eBook Warez: Buchpiraten expandieren, legale Angebote unter Zugzwang

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Das bald abgelaufene Jahr 2013 ist für den eBook-Markt besonders erfolgreich gelaufen. Im Kielwasser der legalen Angebote sind aber auch die Buchpiraten groß geworden und konnten dieses Jahr ein enormes Wachstum erzielen.

Das gipfelte schließlich darin, dass die wohl größte eBook Warez Seite einen Nutzungsbeitrag eingeführt hat. Damit sollten weitere eBooks und auch der immer teurer werdende Server finanziert werden. Für nur 10 Euro, für 3 Monate, hält sich die Plattform nun über Wasser. Mehr noch: Das finanzielle Erfolg war so groß, dass der Pressesprecher „Spiegelbest“ kurz nach Einführung des Nutzungsbeitrags kalte Füße bekommen und die persönliche Notbremse gezogen hat und B***.to verließ.

Der echte Knall kam dann wenige Tage später als das gesamte eBook-Angebot der Plattform im Internet verbreitet wurde. Insgesamt über 40.000 Buchtitel wurden in einem gesammelten Paket über verschiedene Kanäle verteilt. Das war für die Plattform ein harter Schlag, immerhin schmälert sich der Wert des Angebots deutlich, wenn man den gesamten Buchbestand auch anderweitig für lau herunterladen kann. Für die Buchbranche sollte das zunächst aber kein allzu großes Problem sein, denn Privatnutzer werden sowieso nur einen winzigen Bruchteil dieses großen Pakets lesen können.

Größer, besser, schöner und illegal

Problematischer war das Ganze aber auf lange Sicht, denn das eBook-Archiv eröffnete auch anderen die Möglichkeit, eine Piraten-Seite zu öffnen. Nun musste man schließlich nicht von vorne beginnen, sondern kann auf einen ansehnlichen Bestand zurückgreifen.

So ist es nun auch gekommen. Neben der bekannten Plattform B***.to öffnete vor Kurzem auch L**.to die Pforten. Das (illegale) Angebot besteht dabei aus dem genannten 40.000-eBook-Paket, sowie aus Zeitschriften und aus Hörbüchern, welche die Betreiber schon auf einer anderen Plattform angeboten haben.

Damit dürfte L**.to zumindest vom Angebot mit einem Schlag zur größten eBook-Warez Plattform aufgestiegen sein, die es aktuell gibt. In jedem Fall ist es aber ein ernstzunehmender Konkurrent zum bisherigen Spitzenreiter b***.to.

Die neue Plattform bietet mehr und ist schöner aufbereitet. Sie ist damit ein ernstzunehmender B***.to Konkurrent und auf jeden Fall ein weiteres Problem für die Rechteinhaber

Dabei bieten die Buchbiraten laut eigener Angabe insgesamt 2,88 Terrabyte an Daten, wovon der größte Teil vermutlich auf Hörbücher entfällt.

Wie auch b***.to will die neue Plattform Geld einspielen, was allerdings nicht in Form einer Flatrate geschieht, sondern über ein Guthabenkonto. Dieses lädt man entweder mit einer Paysafecard oder mit Bitcoins auf und kann die gewünschten eBooks oder Hörbücher für wenige Cent (weit unter Ladenpreis) kaufen. Die meisten eBooks gibt’s für 1 bis 3 Cent, Hörbücher für 10 bis 50 Cent.

Aus Nutzersicht könnte das Angebot eigentlich nur noch in Hinblick auf die (fehlende) Legalität verbessert werden. Für die Rechteinhaber ergibt sich nun aber ein ernsthaftes Problem: B***.to war eine Plattform, die man zwar trotz aller Bemühungen nicht abdrehen konnte, aber zumindest war es nur ein einzelner gewichtiger Gegner den man bereits kannte. Jetzt gibt’s einen zweiten, dessen Angebot nicht nur hübscher aufbereitet ist, sondern mit Hörbüchern und Zeitschriften auch noch größer ist.

Zukunft … ungewiss

Es ist zudem keineswegs gesagt, dass es bei diesen beiden Angeboten bleiben wird. Mit dem B***.to-eBook-Archiv ließe sich das beliebig oft wiederholen. Im besten Fall ist der Kampf gegen diese illegalen Angebote also einer gegen Windmühlen. Tatsächlich scheint es aber keinen echten Kampf zu geben, da die Anbieter ohne Werbeschaltungen, ohne One-Click-Hoster und ohne Zwischenhändler mit eigenen Servern irgendwo im Ausland nicht greifbar sind. Die Bemühungen diese illegalen Plattformen offline zu nehmen, dürften also auch weiterhin ins Leere gehen.

Für die Rechteinhaber bedeutet das, dass die Verfolgung dieser Plattformen bzw. der Hintermänner höchstwahrscheinlich verschwendete Zeit und verlorenes Geld ist. Um das Geschäft nicht an die Piraten zu verlieren, ist es also höchste Zeit das eigene Angebot zu überarbeiten.

Das fängt zunächst damit an, den harten DRM Schutz aufzugeben, der es ehrlichen Käufern schwerer macht eBooks zu lesen, Buchpiraten aber sowieso nicht davon abhält die Titel zu kopieren. Die Sinnhaftigkeit von DRM bleibt also weiterhin auf der Strecke. Mit voranschreitender Zeit, mehr denn je.

Auch Google ist im Piracy Report der Meinung, dass in erster Linie das legale Angebot verbessert werden muss, um Piraterie effektiv zu bekämpfen: “Piraterie entsteht oft, wenn die Nachfrage der Verbraucher nicht durch legale Angebote befriedigt wird. Wie Dienste von Netflix über Spotify bis hin zu iTunes zeigen, ist der beste Weg Piraterie zu bekämpfen, bessere und komfortablere legale Services zu schaffen. Die richtige Kombination aus Preis, Komfort und Warenbestand wird deutlich bessere Ergebnisse zur Verringerung von Piraterie liefern, als erzwungene Einschränkungen”.

Die zweite Maßnahme müssen transparente und nachvollziehbare eBook-Preise sein. Vor einigen Tagen haben wir uns bereits gefragt, warum eBooks eigentlich so teuer sind. Das ließ sich an einigen Beispielen sehr deutlich zeigen, wo für’s Digitalbuch gleich viel verlangt wird, wie für’s Hardcover und sogar die dazugehörigen ungekürzten Hörbücher günstiger sind.

Fest steht jedenfalls, dass der Kampf um den Kunden – legal und illegal – im kommenden Jahr noch härter ausgetragen wird als bisher. Es buhlen nicht nur die zahlreichen legalen Anbieter um die Gunst der Kunden, sondern auch die Buchpiraten.

Bildquelle: Olivier Bruchez