Sparkassen-Kindle-Gewinnspiel sorgt für (gerechtfertigten?) Ärger

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Ein Oster-Gewinnspiel der Sparkassen hat harmlos begonnen, zog aber schnell den Ärger verschiedener Buchhändler und des Buy Local Vereins auf sich. Die Rede ist von einer Verlosung von drei Kindle eBook Readern und passenden Buchgutscheinen. Bei der Kritik stand vor allem der Aspekt der regionalen Verantwortung der Sparkassen im Vordergrund, welcher durch die „Förderung“ der Kindle-Plattform ad absurdum geführt sein sollte.

Von insgesamt 420 Sparkassen in Deutschland, hat rund die Hälfte das Gewinnspiel mitveranstaltet. Es mutet daher auch etwas eigenartig an, dass die Empörung wegen nur drei Kindle-eBook-Readern im gesamten deutschen Bundesgebiet derart groß ist, zudem die verantwortliche Sparkassen-Finanzportal GmbH das Gewinnspiel selbst finanziert hat. Dabei standen laut eigener Aussage einfache Überlegungen bezüglich der möglichen Zielgruppe im Vordergrund.

Kritik und Boykott

Verschiedene Buchhändler und vor allem der Initiator des Buy Local Vereins haben sich heftig gegen die Aktion ausgesprochen. Auch ein Boykott in Form von Kontoauflösungen stand im Raum. Der Sortimenterausschuss hat sich der Kritik ebenfalls angeschlossen und sogar einen Anwalt beauftragt um preisbindungsrechtliche Vergehen zu prüfen. „Ganz unabhängig davon, dass diese Aktion womöglich mit dem Buchpreisbindungsgesetz nicht vereinbar ist, was zur Zeit rechtlich von uns überprüft wird, ist Ihr Gewinnspiel ganz offensichtlich ohne jedwedes Bewusstsein der fragwürdigen Positionierung eines einzelnen Online-Händlers konzipiert worden und, bemerkenswerter noch, auch ohne jegliche Besinnung darauf, welches Signal Sie damit an Ihre zahlreichen Geschäftskunden aus dem stationären Buchhandel senden“, heißt es seitens des Sortimenterausschusses.

Ein Verstoß gegen die Buchpreisbindung liegt offenbar nicht vor, wie Börsenblatt in Erfahrung gebracht hat, da die gewinnspielausführende Partei die Gutscheine aus eigener Tasche bezahlt hat. Inzwischen ist auch etwas Ruhe eingekehrt und die Sparkassen und Buchhändler haben sich wieder einander angenähert. Also alles wieder gut? Nicht so ganz.

Gerechtfertigter Ärger oder Messen mit zweierlei Maß?

Man muss sich bei dem ganzen Ärger natürlich die Frage stellen, ob die Kritik überhaupt gerechtfertigt war. Auch wenn man die Argumentation durchaus nachvollziehen kann, so wird einem Unternehmen hier in die Geschäftstätigkeit dreingeredet, was in dieser Form von Seiten des Buchhandels und vermutlich jeder anderen Firma schärfstens abgelehnt werden würde. Und zwar völlig zu Recht. Außerdem sollte man die Größenordnung des Gewinnspiels nicht außer Acht lassen. Lediglich drei Geräte im gesamten Bundesgebiet wurden verlost, sodass man schnell den Eindruck gewinnen kann, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde.

Aber auch eine andere Sache mutet etwas merkwürdig an: Bei Eröffnung eines Sparda-Bank-Kontos gibt es aktuell einen Tolino Shine von Thalia als kostenlose Beigabe. Dabei wird sogar noch damit geworben, dass der eBook Reader den deutschen Buchhandel unterstützt. Wie genau das geschieht, ist aber ein gut gehütetes Geheimnis. Thalia mitsamt des Douglas-Mutterkonzerns gehört nämlich zur Mehrheit dem US-Finanzinvestor Advent International. Damit fließt das Geld letztendlich genauso in die USA wie bei Amazon.

Abgesehen davon hat „der deutsche Buchhandel“, mit Ausnahme von Thalia, Weltbild, Hugendubel und Club Bertelsmann auch keinen Gewinn vom Tolino Shine. Ob die Kunden nun zu einer der großen deutschen Ketten oder zu Amazon abwandern, dürfte für den lokalen Buchhändler ums Eck keinen allzu großen Unterschied machen. Dass man sich darüber nicht empört (obwohl deutlich mehr Tolino Shine einen neuen Besitzer finden können), die Kindle-Verlosung aber auf schärfste kritisiert wird, hinterlässt einen fahlen Beigeschmack. Da scheint die persönliche Präferenz offenbar mehr zu wiegen als die moralische Integrität.

Man muss dieses Gedankenspiel dann natürlich auch fortführen. Amazon ist immerhin längst eine direkte Anlaufstelle für Autoren geworden. Wird man die unabhängigen Autoren, welche bei Kindle Direct Publishing veröffentlichen auch bald an den Pranger stellen? Wo hört dieser Feldzug gegen Amazon auf?

Auch wenn ich den Ärger teilweise nachvollziehen kann und Amazons Geschäftspraktiken keineswegs nur gut heiße, so bin ich doch der Ansicht, dass man Zeit und Geld doch besser in konstruktiven Wettbewerb investieren sollte, anstatt eine solche Hexenjagd zu betreiben.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren