USA: eBook Preise in den letzten Jahren um 45 Prozent gefallen; Keine Panik!

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Eine der größten Sorgen der Buchhändler, Verlage und Autoren ist sicherlich der mögliche Preissturz bei eBooks, der Umsätze und Gewinne bedroht. Gleichzeitg fürchten sich auch viele vor eBooks auf Ramschniveau. Die Befürchtung scheint auf den ersten Blick nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein, denn in den USA sind die Preise für digitale Bücher in den letzten Jahren massiv gefallen.

Während im Jahr 2009 für ein eBook noch durchschnittlich 10,19 US-Dollar den Besitzer gewechselt haben, waren es laut Bowker Market Research im Jahr 2012 nur noch 5,65 US-Dollar. Das entspricht einem Preissturz von fast 45 Prozent. Aber nicht nur eBooks, sondern auch Hörbücher haben eine ähnliche Entwicklung durchgemacht. 2009 waren durchschnittlich 17,87 US-Dollar fällig, 2012 waren es nur noch 11,50 US-Dollar.

Bei den gedruckten Büchern war die Preisentwicklung über den Vierjahreszeitraum wechselnd, sodass Taschenbücher im vergangenen Jahr unterm Strich nur 3 Cent weniger gekostet haben, als im Jahr 2009.

Keine Panik!

Die Sorge, dass eBooks zur Ramschware werden, scheint indes aber trotzdem nicht berechtigt zu sein. Viel mehr ist der Preisturz offenbar durch die Weitergabe der Ersparnisse beim eBook-Vertrieb zustande zu kommen. Dies wird deutlich, wenn man sich die Umsätze am US-Buchmarkt ansieht. 2012 lagen diese bei rund 27,1Mrd. US-Dollar am gleichen Niveau wie im Jahr 2009.

Dass die eBook Preise nun offenbar dem tatsächlichen Marktwert angepasst werden, lässt auch ein Blick in die Jahre dazwischen vermuten. 2010 und 2011, das sind jene Jahre in denen die eBook Verkäufe in den USA förmlich explodiert sind (und der Preis pro eBook noch höher lag), stiegen die Umsätze auf 27,9 Mrd. bzw. 27,4 Mrd. US-Dollar kurzzeitg leicht an. Mit den nun gefallenen eBook-Preisen relativiert sich dieses Umsatzwachstum wieder und ist am Niveau von 2009 angekommen. Das liegt allerdings noch immer über dem von 2008, wo der Gesamtumsatz bei 26,5 Mrd. US-Dollar lag.

Es ist schwer abzuschätzen, ob es auch am heimischen Buchmarkt einen ähnlichen Preissturz geben wird. Einerseits verhindert die Buchpreisbindung einen Preiskampf wie er in den USA (oder auch in Großbritannien) immer wieder wütet und die Durchschnittspreise purzeln lässt, andererseits ist Amazon aber auch in Deutschland mit aggressiven eBook Preisen ab 99 Cent für exklusive Bestseller auf Kundenfang. Das könnte über kurz oder lang auch andere dazu nötigen die eBook Preise zu senken.

Wie die Zahlen zeigen, braucht das Verlagswesen aber selbst bei einem eBook-Preissturz offenbar keinen Gewinneinbruch zu fürchten. Im Gegenteil: Unterschiedliche Verlage berichten immer wieder, dass deren eBook Umsätze die sonstigen Verluste aufgefangen haben.

Rückblick auf die Entwicklung

Wie die Association of American Publishers (AAP) aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Jahr 2011 gemeldet hat, sind die eBook-Umsätze von Januar bis Mai 2010 im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2011 um satte 160,1% gestiegen. Es war das bis dahin stärkste Wachstum am digitalen Buchmarkt und markierte gleichzeitig die Spitze der Entwicklung.

In konkreten Zahlen bedeutet dies ein Ansteigen von 149,8 Millionen auf 389,7 Millionen US-Dollar. Damit sind eBooks von Platz 7 im Verkaufsranking, auf Platz 2 geklettert und liegen direkt hinter den Taschenbüchern (bzw. Paperbacks), welche einen Umsatz von 473,1 Millionen US-Dollar generiert haben.

Insgesamt ist der US-Markt für gedruckte Bücher im Vergleichszeitraum in fast allen Bereichen geschrumpft.

Der deutsche Buchmarkt hat im gleichen Zeitraum noch keine solch drastischen Umwälzungen erfahren. Nur 1% (!) des deutschen Gesamtbuchmarktes machten im Jahr 2010 eBooks aus. Der europäische eBook-Markt steckte also im direkten Vergleich zu den USA noch in den Kinderschuhen und besonders die fehlenden Vertriebsrechte vieler US-Anbieter für den hiesigen Markt, sowie die zaghafte Vermarktung von eBook Readern, hemmten das Wachstum.

Erst die Einführung des Amazon Kindle und der Ankündigung von Kobo auch auf dem deutschen Markt durchstarten zu wollen, brachte den Stein auch hierzulande ins Rollen. Spätestens mit dem Start der Tolino-Allianz war der Bann gebrochen und eBook Reader auch vielen weniger technikversierten Personen bekannt.

Nachfolgend gibt’s noch die oben genannte Entwicklung des US-Marktes in Tabellenform:

Category2011 YTD2010 YTDPercent Change
Adult Paperback$473.1 Million$576.4M-17.9%
E-Books$389.7M$149.8M+160.1%
Adult Hardcover$386.2M$504.1M-23.4%
Religious Books$252.5M$227.8M+10.8%
Children’s/YA Hardcover$198.1M$211.4M-6.3%
Adult Mass Market$185.1M$264.8M-30.1%
Children’s/YA Paperback$163.5M$192.5M-15.1%
Downloaded Audiobooks$36.5M$31.2M+17.0%

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren
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