Lichtaustritt ist glücklicherweise recht schwach (deutlich schwächer als beim Bookeen Muse Frontlight), aber bei Dunkelheit eben doch sichtbar. Das ist zwar kein Beinbruch und stört den Lesebetrieb nicht, aber schöner wär’s auf jeden Fall ohne den kleinen Mangel.

Zwei Tasten unter der Gummiabdeckung, mit guten Druckpunkten

Abgesehen davon gibt’s von meiner Seite keine Kritikpunkte an der Verarbeitung oder dem Gehäuse. Die im Gummistreifen sitztenden Knöpfe haben klare Druckpunkte und lassen sich gut bedienen, die Abdeckung für den USB-Steckplatz und MicroSD-Slot schließt sicher ab und es gibt auch kein Knarzen oder Knacken wenn man das InkPad etwas fester anpackt. Das schlanke Profil des Geräts sieht gut aus und ist haptisch ansprechend.

Display und Beleuchtung

Als das PocketBook InkPad erstmals vorgestellt wurde, war die Erwartungshaltung insbesondere wegen des Displays sehr groß. Es handelte sich nämlich nicht einfach nur um einen normalen 8 Zoll eBook Reader – solche gab’s nämlich schon früher – sondern um ein Lesegerät mit einem hochauflösenden 1600×1200 Pixel Bildschirm. Die Pixeldichte beträgt damit 250 ppi, was deutlich mehr ist, als die vorangegangenen Modelle anderer Hersteller (meist 1024×768 Pixel mit nur 160 ppi).

Als Anzeigetechnik kommt E-Ink Pearl zum Einsatz, was im Vorfeld zwar für ein wenig Enttäuschung gesorgt hat (E-Ink Carta wurde zu dem Zeitpunkt bereits vermehrt von verschiedenen Anbietern eingesetzt), aber dank des hervorragenden Pearl-Displays des PocketBook Touch Lux 2 waren viele auch für das InkPad zuversichtlich.

Leider muss man allerdings sagen, dass die Anzeigequalität nicht an die kleineren Brüder (Lux 2 und Sense) ranreicht. Zwar ist die Schärfe des Bildschirms sehr gut, allerdings ist der Kontrast geringer als von anderen Pearl-Geräten. Im Vergleich zu E-Ink Carta wird die Sache dann nur allzu deutlich, wie die nachfolgenden Bilder zeigen:

Das E-Ink Carta Display des Touch Lux 3 (links) ist sichtbar heller (ohne Beleuchtung)

PocketBook trifft hier allerdings wohl keine Schuld, denn offenbar gibt’s ganz einfach keine besseren 8 Zoll Displays der E-Ink Holdings. Wie Kollege Nate von The Digital Reader in einem kurzen Vergleich berichtet, sieht der Onyx Boox i86 nicht besser aus. Das Konkurrenzmodell nutzt ebenfalls ein 8 Zoll großes E-Ink Pearl Display mit der gleichen Auflösung.

Die Ablesbarkeit ist trotz des etwas geringeren Kontrasts aber in Ordnung, sodass man sich dieser Tatsache einfach vor dem Kauf bewusst sein sollte, aber ansonsten keine allzu großen Einbußen in der Nutzbarkeit hinnehmen muss.

Der Kobo Aura H2O besitzt das aktuell beste E-Ink (Carta) Display – da kann das InkPad nicht mithalten

Ein wichtiger Punkt ist natürlich auch die Beleuchtung: Das InkPad verfügt wie quasi alle modernen High-End eReader über eingebautes LED-Licht. Auch hier stand die Frage im Raum, wie gut die Umsetzung gelungen ist, denn PocketBook hat sich mit dem Ultra nicht gerade mit Ruhm bekleckert und gleichzeitig ist eine homogene Lichtverteilung per Tägerfolie auf einer größeren Fläche vermutlich schwieriger zu bewerkstelligen.

Hier kann man glücklicherweise wieder (weitestgehend) Entwarnung geben. Zwar ist die Ausleuchtung des 8 Zöllers nicht ganz so gleichmäßig wie etwa beim Touch Lux 2 oder Sense, unterm Strich aber trotzdem gut. Einen Kontrastgewinn (wie bei den 6 Zoll Modellen) darf man sich durch die Beleuchtung allerdings nicht erwarten.

Beleuchtung des Pocketbook InkPad im Vergleich zum Touch Lux 3 bei ählicher Helligkeitseinstellung

Der schwache vertikale Helligkeitsverlauf ist nicht allzu auffällig und stört den Lesefluss somit nicht.

Die Regulierung des Lichts wird entweder mit Hilfe der Bedienoberfläche vorgenommen, oder über dem touchsensitiven Schieberegler oberhalb des Displays. Indem man den Finger einfach über den oberen Rand zieht, kann man die Beleuchtung heller und dunkler stellen – das funktioniert zuverlässig und erweist sich auch im Alltag als praktisch.

Die Lichtregulierung kann man auch mit dem touchsensitiven Regler oberhalb des Displays vornehmen

Am Ende des Tages kann das Display des Pocketbook InkPad zwar keine Preise gewinnen, erfüllt aber seinen Zweck. Bessere beleuchtete 8 Zoll Bildschirme mit E-Ink Technik gibt’s aktuell nicht.

Software und Bedienoberfläche

Kommen wir zum letzten Punkt dieses Kurztests: Das InkPad wird bereits mit der „neuen“ Firmware ausgeliefert. Im vergangenen Jahr hatte PocketBook die generalüberholte Benutzeroberfläche vorgestellt und dann langsam für alle aktuellen Modelle adaptiert.

Das überarbeitete User Interface präsentiert sich auch am 8 Zöller übersichtlich und aufgeräumt. Die meisten Funktionen sind schnell verständlich und gut bedienbar. Etwas besser könnte allerdings weiterhin die Schriftgrößenauswahl sein, denn der Schieberegler ist ein wenig hakelig. Bessere Ergebnisse zur Schriftgrößenanpassung erzielt man, indem man die Pinch-To-Zoom-Geste benutzt, die dank Vorschaufunktion genauer bedienbar ist.

Startbildschirm der neuen Bedienoberfläche (Firmware 5.x)

Notiz- und Wörterbuchfunktion

Ebenfalls verbesserungswürdig sind weiterhin die Notiz- und Wörterbuchfunktionen. Zur Notiznehmung kann man nämlich noch immer zwei unterschiedliche Eingabemodi nutzen, was weder übersichtlich noch intuitiv ist. Immerhin tröstet der große Funktionsumfang über diesen Mangel hinweg.

Eine Wortbedeutung nachzuschlagen erfordert weiterhin einen zusätzlichen Knopfdruck – die Erklärung/Übersetzung wird auch beim InkPad nicht direkt nach Antippen des Wortes eingeblendet. Dieser Punkt wird von uns bereits seit Jahren kritisiert und wurde leider noch immer nicht geändert. Zugegeben, die Vorgehensweise von Pocketbook hat durchaus auch einen Vorteil – nämlich wenn man mehrere Wörter hintereinander nachschlagen möchte. Das klappt schneller, da sich die Wörterbuchfunktion nicht schließt, wenn man andere Stellen anklickt. Wenn man jedoch dem Textfluss folgend immer nur ein Wort nach dem anderen nachschlagt, dann braucht man durch den zusätzlichen Klick jedoch länger als bei anderen Systemen.

Abgesehen davon darf man sich über den großen Umfang an mitgelieferten Wörterbüchern freuen – auch die oft gelobten Langenscheidt Englisch-Deutsch-Wörterbücher sind wieder mit dabei.

PDF-Anzeige und Audioausgabe

Ein großer Vorteil des 8 Zoll großen Displays ist auf jeden Fall die bessere PDF-Darstellung. Dank der größeren Bildschirmdiagonale und hohen Pixeldichte können DIN A4 Dokumente sowohl in Originalgröße, aber auch mit Hilfe der unterschiedlichen Anzeigemodi wirklich sehr gut abgebildet werden. Ein 6 Zoll eReader kann hier klarerweise nicht mithalten.

Etwas schade ist jedoch, dass weiterhin keine Möglichkeit zur Kontrastverstärkung bei PDFs vorhanden ist, wie man das von einigen anderen Anbietern kennt. Durch die Kantenglättung wird kleine Schrift nämlich noch blasser als sie es ohnehin schon ist.

DIN A4 PDF-Datei in Originalgröße

Dabei wäre es auch gut gewesen, wenn PocketBook die Hardware des InkPad ein wenig modifiziert und ein schneller Chipsatz zum Einsatz gekommen wäre. Die höhere Displayauflösung erfordert wohl auch mehr Leistung, wodurch es insbesondere bei größeren, bildlastigen PDF-Dateien zu einer merklichen Verlangsamung der Reaktionszeit des Geräts kommen kann.

Per Pinch-to-Zoom vergrößert

Ein netter Bonus des eReaders ist die Audioausgabe via 3,5 mm Klinkenstecker. Genauso wie vom Pocketbook Ultra oder dem ersten Touch Lux bekannt, kann man MP3-Dateien anhören oder auch die (meist) gut funktionierende Text-To-Speech-Funktion nutzen. Diese wandelt den angezeigten eBook-Text mit Hilfe einer computergenerierten Stimme automatisch in Ton um, sodass man sich den Text vorlesen lassen kann. Auch wenn die Qualität dabei nicht an einen Hörbuchsprecher heranreicht (was selbstverständlich keine Überraschung ist), als Lesehilfe ist die Funktion dennoch ganz brauchbar.

Fehler und Probleme (der Vergangenheit?)

Einen noch genaueren Überblick über die Software des InkPad kannst du dir im Testbericht zum PocketBook Touch Lux 3 verschaffen, denn die Grundfunktionalität der beiden Geräte ist identisch.

Erwähnenswert ist zum Abschluss auf jeden Fall noch die etwas ärgerliche Updatepolitik die PocketBook beim InkPad betrieben hat. Die ersten Vorbesteller haben den eBook Reader offenbar noch mit der alten Firmware mit der Versionsnummer 4 erhalten. Dazu gehört auch die etwas altbackene Bedienoberfläche, die man von älteren Modellen kennt. Hier gibt’s offenbar keine nennenswerten Probleme.

Nutzer der neuen Bedienoberfläche kämpfen hingegen seit dem Start mit Anzeigeproblemen. Der nervigste Fehler ist dabei auf jeden Fall die manchmal weiß bleibende Seite beim Blättern. Das geschieht u.a. reproduzierbar wenn man zurück- und wieder vorblättert. Erst wenn man die Schriftgröße ändert (am einfachsten via Pinch-to-Zoom), wird der Text auf der Leerseite wieder korrekt angezeigt.

Die gleiche Seite – mal leer, mit Fehler (links). mal mit normaler Textdarstellung (rechts). Dieses Problem sollte mit der neuen Firmware 5.11 der Vergangenheit angehören

Ebenfalls mit dabei ist der unschöne Kursiv-Bug, der schräg gestellten Text nicht in der eigentlich ausgewählten Schriftart anzeigt, sondern im Fallback-Font.

Zum Start eines neuen Modells mit einer völlig neuen Bedienoberfläche können solche Fehler natürlich durchaus auftreten und als Nutzer und Tester könnte ich persönlich darüber hinwegsehen, wenn die Sache nach Bekanntwerden schnell ausgebessert würde. Dummerweise ist das allerdings nicht der Fall gewesen. Die (noch) aktuelle 5.4er Firmware ist mit dem Datum 23.10.2014 versehen. Seit dem gab es keine neue Softwareversion für das InkPad, während andere (sehr erfolgreiche!) PocketBook-Modelle durchaus Updates erhalten haben (Touch Lux 3 hat bereits Firmware 5.9).

Besitzer des InkPad mussten also mit der alten Bedienoberfläche Vorlieb nehmen (die zusätzlich zum Download bereitgestellt wurde), oder den beschriebenen Fehler akzeptieren – und das fast ein Jahr lang. Das ist für ein Ende 2014 neu erschienenes Modell zum Premium-Preis inakzepatbel.

Wie man in unserem Forum und in den Kommentaren zu diesem Artikel nachlesen kann, hat sich dementsprechend auch das Bild der InkPad-Besitzer im Laufe der Zeit gewandelt. Während sich die meisten zu Beginn noch positiv zum Gerät geäußert haben, wurde der Ton im Laufe der Zeit zusehens rauer.

Immerhin gibt es nun aber scheinbar Licht am Ende des Tunnels, denn nach vielen Versprechungen und mehreren Verschiebungen hat ein in unserem Forum aktiver PocketBook-Mitarbeiter eine Vorabversion der bald erscheinenden Firmware 5.11 online gestellt, die getestet werden kann. Die finale Version soll demnächst tatsächlich erscheinen, womit dann hoffentlich auch die bekannten Fehler der Vergangenheit angehören.

Fazit

Das PocketBook InkPad befindet sich auf relativ weitem Feld alleine, denn hierzulande gibt’s in der Größenklasse eigentlich keine echte Konkurrenz. Das Onyx-Gegenstück ist in Deutschland nicht direkt erhältlich und der Bookeen Cybook Ocean besitzt ein deutlich niedriger auflösendes Display. Der Grund für die relativ geringe Anzahl an direkten Konkurrenten ist klar: Das 8 Zoll Segment ist aufgrund der geringeren Mobilität und in erster Linie wegen des höheren Preises ein Nischenmarkt.

Das InkPad ist ein gutes Gerät – solange die Software funktioniert. Das Pearl-Display kann allerdings nicht mit der Carta-Konkurrenz mithalten

Eine Entschuldigung für die bis heute miserable Updatepolitik kann das aber dennoch nicht sein, denn gerade jene Nutzer die überdurchschnittlich viel Geld für ein Gerät ausgegeben haben, sollte man als Unternehmen nicht vergessen. Nachdem nun aber endlich die erste Vorabversion der neuen Firmware erschienen ist, darf man hoffen, dass die oben beschriebenen Bugs der Vergangenheit angehören und InkPad-Besitzer bald so beschwerdefrei lesen können, wie sie das zum Kauf eigentlich erwartet haben.

Wenn man von den Softwarefehlern absieht, dann bleibt zwar noch die Kritik am vergleichsweise kontrastarmen Display und dem geringen Light-Bleeding, aber unterm Strich steht dennoch ein gutes Gerät, das sich angenehm von der Masse abhebt.


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