TEST: PocketBook SURFpad 3 (7,85″)

Geschätzte Lesezeit: 22:28 min.

Der eBook Reader Spezialist PocketBook konnte in den vergangenen Monaten das Geräteportfolio stark ausbauen, sodass nicht nur dedizierte Lesegeräte als Hauptgeschäftsfeld eine große Bedeutung für das Unternehmen haben, sondern auch deren Tablets immer mehr Blicke auf sich ziehen.

Vor einigen Monaten haben wir daher das Surfpad 2 getestet, das mit HD-Display, schnellem Rockchip Chipsatz und gleichzeitig sehr günstigem Einstiegspreis überzeugen konnte. Mittlerweile hat PocketBook eine weitere Tablet-Generation auf den Markt gebracht.

Das neue Surfpad 3 orientiert sich dabei in Form und Hardware (inkl. 3G) am ersten Apple iPad Mini, kostet aber mit rund 170 Euro deutlich weniger. Wie sich das neue PocketBook-Tablet schlägt und ob sich der Kauf auszahlt, erfährst du im nachfolgenden Testbericht.

Unboxing

Das PocketBook Surfpad 3 wird in einer hochwertigen, aber eher unauffälligen, cremfarbenen Verpackung verkauft. Darin befinden sich das Tablet, ein Micro-USB-Kabel, ein USB-Host-Adapter und ein 2 Ampere Netzteil.

Die Beigabe des Netzteils ist inzwischen zwar nicht mehr ungewöhnlich, aber immer eine praktische Zugabe – besonders bei der starken Ausgangsleistung. Mit dem Netzteil ist man nicht auf die noch weit verbreitete geringe Ausgangsstärke der USB 2.0 Anschlüsse bei vielen PCs und Notebooks angewiesen, sondern kann den Akku des Tablets wieder relativ schnell bis zur Gänze füllen (in ca. 2 Stunden; per USB 2.0 ca. 8 Stunden; per USB 3.0 ca. 4 1/2 Stunden). Netzteil und USB-Kabel sind getrennt voneinander, was bedeutet, dass man das Micro-USB-Kabel auch zum Datentransfer einsetzen kann.

Eine gesonderte Erwähnung bekommt hingegen der USB-Host-Adapter. Der hat zwar üblicherweise nur einen Wert von rund 5 Euro, in Zeiten in denen der Lieferumfang immer geringer wird, ist es aber dennoch als Pluspunkt zu werten, dass PocketBook den Adapter beigelegt hat.

Verarbeitung

All jene die mit dem üblichen 7 Zoll 16:9 Tablet Format vertraut sind, werden sich beim Surfpad 3 ein wenig umgewöhnen müssen. Das Tablet nutzt einen 7,85 Zoll Bildschirm im Format 4:3, wodurch das Gerät weniger in die Länge gezogen ist und von der Form an das Apple iPad Mini erinnert. Die Ecken des PocketBook-Tablets sind allerdings stärker abgerundet.

Das 4:3 Format ist bei Android Tablets weniger stark verbreitet als das übliche 16:9 Format

Der Bildschirm sitzt mittig zentriert auf der Vorderseite unter der Glasoberfläche. Die Oberfläche wird nur durch die beiden Lautsprecher unter- und oberhalb des Bildschirms unterbrochen. Navigationstasten oä. gibt es nicht, d.h. die Bedienung erfolgt, wie bei den meisten anderen aktuellen Android Tablets, ausschließlich über den Bildschirm. Direkt neben dem oberen Lautsprecher befindet sich die Frontkamera.

Auf der rechten Seite befinden sich der Power-Knopf und der Wipp-Schalter zur Lautstärkeneinstellung. Außerdem findet sich hier die Abdeckung, hinter der SIM-Karten-Einschub und MicroSD-Kartenslot sitzen. Am oberen Geräterand findet man den Micro-USB-, sowie den 3,5 mm Klinkenanschluss. Auf der Rückseite findet sich die 5 Megapixel Kamera und ein kleines Loch in dem eines der beiden Mikrofone sitzt. Das zweite Mikrofon befindet sich am unteren Geräterand. Die Tasten und Anschlüsse des Surfpad 3 sind sinnvoll und intuitiv platziert, sodass man keinerlei Probleme mit der Bedienung haben sollte.

Die Knöpfe sind intuitiv platziert und einfach zu erreichen

Die Rückseite besteht aus mattem Kunststoff der sich gut anfühlt, aber Berührungen recht deutlich zeigt. In der Mitte befindet sich das zwar relativ große aber optisch dennoch eher unauffällig eingeprägte PocketBook-Logo.

An der Verarbeitung des Geräts gibt es nichts auszusetzen: Das Tablet wirkt absolut hochwertig und ist haptisch ansprechend. Die Lautsprecherausschnitte an der Front sind passgenau und die Spaltmaße des Rahmens könnten nicht besser sein. Knacken, Knarzen und andere Geräusche sucht man vergebens.

Einen weiteren Pluspunkt holt sich das Surfpad 3 bei der Wahl zum Displayglas. Der Vorgänger nutzte Material, über das man den Finger nicht ganz so einfach gleiten lassen konnte, was zwar kein Beinbruch ist, aber doch manchmal störend sein kann. Das Surfpad 3 hat dieses Problem nicht, denn der Finger gleitet hier genauso leicht wie auf teureren Geräten. Das macht sich auch in der Touchscreenempfindlichkeit positiv bemerkbar (siehe unten).

PocketBook-Logo auf der Rückseite

Die Maße des Tablets betragen 200,1 x 136 x 8,9 mm. Zum Vergleich: Das Apple iPad Mini misst mit 200 x 134,7 x 7,5 mm in der Breite und Höhe in etwa gleich viel, ist aber um eine Spur dünner. Die Unterschiede in der Handhabung sind allerdings gering. Mit einem Gewicht von 346 Gramm ist das Surfpad 3 auch circa gleich schwer wie das iPad Mini mit 3G (341 Gramm). Das Apple Tablet verfügt allerdings über ein Retina-Display, sodass PocketBook beim Gewicht noch ein wenig Spielraum gehabt hätte.

Austattung

Das Surfpad 3 ist mit einem Mediatek MT8389 SoC ausgestattet, dessen 4 Kern CPU mit maximal 1,2 GHz takten. Der Arbeitsspeicher ist mit 1 GB in dieser Preisklasse großzügig bemessen und auch für anspruchsvolle Anwendungen ausreichend groß.

Bei den Verbindungsmöglichkeiten kann das PocketBook Gerät ebenfalls punkten: WLan b/g/n, Bluetooth 4.0 und GPS sind mit dabei. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit eine SIM-Karte einzustecken und so mit Hilfe des integrierten 3G-Modems auf das Internet zuzugreifen. An dieser Stelle muss man den hervorragenden WLan-Empfang des Tablets erwähnen. Selbst unter schwierigen Bedingungen, wo andere Geräte Probleme haben die Verbindung zu halten oder überhaupt zu finden, kann man mit dem Surfpad 3 dank stabiler WLan-Verbindung entspannt im Internet surfen.

Simkarteneinschub und MicroSD-Kartenslot befinden sich unter einer Abdeckung

Der interne Speicher beträgt 16 GB, wobei 11,82 GB zur Verfügung stehen. Bei Bedarf kann man den Speicher mit einer MicroSD(XC)-Karte um bis zu 2 TB erweitern. Die rückseitige Kamera löst mit 5 Megapixel auf und kann Videos mit einer Auflösung von 720p aufnehmen. An der Front sitzt eine niedriger auflösende VGA-Kamera. Ein Lagesensor darf da natürlich ebenfalls nicht fehlen. Verzichten muss man hingegen auf einen Sensor, der die Bildschirmhelligkeit automatisch reguliert.

Erwähnenswert ist außerdem die relativ schnelle Transfergeschwindigkeit die das Surfpad 3 via USB-Anschluss erreicht. Mit 25 bis 30 MB pro Sekunde kann man Dateien auf das Tablet kopieren. Andere Tablets sind da mit rund 10 bis 20 MB pro Sekunde meist deutlich langsamer.

Mit dem USB-Host-Adapter kann man außerdem USB-Sticks am Tablet anstecken, die mit üblicher FAT(32)-Formatierung problemlos erkannt werden und auch direkt am Gerät via Datei-Browser durchsucht werden können. Sehr praktisch!

Display

Der 7,85 Zoll große Bildschirm löst mit 1024×768 Pixel auf, was im Grunde auch der einzige größere Kritikpunkt am PocketBook Surfpad 3 ist. Die Auflösung ist für die Bildschirmgröße verhältnismäßig niedrig (160 ppi) und kann mit den mittlerweile weit verbreiteten HD-Displays in Hinblick auf die Schärfe nicht mithalten. Allerdings muss man fairerweise dazu sagen, dass die Wahl zum niedrig auflösenden Bildschirm bewusst getroffen wurde, um die Kosten niedrig zu halten.

An den entscheidenden Stellen hat Pocketbook nämlich nicht gespart, denn von der Auflösung abgesehen ist der Bildschirm hervorragend: Die Farben sind lebhaft und die Betrachtungswinkel sind dank IPS-Technik unschlagbar groß. D.h. auch wenn man schräg auf das Display blickt, muss man keine Einbußen in der Anzeigequalität befürchten. Selbst bei diagonalem Draufblick leistet sich das Surfpad 3 keine Schwäche, wo selbst viele teuere Geräte eine deutliche Verdunkelung zeigen.

Probleme mit Verfärbungen, wie wir sie z.B. beim Tolino Shine 7″ festgestellt haben, gibt’s beim PocketBook Tablet ebenfalls nicht. Zwei kleine Lichthöfe am unteren Bildschirmrand müssen hier aber dennoch Erwähnung finden. Diese sind bei Dunkelheit und schwarzem Bildschirmhintergrund zu sehen, stören die sonstige Darstellung aber nicht.

Der Bildschirm leuchtet ausreichend hell um das Tablet auch bei Tageslicht gut nutzen zu können; bei direkter Sonneneinstrahlung greift man aber natürlich weiterhin besser zum eBook Reader

Die maximale Bildschirmhelligkeit ist mit 389 cd/m² recht hoch und liegt über den meisten anderen Tablets in der Größen- bzw. Preisklasse (meist zwischen 300 bis 350 cd/m²). Allerdings ist auch die minimale Helligkeitseinstellung mit 53 cd/m² verhältnismäßig hoch, was für lichtempfindliche Personen bei absoluter Dunkelheit zum Problem werden könnte. Zum Vergleich: Die minimale Helligkeit der meisten anderen Tablets liegt im Normalfall bei maximal 30 cd/m².

Das Display ist zwar wie üblich nicht entspiegelt, reflektiert aber merklich weniger als viele andere Geräte in der Preisklasse. Zusammen mit der hohen maximalen Helligkeit des Displays, lässt sich das Surfpad 3 so auch an sonnigen Tagen vergleichsweise gut bedienen. An die perfekte Ablesbarkeit eines eBook Readers bei direkter Sonneneinstrahlung kommt aber auch das neue PocketBook Tablet (natürlich) nicht ran.

Zur Bildschirmeingabe kommt ein 5-Punkt-Multitouchscreen zum Einsatz der bestens funktioniert. Die kleineren Macken des Vorgängers sind hier zu 100 Prozent ausgebessert, sodass auch leichte Berührungen problemlos registriert werden. Selbst bei genauerem Hinsehen ist das Sensorgitter des kapazitiven Touchscreens nicht erkennbar, was die hohe Qualität nochmals unterstreicht.

Unterm Strich kann der Bildschirm fast restlos überzeugen. Von der Auflösung abgesehen ist lediglich die hohe Minimalhelligkeit ein nennenswerter Kritikpunkt, der allerdings nicht für alle Personen problematisch sein dürfte. Bei den anderen wichtigen Punkten, wie einer guten Farbdarstellung und einer hohen Blickwinkelstabilität leistet sich das Surfpad 3 keinerlei Schwächen. Der hervorragende Touchscreen rundet den guten Eindruck ab.

Leistung und Benchmarks

Wie bereits erwähnt, kommt im Surfpad 2 ein Mediatek MT8389 System-on-a-chip zum Einsatz dessen 4-Kern-CPU mit maximal 1,5 GHz taktet. Mit dem letzten Firmwareupdate wird der Maximaltakt auch tatsächlich erreicht, zuvor wurde dieser auf 1,2 GHz limitiert. Es empfiehlt sich also auch aus Performancegründen die Software immer auf den neuesten Stand zu bringen. Die nachfolgenden Ergebnisse beziehen sich bereits auf das 1,5 GHz Update.

Macht aber nichts, denn die Leistung der CPU mit der PowerVR SGX 544MP GPU reicht vollkommen aus, um für alle möglichen Anwendungsgebiete ausreichend Performance zu haben. Auch der Arbeitsspeicher ist mit 1 GB ausreichend groß dimensioniert, sodass es zu keiner Speicherknappheit kommt.

In den Benchmarks kann das Surfpad 3 mit konstanten Leistungen überzeugen. Die gute Leistung überträgt sich dabei auch problemlos in den Alltag, wo das Tablet eine absolut flüssige Vorstellung abliefert. Zusammen mit dem sehr guten Touchscreen ergibt das eine sehr angenehme Handhabung des Geräts.

Nachfolgend die Ergebnisse der Benchmarks:

Sunspider (niedriger ist besser)

  • Kindle Fire HD 7 (2013): 936
  • Surfpad 2: 1096
  • Surfpad 3 (7,85″): 1314
  • Tolino Tab 7″: 1510
  • Kobo Arc: 1512
  • Nexus 7 (2012): 1717
  • Kindle Fire HD 7 (2012): 1789

Linpack Multi-Thread (höher ist besser)

  • Surfpad 3 (7,85″): 190,584
  • Nexus 7 (2012): 130,126
  • Tolino Tab 7″: 112,972
  • Kindle Fire HD 7 (2013): 92,218
  • Kobo Arc: 90,244
  • Surfpad 2: 76,389
  • Kindle Fire HD 7 (2012): 73,756

AnTuTu 4 (höher ist besser)

  • Tolino Tab 7″: 18268
  • Kindle Fire HD 7 (2013): 14531
  • Surfpad 3 (7,85″): 13271

Quadrant (höher ist besser)

  • Tolino Tab 7″: 5345
  • Surfpad 3 (7,85″): 4931
  • Nexus 7 (2012): 3600
  • Kindle Fire HD 7 (2013): 3059
  • Surfpad 2: 3055
  • Kobo Arc: 3040
  • Kindle Fire HD 7 (2012): 2177

Epic Citadel HQ (höher ist besser)

  • Kobo Arc: 58,9
  • Kindle Fire HD 7 (2013): 57,6
  • Nexus 7 (2012): 52,1
  • Surfpad 3 (7,85″): 50,3
  • Tolino Tab 7″: 38,8
  • Surfpad 2: 34,7
  • Kindle Fire HD 7 (2012): 31,2

Allgemeine Bedienung; Benutzeroberfläche

Als Betriebssystem kommt Android 4.2.2 zum Einsatz. Die erste Inbetriebnahme des Surfpad 3 gestaltet sich aber geringfügig anders als bei vielen Android Tablets. Nachdem man die Sprache gewählt und den PocketBook Lizenzbestimmungen zugestimmt hat, kann man die WLan-Verbindungsdaten eingeben (oder überspringen). Es ist nicht nötig das Gerät mit dem Internet zu verbinden, um es benutzen zu können, d.h. es gibt keinen Registrierungszwang.

Ist das erledigt, öffnet sich eine Auswahl, in der man die zu installierenden Programme wählen kann. Je nach Land schlägt das Surfpad 3 unterschiedliche Apps vor. Für Deutschland sind dies:

  • SPB TV
  • Book Store
  • Learn English
  • Kingsoft Office
  • Tagebuch
  • IMplus
  • MX Player
  • Evernote
  • Onleihe
  • Kidread
  • PocketBook Reader

Sollte man das Tablet lieber ohne “Bloatware” betreiben, kann man auf diese Apps glücklicherweise problemlos verzichten. Eine solche Option sollte es bei jedem Gerät geben, denn nicht selten stopfen Hersteller ihre Tablets und Smartphones mit allerhand unnötigen Applikationen voll die im besten Fall nur Speicherplatz brauchen und im schlimmsten Fall den Akku leersaugen und Daten an Dritte weitergeben. Beim Surfpad 3 braucht man sich hier jedenfalls keine allzu großen Sorgen zu machen. Hat man die gewünschten Apps ausgewählt, werden diese installiert und man landet schließlich am Startbildschirm.

Die Bedienung des Surfpad 3 erfolgt wie von Android 4.2.2 gewohnt: Am unteren Bildschirmrand befinden sich die drei Softkeys “Zurück”, “Home” und “Taskswitcher”. Dabei setzt PocketBook auf die für Tablets angepasste Oberfläche, in der Status- und Navigationsleiste am unteren Bildschirm zusammengezogen werden. D.h. die genannten Navigationspunkte befinden sich am linken unteren Bildschirmrand und Statusupdates, Benachrichtigungen, Akkustand etc. befinden sich am rechten unteren Bildschirmrand.

Die Navigationspunkte sind nicht zentriert, sondern befinden sich am linken Bildschirmrand

Im Gegensatz zu den Kindle Fire Geräten oder Kobo Arc Tablets nutzt das Surfpad 3 einen regulären Launcher ohne besondere Anpassungen am Homescreen. Dadurch fühlt man sich als Android-Kenner sofort zuhause und muss sich beim Wechsel zum PocketBook-Tablet nicht umgewöhnen. Wie immer funktioniert die Navigation am Homescreen horizontal, d.h. indem man nach links oder rechts wischt, kann man zu den weiteren Bildschirmansichten wechseln.

Der App-Drawer präsentiert sich im typischen Jelly-Bean-Look. D.h. auch hier wischt man links und rechts, um alle Apps aufrufen zu können. Widgets können von hier aus ebenfalls platziert werden.

Ein klarer Vorteil des PocketBook Surfpad 3 gegenüber den Kindle Fire Tablets ist die direkte Anbindung an Google. Man kann mit dem vorinstallierten Google Play Store direkt auf die riesige Masse der Android-Apps zurückgreifen. So lässt sich jede beliebige App installieren und das Surfpad 3 auch problemlos für andere Leseapps von Kindle oder Kobo verwenden. Zusammen mit dem Play Store sind auch die Google-Apps Kalender, Kontakt und E-Mail mit dabei, die man ebenfalls von anderen Android-Geräten kennt. Maps, YouTube & Co. lassen sich problemlos nachinstallieren.

Wie schon beim Vorgänger, kommt auch beim Surfpad 3 der Stock-Android-Browser zum Einsatz, der inzwischen offenbar eine kleine Renaissance feiert, denn immer mehr Tablets nutzen die eigentlich durch Chrome ersetzte App. Der Stock-Browser bietet dabei zwar nicht die nahtlose Synchronisation zwischen den verschiedenen Plattformen, kann aber mit einer deutlich besseren Performance und Text-Reflow punkten. Letztendlich ist der Stock-Browser daher in unseren Augen fast immer die bessere Wahl.

Filme und Musik am Surfpad 3

Tablets sind natürlich nicht nur zur bloßen Nutzung von diversen Apps gedacht, sondern erfreuen sich auch als multimediale Alleskönner im Film- und Serienbereich bzw. zum Musikhören großer Beliebtheit. Das Surfpad 3 kann in dieser Hinsicht ebenfalls überzeugen.

Dafür sorgen zunächst die zwei 0,5 Watt Stereolautsprecher, die sich ober- und unterhalb des Bildschirms finden. Die Positionierung sorgt dafür, dass der Ton direkt zum Nutzer gerichtet übertragen wird, was der Klarheit zugute kommt. Die Qualität der Lautsprecher ist dabei zufriedenstellend, wobei man sich aufgrund der kleinen Bauform natürlich keine tiefen Bässe oder satten Sounds wie im Heimkino erwarten darf. Für den mobilen Hörgenuss ist die Qualität in unseren Ohren aber ausreichend gut. Positiv hervorzuheben ist, dass die Lautsprecher auch bei voller Lautstärke nicht überschlagen.

Die Stereo-Lautsprecher sorgen für einen guten Klang

Auch wenn das PocketBook Surfpad 3 nur über einen niedrig auflösenden Bildschirm verfügt, so kann es dank des schnellen Chipsatzes dennoch Full HD Videos problemlos abspielen. Mit dem vorinstallierten MX Player werden zudem eine Reihe verschiedener Formate unterstützt.

Das 4:3 Format entpuppt sich allerdings beim Ansehen vieler Videos als kleiner Nachteil, denn die liegen im 16:9 oder 16:10 Format vor. Das bedeutet, dass in den meisten Fällen schwarze Balken ober- und unterhalb des Videos zu sehen sind, sodass die Videogröße letztendlich kleiner ist, als auf einem 7 Zoll Bildschirm im 16:9 Format. Mit dem „Problem“ befindet sich das Surfpad 3 allerdings in guter Gesellschaft: Auch beim Apple iPad Mini ist das so.

Lesen am Surfpad 3

Kommen wir zur mitgelieferten Lese-App. PocketBook ist in erster Linie ein eBook Reader Hersteller und bietet die Tablets als Ergänzung zum eInk-Reader Portfolio an. Das wird von vielen Herstellern deshalb als nötig erachtet, da diverse Umfragen immer wieder zeigen, dass auch auf Tablets gerne gelesen wird. Die potentiellen Kunden darf man sich natürlich nicht eingehen lassen.

Jedoch verschwenden die meisten Hersteller viel Zeit bei der Wahl nach der Hardware und lassen die Lese-Software oft links liegen, sodass der Funktionsumfang der verschiedenen Apps viel zu oft weit hinter den jeweiligen eBook Readern zurückliegt. Das trifft sowohl auf Kobo als auch auf Amazon zu. Damit sind deren Tablets in erster Linie eine Ergänzung zum eBook Reader Angebot und kein Ersatz. Anders sieht es hingegen bei PocketBook aus. Das Unternehmen bietet ebenfalls eine eigene Lese-App, die vom Funktionsumfang in der aktuellen Version 1.6.5399 wirklich sehr gut ist.

Nach dem Start der App wird man von der Buchübersicht begrüßt. Dabei ist – wie von PocketBook gewohnt – eine Vielzahl gemeinfreier Werke in verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch, Tschechisch, Ukrainisch) bereits vorinstalliert. Die Übersicht kann zwischen einer regulären Cover-Listen- und einer reinen Coveransicht umgeschaltet werden. Die Bücher lassen sich nach Titel, Autor und zuletzt hinzugefügt ordnen. Außerdem lässt sich zu den zuletzt gelesenen eBooks, sowie zu den favorisierten Titeln wechseln.

Will man die Bibliothek aktualisieren, zieht man die Buchübersicht einfach mit dem Finger nach unten. Die Aktualisierung wird damit automatisch ausgelöst. Dies hat man sich von der Gmail-App abgeschaut, wo die manuelle Aktualisierung ebenfalls auf die gleiche Weise gut und intuitiv funktioniert. Mit einem Wisch nach rechts öffnet man das Optionsmenü, das im mittlerweile oft verwendeten Jelly-Been-Look am linken Bildschirmrand auftaucht.

Mit einem Antippen öffnet man das gewünschte Buch. Umblättern kann man ebenfalls mit einem Antippen auf die rechte oder linke Seite des Bildschirms, oder mit der allseits bekannten Wischgeste.

Das Seitenmenü öffnet man mit einem Tippen in die Mitte des Displays. Am oberen Bildschirmrand kann man zurück zur Bibliothek wechseln, Inhaltsverzeichnis, Notizen und Markierungen aufrufen, die Suchfunktion, sowie die erweiterten Einstellungen öffen. Am unteren Bildschirmrand wird die Seitennummer angezeigt, mit der Möglichkeit mittels Schieberegler schnell zu einer anderen Stelle im Buch springen zu können.

Das Kreisrunde Optionsmenü taucht in der Mitte des Bildschirms auf

In der Mitte des Bildschirms öffnet sich ein kreisrundes Menü mit folgenden Punkten:

  • Helligkeit
  • Schriftgröße
  • Farbschema
  • Notizen
  • Bildschirmausrichtung sperren
  • Seitenlayout

Die schnell zugängliche Helligkeitseinstellung ist aufgrund des fehlenden Sensors auf jeden Fall sinnvoll. Dabei funktioniert die Helligkeitseinstellung in der Lese-App auf Wunsch unabhängig von der Systemeinstellung. Ebenso sinnvoll ist die mögliche Sperre der Bildschirmausrichtung. Das PocketBook Surfpad 3 verfügt über einen Lagesensor, der die Bildschirmausrichtung je nach Gerätehaltung entsprechend dreht. So praktisch das bei vielen anderen Apps auch ist, im Lesebetrieb, wo man das Tablet auch gerne mal etwas schräger hält, kann dies ärgerlich sein. Indem man die Bildschirmausrichtung auf die aktuelle Ansicht sperrt, kann man dieses Verhalten verhindern und entspannt bei jeder Haltung weiterlesen.

Die Einstellungsmöglichkeit des Farbschemas ist ebenfalls praktisch. Zwar ist ein hoher Kontrast für eine gute Ablesbarkeit sehr wichtig, wenn der Kontrast aber zu hoch ist, kann dies auch kontraproduktiv sein. Das reguläre Farbschema ist Schwarze-Schrift-auf-weißem-Hintergrund. Drei weitere Voreinstellungen stehen zur Auswahl: Sepia, Grau und Invertiert. Im erweiterten Optionsmenü kann man Hintergrund- und Schriftfarbe außerdem manuell per HEX-Code anpassen.

Das Seitenlayout lässt sich von der einfachen Ansicht, auf eine doppelseitige Ansicht (im Querformat) oder auf eine vertikal scrollende Seitenansicht, in der man stufenlos von oben nach unten scrollen kann, umschalten.

Die Schriftbildanpassung wurde mit den letzten Updates erweitert, sodass nicht mehr nur zwei Schriftarten zur Auswahl stehen, sondern 25 Stück. Dabei sind einige Schriftarten zu Lokalisationszwecken aber doppelt enthalten. So gibt es Droid Sans u.a. in den Ausführungen Ehiopic, Hebrew, Thai oder Armenian. Die Textgröße ist stufenlos mit einem Schieberegler anpassbar, alternativ kann man auch die Pinch-To-Zoom-Geste nutzen um die Schriftgröße zu verändern.

Weitere Textanpassungsmöglichkeiten findet man in den erweiterten Einstellungen. Hier kann man die Textausrichtung anpassen, die Abstände zwischen Absätzen einstellen, sowie die Randabstände ändern. Außerdem kann man den Zeilenabstand und die Silbentrennung in mehreren Stufen anpassen und die Blätteranimation deaktivieren oder zwischen vier Effekten umschalten und die Effektgeschwindigkeit stufenlos einstellen. Als wäre das alles nicht genug, kann man auch die Bedienelemente in der Größe variieren.

Wie man an dieser Beschreibung unschwer erkennen kann, sind die Anpassungsmöglichkeiten der Lese-App wirklich sehr groß. Die PocketBook-App bietet damit mehr als so mancher eBook Reader. Im Gegensatz zur CoolReader-App, die ebenfalls zahlreiche Optionen bietet, kann die PocketBook Applikation aber auch mit Adobe DRM umgehen.

Bei den Einstellungsmöglichkeiten ist die App aber noch lange nicht am Ende: Auch der Funktionsumfang kann sich mit Notiznehmung und Wörterbüchern sehen lassen. Indem man lange auf ein Wort tippt und die Auswahl dann mit Hilfe zweier Cursor anpasst, kann man eine einfache Markierung erstellen oder der Auswahl eine Notiz hinzufügen.

Über das kreisrunde Optionsmenü kann man außerdem den erweiterten Notizmodus starten, der zusätzlich die Löschung von Markierungen und Notizen bzw. die Bearbeitung von Notizen, sowie die Kopie eines frei wählbaren Bildausschnittes zulässt. Kommt dir bekannt vor? Nicht verwunderlich, denn ganz ähnlich funktioniert das auf den PocketBook eBook Readern. Hier muss man aber dennoch Kritik üben, denn auch wenn das Vorhandensein einer Notizfunktion bei Lese-Apps keine Selbstverständlichkeit ist, die Umsetzung könnte besser sein. So werden gemachte Notizen zwar mittels Symbol am Seitenrand angezeigt, die Notiz kann man aber nicht direkt öffnen und auch welcher Textrausschnitt markiert wurde, ist nur ersichtlich, wenn man den Notizmodus nutzt. Erst wenn man die Notizübersicht (siehe oben) öffnet, sieht man die Details zum Eintrag. Diesen Kritikpunkt gibt es in ganz ähnlicher Form auch bei den PocketBook eBook Readern.

Optionen im Lesemodus

Während eine Wörterbuchfunktion zu unserem Surfpad 2 Testbericht noch gefehlt hat, wurde diese mittlerweile kostenpflichtig nachgeliefert. Für 4,99 Euro kann man die ABBYY Lingvo Wörterbuch App im Google Play Store erwerben, in der bereits über 50 Wörterbücher enthalten sind:

  • Deutsch <-> Englisch, Russisch
  • Englisch <-> Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Französisch, Isländisch, Italienisch, Lettisch, Litauisch, Norwegisch, Portugisisch, Russisch, Slowakisch, Slowenisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch
  • Englisch -> Finnisch, Griechisch, Niederländisch, Polnisch, Rumänisch, Schwedisch
  • Russisch <-> Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch

Weitere Wörterbücher (insgesamt über 200 Stück in 19 Sprachen) können kostenpflichtig direkt aus der App erworben werden. Eine vollständige Liste der verfügbaren Wörterbücher gibt’s hier. Die ABBYY Lingvo Wörterbücher sind vom Umfang zwar nicht so umfangreich wie diverse Wörterbücher (Duden, Collins, etc.) bei verschiedenen eBook Readern, allerdings besser als die kostenlosen Alternativen die bei vielen anderen Apps zum Einsatz kommen.

Neben ePub-Dateien lassen sich auch PDF, DjVu, TXT und FB2 Dateien öffnen. Bei PDF-Dateien stehen Optionen zum Seitenbeschnitt, sowie zur Anpassung der Zoomstufe zur Verfügung. Diese reichen allerdings nicht an die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten des PocketBook Touch Lux heran. Das ist aber eigentlich auch nicht nötig, denn dank LCD-Bildschirm kann man das PDF-Dokument sowieso deutlich einfacher nutzen und völlig problemlos navigieren. Mittels Pinch-To-Zoom kann man den Textausschnitt vergrößern, um dann den Bildausschnitt mit dem Finger zu verschieben. Das funktioniert genauso wie man sich das erwarten würde – auch bei großen, umfangreichen und komplexen PDF-Dateien.

Für Ordnung in der Bibliothek sorgt die Ordneransicht, die das Dateisystem anzeigt. Damit lassen sich die Ordner am Gerät navigieren und die darin abgelegten eBooks fein säuberlich auflisten. Zusätzlich kann man die Suchfunktion nutzen, um den gewünschten Titel noch schneller aufzurufen.

Außerdem werden nun auch Netzwerkbibliotheken im OPDS-Format unterstützt. Dabei handelt es sich um ein Atom Syndication Format das der eBook-Distribution dient. Die Pocketbook-App kann diese Feeds auslesen, sodass man solche Quellen zur Befüllung der eigenen Bibliothek nutzen kann. Dank eingebauter 3G-Konnektivität kann man diese Funktion auch unterwegs nutzen.

Einen Kritikpunkt hat man seit unserem letzten Test ausgebessert: Die Lokalisation der App wurde nachgebessert, d.h. das Programm ist nun auch in deutscher Sprache nutzbar.

Wie man sieht, hat sich PocketBook bei der Programmierung der App richtig ins Zeug gelegt und stellt eine ganze Reihe nützlicher Funktionen zur Verfügung. Dabei ist positiv hervorzuheben, dass die Applikation laufend weiterentwickelt wird und diverse Kritikpunkte nach und nach ausgebessert werden. Unterm Strich hinterlässt die App jedenfalls einen sehr guten Eindruck und verweist die Konkurrenz sehr deutlich in die Schranken.

Akkulaufzeit

Im mehrwöchigen Testbetrieb des Surfpad 3 war besonders auffällig, dass die Akkulaufzeit noch stärker von den Nutzungsgewohnheiten abhängt, als das bei vielen anderen Geräten der Fall ist. Das kommt aber nicht ganz überraschend, denn bei Nutzung der 3G-Verbindung ist der Stromverbrauch üblicherweise sehr hoch.

Nutzt man das Tablet mit einer SIM-Karte und surft damit via 3G im Internet, sinkt die Akkuanzeige relativ schnell. Hier haben wir Laufzeiten von ca. 4 Stunden erreicht, wobei dies unter anderem auch von der Empfangsqualität abhängt und im Einzelfall somit abweichen kann.

Besser sieht es hingegen aus, wenn man auf die 3G-Funktionalität verzichtet und die Displayhelligkeit entsprechend der Umgebung immer ein wenig anpasst. So sind dann auch Laufzeiten von mehr als 6 Stunden möglich.

Im reinen Standby-Modus ist der Stromverbrauch relativ gering, sodass man das Tablet problemlos mehrere Tage rumliegen lassen kann, ohne viel Ladestrom zu verlieren. So ist es dann auch möglich das Tablet ohne Wiederaufladung zu benutzen, wenn man es nicht durchgehend verwendet.

Fazit

Mit dem Surfpad 2 hat mir PocketBook vor ein paar Monaten schon meine Skepsis gegenüber „Billig-Tablets“ genommen. Das Gerät konnte in vielerlei Hinsicht überzeugen und überraschen. Mit dem neuen Surfpad 3 (7,85″) setzt PocketBook diesen Weg konsequent fort.

Das neue Tablet leistet sich in unserem Test im Grunde nur eine einzige Schwäche, die allerdings völlig bewusst in Kauf genommen wurde, um den Preis niedrig halten zu können: Die Bildschirmauflösung ist recht niedrig. Besonders bei kleineren Schriftgrößen und feinen Linien resultiert das in einer kantigeren Darstellung als bei den mittlerweile weit verbreiteten HD-Tablets.

Das war’s aber auch schon mit den Nachteilen, denn ansonsten kann das Surfpad 3 auf ganzer Linie überzeugen: Es bietet mit Bluetooth, GPS, WLan, und 3G alle wichtigen Drahtlosverbindungen und verfügt von Haus aus über eine USB-Host-Unterstützung. Positiv zu erwähnen sind außerdem der perfekt arbeitende Touchscreen und die sehr hohen Betrachtungswinkel des Displays. Mit 16 GB ist der interne Speicher ausreichend groß und bei Bedarf auch erweiterbar.

Das Surfpad 3 überzeugt auf ganzer Linie

Auch softwareseitig gibt’s nichts auszusetzen, denn das Tablet nutzt eine beinahe unveränderte Jelly-Bean-Oberfläche, mit der Android-Kenner sofort zurechtkommen. Unterm Strich präsentiert sich das PocketBook Surfpad 3 als sehr guter Allrounder. Zusammen mit dem niedrigen Einstiegspreis ergibt sich besonders aufgrund der vorhandenen 3G-Konnektivität ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.

All jene die auf der Suche nach einem günstigen 3G-Tablet mit guter Ausstattung und Verarbeitung sind, sollten sich das PocketBook Surfpad 3 auf jeden Fall genauer ansehen. Von unserer Seite gibt’s daher eine klare Kaufempfehlung und die sehr gute Note 1,5.