Was wird aus der Tolino Allianz und dem deutschen eBook Markt?

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Die letzten Wochen waren für die Tolino Allianz nicht leicht. Weltbild musste Insolvenz anmelden, weshalb Hugendubels Geschäft umstrukturiert werden musste, die Telekom hat sich aus dem Endkundengeschäft zurückgezogen und Pageplace geschlossen und nun wurde auch bekannt, dass Club Bertelsmann seine Geschäftstätigkeit Ende 2015 einstellen wird. Als wäre das nicht genug, soll Thalia Eigentümer Advent angeblich auch einen baldigen Verkauf des Buchhändlers planen.

Es war zwar ohnehin bekannt, dass Thalia mittelfristig den Besitzer wechseln solle, dass dies noch 2014 geschehen könnte, kommt allerdings – zumindest für Außenstehende – überraschend. Für die Tolino Allianz sind all diese Entwicklungen ganz offensichtlich nicht optimal. Dabei ist die Tolino-Geschichte ohne Zweifel sehr erfolgreich. Innerhalb kürzester Zeit konnten sich die Buchhandelspartner mit dem neuen Angebot einen Namen machen und eine fixe Position am digitalen Buchmarkt sichern. Mit einem Anteil von 12 Prozent liegt man am eBook Reader Markt auf Platz 2. Zwar ist Amazon weiterhin deutlich in Führung, allerdings ist der schnelle Aufstieg der Tolino Marke jedenfalls beeindruckend und zeigt, dass das Angebot von den Kunden gerne genutzt wird.

Tolino Partner im Umbruch

Es stellt sich allerdings die Frage, wie es weiter geht. Bertelsmann wird die Investitionen in die Tolino Allianz eventuell prüfen, ebenso wie das beim neuen Weltbild-Eigentümer am Plan stehen dürfte. Man darf daher annehmen, dass hinter der Bühne bereits eifrig gearbeitet wird.

Für die aktuelle Situation erschwerend hinzukommen dürfte, dass die Tolino Allianz seit dem Start kaum gewachsen ist (wenn man vom Bild-Einstieg absieht). Die unabhängigen Buchhändler konnte man nicht ins Boot holen, wobei die Verhandlungen offenbar primär aufgrund der zu hohen Investitionen gescheitert sind.

Dass das Tolino Angebot wieder vom Markt verschwindet, halte ich allerdings für ausgesprochen unwahrscheinlich. Dafür wurde bereits zu viel investiert und der Markenname ist als Amazon-Konkurrent mittlerweile viel zu wichtig. Außerdem dürfte es deutlich einfacher sein, das bestehende Angebot laufen zu lassen, als wieder etwas neues aus dem Boden zu stampfen. Die Frage ist allerdings, in welcher Form es weitergeht. Kann die Tolino-Allianz genauso (aggressiv) weitermachen wie bisher?

Aus Kundensicht wäre das jedenfalls wünschenswert, denn das Ergebnis des letztjährigen Markteinstiegs kann man jedenfalls nur als positiv bezeichnen.

Weitere Marktveränderungen in Sicht

Weiterhin steht außerdem die Frage im Raum, ob die Tolino Partner ihr Geschäft auch außerhalb der DACH-Region ausweiten wollen (bzw. können). Die kürzlich eingeführte englischsprachige Bedienung der Tolino eBook Reader könnte ein erster Hinweis darauf sein. Auch zum Start des Tolino Angebots gab es bereits erste Gedanken in Richtung Expansion.

Während die einzelnen Tolino Partner und die Allianz als Ganzes zumindest nach außen hin ein wenig instabil geworden ist, kann Amazon die Entwicklung relativ entspannt abwarten. Mit dem Kindle 4 und Kindle Paperwhite hat man zwei erfolgreiche eBook Reader im Angebot die weiterhin gerne gekauft werden und auch immer wieder in diversen Preisaktionen erhältlich sind.

Immerhin formiert sich auf anderer Seite aber ein neuer Widersacher gegen den US-Versandriesen. Mit „Genialokal“ will der unabhängige deutsche Buchhandel ein Gegengewicht zu Amazon werden. Bereits zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2014 soll die neue Plattform an den Start gehen und man darf gespannt sein, ob auch ein konkurrenzfähiges eBook (Reader) Angebot dabei sein wird. Aber nicht nur Amazon könnte Genialokal Marktanteile streitig machen (sofern das Konzept aufgeht), auch die Tolino Partner könnte der Zusammenschluss der Buchhändler in Bedrängnis bringen. Weitere Informationen findest du hier.

Wie man sieht, ist der deutsche Buchmarkt weiterhin im Umbruch – vielleicht sogar noch stärker als in den vergangenen Jahren. Amazon hat sich als Platzhirsch zwar etabliert, aber die folgenden Ränge sind ganz offensichtlich keine ausgemachte Sache. Man darf daher gespannt sein, was die zweite Jahreshälfte bringt, als auch die kommenden Jahre. Ruhiger wird es offenbar nicht.