Testbericht: Kobo Glo HD

24. Mai 2015
Lesezeit: 18:28 Min.

Im Jahr 2012 hat Kobo mit dem Glo als Erstes einen beleuchteten eBook Reader auf den deutschen Markt gebracht. Der Vorsprung auf die Konkurrenz betrug zwar nur wenige Wochen, aber das tat der Beliebtheit des Kobo Glo keinen Abbruch. Der eReader verfügte damals über eine der besten Beleuchtungen.

Heuer kommt (endlich) der direkte Nachfolger auf den Markt. Er hört auf den Namen Kobo Glo HD und bleibt seinem Vorgänger besonders in Hinblick auf das Design treu. Eine plane Gehäusefront gibt’s auch dieses Mal nicht (im Gegensatz zum Aura). Macht aber nichts, denn bekanntlich zählen ja die inneren Werte und die können auf den ersten Blick durchaus überzeugen: Der Glo HD verfügt über ein E-Ink Carta Display mit einer Auflösung von 1448×1072 Pixel und schafft es damit auf eine Pixeldichte von 300 ppi. So scharf ist ansonsten nur der deutlich teurere Kindle Voyage.

Ob es der Kobo Glo HD mit dem High-End-Modell von Amazon aufnehmen kann, klären wir im nachfolgenden Test.

Kobo Glo HD im Videotest

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Verarbeitung & Austattung

Wie von Kobo gewohnt, kommt auch der Glo HD in einer stylischen Verpackung auf den Markt. Darin befindet sich neben dem eReader ein Micro-USB-Kabel  und eine Schnellstartanleitung.

Während der Kobo Glo HD deutlich kleiner als der große Bruder Aura H2O ist, fällt der Größenunterschied im Vergleich zur 6 Zoll Konkurrenz der anderen Hersteller sehr gering aus. Dadurch, dass mittlerweile auch viele Mitbewerber auf (fast) knopflose Designs setzen, sind die meisten eReader ähnlich groß. Mit Maßen von 157 x 115 x 9,2 mm und einem Gewicht von 180 Gramm bewegt sich der neueste Kobo Sproß im guten Mittelfeld. Was bei der ersten Handhabung allerdings auffällt, ist die scheinbar etwas größere Gerätedicke. Der Eindruck entsteht im Grunde aber nur durch die vergleichsweise (Kobo-typische) kantige Bauform, denn mit 9,2 mm Tiefe ist der eReader nicht wirklich dicker als andere 6 Zöller.

Der Kobo Glo HD besitzt ein sehr minimalistisches Design

Die Bauform und das Design sorgten bereits im Vorfeld für einige Diskussion, denn ein solch (perfekt) minimalistisches Layout wie es Kobo immer wieder auf’s Neue zur Schau stellt, gefällt nicht jedem. Insbesondere die harten, kaum abgeschrägten Kanten sind nicht jedermanns Sache (siehe oben). Wenn man damit aber kein Problem hat, wird man mit dem Gehäuse des Glo HD durchaus glücklich. Zugegeben, das Gerät wirkt im direkten Vergleich mit dem um 60 Euro teureren Kindle Voyage (der ein Magnesiumgehäuse besitzt) nicht ganz so hochwertig, und auch die restliche beleuchtete 6 Zoll Konkurrenz macht einen minimal besseren Eindruck, aber letztendlich sind die Unterschiede in der Preisklasse um 100 bis 130 Euro nicht besonders groß. Der Kindle Touch (ohne Beleuchtung) wirkt im direkten Vergleich haptisch und optisch deutlich billiger (was er auch ist).

Der minimal schlechtere Eindruck ist aber nicht etwa der Materialwahl verschuldet, sondern der manchmal knarzenden Rückseite. Fasst man das Gerät etwas fester an, dann ist schwaches Knarzen zu vernehmen, das aber wohl nur empfindlichen Personen (und Testern) auffällt. Im praktischen Betrieb wird man sich daran üblicherweise nicht stören.

Die Spaltmaße sind gleichmäßig und dieses Mal hat Kobo glücklicherweise auch eine gefälligere Oberfläche gewählt. Diese zieht Fingerabdrücke nicht magisch an, wie das beim Aura H2O der Fall ist. Stattdessen unterstreicht die schwach glänzende, schwarze Gehäusefront des eBook Readers, das minimalistische Design und sorgt gleichzeitig dafür, dass Fingerabdrücke und Lichtreflexionen keine Chance haben.

Die feine Textur der Rückseite ist wegen der möglichen Staubansammlung nicht optimal, aber zum Glück nicht andauernd im Blick

Die Rückseite besteht aus einem weichen, gummierten Material, das guten Halt bietet und haptisch ansprechend ist. Nachteilig ist allerdings, dass Fingerabdrücke hier besser sichtbar sind, sowie die feine Texturierung, die kleine Staubpartikel einfängt. Das ist zwar nicht so nervig wie Fingerabdrücke auf der Vorderseite (die dieses Mal, wie erwähnt, nicht in überdurchschnittlichem Ausmaß haften bleiben), aber dennoch nicht optimal.

Für einige Diskussion hat im Vorfeld aber nicht nur die Bauform gesorgt, sondern auch der Wegfall der Speicherkartenerweiterung. Nach Amazon und wie schon der Mitbewerber Tolino Vision 2, verzichtet nun auch der Kobo Glo HD auf einen Einschub für die MicroSD-Karte. Der Verzicht dürfte einerseits Kostengründe haben und andererseits auch der Abgrenzung zum teureren Premium-Modell H2O dienen. So müssen Nutzer des jüngsten 6 Zöllers mit maximal 3,15 GB Speicherplatz auskommen. Hinweis: Bastler können die Rückseite abnehmen und die interne MicroSD-Karte austauschen.

Der Fairness halber muss man aber natürlich erwähnen, dass dies für die allermeisten Nutzer wohl kein allzu großes Problem darstellen dürfte, denn die Speichergröße bietet Platz für durchschnittlich über 3.000 eBooks (im ePub-Format). Lediglich Personen die noch größere eBook-Bestände pflegen (z.B. mit zahlreichen kostenlosen eBooks) und auch immer dabei haben möchten, könnten schneller an die Speichergrenzen stoßen.

Das Logo ist in einem unauffälligen Schwarzton gehalten, auf der unteren Seite fehlt die Speicherkartenerweiterung

Abgesehen davon bietet der Kobo Glo HD altbewährte Technik: WLan gehört wieder zum Funktionsumfang, sodass man eBooks direkt am Gerät kaufen und herunterladen kann, sowie Neuigkeiten lesen und kurze Recherchen mit Hilfe des integrierten Webbrowsers am eReader tätigen kann.

Unterm Strich hält der eBook Reader sowohl in Hinblick auf die Verarbeitung, als auch bezüglich der Ausstattung keine Überraschungen parat. Der Wegfall der MicroSD-Karte ist bedauerlich, aber dürfte für die meisten Nutzer vertretbar sein.

Display & Beleuchtung

Wie eingangs erwähnt, ist das Herzstück des Kobo Glo HD ein hochauflösendes E-Ink Carta Display. Es ist das zweite Lesegerät des kanadisch-japanischen eReader-Spezialisten mit dieser Displaytechnologie.

Die Auflösung ist mit 1448×1072 Pixel ebenso hoch wie beim bereits genannten, deutlich teureren Mitbewerber Kindle Voyage. Damit teilt sich der jüngste Kobo eReader den Pixel-Thron mit dem Amazon-Flaggschiff. Der ebenfalls hochauflösende Aura H2O (1430×1080 Pixel) verfügt aufgrund der größeren Bildschirmdiagonale über eine geringere Pixeldichte (265 ppi).

Kontrast und Auflösung

Dabei muss man aber festhalten, dass die höhere Auflösung im normalen Lesebetrieb, d.h. bei regulärer Schriftgröße und normalem Leseabstand nicht immer sofort auffällig ist. Nur kleine Schriften und Bedienelemente sind in jedem Fall und auf den ersten Blick deutlich schärfer. Dennoch: Der 300 ppi Bildschirm bietet im direkten Vergleich jedenfalls die bessere Abbildleistung, wie auch der nachfolgende Blick unters Mikroskop, im Vergleich zum Kindle Paperwhite (212 ppi), zeigt.

Unter dem Mikroskop werden die Auflösungsunterschiede deutlich sichtbar, oben Kobo Glo HD (300 ppi) unten Kindle Paperwhite (212 ppi)

Hier wird zudem nicht nur das Auflösungsplus deutlich sichtbar, sondern auch die bessere Kantenschärfe aufgrund des Infrarot-Touchscreens. Wie man im unteren Bildbereich beim Kindle Paperwhite sehen kann (insbesondere am linken Rand des Buchstaben „H“), gibt es schwache Verzerrungen/Lichtbrechungen die durch den kapazitiven Touchscreen entstehen. Beim Kobo Glo HD fällt dieser Effekt dank Infrarot-Technik deutlich geringer aus und ist kaum sichtbar.

Das gemessene Kontrastverhältnis des Glo HD, in unserem standardisierten Testverfahren, ohne aktivierter Beleuchtung, liegt bei rund 8:1 und damit am sehr guten Niveau des Kindle Paperwhite. Mit dem großen Bruder Aura H2O kann der Glo HD damit zwar nicht mithalten, zu verstecken braucht sich das Gerät aber keinesfalls.

Die 6 Zoll Flaggschiffe von Kobo und und Amazon bieten sehr ähnliche (sehr gute) Kontrastwerte

Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung (höher ist besser)

  • Kobo Aura H2O 8.98
  • Kindle Voyage 8.48
  • Bookeen Muse Frontlight 8.25
  • Kindle Paperwhite 2 8.0
  • Kobo Glo HD 7.99
  • Tolino Vision 2 7.48
  • PocketBook Touch Lux 3 7.45
  • Icarus Illumina 2015 7.07
  • Tolino Vision 1 6.96

Mit aktivierter Beleuchtung ergibt sich ein ganz ähnliches Bild. Hier schafft es der Glo HD über das Niveau des Kindle Paperwhite und bleibt knapp hinter dem großen Bruder zurück.

Kontrastverhältnis X:1, mit voller Helligkeit (höher ist besser)

  • Bookeen Muse Frontlight 10.78
  • Kindle Voyage 10.5
  • Kobo Aura H2O 10.0
  • PocketBook Touch Lux 3 9.54
  • Kobo Glo HD 9.21
  • Kindle Paperwhite 2 9.0
  • Icarus Illumina 2015 7.4
  • Tolino Vision 2 7.4
  • Tolino Vision 1 6.5

Der Kobo Aura H2O (rechts) hat den helleren, kontrastreicheren Bildschirm. Der Unterschied ist aber nur im direkten Vergleich wirklich auffällig, wofür man zudem 50 Euro mehr auf den Ladentisch legen muss.

Beleuchtungsqualität

Was den Kontrast angeht, gibt’s also nichts zu bemängeln – im Gegenteil: Die Ablesbarkeit ist sowohl mit als auch ohne Beleuchtung durchgängig sehr gut. Die eigentliche Frage, die sich aber stellt, betrifft die Beleuchtungsqualität, denn der Konkurrent von Amazon (Kindle Voyage) kämpft seit dem Start mit Qualitätsschwankungen und unterschiedlich ausgeprägten Lichtverteilungen. Das resultiert viel zu oft darin, dass die Beleuchtung oben gelblich und unten bläulich wirkt.

Da der Kobo Glo HD den gleichen E-Ink Carta Bildschirm besitzt, war die Sorge natürlich groß, dass auch die Beleuchtung ähnlich aussieht. Glücklicherweise kann man aber Entwarnung geben: Wie das nachfolgende Vergleichsbild zeigt, ist der neueste Kobo eReader sehr gleichmäßig ausgeleuchtet und lässt den Voyage locker hinter sich. Lediglich am unteren Displayrand sind Lichthöfe/Schatten minimal sichtbar, aber nicht störend.

Die Beleuchtung des Kobo Glo HD (links) ist viel gleichmäßiger als beim Kindle Voyage (rechts). In der zweiten Bildhälfte wurde die Sättigung erhöht um die Unterschiede deutlich hervorzuheben.

Die Farbtemperatur meines Testgeräts ist eher im kühlen Spektrum angesiedelt, was aber ebenfalls nur im direkten Vergleich zu diversen anderen wärmeren Geräten auffällt. Dabei gilt es zudem wie immer die Produktionsschwankungen zu beachten, die insbesondere bei eBook Reader Beleuchtungen erfahrungsgemäß sehr hoch sind.

Helligkeit

Die maximale Helligkeit ist mit 114 cd/m² sehr hoch und liegt am Niveau der anderen Kobo eReader. Damit strahlt der eBook Reader heller als die meisten anderen Lesegeräte, was tagsüber sehr praktisch ist. So kann man auch bei guter Umgebungsausleuchtung des Bildschirmhintergrund erhellen und die Ablesbarkeit verbessern. Die niedrigste Helligkeitsstufe steuert die Beleuchtung auf 1,4 cd/m² und befindet sich damit ebenfalls auf einem sehr guten Niveau und sollte im abgedunkelten Raum auch lichtempfindliche Personen nicht blenden.

Die eingebaute Beleuchtung sorgt dank möglicher hoher Helligkeitswerte auch bei Tageslicht für eine deutliche Verbesserung der Ablesbarkeit, der Hintergrund wird damit tatsächlich weiß

Maximale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (höher ist besser)

  • Kindle Voyage 122
  • Kobo Glo 121
  • Kobo Glo HD 114
  • Kobo Aura 112
  • Kobo Aura H2O 99
  • Kindle Paperwhite 2 91
  • PocketBook Sense 70
  • Icarus Illumina 2015 60
  • Tolino Vision 2 53
  • Tolino Shine 41

Minimale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (niedriger ist besser)

  • Kobo Glo 4
  • Tolino Shine 2.4
  • PocketBook Sense 2.4
  • Tolino Vision 2 2.2
  • Kobo Glo HD 1.4
  • Kobo Aura H2O 1.2
  • Kobo Aura 1.2
  • Icarus Illumina 2015 0.7
  • Kindle Voyage 0.2
  • Kindle Paperwhite (2013) 0.2

Touchscreen & Zwischenfazit

Die Bedienung des Geräts erfolgt über einen Infrarot-Touchscreen, der nun auch endlich Zwei-Finger-Multitouch unterstützt. Die Reaktionsfreudigkeit ist wie gewohnt hervorragend. Ein kleiner Nachteil ist der schwach glänzende Rahmen, unter dem die Infrarot-Sensoren sitzen. Im Vorfeld wurden Zweifel laut, dass dieser Glanz den Lesebetrieb stören könnte. Tatsächlich fällt die Sache im Praxisbetrieb aber eigentlich überhaupt nicht auf, sodass man die Kaufentscheidung nicht davon abhängig machen sollte.

Ein Vorteil ist die oben bereits gezeigte bessere Kantenschärfe, die sich im Vergleich zu einem kapazitiven Touchscreen ergibt. Nachteilig ist die mögliche Schattenbildung an den (hohen) Bildschirmrändern, wenn der externe Lichteinfall ungünstig ist. Mehr dazu in: Die Vor- und Nachteile einer planen Gehäusefront bei eBook Readern

Aufgrund der Infrarot-Technik ist der Bildschirm etwas tiefer ins Gehäuse eingelassen

Unterm Strich hinterlässt der Bildschirm einen hervorragenden Eindruck. Zwar ist das Display des großen Bruders Aura H2O noch eine Spur besser, aber dafür muss man auch 50 Euro mehr hinblättern.

Wirklich zu kritisieren gibt’s hier aber jedenfalls nichts, denn der Bildschirm des Kobo Glo HD reiht sich nicht nur locker zu den Besten am Markt, sondern liefert aktuell auch die beste Abbildleistung im 6 Zoll Bereich. Insbesondere die Kombination aus sehr gutem Kontrast, homogener Ausleuchtung und gut einstellbaren Helligkeitswerten sorgt für die ausgezeichnete Wertung. Andere Geräte haben in zumindest einem der Bereiche oftmals diverse Makel (z.B., Kindle Voyage: Farbverlauf; Bookeen HD Frontlight zu hohe Minimalhelligkeit und Schattenbildung, usw.) – nicht so der Glo HD.

Lesen & Benutzerfreundlichkeit

Die Inbetriebnahme funktioniert wie von Kobo gewohnt, was leider wieder bedeutet, dass es den bekannten Registrierungszwang gibt. Ohne Einrichtung eines Kobo-Kontos kann man den eBook Reader nicht (bzw. nur über Umwege) in Betrieb nehmen. Im Zweifelsfall kann man immerhin eine beliebige E-Mail Adresse nutzen, denn aktuell wird die Authentizität nicht nachgeprüft, sodass es letztendlich ein Schönheitsmakel bleibt. Wenn man allerdings im integrierten Shop einkaufen möchte, dann empfiehlt sich natürlich die Nutzung der echten E-Mail Adresse.

Nach der Ersteinrichtung gibt’s eine kurze, überspringbare Einführung. Dann landet man schließlich am Startbildschirm, der mit der bekannten Kacheloptik aufwartet. Die Ansicht ist übersichtlich und nach kurzer Eingewöhnung auch ausgesprochen praktisch, denn alle genutzten Aktionen werden hier automatisch hinterlegt (und lassen sich bei Bedarf auch wieder ausblenden). So hat man schnellen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen.

Der Startbildschirm präsentiert sich übersichtlich und aufgeräumt

Im oberen Bereich des Startbildschirms befindet sich das Suchfeld. Mit einem Antippen öffnet sich die gut reagierende virtuelle QWERTZ-Tastatur. Direkt über der Suche sitzt die Statusleiste (Akku, WLan, Beleuchtung, etc.). Am linken Rand befindet sich der virtuelle Home-Knopf, mit dem man immer zurück zum Startbildschirm kommt.

Am unteren Displayrand findet man die drei Verknüpfungen, die zur Bibliothek, dem eBook Shop und den Extras (Lesestatistiken, Auszeichnungen, Wörterbuch) führen.

Bibliothek und Lesebetrieb

Die Autorisierung für den Adobe DRM-Schutz muss man auch beim Glo HD weiterhin über den PC vornehmen. Eine Eingabe der Zugangsdaten direkt am Gerät fehlt weiterhin, womit Kobo der einzige Anbieter (eines ePub-eReaders) ist, der die Option nicht bietet. Das ist zwar kein Beinbruch, aber schöner wär’s trotzdem, wenn die Möglichkeit zur direkten Autorisierung auch hier bestünde. Das Fehlen hat möglicherweise aber auch strategische Gründe, um die Nutzer der Endgeräte für den Kobo-Shop zu gewinnen.

Die Bibliothek folgt – wie auch das restliche Betriebssystem – dem minimalistischen Look des Homescreens

Die Bibliothek bietet mehrere Anzeigemodi und Sorierungsoptionen. Die Suchfunktion ist über die Statusleiste abrufbar. Der Kobo Glo HD unterstützt Meta-Daten und Schlagworte, sodass man die Bibliothek bei Bedarf mit Calibre nutzen und ordnen kann. Die Verzeichnisstruktur wird hingegen nicht beachtet, wie das auch bei den meisten anderen großen Herstellern der Fall ist.

Eine der zweifellos größten Stärken der Kobo Software ist die umfangreiche Schriftbildanpassung. Schriftgröße, Zeilenabstand und Seitenränder lassen sich beinahe stufenlos mit Schiebereglern konfigurieren und ermöglichen so eine Schriftdarstellung für quasi jeden Geschmack. Auch die Schriftart lässt sich anpassen, wobei sich zu den 10 vorinstallierten Fonts bei Bedarf auch weitere hinzufügen lassen.

Die Textausrichtung lässt sich zwischen Flatter- und Blocksatz umschalten – die Silbentrennung wird hierbei automatisch aktiviert. Als besonderen Bonus kann man bei unterstützten Schriftarten außerdem die Buchstabendicke mittels Schieberegler anpassen. Damit verfügt Kobo weiterhin über die besten Individualisierungsmöglichkeiten am eReader-Markt. So sollte das immer aussehen.

Bessere Textanpassungsoptionen gibt’s nirgends

Geblättert wird entweder mit der bekannten Wischgeste oder mit einem Antippen auf den Bildschirm. Die Touch-Zonen lassen sich in vier Einstellungen anpassen, was auch insbesondere für Linkshänder sehr praktisch ist (statt dem rechten Drittel des Displays kann z.B. auch das linke Drittel zum Vorwärtsblättern genutzt werden).

Markierungen, Notizen & Wörterbuch

Die Wörterbuchfunktion öffnet sich in einem kleinen Fenster, wobei man die Option hat, direkt zwischen verschiedenen Wörterbüchern zu wechseln. Glücklicherweise hat Kobo hier im Vergleich zu unserem Aura H2O Test nachgebessert, sodass das zuletzt genutzte Wörterbuch nun auch beim neuerlichen Aufruf direkt angezeigt wird. Wird ein Wort nicht gefunden, muss man ins Optionsmenü wechseln und die manuelle Suchfunktion aufrufen. Dieser Umweg ließe sich weiterhin besser lösen.

Das Wörterbuch funktioniert gut und merkt sich die zuvor getätigten Einstellungen

Folgende Wörterbücher stehen zur Auswahl:

  • Deutsch (Duden)
  • Englisch (namenlos)
  • Französisch (Editions Larousse Paris)
  • Niederländisch (Van Dale Pocketwoordenboek Nederlands)
  • Japanisch
  • Italienisch (Il Devoto-Oli)
  • Spanisch (namenlos)
  • Portugiesisch (namenlos)
  • Englisch – Japanisch (namenlos)
  • Deutsch – Englisch – Deutsch (Merriam-Webster)
  • Spanisch – Englisch – Spanisch (Merriam-Webster)
  • Französisch – Englisch – Französisch (Merriam-Webster)
  • Italienisch – Englisch – Italienisch (Merriam-Webster)
  • Portugiesisch – Englisch – Portugiesisch (namenlos)

Die Qualität der Wörterbücher ist gut, reicht aber nicht immer an die der Konkurrenz von Amazon ran. Das macht sich in erster Linie darin bemerkbar, dass oft gelegentlich nur die Nennform eines Wortes gefunden wird und verschiedene Konjugationen und Deklinationen keine Ergebnisse liefern.

Notizen und Markierungen lassen sich mit Hilfe des Kontextmenüs erstellen, wenn man lange auf ein Wort tippt. Bei Bedarf kann man die Textauswahl mit zwei Markern ändern, was nicht ganz perfekt (weil hackelig) aber dennoch zufriedenstellend funktioniert. Der markierte bzw. mit einer Notiz versehene Text wird dunkelgrau hinterlegt, ohne Hinweis, worum es sich genau handelt. Die Eingabe erfolgt über die zuvor erwähnte QWERTZ-Tastatur und funktioniert gut.

Notizen werden am Gerät im “Digital Editions” Verzeichnis für jedes eBook als eigenen Ordner angelegt. Darin werden diese im XML-Format abgespeichert, womit sie (für Laien nicht ganz einfach) weiterverarbeitet werden können.

PDF-Anzeige

Einen großen Schritt vorwärts macht der Kobo Glo HD in Hinblick auf die PDF-Darstellung. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Anzeigeoptionen erweitert wurden, sondern, dass die Pinch-To-Zoom-Geste zum Vergrößern und Verkleinern der Dokumente genutzt werden kann. Das macht die Navigation der Anzeige deutlich dynamischer und einfacher als man das von Kobo bisher gekannt hat.

Anmerkung: Auch der Kobo Aura H2O besitzt seit dem letzten Update Multi-Touch-Unterstützung.

Alternativ kann man eine Textstelle mit einem Doppeltippen auf 200 Prozent vergrößern, was bei zweispaltigen Texten praktisch sein kann. Hier macht sich auch der hochauflösende Bildschirm positiv bemerkbar und sorgt dafür, dass kleine Textelemente weiterhin erkennbar und gut ablesbar sind.

Pinch-to-Zoom erleichtert die PDF-Navigation ungemein

Den Textausschnitt bewegt man mit dem Finger, was grundsätzlich gut funtkioniert, manchmal allerdings mit kurzen Verzögerungen verbunden sein kann. In der vergrößerten Ansicht kann man am linken und rechten Bildschirmrand zur vorigen bzw. nächsten Seite weiterblättern und das Zoom-Level erhalten.

Weiterhin steht ein Querformatmodus (+90 Grad) zur Verfügung (nur bei PDF, nicht bei ePub), der ein komfortables Lesen von zweispaltigen DIN A4 Texten auch im 300 Prozent Zoom-Level erlaubt.

Sonstiges

Mit der Pocket-Unterstützung kann man Internetartikel komfortabel am eReader lesen. Diese werden am PC mit einem Klick aufbereitet und mit dem Lesegerät synchronisiert. Die Artikel werden im HTML-Format übertragen, wodurch keine Notiznehmung zur Verfügung steht – Wörterbuch und Textformatierung können aber genutzt werden.

Besonders gut gelungen scheint dieses Mal die Optimierung der Akkulaufzeit: Der Kobo Glo HD verbraucht auch im Standby-Modus kaum Strom und kann selbst nach längerer Inaktivität sofort wieder aufgeweckt werden. Zwar sind auch die restlichen Kobo-Geräte in dieser Hinsicht gut, allerdings hält der Glo HD mit einer Akkuladung meiner Beobachtung noch länger. Die Laufzeit ist aber natürlich wie immer davon abhängig, welche Funktionen man nutzt (WLan, Beleuchtung, Browser, PDF-Dateien, etc.).

Der Internet-Browser wurde ebenfalls um die Pinch-to-Zoom Unterstützung erweitert, sodass die Nutzung des ohnehin schon schnellen Browsers nochmal deutlich besser wurde. Ohne Text-Reflow kommt dieser zwar weiterhin nicht an den extrem hohen Nutzwert eines Android-Geräts ran, aber der Abstand ist jedenfalls deutlich geschrumpft.

Auch der integrierte Internetbrowser unterstützt die Multitouch-Geste zum Zoomen und ist darüber hinaus auch ausreichend schnell

Dank der bereits erwähnten integrierten WLan-Verbindung kann man natürlich auch direkt am Gerät eBooks kaufen und sofort lesen. Das Shopdesign ist in der gleichen minimalistischen Optik aufbereitet, sodass das ganze System wie aus einem Guss wirkt. Die Ladezeiten sind angenehm kurz, sodass auch die Benutzung ebenso flott von der Hand geht wie beim Rest.

Fazit

Nachdem Kobo das 6 Zoll Segement in den vorangegangenen 18 Monaten ein wenig stiefmütterlich behandelt hat (auch weil der Aura in Hinblick auf den Preis nicht mit der technisch besseren Konkurrenz von Amazon mithalten konnte), waren die Hoffnungen groß, dass der nun erschienene Glo HD dies wieder ändern würde. Insbesondere deshalb, weil der im Herbst 2014 vorgestellte Kobo Aura H2O eine so hervorragende Vorstellung abgeliefert hat (Note 1,2).

Glücklicherweise kann der neue 6 Zöller die hohen Erwartungen erfüllen: Der Bildschirm des Kobo Glo HD ist ausgezeichnet, die Bedienung flott und die Handhabung gewohnt intuitiv.

Der Kobo Glo HD kann in fast allen Disziplinen überzeugen, besonders das sehr gute, hochauflösende Display sorgt für eine hervorragende Endnote

Im direkten Vergleich mit dem Aura H2O oder Kindle Voyage muss man zwar ein geringfügig niedrigeres Kontrastverhältnis in Kauf nehmen, das fällt praktisch aber nicht allzu schwer ins Gewicht und wird durch die homogenere Beleuchtung (im Vergleich zum Amazon-Konkurrenten) und den niedrigeren Preis wieder mehr als wett gemacht.

Die einzigen zwei wirklich nennenswerten Negativpunkte betreffen die fehlende Speicherkartenerweiterung (für Bastler kein Problem) und die nicht optimale Verarbeitung des Rückcovers.

Diese (mitunter kleinen) Nachteile können aber nicht über eine Tatsache hinwegtäuschen: Der Kobo Glo HD ist einer der besten eReader am Markt – vielleicht sogar der Beste (wenn man den Preis miteinbezieht). Hier und da muss man zwar kleine Abstriche machen und es gibt natürlich ein paar Dinge, die bei der Konkurrenz besser funktionieren, aber letztendlich liefert der neue Kobo eBook Reader ein hervorragendes Gesamtpaket und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Damit verdient sich der Glo HD auch die sehr gute Endnote 1,3 – knapp hinter dem Aura H2O aus gleichem Haus.

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