Illegale eBook-Plattform mit 800.000 Downloads im Monat

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Aktuell macht eine für den deutschen eBook Handel wenig erfreuliche Meldung die Runde. Eine der größten Plattformen zum illegalen Download von eBooks verzeichnet wohl bald Downloads im siebenstelligen Bereich – monatlich.

Die Plattform hat vor kurzem Statistiken veröffentlicht, wonach man im April 2013 voraussichtlich 5 Millionen Zugriffe haben wird. Damit setzt man das stetige Wachstum seit Anfang des Jahres fort, sodass die Zugriffszahlen im Jahresverlauf vermutlich noch weiter ansteigen werden. Aber nicht nur die Zugriffe selbst, auch die Downloads steigen immer weiter.

Illegale Downloads wachsen mit dem eBook Markt

Während im Februar 2013 noch rund 540.000 eBooks heruntergeladen wurden, werden es im April laut eigener Prognose ca. 840.000 sein. Im Blog der Plattform gibt man an, dass viele der angeboteten Titel gemeinfrei sind. Allerdings verrät ein Blick in das Angebot, dass auch eine Vielzahl urheberrechtlich geschützter Titel enthalten ist.

Downloadstatistiken des Portals

Bei einem durchschnittlichen eBook-Preis von 8,64 Euro (Stand September 2012) kommt da schon eine nicht unbedeutende Summe an möglichen entgangenen Verkäufen zusammen. Allerdings gilt hier zu bedenken, dass ein illegaler Download nicht gleichzeitig bedeutet, dass der Nutzer das Produkt auch tatsächlich gekauft hätte. Dieser Umstand wird von der Industrie gerne ignoriert.

Zahlenspiele

Aber nichtsdestotrotz sind diese Zahlen für den gewerblichen eBook-Handel durchaus alarminierend. Wenn man die aktuellen monatlichen Downloads nämlich auf ein Jahr hochrechnet (ohne mögliches weiteres Wachstum zu berücksichtigen), kommt man irgendwo im Bereich um 10 Millionen Downloads an. Im Jahr 2012 wurden in Deutschland insgesamt 12,3 Millionen eBooks verkauft, für 2013 kann man zwischen 25 und 30 Millionen verkaufter eBooks erwarten.

Das Verhältnis von gekauften zu legal kostenlos heruntergeladenen eBooks liegt bei ca. 60:40. Wenn man davon ausgeht, dass das Verhältnis bei der genannten illegalen Plattform ähnlich liegt, dann wären das im Jahresverlauf rund 6 Millionen urheberrechtlich geschützte Werke, die so heruntergeladen werden. Insgesamt also 20 Prozent des gesamten deutschen eBook-Marktes.

Das sind jetzt natürlich nur ungenaue Prognosen anhand verschiedener Schätzungen, aber das sollte schon in etwa die Richtung zeigen, in der sich das Ganze bewegt.

Was tun?

Da stellen sich die Rechteinhaber natürlich die Frage: Was tun? Der erste Reflex besteht darin, das illegale Angebot schließen zu wollen. Das erweist sich allerdings als recht schwierig, denn während man zwar vor einiger Zeit einen bei Google gehosteten Blog offline nehmen konnte, ist das beim gegenständlichen Angebot aufgrund des auswärtigen Serverstandorts kaum möglich. Während von verschiedenen Seiten gegen die Plattform vorgegangen wird, stellt sich allerdings die Frage, ob das den Zeit- und Geldaufwand überhaupt wert ist.

Höchstwahrscheinlich nicht.

Wenn man sich ansieht wie sich die illegalen Digitalangebote in den letzten Jahren entwickelt haben, dann wird auch die Schließung dieser eBook-Plattform vermutlich keinerlei Nutzen haben. Im Gegenteil. Als vor einigen Jahren Deutschlands größtes illegales Tauschforum geschlossen wurde, wurden kurzerhand mehrere Alternativen eröffnet, deren Hintermänner nicht fassbar sind. Nun müssen sich die Rechteinhaber anstatt mit einem großen Angebot mit mehreren nur marginal kleineren rumschlagen.

Wer nun glaubt, dass dies ein Einzelfall ist, der irrt. Auch von der medial viel berichteten Schließung der Plattform Kino.to bleibt letztendlich nicht viel. Auch diese Schließung hatte nur zur Folge, dass weitere ähnliche Angebote gestartet wurden. Da liegt es nahe, dass es bei der möglichen Schließung dieser eBook-Plattform ebenso vonstatten gehen wird. Hier kommt einfach das Angebot- und Nachfrageprinzip zu tragen, welches auch am sonstigen Markt herrscht. Solange es die Nachfrage nach kostenlosen, auch urheberrechtlich geschützten, eBook-Downloads gibt, wird es auch immer entsprechende Angebote geben.

Legales Angebot verbessern

Anstatt sich hier auf eine Sache zu konzentrieren, die aufgrund der Struktur des Internets nicht beherrschbar ist (wie man eben an den zuvor genannten Beispielen sehen kann), sollte man lieber darüber nachdenken, wie man das eigene Angebot attraktiver gestalten kann.

DRM stellt nach wie vor ein großes Problem im Gebrauch mit eBook dar, die deren Handhabung unnötig verkompliziert. Während man sich beim illegalen Download nicht damit herumschlagen muss, sind die ehrlichen Käufer in der Nutzung der eBooks hingegen eingeschränkt. Besonders sinnvoll scheint der Kopierschutz in Anbetracht der wachsenden illegalen Downloadzahlen ja nicht zu sein – wieso also überhaupt darauf bestehen?

Steuersätze in der EU

Gleichzeitig sollte man auch die Preispolitik überdenken. Auch wenn der Steuersatz auf eBooks mit 19 Prozent (in Österreich 20 Prozent) höher ist als bei gedruckten Werken, kann man die relativ geringen Preisunterschiede kaum damit erklären. Obwohl für die Herstellung und den Vertrieb eines eBooks deutlich weniger Ressourcen benötigt werden, sind die digitalen Werke meist nur unwesentlich billiger.

Die Musikindustrie musste ebenso schmerzlich erfahren, dass man besser am eigenen Angebot arbeitet, als gegen aktuelle Trends zu arbeiten. Der DRM-Schutz musste fallen gelassen werden, damit man dem illegalen Angebot beikommen konnte. Davon sollte der eBook-Markt lernen.