Preise für E-Ink Carta eReader auf Talfahrt, bald neuer Standard?

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Im Jahr 2013 hat Amazon mit dem Start des zweiten Kindle Paperwhite einen Coup gelandet. Der eBook Reader war für rund sechs Monate das einzige Gerät mit dem neuen E-Ink Carta Display, das die Ablesbarkeit im Vergleich zur bis dahin standardmäßig eingesetzten Pearl-Technik merklich verbessert. Der Tolino Vision 1 hat die halbjährige Amazon-Exklusivität schließlich gebrochen.

Danach kamen Geräte mit der gleichen Bildschirmtechnik allerdings nur sehr zaghaft auf den Markt, was dem Vernehmen nach am höheren Preis für die moderneren Displaypanels lag. Außerdem schienen die Vorteile der neuen Technologie je nach Umsetzung nicht immer klar herauszukommen.

E-Ink-Carta-Preise fallen

Das wohl prominenteste Opfer dieses Umstands war der Pocketbook Ultra. Der eReader nutzte als erstes (und bisher einziges) Gerät des Unternehmens die neuere Anzeigetechnik, konnte den Erwartungen wegen Problemen mit der Beleuchtung (und dem Bildschirmkontrast) aber nicht gerecht werden. Der hohe E-Ink-Carta-bedingte Einstiegspreis von 169 Euro hat dem Gerät dann letztendlich den Hals gekostet, sodass es der Ultra offenkundig nie zu größerer Beliebtheit geschafft hat.

Nun mehreren sich die Hinweise, dass die Preise für E-Ink Carta Panels (mit der etablierten Auflösung von 1024×758 Pixel) nach unten gehen. Der Kindle Paperwhite ist als Osterangebot aktuell rechnerisch für nur 79 Euro zu haben, was gleichzeitig die mit Abstand günstigste Möglichkeit ist, um an ein Lesegerät mit der Bildschirmtechnik zu kommen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass der Einstiegskindle mit niedrigerer Auflösung, ohne Beleuchtung, älterer Pearl-Technik und billigerem Hartplastikgehäuse, ohne Werbestützung ebenso viel (!!) kostet.

Trotz eines weiterhin bestehenden Preisabstands ist die Konkurrenz letztendlich ebenfalls schon merklich günstiger geworden. Den Tolino Vision 2 gibt’s rechnerisch aktuell für 109 Euro, zwischenzeitlich mit verschiedenen Abos auch schon für 99 Euro. Und auch andere hierzulande unbekanntere Modelle nähern sich der 100 Euro Preisschwelle.

Der Bookeen Cybook Muse Frontlight kostete zur Einführung zwischenzeitlich 100 Euro (mittlerweile regulär 110 Euro) und den Boyue T62+ gibt’s für 110 Euro.

Löst Carta Pearl als neuen Standard ab?

All diese Geräte besitzen E-Ink Carta Displays und sind weit weg von der unverbindlichen Preisempfehlung des PocketBook Ultra (der vor rund einem Jahr erstmals in Erscheinung getreten ist!). Aber auch die Preisempfehlung des Tolino Vision 2 (149 Euro) wird quasi seit dem Marktstart dauerhaft unterboten. Damit zeichnet sich ab, dass sich die Carta-Technik in der Komfortklasse, im Preisbereich zwischen 100 und 130 Euro, langsam aber sicher einen Fixplatz sichert.

Die Preisentwicklung dürfte mit den hochauflösenderen Panels zu tun haben, die in Kindle Voyage und Kobo Aura H2O zum Einsatz kommen und vermutlich in der zweiten Jahreshälfte 2015 auch im Kobo Alyssum genutzt werden.

Gleichzeitig besteht berechtigte Hoffnung, dass die Kinderkrankheiten der Carta-Technik mittlerweile ausgeräumt wurden. Der PocketBook Ultra schien die volle Problemladung abgekommen zu haben, alle nachfolgenden Geräte machen jedoch einen deutlich besseren Eindruck. Die Jüngsten: Kobo Aura H2O, Kindle Voyage und als größere Überraschung Bookeen Muse Frontlight, besitzen besonders kontrastreiche Bildschirme (mit und ohne Beleuchtung).

Nun darf man gespannt sein, wie schnell sich die moderne Anzeigetechnologie bei allen Herstellern als Standard durchsetzen wird. Bei Pearl klappte das noch weit vor dem Carta-Start letztendlich sehr flott. Wenn man die derzeitige (Preis-)Entwicklung betrachtet, könnte es auch bei E-Ink Carta schon mit der kommenden Modellgeneration zur Selbstverständlichkeit werden. Aus Kundensicht ist die (Preis-)Entwicklung jedenfalls zu begrüßen, denn mit dem Technikwechsel verbessert sich die Ablesbarkeit der augenfreundlichen E-Ink Technik noch weiter.