Tolino Shine: ADB-Zugriff mit JTAG, kein schneller Root-Zugriff in Sicht

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Mit der Ankündigung der Tolino-Allianz beim Tolino Shine Android als Betriebssystem zu verwenden, waren die Hoffnungen in der Modding-Community groß, dass man schnell und einfach den Root-Zugriff auf das Gerät hinbekommen könnte. Dem war bisher leider nicht so. Der Tolino Shine ist auch nach über 100 Tagen am Markt weiterhin ein normaler Reader.

Das heißt allerdings nicht, dass findige Bastler/Hacker/Linux-Spezialisten nicht doch herumprobieren, den Tolino Shine zu rooten. „hecke“ von collector {dt.:Sammler} ist so jemand und hat die Erfahrungen beim Hacken des Tolino Shine in einem sehr ausführlichen Blogpost festgehalten. Dies bringt nun Licht ins Dunkel, wie es denn mit dem möglichen Root-Zugriff am Tolino Shine aussieht: Leider schlecht.

Kein einfacher Root-Zugriff

Durch die Nutzung eines bekannten Bugs ließ sich das Dateisystem des Tolino Shine auslesen – soweit es die Benutzerrechte zugelassen haben. Der Versuch mit einer selbst erstellten Update-Datei weiteren Zugriff auf das Tolino-Shine System zu bekommen schlug fehl, was aber erwartet wurde. Das Gerät besitzt einen gesperrten Bootloader, sodass nur signierte Firmwareupdates eingespielt werden können.

Letztendlich öffnete hecke den Tolino Shine um via JTAG-Connector Zugriff zu bekommen, was dann schließlich geklappt hat. Mit ein paar Änderungen ließ sich dann auch ADB aktivieren. Root-Zugriff lässt sich dann grundsätzlich einrichten, wenn man die Rechteverwaltung ensprechend anpasst. So weit ist es dann aber nicht mehr gekommen. Wie er in zwei Folgeposts erklärt, arbeitet hecke stattdessen an einem eigenen Kernel auf Basis geleakter Daten.

Der geöffnete Tolino Shine hat dann auch eine 4GB Speicherkarte als internen Speicher offenbart, welche das gesamte Betriebssystem beinhaltet. Benötigt man mehr internen Speicher, kann man den Inhalt auf eine größere Speicherkarte duplizieren und diese einfach austauschen.

Unterm Strich zeigt sich damit jedenfalls, dass der Tolino Shine wohl nicht so schnell und einfach gerootet werden kann, wie ursprünglich erhofft. Erst mit der JTAG-Verbindung kamen auch die großen Fortschritte beim Hacken des Geräts. Der Vorgang ist allerdings für Laien zu kompliziert. D.h. sofern keine Sicherheitslücke gefunden wird, kann man den Tolino Shine auch zukünftig vermutlich nicht mit einfachen Mitteln rooten.

Wozu Root am Tolino Shine?

Natürlich stellt sich immer die Frage, wozu man auf einem eBook Reader überhaupt Root-Zugriff benötigt. In erster Linie sollte ein eReader natürlich als Lesegerät dienen und vernünftig funktionieren. Und auch wenn dies beim Tolino Shine durchaus der Fall ist, das heißt natürlich nicht, dass es keinerlei Verbesserungspotential mehr gibt. Mit dem Root-Zugriff könnte man unabhängig von den offiziellen Software-Updates eigene Verbesserungen und Erweiterungen vornehmen und das System so den eigenen Bedürfnissen anpassen.

Sony PRS-T1 und PRS-T2 sowie die beiden Nook Touch eBook Reader erfreuen sich in der Modding-Community aufgrund ihrer Flexiblität großer Beliebtheit. Umso enttäuschender die Tatsache, dass der Tolino Shine so gut gesichert ist. Aus Betriebersicht macht das natürlich Sinn. Einerseits sichert man sich so gegen unötige Beschwerden von Kunden, die ihr Gerät mit erfolglosen Root-Versuchen ins virtuelle Nirvana befördert haben, andererseits bleibt die Integration des eBook-Anbieters unangetastet.

Unterm Strich also eine ernüchternde Angelegenheit und für den einen oder anderen Tolino Shine Besitzer vermutlich ein wenig enttäuschend.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren
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