Tolino Partner mit positiver Bilanz, Tolino Vision als neues Zugpferd

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Gestern hat die Tolino Allianz den Vorhang gelüftet und den neuen eBook Reader Tolino Vision präsentiert. Das Gerät ist in Hinblick auf Technik und Design ein deutlicher Schritt vorwärts und zusammen mit der seit Start des Tolino Shine verbesserten Software kann spätestens jetzt (und eigentlich nach dem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft) gesagt werden, dass die Tolino Geräte sich einen fixen Platz am hart umkämpften deutschen eBook (Reader) Markt erarbeitet haben.

Auch wenn die Erfolgsgeschichte für die Filialisten auf den ersten Blick kaum besser sein könnte, so ist die Sache aber tatsächlich nicht so einfach wie sie sich darstellt. Der Tolino Shine wurde zum Preis von 99 Euro auf den Markt gebracht, wobei zur Vorstellung schon davon ausgegangen wurde, dass es sich dabei um ein Verlustgeschäft für die Tolino-Anbieter handeln könnte. Bestärkt wurde dies durch die Gerüchte, wonach der eBook Reader nach einem bestimmten Zeitraum verteuert werden sollte. Club Bertelsmann hatte einen regulären Preis von 119 Euro ausgewiesen, der ab 1. Mai 2013 gelten sollte.

Tolino Shine als Wegbereiter

Sollte der Tolino Shine ursprünglich 119 Euro kosten?

Zu einer Preissteigerung ist es dann allerdings nicht gekommen. Stattdessen wurde der Tolino Shine im Weihnachtsgeschäft zeitweise noch weiter vergünstigt und (zum Teil in Kombination mit Zubehörartikeln) unterm Strich mehrmals zwischen 75 und 85 Euro verkauft. Gleichzeitig haben die Tolino Partner eine offensive Werbekampagne betrieben, die ebenfalls nicht billig gewesen sein dürfte. Man sieht also, dass der Kampf um Marktanteile keineswegs einfach war. Besonders die Weltbild-Insolvenz hat dies sehr deutlich gezeigt.

Letztendlich ist das Unterfangen für die Tolino Allianz aber dennoch geglückt, denn laut GfK konnten die Buchhandelspartner inzwischen einen Marktanteil von 35 Prozent bei den eBooks gewinnen. Dabei wird in der Pressemitteilung zum Erscheinen des Tolino Vision auch auf die Situation in anderen Märkten Bezug genommen: „Während etwa in den USA und Großbritannien der Marktführer Anteile von 80 bis 90 Prozent auf sich vereint, konnten wir tolino-Partner diesem Trend im deutschsprachigen Raum etwas entgegensetzen“. Die Rede ist selbstverständlich von Amazon. Auch wenn sich in Deutschland zunächst keine ganz so drastische Entwicklung abgezeichnet hat, da mit PocketBook, Kobo und Sony bereits andere eBook (Reader) Anbieter erfolgreich aktiv waren, so war (ist !) das Gewicht Amazons aber auch hier sehr deutlich zu spüren.

Dass die Tolino Allianz die Marktentwicklung stark beeinflusst hat, steht außer Frage. Besonders die Tatsache, dass der Kindle Paperwhite in jüngerer Zeit auch immer wieder (und weiterhin bei diversen Saturn und Media Markt Filialen) für 99 Euro verkauft wird, spricht eine klare Sprache.

Tolino Vision technisch auf Augenhöhe mit Amazon

Mit der Vorstellung des Tolino Vision unterstreichen die Filialisten nun außerdem, dass man nicht einfach nur einen kurzfristigen Erfolg feiern will, sondern den Markt auf lange Sicht maßgeblich mitgestalten möchte. Auch wenn der Tolino Shine zum Erscheinen ein grundsolides Gerät war (mit abgespecktem Funktionsumfang), technisch blieb der Shine weitestgehend unauffällig. Mit dem Tolino Vision ändert sich das nun recht deutlich. Rund 6 Monate nachdem der Kindle Paperwhite exklusiv mit E-Ink Carta Display in Deutschland erschienen ist, bringt die Tolino Allianz als erster Anbieter abseits Amazon die gleiche Displaytechnologie auf den Markt. Gleichzeitig nutzt man auch den gleichen (schnellen) Prozessor wie er im Amazon-Konkurrenten zum Einsatz kommt und setzt auf die oft gelobte Tablet-Optik die man bereits vom Kobo Aura kennt.

Dieser Optik- und Techniksprung ist umso eindrucksvoller, wenn man bedenkt wie die bisherige Entwicklung deutscher eBook Reader aussah. Der Thalia Oyo konnte nach einem holprigen Start auch mit seinem Nachfolger kaum überzeugen, der zu schwer, zu langsam, zu instabil und letztendlich zu mutlos war.

Natürlich wird sich jetzt natürlich auch der Tolino Vision erstmal beweisen müssen, aber zumindest in Hinblick auf Optik und Technik darf man eben schon ein paar Vorschusslorbeeren verteilen. Es wird zudem interessant sein zu sehen, wie sich der Markt in Anbetracht des neuen Konkurrenten entwickelt.

Amazons Preissenkungen des Kindle Paperwhite durfte man als direkte Antwort auf den niedrigen Preis des Tolino Shine verstanden wissen. Da der direkte Konkurrent nun aber Vision heißt und zum gleichen Preis erhältlich ist, könnte sich der defizitäre Preiskampf ein wenig nach oben verlagern. Gleichzeitig darf man auch den PocketBook Ultra nicht vergessen, der ebenfalls mit einem E-Ink Carta Display ausgestattet sein wird und bald vorgestellt werden soll. Ein entsprechendes Kobo Gerät wird wohl ebenfalls spätestens im Herbst auf den Markt kommen.

Als großes Fragezeichen steht aber natürlich auch die künftige Entwicklung der Amazon eBook Reader im Raum. Seit einiger Zeit nacht das Gerücht die Runde, dass der Versandriese noch in diesem Quartal ein neues Lesegerät mit stark veränderter Optik und 300ppi-Display auf den Markt bringen will. Außerdem warten wir noch auf den ersten eBook Reader mit Liquavista Bildschirm. Es bleibt also weiterhin spannend und besonders das heurige Weihnachtsgeschäft könnte wieder einigen Zündstoff bieten.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren