Frankreich: Ein Viertel der eBook-Downloads illegal

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Illegal angefertigte Kopien digitaler Inhalte gibt es schon so lange wie PCs im hausgebrauch sind. Quasi alle Digitalformate, von Programmen, Spielen, Musik, Videos usw. sind davon betroffen. Seit dem es das Internet gibt, werden die Inhalte zu einem gewissen Prozentsatz gegen den Willen der Rechteinhaber auch über Tauschbörsen und andere Quellen unentgeltlich verfügbar gemacht. Abgesehen von Vertriebsweg ist aber auch das nichts Neues – ebenso wenig wie die Tatsache, dass dies auch beim eBooks laufend geschieht.

Es ist wohl eine der größten Sorgen des Buchhandels, der Verlage und Autoren, denn eBook-Dateien benötigen in aller Regel nur wenig Speicherplatz und sind dementsprechend sehr einfach zu kopieren. Die gängigen Kopierschutzmaßnahmen bieten hier nur einen oberflächlichen Schutz, der mit wenigen Klicks auszuhebeln ist.

Aus Frankreich bietet nun eine junge, repräsentative Studie genauere Zahlen zu dieser Thematik. So laden etwas mehr als ein Viertel (27%) der 1.000 befragten Personen eBooks auch über nicht-offizielle Kanäle. Circa die Hälfte der legal heruntergeladenen Bücher stammt aus eBibliotheken (52%), weitere 41% von den Webseiten der Buchhändler.

Die Studie gibt außerdem ein weiteres interessantes Detail preis: 10% der Befragten nutzen Handys oder Tablets zum Download von eBooks.

Man muss kein Hellseher sein, um bezüglich der Piraterie eine ähnliche Marktsituation bezüglich des deutschen eBook-Marktes zu vermuten. Auch wenn der eBook-Vertrieb einfacher als der multimedialer Inhalte ist, so sollte sich, wie schon die Film- und Musikbranche, auch der eBook-Markt der Nachfrage anpassen. Besonders der äußerst kritikträchtige Schutz der eBooks mittels DRM, und der damit verbundenen Einschränkungen, führt mitunter zu verstärkter Hinwendung illegaler Angebote.

Hartes DRM löst keine Probleme

Das klingt im ersten Moment paradox, erscheint allerdings bei genauerer Überlegung keineswegs abwegig zu sein. Harter Kopierschutz sorgt nämlich dafür, dass eBooks – im Gegensatz zum normalen Papierbuch – nicht (einfach) verliehen werden können und stellt zudem Techniklaien oftmals vor Herausforderungen bei der Nutzung. Einigen Umfragen im deutschen Buchhandel nach, betreffen die allermeisten Serviceanfrage bezüglich eBooks den DRM-Schutz. Andere Probleme bei der Nutzung digitaler Buchinhalte sind selten.

Mal abgesehen davon, dass mit DRM-Maßnahmen eigentlich nur die ehrlichen Käufer Schwierigkeiten bekommen, da illegale Downloads frei von solchen Hürden sind, schauen sich DRM-geplagte Nutzer bei Google auch schnell nach freien Alternativen um, bei denen es die genannten Nutzungsprobleme nicht gibt. Da stört man dann in Nullkommanix auf einschlägige Downloadseiten, die mit wenigen Klicks nutzbar sind – ganz ohne DRM-Generve.

Bei dieser ganzen Thematik sollte man aber einen wichtigen Punkt nicht vergessen: Nicht jedes illegal heruntergeladene Buch ist auch tatsächlich ein entgangener Verkauf. Einerseits gibt es viele Digitalsammler, die alle möglichen Inhalte herunterladen und dann eigentlich gar nicht konsumieren. Das wurde bereits mehrmals offensichtlich als diverse eBook-Pakete mit mehreren tausend Titeln illegal zum Download angeboten und laut Aussage der bereitstellenden Personen viele Male heruntergeladen wurden. Die Inhalte kann eine einzelne Person allerdings gar nicht alle lesen und dennoch zählt jedes einzelne eBook im Paket als illegaler Download.

Andererseits werden Papierbücher sehr häufig verliehen, sodass man hier ebenfalls von einem entgangenen Kauf sprechen müsste. Wenn jemand auf Empfehlung eines Freundes ein eBook illegal besorgt, das in Papierform eigentlich ohnehin verliehen worden wäre, dann fällt das letztendlich auch nicht ins Gewicht – der nicht gemachte Umsatz hat sich nur verlagert.

Generell kann man aber sicherlich auch festhalten, dass viele Buchliebhaber die Arbeiten der Autoren mehrheitlich zu schätzen wissen und dementsprechend auch von piratierten Angeboten absehen.