TEST: PocketBook Touch Lux

28. Mai 2013
Lesezeit: 31:58 Min.

PocketBook war seit jeher ein Geheimtipp unter digitalen Lesern. Deren eBook Reader haben schon immer einen enormen Funktionsumfang besessen und die Konkurrenz damit abgehängt. Mit dem letzten Softwareupdate hat das ukranische Unternehmen außerdem in Sachen intuitiver Bedienbarkeit nachgebessert, wodurch man in Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht hat.

Mit dem Touch Lux will PocketBook nun endgültig zeigen, dass man nicht mehr nur ein Geheimtipp, sondern ein waschechter Konkurrent am Massenmarkt geworden ist. Wie gut sich der PocketBook Touch Lux 623 – das erste Gerät des Herstellers mit eingebauter Beleuchtung und 1024×758 Pixel eInk Pearl Bildschirm – im Vergleich zur Konkurrenz von Amazon, Kobo und Tolino schlägt, erfährst du im nachfolgenden Test.

Video-Kurztest des PocketBook Touch Lux

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Bilder des PocketBook Touch Lux

Unboxing

Der PocketBook Touch Lux wird in einer hochwertig bedruckten Verpackung aus Karton verkauft, wobei das Auspacken keine Überraschungen bereit hält. In der Packung befinden sich der PocketBook Touch Lux, eine Schnellstartanleitung in mehreren Sprachen, eine Lizenzvereinbarung sowie ein Micro-USB-Kabel.

Wie schlägt sich der PocketBook Touch Lux?

Verarbeitung

Die Optik und Maße des PocketBook Touch Lux haben sich im Vergleich zum Vorgänger nicht verändert. Der Reader misst 175 х 114,5 х 9,5 mm. Das Gewicht von 198 Gramm liegt zwischen Kobo Glo (180 Gramm) und Kindle Paperwhite (213 Gramm).

Der 6 Zoll eInk Bildschirm sitzt wie üblich zentriert und relativ mittig auf der Vorderseite und nimmt den größten Platz ein. Das Display ist dabei geringfügig im Gehäuse versenkt (wie bei allen eBook Readern), was dem Schutz vor Kratzern sehr entgegen kommt. Dank des kapazitiven Touchscreens, ist die Vertiefung allerdings nicht so groß wie bei Kobo Glo oder Sony PRS-T2, welche beide einen Infrarot-Touchscreen besitzt. Ein tiefer sitzender Bildschirm hat den Nachteil, dass seitlich einfallendes Licht größere Schattenbildung zur Folge hat. Davon bleibt der PocketBook Touch Lux verschont.

Entgegen dem Trend: Praktische, frei belegbare Tasten

Während fast alle anderen Hersteller auf ein knopfloses Design bauen, nutzt der PocketBook Touch Lux weiterhin die Bedienung über Tasten – zusätzlich zum Touchscreen versteht sich. Die Tasten sitzen allesamt direkt unter dem Bildschirm: Home, Zurück(blättern), Vorwärts(blättern), Menü. Eine Besonderheit der PocketBook Geräte ist die Möglichkeit die Tastenfunktionen selbst festzulegen – später dazu mehr. Die Knöpfe haben einen guten Druckpunkt, sind nicht zu laut und greifen sich angenehm an. Mittig zwischen Tasten und Bildschirm befindet sich eine Status-LED, welche den Aktivitätsstatus des Prozessors bzw. den Aufladestand anzeigt und sich optional deaktivieren lässt.

Auch das restliche Gehäuse des PocketBook Touch Lux braucht sich nicht zu verstecken. Unserer graphitfarbenes Testgerät macht einen sehr edlen Eindruck und ist bestens verarbeitet. Nichts knarzt oder wackelt. Ein großer Vorteil dieser dunkelgräulichen Farbwahl ist die Unempfindlichkeit auf Fingerabdrücke. Man muss schon sehr genau hinsehen, um welche zu erkennen.

Tolle Verarbeitung, inkl. physischer Knöpfe zur besseren Bedienbarkeit

Die Rückseite besteht aus einem Softtouch-Material in tiefschwarzer Farbe, wobei Fingerabdrücke hier schon deutlich besser sichtbar sind. Das Material greift sich sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite gut an. Links- und rechtsseitig, sowie an der Oberkante des PocketBook Touch Lux gibt es keine Knöpfe oder Anschlüsse, diese befinden sich allesamt auf der Unterseite des Geräts. Dort findet man den 3,5 mm Klinkenanschluss zur Audioausgabe, den Micro-USB-Anschluss zum Aufladen und Datenaustausch, den MicroSD-Kartenslot, sowie den Ein- und Ausschaltknopf. Außerdem gibt es einen kleinen Reset-Knopf, sollte die Software des Geräts bockig werden.

Eine Kleinigkeit muss ich aber doch noch kritisieren: Der Druckpunkt des Einschaltknopfes sitzt etwas zu tief. Das ist für die Funktion grundsätzlich kein Problem, man muss den Knopf allerdings weiter ins Gehäuse drücken als man das im ersten Moment erwartet hätte. Ein weiter oben sitzender Druckpunkt wäre jedenfalls angenehmer gewesen. Aber keine Sorge, es handelt sich bei diesem Kritikpunkt vermutlich mehr um persönliche Preferenz als um einen messbaren Fehler. Von daher wiegt das nicht allzu schwer.

Alles in allem bietet der PocketBook Touch Lux jedenfalls eine überzeugende Verarbeitung an der es nicht viel auszusetzen gibt.

Ausstattung

Der PocketBook Touch Lux gehört zu einer austerbenden Sorte. Im Gegensatz zum Trend am eBook Reader Markt besitzt er nicht nur Tasten, sondern auch eine Audiounterstützung. Wie bereits erwähnt, gibt es dafür am unteren Geräterand den 3,5 mm Klinkenanschluss, über welchen man Musik, Hörbücher und Text-To-Speech-Funktion ausgeben kann. Und mehr noch: PocketBook hat die Audiofunktion nicht nur beibehalten, sondern auch verbessert (mehr dazu später).

Der interne Speicher beträgt 4GB, was gehobenem Standard entspricht. Mittels MicroSD-Karte kann der Speicher um bis zu 32GB erweitert werden, sodass es im Bedarfsfall nie Probleme mit zu geringem Speicherplatz geben sollte. Ebenfalls mit dabei ist eine WLan-Verbindung, durch welche man Zugriff auf das Internet und damit auf den eingebauten eBook Store bekommt.

Display & Beleuchtung

Bei der Bildschirmtechnik des PocketBook Touch Lux gibt es keine Überraschungen. Der eBook Reader nutzt wie alle aktuellen Konkurrenten einen eInk Pearl Bildschirm mit einer Auflösung von 1024×758 Pixel, welcher 16 Graustufen darstellen kann.

Im nachfolgenden Bild sehr gut erkennbar, ist die bessere Kantenglättung im Vergleich zum PocketBook Touch 622. Die Kantenschärfe ist aufgrund der Lichtträgerfolie allerdings etwas geringer. Bei normaler Textgröße wirkt der Bildschirm des PocketBook Touch Lux etwas schärfer, den wahren Mehrwehrt der höheren Auflösung sieht man aber hauptsächlich bei kleineren Schriftgrößen und bei PDF-Dateien und Bildern.

Unter dem Mikroskop: PocketBook Touch Lux vs. PocketBook Touch

Sehr gute Kontrastwerte

eInk Pearl verspricht Kontrastwerte von mindestens 10:1. Die tatsächlichen Werte hängen dann letztendlich aber vom Zulieferer ab, womit sich die Kontrastwerte zwischen den unterschiedlichen Geräteherstellern trotz gleicher Technik unterscheiden.

Wir haben uns den Bildschirm daher wie immer unter dem Mikroskop genauer angesehen und dabei auch die Kontrastwerte gemessen. Der PocketBook Touch Lux schneidet ohne Beleuchtung eine Spur besser ab als sein Vorgänger. Mit einem Kontrastverhältnis von 12:1 liegt er aber weiterhin knapp hinter dem Referenzgerät Sony PRS-T2.

Ähnlich gut sieht es mit dem Kontrast bei aktivierter Beleuchtung aus. Der PocketBook Touch Lux kann mit einem Kontrastverhältnis von knapp 13:1 die meisten anderen eBook Reader hinter sich lassen. Lediglich mit dem Kindle Paperwhite kann er nicht ganz mithalten, was aber in Anbetracht der ausgezeichneten Werte kein Beinbruch ist.

An die Kontrastwerte des Kindle Paperwhite kommt er nicht ran …

… den Kobo Glo schlägt der PocketBook Touch Lux aber.

Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung (höher ist besser)

  • Sony PRS-T2 13:1
  • PocketBook Touch Lux 12:1
  • Kindle Paperwhite 11,5:1
  • Tolino Shine 11:1
  • Kobo Glo 10:1

Kontrastverhältnis mit Beleuchtung (höher ist besser)

  • Kindle Paperwhite 15:1
  • PocketBook Touch Lux 13:1
  • Tolino Shine 12:1
  • Kobo Glo 11,5:1

Gleichmäßige Beleuchtung mit geringerer Helligkeit

Weitere Pluspunkte kann sich die Beleuchtung in Hinblick auf die Gleichmäßigkeit sammeln. Es gibt zwar wie bei anderen Geräten auch einen minimalen vertikalen Helligkeitsverlauf, allerdings ist der ausgesprochen gering und kaum wahrnehmbar. In jedem Fall befindet sich der PocketBook Touch Lux in dieser Hinsicht auf sehr hohem Niveau. Ebenfalls typisch für eine LED Frontbeleuchtung ist die Schattenbildung am underen Bildschirmrand, die auch beim Touch Lux vorhanden ist. Diese ist allerdings nur rund einen halben Zentimeter hoch, wodurch sie den Text nicht erreicht und den Lesefluss nicht negativ beeinflusst.

Die maximale Helligkeit der Beleuchtung ist im Vergleich zur Konkurrenz zum Teil deutlich geringer (ca. 50% gegenüber dem Kobo Glo, ca. 25% gegenüber dem Kindle Paperwhite). Das ist für den Lesebetrieb aber kein Problem, da der PocketBook Touch Lux natürlich trotzdem ausreichend hell leuchtet. Lediglich bei starker externer Lichteinstrahlung wirkt der Hintergrund nicht so weiß wie bei der Konkurrenz.

Erwähnenswert ist die recht deutliche Blaufäbrung der Beleuchtung. Man gewöhnt sich im Lesebetrieb zwar recht schnell daran, allerdings wird ein wärmerer Farbton, wie man ihn besonders bei den Kobo Geräten findet, meist als angenehmer empfunden. Auch von mir. Das verhält sich in etwa so wie beim Vergleich zwischen Glühbirne und Energiesparlampe – manche stört das kältere Licht, andere wiederum nicht. Letztendlich muss aber jeder für sich selbst entscheiden, ob die bläuliche Färbung ein Minuspunkt ist oder nicht, da dies vornehmlich eine Sache des eigenen Geschmacks ist. Wir haben es dem PocketBook Touch Lux daher nicht negativ angelastet.

Jeder Beleuchtungs-Reader hat seine eigene Färbung. Der PocketBook Touch Lux (rechts außen) leuchtet bläulich

Die Bedienung des PocketBook Touch Lux erfolgt wie auch beim Vorgänger über einen kapazitiven Touchscreen. Dieser reagiert ausgezeichnet. Unerwünschte Spiegelungen gibt es dank des matten, entspiegelten Digitizers nicht. Die Beleuchtung wird softwareseitig gesteuert, inkl. Ein- und Ausschalten. Dazu befindet sich am unteren Bildschirmrand ein Symbol, mit welchem man einen Schieberegler aufrufen kann. Hier lässt sich die Beleuchtung absolut stufenlos den eigenen Bedürfnissen anpassen. Alternativ kann man die Beleuchtung auch mit einem langen Druck auf den Menüknopf (de)aktivieren.

Unterm Strich kann PocketBook mit der Beleuchtung gleich beim ersten Versuch fast restlos überzeugen. Da hat es sich auf jeden Fall bezahlt gemacht, dass man sich mit dem Marktstart, trotz der zahlreichen Neuerscheinungen bei den Konkurrenten, nicht hetzen ließ und offensichtlich an den richtigen Stellen Finetuning betrieben hat.


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