Icarus Illumina (Modell 2014): Offener Android eBook Reader im Test

30. August 2014
Lesezeit: 25:34 Min.

Hinweis: Mittlerweile gibt es eine neue Version des Illumina, die den gleichen Namen trägt. Das mit E-Ink Carta Display und besserer Beleuchtung ausgestattete Gerät schauen wir uns in diesem Test an.

Android am eBook Reader findet man zwar schon seit mehreren Jahren auf Nook, Sony oder Tolino Geräten, allerdings waren die Android-Systeme dort immer geschlossen und für den Nutzer nicht frei zugänglich. Dass die Nachfrage nach E-Ink Lesegeräten mit dem Google Betriebssystem aber durchaus groß ist, beweisen die aktiven Moddingcommunitys, in denen immerzu neue Möglichkeiten zur Erweiterung der eReader diskutiert werden.

Nun wird die Nachfrage nach Android eReadern aber von anderer Seite befriedigt: Kleine und unbekanntere Hersteller (am deutschen Markt) wagen sich in die Nische und bringen einer nach dem anderen, Lesegeräte mit offenem Android auf den Markt. Die Qualität kann bisher allerdings nicht immer (gleich) überzeugen. So mussten Käufer des Imcosys Imcov6l mit einer besonders instabilen Software leben, bis mit Firmwareupdate in Version 1.21 endlich Besserung eingetreten ist. Ebenso problematisch stellt sich die Lage beim Onyx Boox T68 Lynx dar, der zwar ein sehr gut angepasstes Android System besitzt, aber in Hinblick auf die Hardware und Stabiltiät (Stichwort: Bootschleifen) einige Probleme besitzt.

Seit kurzer Zeit gibt’s nun auch den Icarus Illumina, der mit der bisher modernsten Android Version auf den eBook Reader Markt stößt. Das 6 Zoll Gerät nutzt Android Jelly Bean und verspricht damit eine noch bessere App-Kompatibilität. Außerdem soll der Dual-Core-Prozessor für besonders flotte Reaktionszeiten sorgen. Ob das ausreicht um den genannten Geräten Konkurrenz zu machen, erfährst du im nachfolgenden Testbericht.

Icarus Illumina Bildergalerie

Unboxing & Verarbeitung

Der Illumina wird in einer für Icarus typisch hübschen Verpackung geliefert, inkl. Micro-USB-Kabel, Quick-Start-Guide und Bedienungsanleitung in englischer Sprache. Die Anleitungen sind aber ohnehin nach dem ersten Systemupdate veraltet, denn die neue Firmware (die hier im Test beschrieben wird), ist in einigen Bereichen anders aufgebaut.

Gleich beim Auspacken macht der Icarus Illumina einen tollen Eindruck, denn der 6 Zöller wirkt sehr solide. Nicht klappert, wackelt oder knarzt und auch das mattschwarze Gehäuse weiß zu gefallen. Wie auch die Front besteht die Rückseite aus einem matten, schwarzen Plastik, wobei man Fingerabdrücke hier etwas besser zu sehen scheint.

Die Bauform des Geräts ist dabei wie bei den anderen Android eBook Readern eher ungewöhnlich, denn in Zeiten von tastenlosen Designs, gibt’s auch beim Illumina ein paar Hardwareknöpfe. Links neben dem Bildschirm befinden sich Blättertasten und ein Knopf zum manuellen Aktualisieren des E-Ink Displays, auf der rechten Seite des Displays sitzen nochmal zwei Blättertasten und ein Zurück-Knopf zur Android-Navigation. Somit eignet sich das Gerät für Links- und Rechtshändler gleichermaßen. Unter dem Bildschirm gibt’s keine Knöpfe.

Die Tasten links und rechts neben dem Bildschirm lassen sich gut bedienen

Der Illumina misst 168x118x9 mm und ist zählt damit eher zu den kompakteren 6 Zoll eBook Readern. Mit dem Gewicht von 197 Gramm liegt das Gerät im Mittelfeld.

Obwohl der eReader einen kapazitiven Touchscreen nutzt, sitzt der Bildschirm ungewöhnlich tief im Gehäuse. Das kennt man in dieser Form eigentlich nur von eReadern mit Infrarot-Technik. Für den Lesebetrieb ist das aber im Grunde nur dann störend, wenn die externe Lichtquelle sehr schräg auf’s Display fällt und eine Schattenbildung zur Folge hat. Ein solcher Lichteinfall kommt erfahrungsgemäß aber nur selten vor und kann von der eingebauten Beleuchtung kompensiert werden, sodass es in der Praxis keine Probleme gibt.

Der erste Eindruck des Icarus Illumina ist somit sehr gut – tolle Haptik, gute Verarbeitung und ein kompaktes Gehäuse mit Blättertasten.

Ausstattung

Der interne Speicher des Icarus Illumina beträgt 4 GB, wobei für die Befüllung mit eBooks rund 1,9 GB zur Verfügung stehen. Weitere ca. 1000 MB sind für App-Installationen vorgesehen, den Rest nimmt das Betriebssystem in Anspruch. Insgesamt können vom Nutzer also nicht ganz 3 GB genutzt werden. Bei Bedarf kann man den internen Speicher mit einer MicroSD-Karte um bis zu 32 GB erweitern, sodass es auch bei umfangreichen eBook-Bibliotheken zu keiner Speicherknappheit kommen sollte. Außerdem kann man dank Android Jelly Bean Anteile der installierten Apps auf die Speicherkarte verschieben, sodass für Programm-Installationen potentiell ebenfalls mehr Platz vorhanden ist.

Anschlüsse am unteren Geräterand

WLan zum Zugriff auf das Internet ist natürlich auch mit dabei, wobei der eingebaute Browser gute Dienste leistet. Auf einen vorinstallierten Google Play Store muss man im Gegensatz zum Onyx Boox T68 zwar verzichten, allerdings ist das System natürlich trotzdem offen für weitere App-Installationen. Dabei empfiehlt es sich auf alternative App-Stores z.B. von Amazon oder F-Droid zurückzugreifen. Die Auswahl ist dort zwar qualitativ etwas besser sortiert, allerdings ist die Anzahl der verfügbaren Programme deutlich geringer.

Für ausreichend Geschwindigkeit sorgt die Dual-Core CPU (Rockchip) die mit maximal 1 GHz taktet. Zur Seite stehen dem Chip 512 MB Arbeitsspeicher. Als Grafikchip (im eBook Reader eher unwichtig) kommt eine recht potente Mali-400 MP GPU zum Einsatz. Unterm Strich ist der Icarus Illumina damit der aktuell schnellste eReader am Markt.

Display & Beleuchtung

Der Icarus Illumina setzt auf die mittlerweile weit verbreitete E-Ink Pearl Technik. Das 6 Zoll Display des Geräts folgt damit vielen anderen eBook Readern. Erstaunlicherweise gibt es trotz der mittlerweile großen Verbreitung aber weiterhin deutlich sichtbare Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Geräten. Wir haben uns den Bildschirm des Illumina daher genauer angesehen.

Die Auflösung beträgt übliche 1024×758 Pixel, was zwar in jedem Fall ausreichend scharf (212 ppi) auch für kleine Anzeige- und Bedienelemente ist, aber jedenfalls nicht an den Onyx Boox T68 (265 ppi) rankommt. Im Gegensatz zum Onyx Gerät kann der Illumina allerdings mit dem sichtbar besseren Kontrastverhältnis punkten. Während es das Konkurrenzprodukt nur auf einen maximalen Kontrast von 9:1 bringt (ohne Beleuchtung), schafft es der neue Icarus eReader auf 12:1. Dieser Unterschied ist auch mit freiem Auge im direkten Vergleich deutlich sichtbar und sorgt dafür, dass der Icarus Illumina besser ablesbar ist.

Die Schrift am Icarus Illumina (rechts) ist sichtbar kräftiger als am Onyx Boox T68 (links)

Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung (höher ist besser)

  • Sony PRS-T2 13:1
  • Sony PRS-T3 12:1
  • ImCoSys ImcoV6L 12:1
  • Icarus Illumina 12:1
  • PocketBook Touch Lux 2 11,5:1
  • Tolino Shine 11:1
  • Kobo Glo 10:1
  • Onyx Boox T68 9:1

Damit reiht sich der Icarus Illumina in die immer größer werdende Reihe der E-Ink Pearl Geräte mit gutem Kontrastverhältnis ein. Der kapazitive Touchscreen scheint hierbei ganz offensichtlich kein Problem darzustellen, wobei man allerdings sagen muss, dass das engmaschige Sensorgitter besonders bei dunklen Hintergründen und „richtigem“ Lichteinfall dennoch erkennbar ist. Im normalen Lesebetrieb fällt es aber im Regelfall nicht auf. Positiv ist außerdem zu erwähnen, dass es im Gegensatz zum Onyx Boox T68 keine Probleme mit der Genauigkeit des Touchscreens gibt und auch an der Empfindlichkeit gibt es nichts auszusetzen.

Die Eingabe der virtuellen QWERTZ-Tastatur funktioniert gut, aber nicht ganz so gut wie bei einigen anderen Geräten. Tippt man die Buchstaben in verschiedenen Apps zu schnell ein, kommt es gelegentlich vor, dass einzelne „verschluckt“ werden.

Beleuchtung mit Vor- und Nachteilen

Mit aktivierter Beleuchtung verbessert sich der Kontrast des Icarus Illumina merklich, sodass es der eBook Reader auf ein hervorragendes Kontrastverhältnis von 13,5:1 schafft. Damit befindet er sich nicht nur am hohen Niveau des PocketBook Touch Lux 2, sondern ist auch dem Kindle Paperwhite dicht auf den Fersen.

Sehr gutes Kontrastverhältnis mit Beleuchtung am Icarus Illumina (links) im Vergleich zum Kindle Paperwite (rechts). Bei der Gleichmäßigkeit hat der Paperwhite aber klar die Nase vorn.

Kontrastverhältnis mit Beleuchtung (höher ist besser)

  • Kindle Paperwhite 2 15:1
  • PocketBook Touch Lux 2 14:1
  • ImCoSys ImcoV6L 13,5:1
  • Icarus Illumina 13,5:1
  • Tolino Vision 12,5:1
  • Tolino Shine 12:1
  • Kobo Glo 11,5:1
  • Kobo Aura 11:1
  • Onyx Boox T68 10:1

Leider muss ich an dieser Stelle zum ersten und wohl größten Kritikpunkt am Illumina kommen: Auch wenn die Beleuchtung den Kontrast merklich verbessert, die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung befindet sich nicht am gleichen hohen Niveau des Paperwhite. Wie schon der Vorgänger leidet auch der neue eBook Reader an den bekannten Farbwolken. Der Effekt ist besonders im direkten Vergleich deutlich sichtbar (siehe oben).

Die Beleuchtung könnte gleichmäßiger sein

Generell ist die Beleuchtung eher kühl, allerdings sind über den Bildschirm kleinere Bereiche mit unterschiedlichen Farbtemperaturen verteilt, die zu der genannten Farbwolkenproblematik führen. Immerhin kann man aber sagen, dass das Problem schwächer ausgeprägt ist als beim Vorgänger (und in den Fotos etwas stärker sichtbar ist, als in Natura) und erfahrungsgemäß fallen diese Ungleichmäßigkeiten nicht jedem Nutzer auf. Besonders bei vorhandenem Umgebungslicht sind die Farbwolken beinahe unsichtbar. Bei Dunkelheit empfiehlt es sich die Lichtstärke nach unten zu regulieren, sodass die Unregelmäßigkeiten etwas schwächer zum Vorschein kommen.

Unterm Strich ist die Beleuchtungssituation damit jedenfalls nicht optimal. Ob man die Verfärbungen als störend empfindet, kann man im Grunde nur durch eine eigene Testung herausfinden. Ist das nicht der Fall, dann darf man sich jedenfalls über das ausgezeichnete Kontrastverhältnis freuen.

Sehr gute Helligkeitseinstellung

Nun kommen wir wieder zu erfreulicheren Dingen: Bei bisherigen Android eBook Readern war die Lichtstärkeneinstellung nicht sonderlich komfortabel, denn die Minimalhelligkeit war ganz einfach zu hoch. Bei absoluter Dunkelheit können die Icarus-Konkurrenten somit durchaus ein wenig blenden, was für den unbeschwerten Lesebetrieb natürlich nicht besonders vorteilhaft ist.

Dies sollte beim Icarus Illumina jedenfalls nicht passieren, denn hier lässt sich die Beleuchtung auf einen hervorragenden Minimalwert von 0,7 cd/m² senken, was der zweitniedrigste Wert hinter dem Kindle Paperwhite ist. Dafür ist aber wiederum die maximale Bildschirmhelligkeit mit 68 cd/m² nicht so hoch wie bei der Konkurrenz. Darüber kann man in den allermeisten Situationen aber getrost hinwegsehen.

Maximale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (höher ist besser)

  • ImCoSys ImcoV6L 276
  • Kobo Glo 121
  • Kobo Aura 112
  • PocketBook Touch Lux 2 96
  • Onyx Boox T68 95
  • Kindle Paperwhite 2 91
  • Icarus Illumina 68
  • Tolino Vision 51
  • Tolino Shine 41

Minimale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (niedriger ist besser)

  • ImCoSys ImcoV6L 10.6
  • Onyx Boox T68 8.3
  • Kobo Glo 4
  • Tolino Shine 2.4
  • Tolino Vision 2.2
  • Kobo Aura 1.2
  • PocketBook Touch Lux 2 1.1
  • Icarus Illumina 0.7
  • Kindle Paperwhite (2013) 0.2

Auf eine PWM-Ansteuerung verzichtet der Icarus Illumina glücklicherweise.

Zwischenfazit zur Abbildleistung

Mit dem Illumina betritt ein weiterer Android eBook Reader das Feld und mit dem neuen Teilnehmer wird auch der Bild bei der Anzeigequalität ambivalenter. Während der Imcosys Imcov6l unterm Strich zwar eine positive Überraschung geboten hat, war die Grundhelligkeit einfach viel zu hoch. Der Onyx Boox T68 war dahingehend zwar besser (aber weiterhin zu hell), musste sich allerdings gleich wegen mehrer anderer Dinge (Kontrast, Farbverlauf, Touchscreengenauigkeit) Kritik gefallen lassen.

Beim Icarus Illumina hakt es wiederum an anderer Stelle: Während Kontrast und Helligkeit auf sehr guten Niveaus liegen, ist die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung nicht optimal. Immerhin kann man aber sagen, dass die beschriebenen Farbwolken nicht bei allen Helligkeitsstufen gleich stark sichtbar sind und somit nicht immer auffällig sind. Letztendlich kann man aber nur selbst feststellen, ob man dies als Problem wahrnimmt oder nicht.


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